Antwort auf: Ich höre gerade … Jazz!

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gypsy-tail-wind
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Vorhin „Embraceable You“ von Sarah Vaughan, das jüngste Japan-Reissue – keine Ahnung, was da genau drauf ist, aber eine Live-Aufnahme ist es auf jeden Fall und Bob James (p), Herb Mickman (b) und Omar Clay (d) werden von Vaughan angesagt. Auf einem der ersten paar Stücke ist ein Trompeter/Sänger zu Gast, der Dizzy Gillespie sein könnte – oder doch eher Clark Terry, den ich grad im Ohr habe? Hank Mobley (Frontcover), Wade Legge, Lou Hackney und Al Jones (nur auf der Rückseite) sind jedenfalls nicht dabei – die Gillespie-Band von 1953 hat hier auch nichts zu suchen, denn die Aufnahme ist wohl aus Paris (Ansage von Vaughan) und von ca. 1967, wie Bruyninckx sagt, der den Trompeter als Clark Terry angibt, was ja auch eher meine Annahme ist (von der Trompete her sehr klar eigentlich, wie er so als Sänger/Spassmacher unterwegs war nach den Aufnahmen, die ich gut kenne – so bis 1961/62 – weiss ich zu schlecht, aber da dachte ich dann halt an Gillespie, dessen Name ja auch vorn drauf steht … aber das wird schon Terry sein). Seltsam – bei Sonny Lester war das ja Teil des (dubiosen) Geschäftsmodells – und schade, denn die Aufnahme hätte echt Besseres verdient! Bei Discogs ist eine LaserLight-Ausgabe (von 1996 aus den USA – gab’s das überhaupt?) als Master gelistet, bei der auf der Rückseite die Rhythmusgruppe (James, Mickman, Clay) nur für #1-10 (von 12) angegeben wird. Die Japan-CD von 2018, die ich gerade gekauft habe, verwendet das Cover des 2001er-US-Reissues (mit den zwei falschen Namen auf dem Cover) und packt das Album in eine Groove Merchant-Serie – das war ja eins von Lesters Chaoslabeln, aber ob es dort je herauskam? Bruyninckx gibt jedenfalls tatsächlich die LaserLight-CD als Veröffentlichung an (damals noch die einzige). Rätsel und eben: unverdient, denn die Musik ist echt gut und die ganzen Vernebelungsmanöver von Sonny Lester sind wirklich ätzend.

Jetzt einen Tag zu spät für René Thomas‘ Geburtstag das aktuelle Reissue von „TPL“, Thomas Pelzer Limited: René Thomas (g), Jacques Pelzer (as, ss, fl), Rein De Graaff (p), Henk Haverhoek (b), Jean Linzman (b auf einem Stück) und Han Bennink (d), aufgenommen am 26. Februar (das passt!) 1974 in den Reward Studios in Schelle. Komplett und in ansprechender Qualität habe ich das noch nie gehört … und klar, mit de Graaff und Thomas ist das etwas crowded – und Bennink hilft in der Hinsicht auch nicht. Aber die wissen eigentlich ganz gut, was geht und was nicht, und Thomas spielt in den Ensemble-Passagen meist eh ziemlich linear. Anderswo bricht dann alles auf, der feste Beat verschwindet … in „TPL“ (komponiert von Thomas-Louiss-Ponty, also hier eigentlich nur scheinbar das Titelstück) gibt es z.B. nachdem das Stück schnell swingt plötzlich eine freie Passage, aus der sich dann ein langsamer Rubato-Schluss entwickelt. Und weiter geht es dann mit „Star Eyes“, in dem Pelzer den Parker macht … da finde ich de Graaff dann wirklich etwas störend, zumal Thomas mit einem resonanzreichen, reicht „dreckigen“ Ton spielt, in dem viele Obertöne mitschwingen und es definitiv nicht auch noch ein Klavier braucht. Aber klar, das ist super und ich freue mich, das Album endlich da zu haben!

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"Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #165: Johnny Dyani (1945–1986) - 9.9., 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba