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Gerade das Bonus-Set, das vorn gar nicht drauf steht: Carmen McRae stand damals bei Decca unter Vertrag, ihr Set kam erst viel später heraus, als Verve und Decca zum selben Major gehörten. Weil ihr kleiner Pianist und ihr kleiner Drummer (ihre Worte) Mühe bekundeten, nach Newport zu gelangen, sind auf den ersten beiden Stücken – nicht zufällig weitherum bekannte Standards, nehme ich an – die Einspringer Junior Mance und Jimmy Cobb dabei, danach sind Ray Bryant und und Specs Wright dabei. Den Bass spielt fürs ganze Set, McRaes damaliger Ehemann Ike Isaacs. Fürs abschliessende „Perdido“ setzt sie sich dann noch selbst ans Klavier (mit Isaacs/Wright).
2002 erschien „Birds of a Feather“, das letzte Decca-Album von McRae, in der Verve LPR-Reihe – und war soweit ich mich erinnern kann das erste Album von ihr, das mir richtig gut gefiel (davor kannte ich aber bloss eine CD mit ihren Bethlehem-Sessions). Das finde ich nach wie vor ein superbes Album. Wirkt sie in Newport von A bis Z ziemlich überdreht, hat sie hier wieder alles im Griff. In der Band spielt einer unter dem Pseudonym (inkl. Anführungszeichen) „a tenorman“, der unschwer als Ben Webster zu erkennen ist. Don Abney, Mundell Lowe oder Barry Galbraith, Aaron Bell, Ted Sommer oder Nick Stabulas bilden die Rhythmusgruppe, auf ausgiebigsten Session, der sechs der zwölf Stücke entstammen, sind neben Irvin Markowitz (t) noch vier Hörner dabei, auf den beiden folgenden Sessions dann Markowitz, Al Cohn und Webster. Die Sax-Soli stammen alle von Webster, aber der Haupt-Event ist McRae selbst – dafür sorgt auch Ralph Burns mit seinen zurückhaltenden aber exzellenten Arrangements. Und dass es Songs über Vögel gibt, liegt bei dem Cover und Titel auf der Hand. Hoagy Carmichael ist mit „Skylark“ und „Baltimore Oriole“ gleich zweimal dabei, dazu gibt es u.a. „Bye Bye Blackbird“, „Flamingo“, „The Eagle and Me“ oder „A Nightingale Sang in Berkeley Square“.
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"Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #165: Johnny Dyani (1945–1986) - 9.9., 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba