Antwort auf: Ich höre gerade … Jazz!

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gypsy-tail-wind
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vorgarten

gypsy-tail-windDas ist neben dem Album mit Coltrane bei mir das einzige, das so halb geklickt hat (das mit Coltrane völlig, hat ein paar Jahre gebraucht, aber das ist längst kein Thema mehr) … sonst ist noch „Unforgettable“ da, was nie funken mochte, und seit ein paar Monaten diese Blue Note-Compilation-CD von den Japan-Aufnahmen.

UNFORGETTABLE ist ja auch eine kompilation, wie ich gerade erst gemerkt habe – eine auswahl aus den beiden abc-alben I LOVE EVERYBODY und UNFORGETTABLE SONGS. ich habe noch die beiden perception-alben aus den 70ern, mit tollen bands, leider in einer minderwertigen cd-ausgabe – und das roost-album I THOUGHT ABOUT YOU (das war das vor coltrane). aber so richtig gut finde ich nur noch das dritte impulse-album:

johnny hartman, the voice that is (1964)

die frisur deutet an, dass hartman zu altmodisch für seine zeit wird, auch wenn sein material mit mancini und sogar morricone anreichert. tatsächlich gelingen hier wieder klassische standards, „my ship“ und „it never entered my mind“, das von gene lees verhunzte „waltz for debbie“ immerhin in einer klavierbegleitung von hank jones – aber es gibt noch eine zweite session mit latin-percussion und „joey“ von loesser und dem tollen „slow hot wind“. das funktioniert nicht so richtig, aber ich bin froh, dass ich das habe. richard davis spielt hier übrigens mit, in beiden sessions.

Hm, ich hab noch die zwei frühen Bethlehem-Alben (war mal eine Phase, als ich diese Avenue Jazz/Rhino-Reissues sammelte, die so 1999/2000 herauskamen) „Songs from the Heart“ und „All of Me“, letzteres ein Crooner-Album. Die hab ich überhaupt nicht mehr im Ohr, wirklich gezündet haben die also definitiv nicht. „The Voice That Is“ kenne ich leider bisher nicht … und dass „Unforgettable“ eine Compilation ist: hm, „Unforgettable Songs“ ist ja komplett drauf, dazu halt ein paar Bonustracks, die auch am Ende stehen, aber seltsamerweise ist das Programm von „Unforgettable Songs“ völlig umgestellt worden … Reissue mit Bonustracks, das durch die Programmierung zur Compilation wird? Ist ja egal, kann man ja beim Abspielen so programmieren, dass man „Unforgettable Songs“ in der ursprünglichen Konfiguration hören kann. Hatte ich auch nicht mehr präsent, das werde ich dann berücksichtigen, wenn ich die Alben wieder anhöre. Und „The Voice That Is“ versuch ich mal noch aufzutreiben!

Bin jetzt hier:

Da sind die drei Alben drauf, die ich alle schon einzeln hatte, aber halt auch noch 12 Tracks aus den früheren Jahren, ein erster von 1941 mit den Savoy Sultans, dann „The Blues“ mit Ellington (Carnegie Hall, 23. Januar 1943 – grossartige Performance … vielleicht wird sie bei Wiki als Bluessängerin tituliert, weil „The Blues“ ihr wichtigstes Feature bei Ellington war? :scratch: ), dann eine Apollo-Session mit einer Earl Hines Combo von 1944 (Ray Nance, Johnny Hodges, Flip Phillips, Al Casey, Oscar Pettiford, Sid Catlett – eine bessere Combo kann man sich kaum vorstellen, gibt auch vier stücke und das erste ist wieder … ein Blues), dann zwei Rhythm-Aufnahmen (San Francisco, auch 1944) mit McVea-Bailey Inc von Jack McVea und Buster Bailey (plus Cappy Oliver, Ram Ramirez, Frank Clarke am Bass [@redbeans!] und Rabon Tarrant, ein Stück mit Gerald Wilsons Big Band von 1945 (Excelsior, Los Angeles) und drei von einer Reunion mit Ellington aus dem Jahr 1952 (Columbia), wo sie dann neben Jimmy Grissom sang.

1944 sang sie neben Al Hibbler – wobei mir die Chronologie nicht ganz klar ist, Vorgänger*in waren Ivie Anderson und Herb Jeffries, bei dem ich ja auch grad wieder mal war … auf den sehr guten World Transcriptions (Circle) ist Roche die einzige Stimme, abgesehen von Ray Nance, der hie und da auch sang. Danach wird’s neben Al Hibbler unübersichtlich: Winnie Johnson („Wini“?), Norma Gray, dann Joya Sherrill (von der hier auch ein schönes Album rumliegt), parallel auch Kay Davis (die waren dann mit Hibbler zu dritt), dann taucht noch eine Mary Ellington auf – statt bzw. mit Sherill (dann waren sie auch mal zu viert – da sind wir so Januar bis April 1945) … und dann geht es mit den ganzen Treasury Shows los (Hibbler, Sherrill und Davis, manchmal auch Mary Ellington, die im Juni/Juli von Marion Cox abgelöst wird).

Ende 1947/Anfang 1947 sind’s dann Hibbler/Davis, dann wird Hibbler mal kurz von Chester Crumpler ersetzt, ist dann wieder zurück, Dolores Parker wird (neben Davis) die zwei Sängerin bzw. eher die erste, Davis taucht seltener auf. Hibbler ist in der Zeit die Konstante, Parker wird irgendwann 1948 von Lu Elliott abgelöst, Davis ist auch immer noch dabei, dann hat Ende 1950/Anfang 1951 Yvonne Lanauze ein Intermezzo (übernimmt für Davis und Elliott), bevor 1951 Thelma Carpenter (or Louis Armstong All Stars fame) an Hibblers Seite aufkreuzt. Norma (Nora?) Oldham ist ihr Ersatz, dann taucht auch ein Lloyd Oldham auf … und 1952 gibt es dann – nach all den Jahren mit Hibbler als Konstante – wieder Roché mit Jimmy Grissom. Roché ist bald wieder weg, Grissom bleibt bis 1956, ist noch in Newport dabei.

Für „A Drum Is a Woman“ kehrt Joya Sherrill zurück – neben Margaret Tynes und dem neuen Sänger Ozzie Bailey. 1957 gibt es dann Grissom und Bailey (zwei Sänger und keine Sängerin – ich glaub eine neue Konstellation). Bailey ist dann wohl der einzige Sänger, bis 1958 mit Lil Greenwood auch wieder eine Sänger auftaucht – aber in Europa im November 1958 ist wohl wieder nur noch Bailey dabei, und der Gesang wird abgesehen von Live-Tourneen eh unwichtig, live ist es halt eine Abwechslung zwischendurch (das hielt Basie ja in der Zeit ähnlich, hatte da grad noch Joe Williams, aber nach dessen Weggang auch keine Leute mehr, die sich wirklich durchsetzen konnten).

Bottom line: Betty Roché ist für meine Ohren nach Ivie Anderson die wirklich starke Sängerin bei Duke Ellington, Joya Sherrill wäre wohl die nächste im Ranking. Hibbler und Grissom finde ich beide, wie man so sagt, „an acquired taste“ – acquiriert habe ich den bisher aber so richtig nur mit dem völlig aus der Zeit gefallenen Album, das Hibbler als Co-Leader mit Roland Kirk gemacht hat. Das ist tatsächlich ein Favorit, auch wenn es nicht allzu regelmässig läuft. (Und Herb Jeffries war halt nur kurz dabei, der hat für meine Ohren einen zugänglicheren Stil.) Hmmmm … Roché ist jedenfalls klasse und es ist echt schade, dass sie nach den drei Alben (1956, 1960 und 1961) nicht weiter machen konnte (wollte?) – sie starb jedenfalls 1999 mit 79 Jahren.

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"Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #165: Johnny Dyani (1945–1986) - 9.9., 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba