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Das ist neben dem Album mit Coltrane bei mir das einzige, das so halb geklickt hat (das mit Coltrane völlig, hat ein paar Jahre gebraucht, aber das ist längst kein Thema mehr) … sonst ist noch „Unforgettable“ da, was nie funken mochte, und seit ein paar Monaten diese Blue Note-Compilation-CD von den Japan-Aufnahmen.
Hier läuft ein Favorit:
Betty Roché – Take The ‚A‘ Train | Roché war in den Vierzigern in ein paar der besten Bands – leider bei Ellington 1943/44 in der Zeit des ersten Recording Bans und so konnten ihre wichtigsten Features nie im Studio aufgenommen werden. Immerhin gibt es inzwischen ordentlich Radio- und Live-Material, auf dem sie mit Ellington gehört werden kann. Unter eigenem Namen machte sie 1956 dieses erste Album für Bethlehem und dann Anfang der Sechziger noch zwei für Prestige. Sie springt sehr frei mit dem Material um, improvisiert, mal mit Melodien und den Linien, dann auch mit Scat-Gesang … und hat hier eine klasse Band an ihrer Seite, in der das Vibraphon von Eddie Costa den Unterschied macht, auch wenn Conte Candolis Trompete in Sachen Soli und Obbligati die wichtigste Rolle einnimmt. Donn Trenner (Ehemann von Helen Carr, einer anderen exzellenten, vergessenen Sängerin, die gleich ihre ganze Diskographie – ein 10″ und ein 12″-Album – bei Bethlehem herausbrachte) sitzt am Klavier, Whitey Mitchell (der Bruder von Red) spielt den Bass, am Schlagzeug sitzt ein (mir) unbekannter, Davey Williams. Los ghet es mit dem „A-Train“, einem ihrer Paradestücke bei Ellington, aus dessen Repertoire direkt „Something to Live For“ und „In a Mellow Tone“ folgen, dann nach „Time After Time“ noch der „Go Away Blues“, bevor die erste Albumseite mit „Can’t Help Lovin‘ That Man“ (für meine Ohren mit Billie Holiday verknüpft) endet. Auf der zweiten Hälfte gibt es dann ein paar Standards („Route 66“, „All My Life“) zum Auftakt, gefolgt von Helen Carrs „I Just Go the Message“ (noch ein Eintrag für den Komponistinnen-Faden, falls das Cover der Kollegin Roché mit Ehemann Trenner am Klavier das Stück schon zum Standard macht? Gemäss dem LoC-Copyright-Register ist der Eintrag vom Oktober 1956, also ein halbes Jahr nachdem Roché den Song aufnahm), dann noch zweimal Ellington („All Too Soon“ und „You Don’t Love Me No More“) und zum Ausklang „September in the Rain“. Meine CD von 2000 (Avenue Jazz/Rhino) enthält dann noch Alternate Takes Nr. 2-4 von „I Just Got the Message“ (Nr. 2 und 3 in einem Track, der erste ein False Start) – nicht wie vermerkt von „Go Away Blues“. In meine Bestenliste kommt das (und Roché generell) wohl nicht ganz, aber ich mag dieses Album schon sehr gerne. Sie ist zum Zeitpunkt der Aufnahme schon 38, hat grosse Erfahrung, braucht sich von niemand was sagen zu lassen – springt sehr frei und sehr souverän mit dem Material um – und tut wohl all das, was man an Jazzsängerinnen, die sich eben nicht nur das Material aneignen je nach Standpunkt halt eben so schlimm finden kann … für meine Ohren funktioniert das prächtig!
Die zwei Prestige-Alben sind mir weniger vertraut, aber ich mag sie auch gerne. Rätsle gerade ein wenig, warum Wiki sie als „blues singer“ führt … aber ich brauch ja nicht alles zu verstehen
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"Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #165: Johnny Dyani (1945–1986) - 9.9., 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba