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In dem großen „Disco“-Topf wird halt vieles zusammengeworfen, was doch bei näherer Betrachtung recht unterschiedlich ist. Zwischen den hocheleganten und musikalisch innovativen Aufnahmen von Chic bzw. Rogers/Edwards und Novelty-Abstrusitäten wie Rick Dees berüchtigtem „Disco Duck“ lagen doch Welten. Erstere waren popkulturelle Statements, die über alle Genre-Grenzen hinaus einflussreich waren, und letzteres einfach ein Dranhängen an einen Trend. Ähnliches ist es mit der Disco-Kultur – auch zwischen dem Studio 54 und der Dorf-Disco in Schrobenhausen lagen Welten.
Disco war von seinem Ursprung her tatsächlich Musik einer Subkultur, die so ganz anders war als die in den frühen 70ern kulturell dominierende Rock-Szene (vorrangig weiß, männlich, hetero, Ausnahmen bestätigten die Regel). Das gab dem „Disco Sucks“-Backlash und der berüchtigten Disco Demolition Night von 1979 einen unangenehmen Beigeschmack, auch wenn zu dem Zeitpunkt Disco tatsächlich alles beherrschte und der Markt übersättigt war.
Disco hat natürlich auch viele Glücksritter weltweit angezogen. Nachdem er sich mit seinem Erfolgspartner Michael Holm zerstritten hatte (es ging um eine Frau), hat beispielsweise Giorgio Moroder das Schlager-Schiff, dessen Sinken abzusehen war, verlassen und auf dem Disco-Dampfer angeheuert (excuse the pun ;)). Da er aber Krautrock-Erfahrungen mit ins Spiel brachte und mit Donna Summer eine ganz große Sängerin entdeckte, wurde daraus etwas, was weltweit beeindruckte. Brian Eno hörte nicht umsonst den Sound der Zukunft, als er erstmals „I Feel Love“ hörte.
Hinter „I Love To Love“ (das für mich eher disco-fizierter Girl Pop als ein „richtiger“ Disco-Track ist) steckte auch eine interessante Persönlichkeit, der Londoner Produzent Biddu, dem wir auch „Kung-Fu Fighting“ verdanken. Er stammte aus Indien und hat nach dem Ende der Disco-Ära viele indische und ostasiatische Künstler produziert.
1976 hörte man in Island auch erstmals eine Stimme im Radio, die quasi zum Markenzeichen des Landes wurden. Und was sang sie … ? :)
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