Antwort auf: Ich höre gerade … Jazz!

#11903453  | PERMALINK

soulpope
"Ever Since The World Ended, I Don`t Get Out As Much"

Registriert seit: 02.12.2013

Beiträge: 56,976

vorgarten george adams don pullen quartet, jazzbühne berlin ’88 (1991) dannie richmond stirbt am 16. märz 1988 überraschend an einem herzinfarkt (weder er noch adams noch pullen erreichen die 60-jahre-schwelle, es wirkt wie ein fluch). keine drei monate später tritt das quartett mit lewis nash im ostberliner friedrichsstadtpalast auf. nash am beginn seiner karriere, nach der betty-carter-schule und ein paar jahren als erster drummer des branford-marsalis-quartetts. er ist super hier, auch wenn er den verschrobenen r&b-backbeat in „mr. smoothie“ nicht hinbekommt, aber das 40-minuten-energy-playing über „thank you mr. monk“ (mit einem langen solo-teil von pullen, zugegeben – ein kabinettstück für sich) in rasender geschwindigkeit kriegt er mit jugendlicher fitness gut hin. was aber wirklich erstaunt, ist, wie inspiriert pullen, adams und brown hier spielen – das erscheint wie ein trotziges jetzt-erst-recht, und völlig egal, ob der drummer sich einfügt. ein atemberaubendes dokument, und man kann nur spekulieren, wie dieser feuerball auf ein ddr-publikum im juni 1988 traf. adams läuft off-mic im palast herum, pullen clustert lange passagen lang, als wollte er spuren auf dem klavier hinterlassen, und brown legt einen druck auf alles, was hier unbedingt gesagt werden muss – das ist kein gewöhnliches konzert. gepresst für die schnelle selbstbereicherung, aber wie gut, dass es dieses dokument gibt (ich hab es mal in einem berliner ramsch gefunden – und später nochmal in einer bibliothek, wo es hingehört.)

Ich kenne diese Aufnahmen leider nicht, schätze jedoch Lewis Nash aus seiner „Lehrzeit“ bei  Betty Carter und kann ihn mir hier – wie von Dir beschrieben – ganz gut vorstellen ….

--

  "Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit" (K. Valentin)