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Ich hab mich ja schon öfter über die Programm“politik“ in Zürich, was Jazz angeht, beschwert … konkret meine ich: das Moods, der einst wichtig(st)e Jazzclub der Stadt, der den Titel immer noch beanspruchen kann, weil er keine Konkurrenz hat, bringt kaum noch Jazz, was er bringt ist in der Regel Mainstream bis Mutlos bis Kommerziell, er wird aber von der öffentlichen Hand unterstützt und ist im Bereich ein Grossunternehmen. Die Programme des neuen Taktlos sind zwar in Ordnung, aber auch alles andere als mutig, fürs Unerhört gilt dasselbe, und es ist zudem etwas herangewachsen, was man etwas negativ durchaus als Filz betrachten kann (und ja, da hockt Intakt mittendrin, quasi die Spinne im Netz) … es gibt auch die kleineren Dinge (das gerade erneut verpasste Zwei Tage Zeti Festival, dem ich vor dem Billy Hart Quintet – das ja leider das Jorge Rossy Quintet war – hätte den Vorzug geben sollen, die Werkstatt für Improvisierte Musik und ein paar weitere), aber da gibt es massive Unterschiede, was die Fördermittel und die Budgets angeht … und ich hinterfrage halt, dass ein Mainstream-Betrieb subventioniert werden muss. Klar, konsequenterweise gilt die Frage auch für die Klassik-Welt, auch da wäre ich bei den wichtigsten Institutionen – in Zürich sind das die Oper und das Tonhalle-Orchester – für eine massiv wagemutigere Programmgestaltung. Natürlich hängt auch das Stadttheater mit drin (Schauspielhaus Zürich), wo jetzt aber ein Experiment läuft, das wenigstens den Versuch wagt, wieder ein Theater für die ganze Stadt zu machen/sein/öffnen, während die ehemalige Leiterin gerade in Basel todlangweilig-konventionell Oper inszeniert – aber auch da der Filz: es sind überall dieselben Leute, die das selbe Zeug machen). Ein Anlauf, anhand eines Gutachtens/Berichtes die Kulturförderung in der Stadt mal ein wenig zu straffen, wurde jedenfalls noch von den zuständigen Ämtern wieder gestoppt (Angst vorm eigenen Mut? Im Bericht, der dann – es gibt ein Gesetzt, das das Öffentlichkeitsprinzip für amtliches Handeln regelt – von einer Zeitung freigepresst werden musste, steht manches Richtiges, aber das sind dann grosse Fragen, zu denen ich mich auch nicht in jeder Hinsicht kompetent fühle (z.B. freie Szene, Tanz-Szene) … aber dort, wo ich als Besucher eng dran bin, überall zwar was finde (im Moods allerdings verdammt wenig – da wurde z.B. letztes Wochenende jaimie branch als die neue grosse Sensation präsentiert … man schlief halt etwas länger als alles anderen und merkte es erst, als eigentlich alles schon wieder vorbei war – und dafür kriegt man eben Subventionen), finde ich auch vieles, was ich aufbrechen würde. Das Gebotene hat sehr oft keine Relevanz, reine Repertoirepflege ist je nach Betrieb sicher auch ein Wert (in der Klassik etwa, wo es die Werke ja immer wieder neu zu erfinden gilt, im Stadttheater sehe ich das anders, man kann ja auch irgendwo einen kleinen Oma-Opa-Theaterbetrieb mit Goetheschillerlessing und Guckkastenbühne machen, damit diejenigen versorgt sind, die dem Neobiedermeier anhängen – aber das sollte nun nicht die Hauptkompetenz eines subventionierten Betriebs sein, ein Stadttheater sollte Raum bieten für allerlei, auch für Diskussionen und Interventionen, wie etwas Schlingensief sie machte).
Grosse Diskussion, zu der ich auch keine fertigen Lösungen habe, aber mehr Mut auf allen Seiten wäre schön. Viel, viel, viel mehr Mut!
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"Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #162: Neuentdeckungen aus dem Katalog von CTI Records, 8.4., 22:00; # 163: 13.5., 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba