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clasjaz
joliet-jake
gypsy-tail-windHORACE PARLAN QUINTET 12. Oh So Blue (Leon Mitchell)
Phantastisch!
Ja, besonders, wie Parlan gerade sein Solo aufgenommen hat, als nehme er flink eine Dame bei der Hand, ohne dass sie weiß, wie ihr geschieht. Das alles ist sehr „freundliche“ Musik, liegt’s an Parlan? Ich erinnere seine Sachen mit Shepp nicht sehr gut, habe sie lange nicht gehört, das dürfte aber eine ganz andere Alliance gewesen sein?
Ich bin gerade etwas im Rätseln über Stanley Turrentine, sein Ton hier ist mir zu unverbindlich; irgendwie denke ich an George Adams, aber nur, weil er auch kein Kraftprotz ist, und dennoch selten unverbindlich – und mit mehr Luft. Bei Donaldson ging’s mir ähnlich und trotzdem höre ich ihnen gerne zu.
Die Einführungen zu den Stücken finde ich großartig, im Stück davor gefiel sie mir fast besser als die Musik selbst. Verschwiegener Rhythmus im Sprechen ist immer interessant. Vielen Dank!
Wir hatten’s im Jazz-Hörthread die letzten Tage auch von Shepp/Parlan (und es entstand dann ein neuer Shepp-Thread) – ich tue mich mit dem späten (neoklassizistischen) Shepp (so ab Ende 70er) sehr schwer, kann das nicht gänzlich rational erklären, aber das geht auch über das Rationale hinaus (sein Ton fühlt sich streckenweise für mich so angenehm an, wie das Geräusch von Fingernägeln auf einer Wandtafel – die Metapher stirbt auch mit uns aus, wer weiss heute noch, was eine Wandtafel ist bzw. eine solche, auf der man mit Fingernägeln grausliche Geräusche erzeugen konnte?) – aber gut, ich kenne von Shepp/Parlan tatsächlich nur ein eher zufällig erstandenes Album mit einem Live-Mitschnitt aus Zürich, die „Grosstaten“, die vorgarten und soulpope lieben, sind mir gänzlich unbekannt. Das sollte ich wohl gelegentlich ändern, aber es gibt halt immer so viel Musik zu hören.
Was Turrentine betrifft, den ich durchaus eine frühe Liebe nennen darf (das Doppelalbum „Up at Minton’s“ kaufte ich in den späten Neunzigern in Athen auf Klassenfahrt, wir hören ganz am Ende eine Kostprobe daraus und nächsten Samstag die nächste, ein weiteres Highlight spare ich mir noch für später auf), den verstehe ich auch nicht ganz. Will sagen ich verstehe jeden, der ihn langweilig findet, er ist gewiss kein grosser Virtuose, aber sein Ton, kombiniert mit der Phrasierung und dem Gewicht, das er all dem gibt (ohne dass er dabei je schwergewichtig wirken würde – im Gegenteil zu Booker Ervin jetzt gerade!) … das packt mich doch, vermutlich auf eine ähnliche (und doch völlig andere) Weise, wie es die „alten“ Tenorsaxophonisten, die mit einem Fuss im Rhythm & Blues stehen, zu tun vermögen (ich denke an Musiker wie Al Sears, Jimmy Forrest, Buddy Tate, Arnett Cobb, Illinois Jacquet …).
Und Dein letzter Absatz beschämt mich, ich dachte zunächst, Du schreibst über Parlans Klavier-Intros
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"Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #165: Johnny Dyani (1945–1986) - 9.9., 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba