Antwort auf: 05.01.2017: My Life 59 | Raw Air 103 | gypsy goes jazz 42

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DUKE ELLINGTON
11. Afrique (Duke Ellington)

Cat Anderson, Cootie Williams, Mercer Ellington, Fred Stone, Nelson Williams (t), Chuck Connors, Booty Wood, Malcolm Taylor (tb), Russell Procope (as, cl), Norris Turney (as, ts, cl, fl), Harold Ashby (ts, cl), Paul Gonsalves (ts), Harry Carney (bari, cl, bcl), Wild Bill Davis (org), Duke Ellington (p), Joe Benjamin (b), Rufus Jones (d)
Rhenus Studio, Köln, 9. Juli 1970
von: The Duke Box 2 (Storyville, 7 CD + DVD, 2016)

Storyville war einst eines der wichtigeren Labels, dokumentierte in den Siebzigern und Achtzigern einiges an Mainstream-Jazz im weitesten Sinne, bot auch Bebop-Veteranen ein Dach und gab Aufnahmen mit traditionellem Jazz neu heraus. Duke Ellington war beim Label immer schon wichtig, von ihm erscheinen auch nach dem Tod des Gründers noch neue Veröffentlichungen, während sich das Label sonst vor allem auf das Neuverpacken des eigenen Kataloges verlegt hat. Für jüngere Jazzfans wie mich nicht nur bedauerlich, denn vieles ist wieder greifbar – oft in günstigen Boxen wie dieser jüngsten, der zweiten Duke Ellington gewidmeten.

Ein Track, der mich beim ersten Hörgang durch die ganze Box sehr beeindruckte, ist „Afrique“, 1970 im Studio von Conny Plank in Köln eingespielt – allerdings nicht, wie eine Vinyl-Ausgabe von 2015 marktschreierisch behauptete, in Zusammenarbeit von Ellington und Plank. Ellington produziert nach seinem Weggang von Sinatras Label Reprise 1966 vornehmlich selbst und verkaufte seine Sessions dann an verschiedene Label. Auch nach dem Tod des Duke tauchten noch viele Aufnahmen auch, die z.B. bei Fantasy oder Storyville, aber auch in der zehnteiligen „Private Collection“ bei Saga Jazz/WEA erschienen sind. „Afrique“ stammt von einer solchen Session, von Ellington – halt eben in Köln im angemieteten Studio von Plank – produziert. Wir hören die späte Band mit Wild Bill Davis an der Orgel und einem grossartig aufgelegten Rufus Jones am Schlagzeug. Die Band rifft (Harry Carney am Barisax!) über einen Beat, der in rollenden Wellen hereinbricht und vom nervösen Spiel von Joe Benjamin am Bass weiter angefeuert wird. Ellington hämmert Töne, da und dort bricht ein Riff durch, Davis kann sich gerade noch zurückhalten und nicht das ganze Motiv der Titelmelodie von „Peter Gunn“ spielen, die Posaunen schnarren durch ihre Dämpfer, dann kündigen die Saxophone den Solisten aus den eigenen Reihen an: Paul Gonsalves. Dieser grossartige Tenorsaxophonist war von 1950 bis zu seinem Tod 1974 (zehn Tage vor dem Duke) in der Band und wurde unsterblich durch sein Solo in Newport 1956 über „Diminuendo in Blue“ und „Crescendo in Blue“ (das Solo war eigentlich nur das Bindeglied zwischen den beiden Stücken).

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"Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #165: Johnny Dyani (1945–1986) - 9.9., 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba