Antwort auf: Vom regelgemässen (und anderen) Setzen von Tönen – Gedanken zum Komponieren

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gruenschnabel

Registriert seit: 19.01.2013

Beiträge: 6,129

Danke, clasjaz! Die Gould-Einspielung mit dem CBC Symphony Orchestra finde ich übrigens auch unglaublich toll – und das nicht deswegen, da sie womöglich weniger „exzentrisch“ ist als andere Mozart-Aufnahmen. (Ich habe gerade neulich die entsprechende 5CD-Collection Goulds als eines meiner 10 Inselalben aufgeführt. Und da sind eben auch die sehr umstrittenen Mozart-Sonaten etc. drauf.)
Aber um zum Thema ‚Komposition‘ zurückzukommen: Da lobt Gould also Melodien, Form, Architektur – um einfach unbegründet hinterherzuschieben, Mozart sei als Komponist ja gar nicht so doll. Nun ja. Dass er Homophonie und Mozarts angeblichen Hedonismus nicht so geschätzt hat – geschenkt. Und dann wundert es natürlich nicht, dass er sich dem „gedankenschweren“ c-Moll-Konzert mit seinen polyphonen Passagen, verhältnismäßig viel Chromatik usw. gewidmet hat. Aber was er dennoch hier konkret an der Komposition zu bemängeln hat, verschweigt er? Och komm, Glenn.
Da kann man zur Ehre Mozarts noch locker den bekannten Umstand einschieben, dass es Beethovens c-Moll-Konzert ohne das Mozarts schwerlich in dieser Form gegeben hätte – zu ähnlich sind die Unsisono-Anfänge der Streicher in beiden Konzerten mit der volltaktigen Aufwärtsbewegung vom Grundton über die Terz noch weiter nach oben. Beethoven zitiert Mozart hier nicht – bzw. wenn, dann mit eben diesem ähnlich instrumentierten kleinsten melodischen Anfangsstückchen -, aber er nimmt bei einem solchen gewichtigen Unterfangen wohl zweifellos Bezug auf ihn. Mozart scheint ihm da eine kompositorische Tür geöffnet zu haben, durch welche sein Weg dann weiterführt. Intertextualität in der Musik vollzieht sich manchmal – so wie hier – auf recht eindeutig belegbare Weise.

zuletzt geändert von gruenschnabel

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