Vorsicht, Ansteckungsgefahr! Der Zombiefilm-Thread

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    motoerwolf

    Registriert seit: 25.10.2006

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    Vor einiger Zeit wurde ich darum gebeten, eine Top 50-Liste der Zombiefilme zu erstellen. Ich stelle jedoch mal wieder fest, dass ich einfach ein generelles Problem damit habe, eine solche Liste zu erstellen. Ich kann ja nicht einmal einen Lieblingsfilm nennen, weder innerhalb eines Genres, dem Werk eines Regisseurs noch ganz allgemein. Ein echtes Ranking wird das hier demzufolge nicht, aber ich werde 50 Zombiefilme nennen, von denen jeder mich auf die eine oder andere Weise begeistert hat. Ich versuche trotz allem, eine grobe Gewichtung vorzunehmen, also meine liebsten Filme zuerst zu nennen. Hier die ersten fünf:

    Night of the Living Dead (Night of the Living Dead, George A. Romero, 1968)
    Von den Klassikern ist dieser allererste Zombiefilm (wenn man mit Zombies Untote / Infizierte meint) auch der erste, den ich gesehen habe. Nur Jacksons Braindead habe ich noch früher gesehen. Vom ersten Schauen an hat mich an Romeros Film fasziniert, wie politisch ein Film sein kann, in dem viele andere „nur“ einen Splatterfilm sehen wolllten. Ich habe jedoch NOTLD ungefähr zeitgleich mit der Serie NAM – Dienst in Vietnam (Tour of Duty) und Filmen wie Full Metal Jacket, Platoon und Hamburger Hill gesehen und fand die Parallelen recht eindeutig.

    Zombie (Argento Cut) (Dawn of the Dead, George A. Romero, 1978)
    Da ich mich recht früh dagegen entschieden habe, (bewusst) gekürzte Fassungen von Filmen zu schauen (Auslöser dafür war eine TV-Ausstrahlung con Cabal), hat es lange gedauert, bis ich endlich DOTD zu Gesicht bekam. Dank Internet und dem deutlich entspannteren Umgang Österreichs mit Gewalt in Filmen konnte ich die Lücke dann aber irgendwann schließen und wurde nicht enttäuscht. Auch Romeros zweiter Zombiefilm verbindet harten Horror mit einer politischen Aussage. Wie auch bei NOTLD ist diese eigentlich leicht erkennbar, aber der Film funktioniert ganz wunderbar auch für den, der den Subtext nicht mitbekommt. Interessant ist, dass sich die Untoten hier schon etwas von denen aus NOTLD unterscheiden. Waren sie zunächst reine Freßmaschinen, die nichts mehr mit den Lebenden gemein hatten als ihren Körper, so sind sie hier noch mit einem Rest Seele ausgestattet, wenn dieser auch nur in Konsumgeilheit besteht.

    Day of the Dead (Day of the Dead, George A. Romero, 1985)
    Hier wird es langsam wirklich schwierig, den Film nicht auch als politisches Statement zu sehen. Dieser Mangel an Subtilität im Vergleich zu den Vorgängern ist vielleicht das einzige Manko des Films, der völlig zu Unrecht immer ein wenig stiefmütterlich behandelt wird. Ich jedoch heiße Kritik am militärisch-industriellen Komplex stets willkommen :-) Ganz stark ist auch die Darstellung einer geschlossenen Gesellschaft, die auf eine Bedrohung nicht anders reagieren kann als mit ihrer eigenen Fragmentierung, die letztlich fast gefährlicher ist als die Untoten. Demgegenüber wird mit Bub die Evolution der Zombies weiter vorangebracht, denn dieser verfügt nicht mehr nur über Triebe, sondern auch über ein geringes Maß an Kognition und Emotion. Umso schwieriger wird die Unterscheidung zwischen Mensch und Zombie. Das ist böse, radikal und sehr pessimistisch.

    Braindead (Braindead, Peter Jackson, 1992)
    Der erste Zombiefilm, den ich im Kino sehen durfte. Romero, Fulci usw waren jabestimmt nicht zimperlich, was die Darstellung von Gewalt angeht, aber Jackson schlägt das alles locker. Gleichzeitig ist der Film aber auch unglaublich witzig, und auch wenn Braindead nicht die erste Zombiekomödie ist, ist sie doch in meinen Augen bis heute die gelungenste, weil kompromissloseste. So viele WTF-Momente in einem Film muss man erst mal toppen. Alleine die Versuche Lionels, „seinen“ Zombies ein Zuhause und Nahrung zu bieten…

    Ben & Mickey vs. The Dead (The Battery, Jeremy Gardner, 2012)
    Leider ziemlich unbekannt, ist B&MVTD nichts weniger als großartig. Die beiden Titelhelden driften ziellos durch ein entvölkertes Amerika, und mehr als die Zombies ist über weite Strecken die Langweile das große Problem der beiden. Ihr Leben ist reduziert auf das Überleben, doch das haben Ben und Mickey eigentlich mittlerweile gelernt. So schwierig ist dies ja auch nicht, denn es ist ja durchaus noch einiges an Infrastruktur vorhanden, die genutzt werden kann. Von einer Robinsonade ist man also weit entfernt, so dass auch immer wieder Zeit totgeschlagen werden muss, zum Beispiel mit Baseball. So vergehen die Wochen, bis die beiden durch ein Missgeschick in eine Situation geraten, die ihnen alle ihre Ressourcen fast völlig nimmt. Ab diesem Moment wäre es schon beinahe ein Euphemismus, wenn man von einem Kammerspiel spräche. Diese letzte halbe Stunde des Films lebt fast ausschließlich von Dialog und Mimik, und trotz dieser Reduzierung ist sie dramatischer, fesselnder und intensiver als so mancher Big Budget-Actionreißer. Und gerade in diesem Forum sei erwähnt, dass auch der Soundtrack ein Fest ist.

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    motoerwolf

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    Pontypool (Pontypool, Bruce McDonald, 2008)
    Horrorfilme, und ganz besonders Zombiefilme als Vertreter der Untergenres Splatter und Gore, wirken traditionell stark über die Bildebene. Wer einen Zombiefilm schaut erwartet daher normalerweise einen Film mit möglichst vielen drastischen Effekten und nicht wenige sogenannte Gorehounds ordnen alles andere diesem einen Aspekt unter. Pontypool unterläuft diese Erwartungshaltung fast vollständig. Der Film spielt fast ausschließlich in einem Radiosender, und der Ton, genauer: die Sprache, werden zum zentralen Element des Films. Nicht nur wird der größte Teil der klassischen „Zombieaction“ in Form einer Teichoskopie präsentiert (ohne dass dies auch nur eine Sekunde nach einer einfach nur kostengünstigen Lösung wirkt), sondern die Sprache hat auch einen wesentlichen Einfluss auf das Geschehen (mehr will ich nicht sagen, um nicht zu viel zu spoilern). Das soll aber nicht heißen, dass der Film keine guten Bilder zu bieten habe. Die Reduktion des Raumes erzeugt eine starke, klaustrophobische Stimmung, und auch die Schauspieler, besonders Stephen McHattie in der Hauptrolle, leisten verdammt gute Arbeit. Wer Berberian Sound Studio (Peter Strickland, 2012) mag, darf hier sicher mal einen Blick riskieren.

    Woodoo – Die Schreckensinsel der Zombies (Zombi 2, Lucio Fulci, 1979)
    Die italienischen Zombiefilme der Siebziger- und Achtzigerjahre sind oftmals reiner Trash (was nicht heißt, dass ich sie nicht mag). Fulcis Filme bilden hier in meinen Augen eine Ausnahme. Im Vergleich zu Regisseuren wie Umberto Lenzi oder Claudio Fragasso hat Fulci ganz klar mehr Stilbewusstsein. Er prägt das italienische Splatterkino, die anderen ahmen nach. Woodoo nenne ich hier als erstes, weil es sich dabei um den ersten der klassischen Italiener handelt (die älteren Zombiefilme von Franco, Grau und Merino sind zwar zumindest italienische Koproduktionen, aber stilistisch völlig anders) und weil er zudem auch als erster nicht nur exzessiv Gewalt zeigt, sondern hier bereits besonderes Augenmerk auf deren Folgen gelegt wird. Der Tot ist nicht länger nur brutal, er wird jetzt auch richtig eklig. Fäulnis und Verwesung sind hier mindestens so präsent wie rohe Gewalt. Apropos Gewalt: eine Szene sticht da besonders ins Auge und hat mein Kindheitstrauma, die Augenszene aus Ein andalusischer Hund (Luis Buñuel, 1929), erneut befeuert. Außerdem kann ich nicht umhin, die Haiszene zu nennen, die einfach genial ist.

    Deadgirl (Deadgirl, Marcel Sarmiento / Gadi Harel, 2008)
    Spätestens hier werden einige sicher die Lust am Horror verlieren. In Deadgirl finden zwei männliche Teenager eine gefesselte und nackte junge Frau, die sich als untot entpuppt. In ihrer toxischen Maskulinität haben die zwei natürlich nichts besseres zu tun als diesen Zombie zu vergewaltigen. Und ebenso natürlich geht das nicht lange gut. Selten war es verstörender, eine eigentlich attraktive Frau nackt zu sehen (wobei ich zugeben muss, dass ich fast keine Rape & Revenge-Filme kenne), und als Mann schämt man sich fortwährend für sein Geschlecht. Der Film fordert vom Zuschauer daher einiges an Leidensfähigkeit, aber wenn ein Horrorfilm uns nicht aus der Komfortzone holen darf, wer oder was dann?

    Return of the Living Dead 3 (Return of the Living Dead 3, Brian Yuzna, 1993)
    Aus der ROTLD-Reihe ist mir Teil 3 der liebste. Die Geschichte ist zwar nicht unbedingt originell, aber ich mag die fetischhaften, sadomasochistischen Aspekte des Films. Außerdem ist er im Vergleich zu seinen Vorgängern deutlich härter, was unter anderem am fehlenden comic relief liegt.

    Dead & Breakfast – Hotel Zombie (Dead & Breakfast – Hotel Zombie, Matthew Leutwyler, 2004)
    Leutwylers Film ist dagegen Komik pur. Die Kritiker haben wenig gutes über den Film zu sagen, ich aber empfand als zwar inhaltlich wenig originellen und oft Klassiker zitierenden charmanten Quatsch. Freilich sollte man wissen, worauf man sich einlässt, denn als Horrorfilm im eigentlichen Sinne taugt Dead & Breakfast nicht. Eher schon als Partyfilm. Ich denke, wenn ich sage, dass der Film immer wieder die Vierte Wand durchbricht, indem ein Countrysänger die Handlung kommentiert, dürfte jedem klar sein wohin die Reise geht…

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    motoerwolf

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    I survived a Zombie Holocaust (I survived a Zombie Holocaust, Guy Pigden, 2014)
    De Film erzählt die Geschichte eines jungen Mannes, der trotz seines Anschlusses an einer Filmhochschule nur als Laufbursche am Dreh eines Zombiefilms teilnehmen darf. Dort trifft er auf Filmschaffende, die sämtliche Klischees bedienen, die es über Schauspieler und Regisseure gibt. Leicht hat er es daher nicht am Set, aber immerhin trifft er auch eine Köchin, in die er sich sofort verliebt. All das tritt jedoch in den Hintergrund, als das Set von echten Zombies überrannt wird. Guy Pidgen stammt aus Neuseeland und hat mit ISAZH seinen ersten Spielfilm gedreht. Dass da Vergleiche mit Peter Jackson nahe liegen, dürfte Pidgen selbst sehr bewusst gewesen sein. Sein Held Wesley hat schon optisch etwas von Lionel aus Braindead, und auch der Humor von ISAZH hat gewisse Ähnlichkeiten mit Jacksons Frühwerk. Leider hat der Film auch ein paar Schwächen. Zunächst einmal ist er ein wenig zu lang geraten, und es sitzt auch längst nicht jeder Gag. Trotzdem mag ich ihn, er hat eben den Charme des Unperfekten. Und unperfekt darf er auch sein, wie gesagt, es ist ein Debutfilm, hinter dem kein großes Studio steht. Wenn Pidgen sich so steigert wie Jackson von seinem Erstling Bad Taste an, dann freue ich mich jedenfalls sehr auf seine weiteren Filme. Zur Sicherheit aber sei noch ganz ausdrücklich gesagt: ein Klassiker wie Braindead ist ISAZH nicht.

    Messias des Bösen (Messiah of Evil, Willard Huyck / Gloria Katz, 1973)
    Es ist lange her, dass ich diesen Film gesehen habe. Daher habe ich nicht mehr viele Details zur Handlung im Kopf, aber die ist meiner Meinung nach hier eh nicht so wichtig und meiner Erinnerung nach auch nicht ganz in sich logisch. Der Film lebt stark von seiner Atmosphäre, den wirklich tollen Bildern, insbesondere der Lichtsetzung. Es handelt sich bei Huycks Film auch eher um einen Gruselfilm als um einen, in dem Wert auf Splatter und Gore gelegt wird. Und zwar um einen, der vermuten lässt, dass den Machern bestimmte Drogen nicht ganz fremd waren. Auf jeden Fall ist Messias des Bösen näher an Rollin oder Franco (jeweils minus der Sexszenen) als an Romero. Huyck hat übrigens auch Howard the Duck gedreht, der innerhalb des Genres der Superheldenfilme auch eher außergewöhnlich ist.

    Das Leichenhaus der lebenden Toten (Non si deve profanare il sonno dei morti, Jorge Grau, 1974)
    Graus Beitrag zum Zombiegenre ist in meinen Augen ein völlig unterschätzter Klassiker. Er ist spannend, blutig und teilweise wirklich unheimlich, eine Qualität, die den Filmen Romeros eher abgeht. Dafür ist DLDLT wie dessen Living Dead-Filme sehr sozialkritisch, allerdings deutlich weniger subtil. Hier werden Umweltverschmuzung und der bedingungslose Glaube an den Segen der Radioaktivität thematisiert, etwas, das im Horrorfilm der Siebziger gar nicht mal so selten ist. Allerdings sind diese Filme dann meistens im Tierhorror angesiedelt. Neben der Umwelt greift DLDLT weitere Themen auf, die ganz zeittypisch sind. Den Konflikt zwischen Stadt und Land nämlich, und noch viel stärker den zwischen der progressiven Jugend und der reaktionären Elterngeneration, repräsentiert vor allem durch Vertreter der Staatsmacht. Von den heute vorgestellten Filmen ist dieser derjenige, den ich am ehesten auch Menschen empfehlen würde, die keine Genreliebhaber sind.

    Juan of the Dead (Juan de los Muertos, Alejandro Brugués, 2011)
    Ein kubanischer Zombiefilm mit homoerotischen Elementen. Muss man viel mehr sagen? Na gut. JOTD ist ein völlig überdrehter Splatterspaß, der sich nicht um politische Korrektheit oder die Grenzen guten Geschmacks schert. Allein der Umstand, dass die Zombies im Film von der kubanischen Regierung stets als amerikanisch gesteuerte Konterrevolutionäre / Dissidenten bezeichnet werden, ist ein wunderbarer Running Gag. Auch sonst gibt es wenige Gags, die nicht zünden. Es mag sicher nicht die populärste Meinung sein, aber mir hat Juan sogar etwas besser gefallen als Shaun of the Dead (der natürlich auch großartig ist).

    Fist of Jesus (Fist of Jesus, Adrián Cardona / David Muňos, 2012)
    Eigentlich gehört dieser spanische Kurzfilm nicht unbedingt in die Liste der besten 50 Zombiefilme, auch wenn er auf Festivals ziemlich erfolgreich war. Aber da Ostern ist und mit Jesus der wohl berühmteste Zombie der Geschichte die Hauptrolle spielt, musste ich ihn einfach heute nennen. Die Geschichte beginnt mit der Erweckung Lazarus´ von den Toten durch Jesus, aber anders als in der Bibel geht das hier ziemlich schief. Denn dummerweise war das Jesus´ erster Versuch eines solchen Wunders. Und so kommt es, wie es kommen muss, bald wimmelt es vor Pharisäerzombies, Römerzombies und, äh, Cowboyzombies. Das Ganze ist extrem kurzweilig, und zumindest bei den Splattereffekten haben sich die Macher wirklich Mühe gegeben. Dafür sehen z.B. die Uniformen der Römer so billig aus, dass man sich fast fremdschämen möchte. Wer nicht gerade ein christlicher Fundamentalist ist, sollte sich diesen fünfzehn minütigen Spaß ruhig mal geben. Das kann man zum Beispiel auf Dailymotion.

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    motoerwolf

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    One Cut of the Dead (カメラを止めるな! / Kamera o Tomeru na!, Shin’ichirô Ueda, 2017)
    Japanische Zombiekomödien sind mir bisher nicht besonders positiv aufgefallen. Stacy, Zombie Ass und wie sie alle heißen haben mich ziemlich kalt gelassen. One Cut of the Dead ist da ganz anders. Das fängt schon damit an, dass der dümmlich-verklemmte Sexploitationaspekt vieler japanischer Produktionen fehlt, was dem Film extrem gut tut. Außerdem gibt es zur Mitte hin einen Plottwist, der recht originell ist und den Film auf eine andere Ebene bringt, als der Zuschauer es bis dahin erwartet hat. Bis zu diesem Punkt muss man allerdings ein wenig Geduld mit OCOTD haben, der zunächst ein wenig verunglückt zu sein scheint. In gewisser Hinsicht ist er das auch, aber ganz anders, als man meinen könnte. Wem das hier jetzt alles zu kryptisch ist, dem sei gesagt, dass man den Film wirklich ohne weiteres Vorwissen schauen sollte, um sich selbst nicht um den vollen Genuss zu bringen. Daher schreibe ich nichts konkreteres, das wäre unfair euch gegenüber.

    The Dead (The Dead, Howard J. Ford & Jon Ford, 2010)
    The Dead ist ein sehr ruhiger Zombiefilm, und zwar in vieler Hinsicht. Es gibt nur wenig Dialog, nicht zuletzt weil es über weite Strecken des Films auch nur zwei Menschen zu sehen sind. Die sind zwar beide Soldaten, der eine jedoch ist Amerikaner, der andere gehört zu einer nicht genannten afrikanischen Armee. Zur Zusammenarbeit sind sie mehr oder weniger gezwungen und nähern sich einander nur langsam. Ruhig sind auch Kamera und Schnitt. Das funktioniert wunderbar, denn hier haben wir wieder die klassischen schlurfenden Untoten vor uns, nicht die Flitzer, die in modernen Zombiefilmen so beliebt sind (mit denen ich auch kein prinzipielles Problem habe). Es gelingt den Ford-Brüdern dabei wunderbar, eine bedrohliche Atmosphäre zu erzeugen, und das in einem ungewöhnlich Setting. Die afrikanischen Landschaften sind stark in Szene gesetzt, und kombiniert mit zwar relativ wenigen, aber sehr gut gemachten Splattersequenzen erinnert der Film mit seinen Bildern an das, was man z.B. 1994 aus Ruanda zu sehen bekam.

    Hungerford (Hungerford, Drew Casson, 2014)
    Hungerford ist kein klassischer Zombiefilm, es geht hier nicht um Untote, sondern um von Außerirdischen „besessene“ Menschen, die sich aber ähnlich wie Zombies verhalten. Darum kann ich ihn guten Gewissens hier mit listen, zumal er ein kleines Wunder darstellt. Gedreht wurde Hungerford vom damals gerade 19-jährigen Drew Casson, dessen Budget erkennbar klein gewesen ist. Das merkt man an einigen SFX, aber auch daran, dass hier der Found-Footage-Ansatz gewählt wird, um gewisse Unzulänglichkeiten des Arbeitsmaterials zu kaschieren. Trotz dieser schlechten Ausgangsvoraussetzungen ist Casson aber ein wirklich toller Beitrag gelungen. Er macht aus der Not eine Tugend, und so sehen wir in seinem Film Figuren, die mehr sind als die reinen Abziehbilder, die man aus anderen Horrorfilmen gewohnt ist. Nicht zuletzt dadurch ist der Film wirklich spannend geraten. Das ist umso beachtlicher, als dass man keinen der Darsteller kennt. Ein echter Geheimtipp für alle, bei denen es nicht immer eine Hochglanzproduktion sein muss.

    Zombieland (Zombieland, Ruben Fleischer, 2009)
    Zombieland ist technisch gesehen das genaue Gegenteil von Hungerford. Der Film ist perfekt produziert, Geld hat hier wohl keine Rolle gespielt. So sind natürlich die Effekt prima, und auch die Besetzung ist wirklich prominent. Ich denke, dass jeder der das Genre nicht gerade hasst den Film bereits gesehen hat und ich daher niemanden mehr erklären muss, wie gelungen die Gags sind oder wie toll der Cameo-Auftritt von Bill Murray (der bei mir dazu geführt hat, dass ich mich immer wieder wundere, ihn in neueren Filmen zu sehen, obwohl er doch tot ist). Ich mag den Stil des Films, der immer wieder die Vierte Wand durchbricht, ich mag es, dass alle Figuren namenlos bleiben bzw. nur nach ihrer Herkunft bezeichnet werden. Ich finde die Chemie zwischen den Darstellern wirkt extrem überzeugend und Murray, Harrelson, Stone und Eisenberg sind sowieso Schauspieler, die ich sehr gerne sehe. Leider ist in meinen Augen die Fortsetzung deutlich weniger gelungen. Sie wird daher eher nicht in den ersten fünfzig Nennungen auftauchen.

    Rising Up: The Story of the Zombie Rights Movement (Rising Up: The Story of the Zombie Rights Movement, Laura Moss, 2009)
    Dieser Kurzfilm (28 Minuten) ist ein Mockumentary, der im Stile einer typischen amerikanischen Doku erzählt, wie Amerika von Zombies heimgesucht wird, diese aber von Zombierechtsaktivisten als gleichwertige „Lebewesen“ betrachtet werden. Darum versucht die National Allied Zombie Initiative (N.A.Z.I.), die Untoten in die Gesellschaft zu integrieren. Begonnen hat die Bewegung natürlich in Pittsburgh. Es werden diverse Mitglieder des Movements interviewt, und da die Anfänge des Movements in den Sechzigern liegen, erinnert das ganze an die realen Kämpfe um Bürgerrechte für Schwarze (ohne jemals auch nur ansatzweise so zu wirken, als wolle man damit Schwarze verunglimpfen). Wir sehen also zum Beispiel Aktivisten, denen rückblickend ein paar Drogen weniger wahrscheinlich ganz gut getan hätten, einen Musiker, der den Bob Dylan dieses alternativen Amerika darstellt und der in dessen typischer Manier „even the dead can bleed red, white and blue“ singt, wir sehen Politiker, die auf den Zug aufsprangen. Neben den Interviews gibt es immer wieder „historische“ Aufnahmen zu sehen von Demos und besonders von einen Zombie namens Chocolate Chip, der ein tragischer Held der Bewegung wurde. Das ganze ist extrem witzig, ohne albern zu sein, origineller als die meisten anderen Zombiefilme und zu Recht mehrfach ausgezeichnet. Ein absolutes must-see. Wer jetzt Lust bekommen hat, klicke hier. Und gerne würde ich hier im Thread lesen, ob euch der Film auch so viel Spaß gemacht hat wie mir.

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    motoerwolf

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    The Night eats the World (La nuit a dévoré le monde, Dominique Rocher, 2018)
    Dieser französische Beitrag zum Genre ragt in mancher Hinsicht aus der Masse der Zombiefilme heraus. Er untersucht nicht die Kinetik einer Apokalypse, sondern deren Dynamik in Bezug auf den Menschen. Dazu bedient er sich über weite Strecken der Mittels eines Kammerspiels, er wird lediglich von seinem Protagonisten Sam (Anders Danielsen Lie) getragen. Daraus ergeben sich weitere genreuntypische Eigenheiten des Films. Dem Charakter der Figur wird hier ein großer Raum geboten (nur nicht im wörtlichen Sinne, da ist der Raum sehr begrenzt). Seine Einsamkeit verändert Sam, destabilisiert seine Psyche und treibt ihn schlussendlich aus seiner abwartenden, den Status Quo bewahrenden bis rückwärts gewandten Haltung hinaus. Gleichzeitig bleibt er sich gleichzeitig grundsätzlich treu. Er bleibt human in einer völlig entmenschlichten Welt. Das zeigt sich zum Beispiel an seinem Umgang mit einem gefangenen Zombie, aber auch an seinem Bedürfnis nach Musik. Er spielt nicht nur Schlagzeug (was zu einem schönen Seitenhieb auf Fantum führt), sondern er entwickelt aus der Not heraus eine Musik, die nur mit Alltagsgegenständen erzeugt wird. Das Grundbedürfnis nach Ästhetik treibt Sam also auch in dieser Ausnahmesituation an, nachdem seine physiologischen Bedürfnisse, sein Bedürfnis nach Sicherheit, nach Sozialkontakt (wenn auch extrem eingeschränkt) und seine kognitiven Bedürfnisse (durch Bücher) so weit wie möglich gestillt sind. Selbst Transzendenz bleibt ihm wichtig, wie man an seinem Umgang mit Toten erkennen kann. TNETW ist also ein recht nachdenklicher Beitrag, sehr reflektiert und trotzdem mit ein paar harten Szenen aufwartend.

    Dead and Deader – Die Invasion der Zombies (Dead and Deader, Patrick Dinhut, 2006)
    DAD schlägt in eine ganz andere Kerbe. Hier ist nichts poetisch. Der Film ist einfach eine Buddy-Komödie, die ihren Reiz nicht zuletzt aus den vielen popkulturellen Anspielungen bezieht. Dazu gibt es hübsches Gesplatter, meist gemildert durch comic relief. Und nicht alltäglich ist der Umstand, dass die Hauptfigur Lt. Bobby Quinn untot ist. Noch kein klassisch seelenloser Zombie, aber durchaus getrieben vom Hunger nach Menschenfleisch. Auch wenn man dem Film jederzeit anmerkt, dass er für das Fernsehen produziert wurde, er hat genauso viel Charme wie wenig Tiefgang und unterhält mit dieser Mischung bestens.

    Dead Set – Reality Bites (Dead Set, Charlie Brooker, 2008)
    Dead Set ist eigentlich kein Film, sondern eine Miniserie, die aber von der Gesamtlänge das Filmformat nicht überschreitet. Produziert wurde die Serie für das britische Fernsehen. Neben den wirklich tollen handgemachten SFX besticht die Serie vor allem durch ihr Setting. Die Apokalypse bricht hier nämlich über England herein, während die Protagonisten im Big Brother-Haus sind. Dieses schützt sie zunächst eine Zeit lang, doch interne Zwistigkeiten und gelebter Egoismus lassen schnell die äußere Hölle nach innen vordringen. Schön ist auch, dass die Serie mit der Realität durch echte TV-Figuren verknüpft ist. Die BB-Moderatorin in der Serie ist nämlich Davina McCall, die diese Rolle auch im realen Leben hat.

    Die Rückkehr der Zombies (Le notti del terrore, Andrea Bianchi, 1980)
    Objektiv gesehen ist der Film ziemlicher Müll. Aber Freunde des Genres wie ich haben ja oft eine gewisse Affinität zum Trash, und Bianchis Film bietet bei aller Billigkeit, aller Unlogik und der Ausbeutung ödipaler Beziehungen eine gewisse Atmosphäre, der ich mich nicht entziehen kann. Damit ist er Filmen wie Zombie III (Zombi 3, Lucio Fulci / Bruno Mattei / Claudio Fragasso, 1988), Zombie 4 – After Death (Oltre la morte, Claudio Fragasso, 1989) oder Die Hölle der lebenden Toten (Virus, Bruno Mattei / Claudio Fragasso, 1980), um ein paar andere italienische Produktionen zu nennen, weit voraus. Dennoch ein typisches guilty pleasure.

    Foltermühle der gefangenen Frauen (Les Raisins de la Mort, Jean Rollin, 1978)
    Auch bekannt als Zombis geschändete Frauen und Pestizide – Stadt der Zombies. Rollin schafft es hier, (zufällig?) einen wirklich atmosphärischen, ja beinahe poetischen Film zu präsentieren. Ähnlich wie im weiter oben genannten Das Leichenhaus der lebenden Toten von Jorge Grau geht es auch hier um eine durch Schädlingsbekämpfungsmittel verursachte Katastrophe, bei der allerdings keine echten Zombies, sondern (wie man heute sagen würde) Infizierte über die Menschheit hereinbrechen. Typische Elemente von Rollins Werk sind auch hier zu finden, der Film ist sehr langsam erzählt, hat starke erotische Momente neben sehr brachialen Goreszenen. In dieser Hinsicht ähneln seine Filme ein wenig denen von Jess Franco. Von beiden kenne ich leider noch immer viel zu wenig.

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    pfingstluemmel
    Darknet Influencer

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    Was hört man denn auf dem Soundtrack von The Battery?

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    Come with uncle and hear all proper! Hear angel trumpets and devil trombones. You are invited.
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    motoerwolf

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    Ich würde es mal als Indierock bezeichnen. Anspieltipp: Rock Plaza Central – Anthem For The Already Defeated. Ist auf YouTube zu finden.

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    ford-prefect
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    28 Days Later
    28 Weeks Later
    Zombieland

    Da bekommt man richtig Appetit auf …

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    If you know the words please sing along
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    motoerwolf

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    Zwei davon werden wahrscheinlich auch in meiner „Liste“ vorkommen, allerdings eher in der zweiten Hälfte.

    Aber Twinkies müssen auf keinen Fall sein, auch wenn ich sonst gerne Mal passend zum laufenden Film esse (Paste zum Paten, Steak mit Bohnen zu Western usw).

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    Magst du keine Twinkies? Inspiriert von Zombieland hab ich mir vor paar Wochen mal erstmals eine Packung davon im Ami-Laden La Venta hier in Lampertheim gekauft. Billiger kriegt man die aber bei Amazon. Schmeckt okay, aber Süßes frisch vom Bäcker ziehe ich da vor.

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