Konzertimpressionen und -rezensionen

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  • #11027217  | PERMALINK

    yaiza

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    soulpope

    gypsy-tail-wind Winterthur, Stadthaus – 04.03.2020 Musikkollegium Winterthur Thomas Zehetmair Leitung <b> …. </b> Jean Sibelius Sinfonie Nr. 5 Es-Dur, op. 82 …. Nach der Pause folgte dann die fünfte Symphonie von Sibelius – oder: wie man aus einer Viertelidee eine halbe Stunde Musik macht. Ich bleibe bei Sibelius zwiegespalten, die Aufführung war allerdings fein, engagiert gespielt, hochdynamisch, ja mitreissend. Neben Nielsen, der ja u.a. im Zwiegespräch der Flöte mit der Bassposaune kurz vor Ende launigen Humor zeigt, wirkte Sibelius aber fast beängstigend ernst. Der Zwiespalt hat vermutlich auch mit der Machart zu tun, dem Unterschwelligen (geh scheissen, Wagner! ), das vorbereitet, beeinflusst, auf das Unterbewusstsein abzielt. Dennoch ein feiner Abschluss eines sehr guten Konzertes!

    Durchaus überraschende Assoziationen ….

    ich hörte die 5 im November vom Isländischen Symphonieorchester und war sehr von dieser Aufführung angetan. Sie spielten diese sehr transparent, mit schlankem Ton… mir hat das sehr gefallen. In Berlin kam das gut an, obwohl es nicht dem gewohnten vollen Sibelius-Klang entsprach…

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    #11027293  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    Schlank war das in Winterthur auch, das Musikkollegium kann wohl in Vollbesetzung nur knapp nicht mehr als Kammerorchester durchgehen. Find ich vom Klang her oft gut, wenn Romantiker nicht nur „entschlackt“ werden sondern effektiv in kompakt durchhörbarer Klang geboten werden (z.B. Carolin Widmann mit den Schumann- und Mendelssohnkonzerten auf ECM).

    Was die Assoziation mit Wagner angeht, die mag falsch sein oder unangebracht, aber ich mag suggestive Musik nicht (auch dann nicht, wenn sie mir gefällt).

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    "Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #121: tba | Slow Drive to South Africa, #6: tba | No Problem Saloon, #29: tba
    #11027305  | PERMALINK

    soulpope
    "Ever Since The World Ended, I Don`t Get Out As Much"

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    gypsy-tail-wind …. Was die Assoziation mit Wagner angeht, die mag falsch sein oder unangebracht, aber ich mag suggestive Musik nicht (auch dann nicht, wenn sie mir gefällt).

    Meinungen/Sichtweisen sind hier sehr willkommen auch/umso mehr wenn sich dabei unterschiedliche Standpunkte eröffnen  :bye: ….

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      "Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit" (K. Valentin)
    #11027311  | PERMALINK

    yaiza

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    … hier noch eine kurze Zsf. eines Konzertes einen Tag später — Ein anderer Abonnent hatte mich gefragt, ob ich Zeit und Lust auf das Konzert des NHK in der Philharmonie hatte. Er fühlte sich nicht so fit und ihm war das zu viel. Damit die Karte nicht verfällt, brachte er sie gleich ins Konzerthaus mit. Ich erklärte mich dann bereit, ihn in bestem Wissen und Gewissen zu vertreten :D, war natürlich recht neugierig…

     

    Philharmonie Berlin 3. März 2020

    NHK Symphonie Orchestra, Leitung Paavo Järvi   

    Takemitsu „How slow the Wind“ , Beethoven Konzert für Klavier und Orchester Nr. 3 (Solistin: Khatia Buniatishvili); Bruckner Sinfonie Nr. 7

    Ein Konzert, mit dem ich also nicht rechnete. Ich war aber ziemlich gespannt auf das NHK, das ich eigentlich nur von Aufnahmen mit Ashkenazy (meist Schostakowitsch) „kenne“… Der Sitzplatz in Vertretung befand sich hinter dem Orchester, klanglich sicher nicht optimal, aber mit bestem Blick auf Paavo Järvi. In der Philharmonie saß ich noch nie in diesem Bereich. So kam ich via Platz und Programm mal zu anderen Blicken und Eindrücken. Der Beginn mit einem Stück von Toru Takemitsu („How slow the Wind“) war sehr gelungen. Das NHK hat einen vollen Klang. Stücke von Takemitsu hörte ich noch nie von einem Orchester gespielt, eher zeitgenössische Ensembles und somit war das schon ein echtes Erlebnis. Paavo Järvi war auch voll dabei. Ich sah bisher nie, das ein Dirigent bei seiner Arbeit bis in die Hocke geht. Von meinem Platz aus war ich nah an den beiden Schlagwerkern dran, die das  „Windspiel“ gut meisterten – wirklich toll.

    Vor dem nächsten Teil war mir vorher etwas bang. Ich denke, die Show von Khatia Buniatishvili ist nicht so mein Fall. Ich fand das mit den übertriebenden Gesten ermüdend und mochte auch gar nicht so viel hinschauen. Das 3. Klavierkonzert von Beethoven kam mir doch recht schläfrig vor… Järvi war in seiner Welt, Buniatishvili war mit „aparten Armbewegungen“ (las ich heute in einer österr. Rezension vom Auftritt in Wien und gefiel mir sehr gut als Umschreibung) beschäftigt. Bei mir kam gar keine mitreißende Stimmung auf. Dennoch brandete danach riesiger Applaus auf, die Solistin wurde richtiggehend gefeiert und aus dem Publikum wurden Blumen gereicht. Ihre Zugabe (Schubert) hingegen gefiel mir schon mehr – sehr fein und ohne große Gesten gespielt.

    Nach der Pause ging es mit der 7. Sinfonie von Bruckner weiter. Hier kenne ich mich gar nicht aus. Das einzige, das ich bisher dazu gehört hatte, war das kammermusikalische Arrangement von Eisler, Stein und Rankl für Schönbergs Verein in Wien (ich hatte mich dafür mal wg. Eisler und Schönberg mehr interessiert und auch eine Aufnahme zu Hause). Das Podium war nun voll besetzt und der Klang von Anfang an richtig satt. Das hatte ich so gar nicht erwartet und der Sinfonie aufmerksam zuzuhören und bis zum Ende dabeizubleiben, machte diesen Abend erst richtig zum Konzerterlebnis. Es war eine Freude, Paavo Järvi zuzuschauen (von den Musikern sah ich leider nur die Hinterköpfe). Am Ende hatte ich das Gefühl, das ich mit dem NHK ein gutes Orchester für dieses Repertoire erwischt hatte. Es wurde zu keinem Zeitpunkt lang oder war langweilig… Wirklich gut gemacht. Der Applaus wollte gar nicht enden. Paavo Järvi wurde wirklich einige Male herausgerufen. Nach dem 6. oder 7. Mal wartete ich auch schon auf das Zeichen des Konzertmeisters, aber die Orchestermitglieder setzten sich immer wieder hin, obwohl sich der Saal immer mehr leerte… Egal, Järvi kam nochmal heraus, gab dem Konzertmeister einen Schulterklappser und los ging’s mit dem Valse triste von Sibelius. Das wirkte irgendwie surreal – ein sich leerender Saal und das Orchester spielt weiter und dann noch einen Walzer. Um 22:42 war dann das Tagewerk vollbracht. Ich glaube, so spät kam ich noch nie aus der Philharmonie.

    Hier ein Kurzbericht aus Wien, auch mit Buniatishvili   (vorher begleitete Sol Gabetta das NHK und spielte das Cellokonzert von Schumann)

    Gestern las ich noch ein bisschen quer und fand diesen Podcast von gramophone. Er ist recht aktuell und wurde zum Start der Tournee aufgenommen (es ging in Estland los). Paavo Järvi erklärt hier einiges zur Tradition des NHK und zu den Bartók-Aufnahmen, die ich auch schon im Laden sah.

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    #11027337  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    Bin auf dem Handy unterwegs (bis Montag im Tirol fürs Artacts [Jazz-]Festival) drum knapper als üblich (meinen Winterthur-Bericht schrieb ich auf der Zugfahrt, dauerte rund eine Stunde) – aber danke @yaiza für die Berichte!

    Zu Buniatishvili würd ich zuhause etwas wortreicher entgegehalten. Sie macht Show, klar, aber Järvi spielt schon länger und mit alles „seinen“ Orchestern mit ihr, da geb ich schon was drauf … persönlich fand ich sie im Schumann-Konzert beeindruckend (mit dem ZKO unter Norrington notabene, dem Ehrendirigenten, dem das ZKO immer sein Bestes gibt). Da gibt es in der Tube auch tolle Mitschnitte (einen besonders, mit einem der dt. Rundfunkorchester). Ach so, und der alte Ivry Gitlis hatte sie ja auch dabei – da geb ich fast noch mehr drauf!

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    #11027339  | PERMALINK

    soulpope
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    gypsy-tail-windBin auf dem Handy unterwegs (bis Montag in Tirol fürs Artacts [Jazz-]Festival) ….

    Pünktlich zum Spätwintereintritt  :good: ….

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      "Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit" (K. Valentin)
    #11027387  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    soulpope

    gypsy-tail-windBin auf dem Handy unterwegs (bis Montag in Tirol fürs Artacts [Jazz-]Festival) ….

    Pünktlich zum Spätwintereintritt ….

    Schaun mer mal … bisher nur Schnee weit oben und in Schattenlöchern, zudem etwas Regen. Ist ja ohne Musik kein Aushalten hier ;-)

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    #11027417  | PERMALINK

    soulpope
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    gypsy-tail-wind

    soulpope

    gypsy-tail-windBin auf dem Handy unterwegs (bis Montag in Tirol fürs Artacts [Jazz-]Festival) ….

    Pünktlich zum Spätwintereintritt ….

    Schaun mer mal … bisher nur Schnee weit oben und in Schattenlöchern, zudem etwas Regen. Ist ja ohne Musik kein Aushalten hier

    Morgen Schneefall bis in die Täler :bye: …..

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      "Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit" (K. Valentin)
    #11029105  | PERMALINK

    yaiza

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    gypsy-tail-wind  Bin auf dem Handy unterwegs (bis Montag im Tirol fürs Artacts [Jazz-]Festival) drum knapper als üblich (meinen Winterthur-Bericht schrieb ich auf der Zugfahrt, dauerte rund eine Stunde)

    Hut ab! … und auch von mir viel Spaß beim Festival…

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    #11032693  | PERMALINK

    yaiza

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    Philharmonie Berlin, Kammermusiksaal am Mo, 9.März 2020

    Akademie für Alte Musik

    Isabelle Faust, Xenia Löffler, Bernhard Forck

    Am Montag war ich nochmal in der Philharmonie. Als ich mit einer freundin an einem wunderschönen Spätsommertag im September die Karten kaufte, hätte niemand gedacht, vor welchen Problemen die Bühnen im März stehen würden… Am Montag schwang „Corona“ schon etwas mit… Grigory Sokolov hatte sein Konzert im Großen Saal abgesagt und auf Juni verschoben, da er zur Zeit auf die Reiserei verzichten möchte… Besonders sehr ältere Besucher standen danndoch vor der Tür. Sie hat die Nachricht über die Absage nicht erreicht.

    Das Konzert der Akademie für Alte Musik mit Isabelle Faust war sehr gut besucht. Der Kammermusiksaal war fast voll, zwischendrin immer mal ein paar Plätze frei. Das Konzert war unglaublich gut und alle Musiker vom Publikum umjubelt. Ich habe gerade nicht die Zeit für einen Bericht,

    hier ist aber eine Kurzkritik (Eggebrecht vom Konzert in München) Alles Bach

     

    Eindämmung Corona: Da auch der Kammermusiksaal weit über 1000 Zuschauer fasst, bleibt die Philharmonie bis 19.4.2020 geschlossen. Im Konzerthaus geht’s bis auf weiteres im Kleinen Saal weiter (ca. 400 Zuschauer), die Konzerte im Großen Saal sind abgesagt. Ich kann die Entscheidung von Klaus Lederer (Kultursenator) absolut nachvollziehen…

     

     

    --

    #11096055  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    gypsy-tail-wind
    Winterthur, Stadthaus – 06.12.2018

    Musikkollegium Winterthur
    Thomas Zehetmair
    Leitung
    Carolin Widmann Violine
    Wolfgang Amadeus Mozart Ouvertüre zur Oper „Die Zauberflöte“, KV 620
    Dieter Ammann „unbalanced instability“, Konzertsatz für Violine und Kammerorchester (2012/13)

    Johannes Brahms Sinfonie Nr. 4 e-Moll, op. 98
    Am Donnerstagabend schleppte ich mich dann, nach geschaffter, strenger Woche bei der Arbeit und mit heftiger Erkältung, doch noch nach Winterthur. Und zum Glück kapitulierte ich nicht! Es gab direkt vor dem Konzert eine Einführung mit Ammann, der erzählte, wie sein Werk 2012/13 (für die Wittener Tage für neue Kammermusik, wo es 2013 von Carolin Widmann mit dem WDR Sinfonierochester Köln uraufgeführt worden ist – war @vorgarten damals vielleicht dabei?) entstanden ist, überhaupt, wie er beim Komponieren vorgehe. Dazwischen wurden Ausschnitte gespielt, die das Gehör schärften für die folgende Aufführung im seltsamen Saal im Stadthaus Winterthur, einem typischen historistischen Protzbau von Gottfried Semper, der bis 2015 tatsächlich auch Regierungssitz war und parallel seit 1934 als Konzertsaal des Musikkollegiums Winterthur dient, das eine lange Geschichte hat (von 1922 bis 1950 wurde es von Hermann Scherchen geleitet und spielte in den Jahren über 120 Uraufführungen). Die Einführung fand im Stadtratszimmer statt, wo wohl einst die Exekutive tagte – und ein Blatt mit Noten, eine Kopie von Ammanns handschriftlicher Reinschrift der Solo-Kadenz kurz vor dem Ende des Werkes, durfte ich auch noch mitnehmen.
    Thomas Zehetmair ging mit dem Orchester im Herbst schon in seine dritte Saison, und so lange hat es auch gedauert, bis ich es schaffte, endlich Karten für Konzerte zu kaufen (im Frühling höre ich noch Nelson Freire mit Brahms‘ zweitem Klavierkonzert). Die laufende Saison steht im Zeichen von Brahms, dessen Orchesterwerke und Konzerte aufgeführt werden (die vier Symphonien werden auch mitgeschnitten und sollen nächsten Frühling auf CD erscheinen). Doch los ging es, quasi zum Aufwärmen, mit der Ouvertüre zu Mozarts Oper „Die Zauberflöte“. Das kam eher als Aufwärmübung rüber, mit Amman gibt es keine Berührungspunkte. Zudem wurden auch schon gewisse Schwächen des klein besetzten Orchesters (Streicher: 6-5-5-4-3, glaube ich) bzw. von Zehetmairs Dirigat deutlich: es wurde zwar sehr engagiert musiziert (und dirigiert), aber mit der Genauigkeit in der Phrasierung haperte es da und dort ein wenig. Präzise ist Zehetmairs Gestik gerade nicht, eher zielt sie – manchmal mit weit ausholenden Bewegungen – auf die Interpretation, die Gestaltung. Im Kleinen wäre etwas mehr Genauigkeit nicht falsch, aber darunter könnte dann wieder die Gestaltung leider, wer weiss …
    „Caro“, so wird Widmann von Freunden gerufen – und damit fängt Ammans Konzert an: C, A, D („re“), G („sol“ – das „do“ zu wiederholen fand er nicht so interessant), pizzicato von der Solistin gezupft, ganz leise, wiederholt mit anderen Techniken, Abstufungen, schliesslich Reaktionen des Orchesters hervorrufend, die sich allmählich verdichten, stapeln. So entwickelt das Werk sich tatsächlich in einer Art nicht-ausbalancierten Instabilität, es gibt keine Hinweise darauf, wie es weitergehen wird, was folgen mag. Ein langer Satz, in dem die Solistin auch einmal vom Orchester verschluckt wird, in dem das Sehen und das Hören nicht mehr übereinstimmen: die Solistin müht sich sichtlich an schnellen Läufen und Griffen ab, aber zu hören ist: nichts. Dann wieder übertrumpft sie das Orchester scheinbar mühelos, spielt glanzvoll virtuose Passagen, die durchaus an die grosse Konzert-Tradition erinnern, doch auch das ist natürlich nicht das Ende der Weisheit. Klanglich ist der Orchestersatz sehr reich, neben den Bläsern (je zwei Flöten, Oboen, Klarinetten, Fagotte und Hörner, eine Trompete und eine Posaune) gibt es eine Harfe und einiges an Schlagwerk. Daraus mischt Ammann immer wieder neue Klänge zusammen, die Streicher spielten teils auch einzelne bzw. pro Gruppe mehrere Stimmen, was das ganze zu einem ziemlich undurchsichtigen Teppich werden lässt. Widmann glänzt dann ein letztes Mal in der erwähnten Solo-Kadenz, die zum Ende des Werkes hinführt, und in die Ammann Versatzstücke anderer Werke aus Widmanns Repertoire aufgenommen hat, wie er bei der Einführung erläuterte (er nannte leider keins dieser Werke, erkannt habe ich natürlich nichts). Am Ende dann, es gesellen sich wieder einzelne Streicher dazu, spielt die Geige ihren tiefsten Ton, die leere G-Saite, verklingt beinah, und das Cello spielt denselben Ton als eine Art Echo – und mit einem Bartók’schen Pizzicato schneidet die Solistin diesen Ton dann durch. Finis.

    Corona macht’s möglich – das Musikkollegium füttert derzeit seinen Tuben-Kanal mit einigen Live-Mitschnitten, und darunter ist seit einigen Tagen auch Ammanns Violinkonzert für Carolin Widmann, „unbalanced instability“ (in der Tube peinlicherweise falsch benannt, Ammann hat’s kommentiert):

    Muss ich mir auch wieder zu Gemüte führen!

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    #11096185  | PERMALINK

    vorgarten

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    gypsy-tail-wind
    Corona macht’s möglich – das Musikkollegium füttert derzeit seinen Tuben-Kanal mit einigen Live-Mitschnitten, und darunter ist seit einigen Tagen auch Ammanns Violinkonzert für Carolin Widmann, „unbalanced instability“ (in der Tube peinlicherweise falsch benannt, Ammann hat’s kommentiert):
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    Muss ich mir auch wieder zu Gemüte führen!

    vielen dank, @gypsy-tail-wind, ich höre das gerade. ich war im uraufführungsjahr 2013 in witten, da gab es einen ammann-schwerpunkt, aber just dieses abschlussstück des festivals habe ich nicht mehr mitbekommen, weil ich zum zug musste. ich finde es ja ziemlich toll, auch wenn ich es gerade nur über laptop-boxen höre.

    --

    #11193211  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    Life Is Live – Lucerne Festival 2020 – 22./23. August 2020

    Viele Worte will ich gar nicht machen – aber es war einfach nur wunderbar, wieder einmal ausgiebig im Konzert Musik zu erleben. Dass das Ereignis auch von hoher Qualität sein würde, war ja eigentlich gewiss, denn die zwei „grossen“ Konzerte, für die ich Karten gekauft hatte, waren Igor Levits Beethoven-Programme #5 und #6. Zwei der ersten vier hörte ich bereits, und wenn alles gut geht bin ich bei #7 und #8 – mit den letzten sechs Sonaten – auch wieder an Bord, für das Beethoven Farewell-Wochenende habe ich gleich für alle Konzerte Karten gekauft und im selben Hotel, wo ich dieses Mal übernachtete, auch gleich für drei Nächte gebucht … hoffe, die Lage wird das zulassen.

    Rezital Igor Levit 1 – 22. August 2020 – KKL, Luzern

    Igor Levit Klavier

    Ludwig van Beethoven
    Klaviersonate d-Moll Op. 31/2 „Der Sturm“
    Klaviersonate B-Dur Op. 22
    Klaviersonate C-Dur Op. 2/3
    Klaviersonate c-Moll Op. 13 „Grande Sonate pathétique“

    Das erste Programm öffnete mit der Sturmsonate und schloss mit der Pathétique. Zwischen diesen beiden dreisätzigen Sonaten standen zwei viersätzige: Op. 22, von der Beethoven selbst sagte, das Werk „habe sich gewaschen“, und die dritte von den ersten Sonaten Op. 2 – eine Art „Konzert ohne Orchester“ und wie die anderen beiden Sonaten von Op. 2 ein Zeichen, dass Beethoven schon zum Einstieg über das Schaffen seines Lehrers (und Widmungsträgers von Op. 2) Joseph Haydn hinaus ging.

    Ich bin total aus der Übung im Schreiben über Konzerte – aber mir schienen Levits Darbietungen zutiefst menschlich, ohne jeglichen Tastenlöwengestus, auch da, wo selbst dem Laien völlig klar war, wie unglaublich schwierig diese Werke zu spielen sein müssen, wie halsbrecherisch das Tempo, wie hoch die Anforderung in Sachen Konzentration und Fokus. Menschlich, nicht titanenhaft, aber auch nicht bürgerlich-falschbescheiden sondern, dabei ohne grosse Gesten und aufrichtig im Dienst der Musik – und das geht natürlich wiederum nur ohne ein Selbstverleugnungstheater aufzuführen, denn die Musik braucht ja den Interpreten, um überhaupt zum Leben erweckt zu werden.

    Auf dem Weg zum Hotel, nach dem Konzert, guckte ich noch eine Weile durch den Bretterzaun dem Saison-Auftakt des Luzerner Theaters zu – dieses kann im Sommer den Vorplatz bespielen (es gibt gegenüber vom Eingang auch noch eine „Box“, in der ich im Rahmen des Lucerne Festivals auch schon mal im kleinen Rahmen Zeitgenössisches/Improvisiertes hörte), und so fand die Eröffnung draussen statt, die Box diente als Bühne, das kleine Publikum sass mit Abstand auf Stühlen, hinten eingerahmt von einer Reihe von Chorsänger*innen. Konzertant geboten wurde Piazzollas María de Buenos Aires – gerne hätte ich mehr als eine knappe Viertelstunde davon gehört, aber ich kam ja gerade erfüllt aus einem hervorragenden Konzert … und wollte später noch bei sparch auf StoneFM mithören, wo das tolle Label Analog Africa vorgestellt wurde. Ein höchst musikhaltiger Tag also, natürlich mit Igor Levit als Höhepunkt. Als Zugabe spielte dieser übrigens an diesem ersten Abend „Nun komm der Heiden Heiland“, das Bach/Busoni-Arrangement, das auch auf seiner kommenden CD zu hören sein wird, wenn mich nicht alles täuscht.

    Lucerne Festival Alumni – 23. August 2020 – KKL, Luzern

    Ensemble der Lucerne Festival Alumni
    Baldur Brönnimann
    Dirigent
    Valentine Michaud Saxophon
    Matteo Cesari Flöte
    Chloë Abbott Kornett

    Barblina Meierhans Auf Distanz, für Bassflöte und kleines Ensemble, Kornett ad libitum (2020, UA)
    Nadir Vassena materia oscura, für Saxophon und Ensemlbe (2006)
    Oscar Bianchi Contingency, für Ensemble (2017)

    Für das Matinéekonnzert am Sonntag stieg ich nicht die Treppen hoch (bei Levit sass ich beide Male auf demselben Platz), da gelangte nur das Parkett in den Verkauf, ich hatte mir aber auch hier einen Randplatz gesichert – und das war eine gute Idee, denn Corona war während dieser Konzerte tatsächlich fast ganz vergessen. Los ging es mit einem neuen Stück der Komponistin Barblina Meierhans (*1981 in Burgau/St. Gallen – im Foto unten ganz links), das aus fünf (bzw. vier) Sätzen besteht: I. schnalzen, II. kichern, III./IV. lauschen und singen, V. atmen – Meierhans griff damit die Erfahrung des Social Distancing der letzten Monate auf – und sie nimmt in ihrem Text fürs Programmheft auf die Mimesis Bezug: den „Kern der Sache, um die es geht“ bei der „konzertanten Realisierung von Musik“, die ja in den letzten Monaten komplett ausfiel. Mit sich selbst, ihre Stimme als Klangmaterial, „n der Feedbackschlaufe meiner selbst versuche ich mich an der Unmöglichkeit, fiktiv meinen Mund zu verdoppeln und ihn einmal als Klangquelle in unmittelbarer Nähe, einmal als Resonanzkörper massiv vergrössert auf einer imaginierten Bühne vor mir zu denken.“ Die Bassflöte war in den hintersten Parkettreihen platziert, das Kornett stand auf der Orgelemmpore, das Ensemble auf der Bühne umfasste je vier Bläser*innen (Klarinette, Fagott, Sopran-/Tenorsaxophpon, Posaune) und drei Streicher*innen (Bratsche, Cello, Kontrabass). Das ca. zehnminütige Werk überzeugte mich sehr, die Satzbezeichnungen gaben natürlich eine Richtung vor, es wurde tatsächlich geschnalzt, gekichert und geatmet in diesem Werk.

    Sehr gut gefiel mir auch das Stück für Altsaxophon-Solo – gespielt von Valentine Michaud – und Ensemble von Nadir Vassena (*1970 in Lugano – im Bild zwischen Meierhans und Brönnimann). Hier gab es Piccolo/Bassflöte, Oboe, Klarinette/Bassklarinette, Violine, Viola, Cello, Klavier und Schlagzeug. Das knapp zwanzigminütige Stück entstand 2007 für Marcus Weiss und das ensemble recherche und wurde in Freiburg uraufgeführt (und wenige Tage später auch in Basel gespielt). Vassena schreibt im Programmheft: „Die Annäherung an das Saxophon, die ich in meinem Stück unternehme, ist sich bewusst, dass der ‚Klang‘ des Instruments von seinem eigenen Idiom aus un in ihm gedacht werden muss, und versucht sogar eine Neudefinition des Territoriums (auch im Verhältnis zum Ensemble. Der ‚dunkle‘ Teil ist in dieser Perspektive überhaupt nicht geheimnisvoll, man kann ihn einer nur nicht sehen (aber man hört ihn!).“ Geheimnisvoll wollte auch das erste Stück nicht sein, bei beiden konnte quasi beobachtet, erhört werden, wie die Musik sich zusammensetzte – und das gefiel mir auch beim zweiten Stück mit seiner überzeugenden Solistin sehr gut.

    Das dritte Stück, wieder um die 20 Minuten lang, entstand 2017 im Auftrag des Collegium Novum Zürich, das es auch uraufführte. Oscar Bianchi (*1975 in Mailand – im Bild unten ganz rechts) hatte bei seinem Werk viel mehr Überbau und Beigemüse im Kopf, scheint mir. Im Programmheft greift er auf den Umgang der alten Griechen mit Zeit zurück, den Mythos als „Antwort der Griechen auf die Zeit bzw. auf die tatsächliche Nichtexistenz der Zeit“, darauf, wie sie „das Erzählen als einen Raum im Chaos“ etablierten, wie das Erzählen „die Zeit bezeugen“ soll. Hier war nun das ganze 15köpfige Ensemble auf der Bühne: Piccolo/Bassflöte, Oboe/Englischhorn, Klarinetten (auch eine Kontrabassklarinette oder sowas ähnliches), Sopran-/Tenor- und (vermutlich) Basssaxophon, Fagott/Kontrafagott, Trompete, Posaune, Violine, Viola, Cello, Kontrabass, Klavier und zwei Schlagzeuger*innen (mit Vibraphon, Gongs etc.). Das war klanglich zwar erneut ansprechend, aber überzeugte mich eher etwas weniger als die zwei sehr schönen Werke davor. Dennoch ein tolles Konzert, das mit den Umbaupausen etwas über eine Stunde dauerte, engagiert gespielt und von Baldur Brönnimann äusserst kompetent geleitet.

    Danach ging ich ins Kunstmuseum Luzern (mit Konzertkarte gratis, eine schöne Geste), zum Glück mit wenigen Leuten (nochmal zwei Stunden in geschlossenen Räumen …) – sehr lohnenswert. Die aktuelle Sammlungspräsentation läuft unter dem Titel „Alles echt!“ und präsentiert Kopien, Imitationen, Nachahmungen, Zitate, Objets trouvés, Ready-Mades usw., von Kopien der „Mona Lisa“ und „Las Meninas“ über Sonja Sekula und Ben Vautier bis zu Dieter Roth und Franz Gertsch. Für mich ziemlich sicher die beste bisher gesehene Sammlungspräsentation (es gibt da keine feste Hängung sondern immer wieder andere Bilder zu sehen, und klar, wenn das zum Konzept wird, ist das nicht immer gleichermassen gelungen). Zudem gibt es eine Werkschau von Marion Baruch (*1929), die das lange Leben und Schaffen der Künstlerin zwischen Rumänien, Israel, Italien, Grossbritannien und Frankreich dokumentiert. In ihrem Werk werden die Zäsuren des 20. Jahrhunderts sichtbar, sie bezieht Sprache als zentrales Element mit ein, reflektiert Räume, Innen- und Ausswenwelten, wie die Überschrift der Retrospektive nahelegt: „innenausseninnen“. Ein sehr faszinierenden Durchgang durch ein vielschichtiges Werk, das mit textilen Arbeiten den Produktionsprozess der Mode in der Gegend um Mailand kommentiert, dem Kunstmarkt und den Kunstmessen einen Spiegel vorhält usw. Die kleine aktuelle Ausstellung ist dem Ostschweizer Andreas Züst (1947-2000) gewidmet und lapidar mit *Eis“ überschrieben. Zu sehen sind Fotos von Forschungsreisen in der Arktis, eine vierteilige Diainstallation in einem Kubus, sowie Peter Mettlers Dokumentarfilm „Picture of Light“, der leider nur auf einem kleinen TV-Bildschirm zu sehen war – sonst hätte ich den faszinierenden Film wohl in ganzer Länge angeschaut (ca. 90 Minuten), aber dazu war das zu unbequem (und Licht – mit einem Fenster über dem Bildschirm) und Ton zu schlecht. Dennoch: ich schreibe es nicht Corona zu sondern denke, dass das mein bisher lohnenswertester Besuch im Kunstmuseum Luzern war.

    Rezital Igor Levit 1 – 22. August 2020 – KKL, Luzern

    Igor Levit Klavier

    Ludwig van Beethoven
    Klaviersonate D-Dur Op. 28 „Pastorale“
    Klaviersonate G-Dur Op. 31/1
    Klaviersonate Es-Dur Op. 27/1 „Sonata quasi una fantasia“
    Klaviersonate Es-Dur Op. 27/2 „Sonata quasi una fantasia“

    Zum Abschluss gab es dann gestern am späten Nachmittag noch einmal Levit mit Beethoven-Sonaten aus den Jahren 1801/2, darunter die beiden „quasi una fantasia“, die ich vor zwei Jahren in Luzern auch mit András Schiff hörte (Kurtágs ebenfalls zweiteiligen Opus 27 gegenübergestellt – sehr faszinierend). Meine paar Zeilen zu Levit gelten auch hier wieder – wunderbar gespielt, ohne jegliches Theater, und wie mir schien tief aus den Werken hinaus gestaltet und zum Leben erweckt.

    Die seltsame Engländerin, die nicht begriff, dass auch die Nase dem Atmen diente und ihre Maske nur überm Mund trug, hätte ich nicht als Sitznachbarin gebraucht … leider war ja beim Vorverkauf nicht ersichtlich, wo Plätze leergehalten wurden, ich hatte also keine bessere Wahl als „ganz am Rand“, aber bei diesem dritten Konzert war der nächste Platz dann halt doch besetzt – es sah so aus, als seien überall Einzel- und Zweierplätze belegt, aber wenn man beim Vorverkauf eben nichts sieht …

    Ein ganz grosses Highlight war dann die Zugabe, nach wiederum sehr grossem Applaus (den Levit aber wie am Vorabend so gar nicht auskosten mochte – dreimal kurz raus und wieder rein, rasch wieder hingesetzt bzw. beim zweiten Mal länger die Zugabe angekündigt, diese gespielt, Verneigung und Abgang … die Leute hätten auch zehn Minuten stehend applaudiert). Es gab Alkan, die Prélude Op. 31/8 „Le chanson de la folle au bord de la mer“ – und Levit sprach ein paar Minuten über Alkan und dann über dieses sehr besondere Stück, das mich ziemlich verzaubert in den Abend entliess …

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    yaiza

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    Vielen Dank für die Zeilen zu Luzern, gypsy. Das mit der Alkan-Zugabe ist echt super. Im Radio hörte ich heute eine kleine Zusammenfassung – da wurde auch Barblina Meierhans vorgestellt und ein ganz kurzes Stück aus dem Werk gespielt.

    Hier geht es morgen mit dem Musikfest los… ca. 24h vorher kamen dann auch eine Mail mit Infos zum Ablauf (nach Blöcken getrennte Eingänge, Wegmarkierungen etc.) … alles in allem bin ich sehr froh und dankbar, dass mir die im Januar gekauften Tickets wirklich in aktuelle Tickets umgetauscht wurden. Laut Tagesspiegel werden 660 der 2200 Sitzplätze besetzt.

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    gypsy-tail-wind
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    yaiza
    Hier geht es morgen mit dem Musikfest los… ca. 24h vorher kamen dann auch eine Mail mit Infos zum Ablauf (nach Blöcken getrennte Eingänge, Wegmarkierungen etc.) … alles in allem bin ich sehr froh und dankbar, dass mir die im Januar gekauften Tickets wirklich in aktuelle Tickets umgetauscht wurden. Laut Tagesspiegel werden 660 der 2200 Sitzplätze besetzt.

    Sowas gab’s in Luzern nicht … aber die Leute wurden angehalten, Abstand zu halten, und im Vergleich zum üblichen Gedränge und Rumgeiere (Schatz, hol mir doch ein Cüpli und ich bleib mit meinen drei Freundinnen dann zwischen der Treppe und dem Ausgang stehen, damit Du mich auch wieder findest). Hier geht es am 1.9. mit Cecilia Bartoli in der Tonhalle weiter, ca. 90 Minuten ohne Pause sind angesagt:

    „Farinelli und seine Zeit“ Arien und weitere Werke von G. F. Händel, N. Porpora, G. Giacomelli, J. A. Hasse, J. F. Fasch, J. J. Quantz, L. Leo, L. Vinci und A. Caldara

    In Luzern war sie auch und wurde aufs heftigste bejubelt, vier Zugaben … das wird in Zürich wegen des Schutzkonzepts und den Zeitabläufen wohl eher nicht drin sein (ich gehe um 17 Uhr, um 20 Uhr wird das Programm wiederholt, d.h. der Saal wird wohl ca. halb besetzt sein; das Konzert, für Mai geplant, war vermutlich längst ausverkauft, sie ist in Zürich ja fast zuhause und enorm beliebt … aber es gelten hier ab Donnerstag wieder strengere Regeln und 1,5 Meter Abstand müssen eingehalten werden können … ich habe keine Ahnung, was das im Hinblick auf das Stattfinden des Bartoli-Konzertes bedeutet, aber gerade mein Ersatzticket ausgedruckt).

    Gestern schneite es noch das Programm der Tage für Alte Musik rein – Mahan Esfahani (engl. Spätrenaissance), Christine Schornsheim (WTC von Bach und von Johann Caspar Ferdinand Fischer [1656–1746]) und Kristian Bezuidenhout (Opp. 14/2, 31/1, 10/3 und 13 – den Namen muss ich nicht dazu schreiben, oder?) mit Solo-Rezitalen dabei – das ist Mitte September, in einer Kirche, die anscheinend auch nur halb gefüllt wird (damit, die Leute *konkret* zu informieren, tun sich die Veranstalter – abgesehen von der lobenswerten Tonhalle, die auch separate Eingänge/Bereiche usw. aufgesetzt hat – sehr schwer, aus Luzern kamen die Infos kurz vor Festivalbeginn, dabei wüsste man doch schon beim Kartenkauf gerne etwas mehr (und sei es nur, um ein Gefühl dafür zu kriegen, wie die Richtung in etwa ist). Jedenfalls ist doch schon wieder ordentlich was los und die drei genannten sind schon alles Leute, die ich unbedingt sehen möchte (nur Bezuidenhout hörte ich schon, aber bisher erst mit Orchester bzw. mit Kammermusik).

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