Duane Jarvis/Cindy Bullens – 15.4.03, Halle, Objekt 5

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    anne-pohl

    Registriert seit: 12.07.2002

    Beiträge: 5,438

    Halle ist eine ziemlich häßliche Stadt; auch in frühlingshafter
    Abenddämmerung und besonders, wenn man den Stadtring auf und ab
    fährt, um endlich die richtige Abfahrt zu erwischen, die einen zum „Objekt
    5“ bringen soll, wo heute abend Duane Jarvis und Cindy Bullens auftreten.
    Als wir das kleine, gelb getünchte Fachwerkhaus gefunden haben, ist es
    bereits dunkel. Ich zwänge mich in meine schnellen Cowboystiefel – vor
    den Lohn hat der Herrgott schließlich den Schweiß gesetzt -, die zuletzt
    beim Konzert von Mark Olson und Victoria Williams mißmutig den Estrich
    im Berliner Knaack-Club bestrichen haben.

    Dass dieser Abend ein guter Abend werden wird, ist von dem Moment an
    klar, als wir die Tür zum „Objekt 5“ öffen. Ein hoher Raum, nicht
    besonders groß, in dem auf Barhockern an hohen Tischen etwa 30 Leute
    sitzen. Rechts eine Theke, hinten die hell erleuchtete Bühne, darauf zwei
    Menschen mit Gitarren und zwei Mikrofone. Die Atmosphäre: irgendwie
    heimelig. Die Akustik: absolut göttlich. Töne flirren durch die Luft. Duane
    Jarvis, klein und sehr aufrecht, singt „Still I Long For Your Kiss“ (das er
    zusammen mit Lucinda Williams für ihr Album „Car Wheels“ geschrieben
    hat), läßt seine E-Gitarre twangen und seufzen, Cindy Bullens begleitet
    ihn auf ihrer halbakustischen Gitarre. Meine Stiefel sind im Takt.
    Die beiden spielen noch drei, vier Stücke von Jarvis‘ neuem (fünften)
    Album „Delicious“- „Swamp Pop“, wie Jarvis es nennt – dann ist leider
    schon Pause: Während wir durch Halle irrten, haben wir nämlich die Hälte
    des ersten Sets verpasst…

    Die Stiefel zieht’s zur Bühne. Ich hinterher. Erst mal angelegentlich in den
    CDs kramen, dann berichten, dass wir extra aus Berlin gekommen sind.
    Cindy Bullens brüllt quer über die kleine Bühne: „Hey, DJ, these people
    came from Berlin to see you!“ Duane Jarvis kommt rüber, mittlerweile
    hat Rolf schon sein As aus der Tasche gekramt: Als er ihr erzählt, dass er
    1978 ihr erstes Album „Desire Wire“ besessen hat, strahlt sie übers ganze Gesicht.

    Nach der Pause übernimmt Cindy Bullens, hauptsächlich mit Stücken von
    ihrem letzten beiden Alben, „Somewhere Between Heaven & Earth“ (das
    nach dem Tod ihrer Tochter entstand) und „Neverland“. Jarvis gibt seinen
    scharfen Gitarrensenf dazu. Nach dem Swamp bekommen wir jetzt eine
    Lehrstunde in Sachen „Loooove Songs“ und Rock’n’Roll. Die beiden
    bräuchten gar nicht zu betonen, wie wichtig ihnen Live-Musik und ihr Live-
    Publikum sind – man sieht es daran, wie sie sich um ihre Gitarren
    biegen, die kleinen Widerstände vom Verstärker weglachen und einfach
    mit viel Ironie und Herz gegen das Leben ansingen.

    Nach dem Set gibt es drei Zugaben, dann werden die Gitarren endgültig
    beiseite gelegt. Wir machen uns auf den Weg zurück nach Berlin. Die
    Stiefel kommen – wenn auch widerwillig – mit.

    Duane Jarvis/Cindy Bullens
    17.04.03 26180 Neusüdende, Festival 20:00
    18.04.03 26789 Leer, Taraxacum 20:00

    Duane Jarvis tritt auch am 3.5. bei der Rhythm and Blues Night im Groninger Oosterpoort auf. Eine Wahnsinnsnacht,
    die sich Nordlichter nicht entgehen lassen sollten:
    Hier mal gucken

    Den Club „Objekt 5“ in Halle kann ich auch allen nur ans Herz legen: Akustik und Atmo sind wirklich toll. :)

    --

    Highlights von Rolling-Stone.de
    #967809  | PERMALINK

    kritikersliebling

    Registriert seit: 08.07.2002

    Beiträge: 18,340

    Schön geschrieben und beschrieben. Vor allem die Stellen mit den Stiefeln.

    --

    Das fiel mir ein als ich ausstieg.
    #967811  | PERMALINK

    anne-pohl

    Registriert seit: 12.07.2002

    Beiträge: 5,438

    Dankeschön. Ich hab übrigens lieber nicht erwähnt, dass Cindy Bullens mit Elton John „Don’t Go Breaking My Heart“ gesungen hat – genauso wenig erwähnt habe ich ihre drei Gesangseinlagen auf dem Grease-Soundtrack – das hätte vielleicht einen falschen Eindruck erweckt. :lol:

    --

    #967813  | PERMALINK

    kritikersliebling

    Registriert seit: 08.07.2002

    Beiträge: 18,340

    Dankeschön. Ich hab übrigens lieber nicht erwähnt, dass Cindy Bullens mit Elton John „Don’t Go Breaking My Heart“ gesungen hat – genauso wenig erwähnt habe ich ihre drei Gesangseinlagen auf dem Grease-Soundtrack – das hätte vielleicht einen falschen Eindruck erweckt. :lol:

    Bei mir nicht.

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    Das fiel mir ein als ich ausstieg.
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