Startseite › Foren › Fave Raves: Die definitiven Listen › Die besten Alben › Mogs Platten
-
AutorBeiträge
-
In alter Favouriten-Manie stellt nun auch Mog seine Lieblingsplatten vor. Nicht mit der Produktivität eines Nikodemus, aber – zumindest plane ich es so – in regen Abständen. Vielleicht ist das Forum mittlerweile übersättigt an Beiträgen dieser Art, aber eventuell interessiert sich doch der ein oder andere dafür was Mog vorzustellen hat.
JACKSON C. FRANK – „Jackson C. Frank“
(Columbia – 1965)
Gefallene Helden durchziehen die Popwelt bekanntermaßen seit jeher. Die tragischen Lebensgeschichten Elvis Presleys, Nick Drakes, Gram Parsons‘, Jeff Buckleys, Syd Barretts oder Elliott Smiths sind wohl bekannt und erschütterten nicht nur ihre Anhänger. Die tragische Geschichte eines beinahe vergessenen Künstlers beschreibt das Leben des Jackson Carey Frank, geboren 1943 in Buffalo, New York.
Die Geschichte beginnt mit einem Brand in Jacksons Schule, bei dem 18 seiner Schulkameraden ihr Leben ließen und der damals Elfjährige Verbrennungen am gesamten Körper erlitt, welche einen siebenmonatigen Krankenhausaufenthalt nach sich zogen. Obwohl dieser Aufenthalt ihm zum Gitarre spielen brachte, erholte Jackson sich nie von diesem Schockerlebnis. Mit dem Erreichen der Volljährigkeit erhielt Jackson Schadensersatz in Höhe von 100.000 US Dollar. Er nutzte diese Chance um 1964 nach London zu ziehen um seine musikalische Karriere voranzutreiben. Seine Wohnung teile Jackson sich mit Paul Simon und Art Garfunkel, welche kurze Zeit später mit „The Sound Of Silence“ ihren ersten Hit landen sollten. Paul Simon war von Jacksons Musik derart beeindruckt, dass er beschloß dessen selbstbetiteltes Debütalbum zu produzieren.
„I can’t play. You‘re looking at me.“ So die Worte des schüchternen Musikers während der Aufnahmen, aufgrundwelcher Pappwände aufgestellt wurden, hinter denen Jackson seine Takes in Ruhe aufnehmen konnte.
Es verwundert also nicht, dass „Jackson C. Frank“ das Abbild eines einsamen Mannes ist, der seine Lieder lediglich mit ein bis zwei akustischen Gitarre unterstützt. Obschon viele seiner Songs von Melancholie und Trauer durchzogen sind, wird der Gesamteindruck durch einige Midtemp-Nummern (Don’t Look Back, My Name Is Carnival, Just Like Anything) aufgelockert, was zu reger Abwechslung und Spannung innerhalb dieses minimalistischen Folk-Songwriter-Albums führt. Bemerkenswert ist das filigrane, auf perfektioniertes Picking ausgerichtete Songwriting, welches selbst Kritiker, die ihm seine zittrige, ängstliche Stimme vorwarfen, zu überzeugen wusste. Im Gegensatz zu den Kritikern empfinde ich Franks verzweifelten Gesang als großartiges Ausdrucksmittel, welches im ersten Song der B-Seite „Milk And Honey“ seinen intensivsten Höhepunkt erreicht. Spätestens ab diesem Song kämpft Hörer wie Interpret mit seinen Gefühlen. „Autumn’s leaving and winter’s coming“, so scheint Frank in eben diesem „Milk And Honey“ metamorphorisch den weiteren Verlauf seines Albums, als wollte er den Hörer auf seinen introvertierten und tieftraurigen „Dialogue“ vorbereiten, zu beschreiben.„I want to be alone / I need to touch each stone / face the grave that I have grown / I want to be alone“
Nach dieser auch musikalisch sehr beklemmenden Selbstdarstellung, fängt Frank das Album zumindest durch wärmere Harmonien wieder auf und spielt sich scheinbar befreit durch die letzten beiden Songs des Albums. Doch dieser Schein trügt, im abschließenden „You never wanted me“ befasst Frank sich etwa mit „back against the wall“-Attitüde mit den Fehlern einer gescheiterten Beziehung: „You never wanted me, and now I feel the same“ – Zumindest eine halbwegs versöhnliche Einsicht.
Dieses selbstbetitelte Debüt blieb das einzig je veröffentlichte Werk von Jackson C. Frank, der unter großem Lampenfieber und Depressionen leidend nie wieder die Qualität dieser zehn Songs erreichte. Auf die britische Folkszene der Sechziger hatte er dennoch gehörigen Einfluß. Cover von „Milk And Honey“ und „You Never Wanted Me“ fanden etwa den Weg auf Sandy Dennys (Sängerin bei Fairport Convention von 68 – 70 und 73 – 75) Debüt-LP. Nick Drake interpretierte „Here Comes The Blues“, zu finden u.a. auf der „Time Has Told Me“-Sammlung und sowohl Paul Simon als auch Al Stewart (der auf „Yellow Walls“ die Lead-Guitar spielt und damit gleichzeitig sein Studiodebüt gibt) geben Jackson C. Frank als große Inspirationsquelle an.
Nachdem das Geld des Schadensersatzes 1969 ausging, kehrte Frank in die Staaten zurück und verlor sich in seinen Depressionen. Mitte der Siebziger wurde er obdachlos und lebte zwei Jahrzehnte auf der Straße oder in Krankenhäusern. Er litt unter Arthritis, konnte kein Geld mehr für seine Psychopharmaka auftreiben und verlor sein Augenlicht in einer Schießerei, an welcher er unbeteiligt war. Am dritten März 1999 starb Jackson C. Frank im Alter von 55 Jahren.
Laut Popsike.com zahlt man für die Originalpressung, falls man sie bei Ebay findet, 300 Pfund. Die Columbia-Nachpressung auf 180g Vinyl aus dem Jahre 1996, die offiziell zwar unter dem Namen „Blues Run The Game“ gelistet wird, zumeist aber dennoch als selbstbetitelt verkauft wird, gibt es zwischen 20 und 25 Euro. (Die Adressen hierfür sind ebay.co.uk oder der Amazon Marketplace) Auf CD bekommt man die Platte, je nach Version in ursprünglicher Fassung oder mit 5 bis 25 Bonus-Tracks (unter dem Titel „Blues Run The Game“), zu herkömmlichen Preisen.
--
Highlights von Rolling-Stone.deVideo: Tagesthemen berichtet 1994 über den Tod von Kurt Cobain
Wie schön, dass du geboren bist: Die 50 besten Geburtstagslieder
Neu auf Disney+: Die Film- und Serien-Highlights im April
Amazon Prime Video: Die wichtigsten Neuerscheinungen im April
Netflix: Das sind die besten Netflix-Serien aller Zeiten
Neu auf Netflix: Die wichtigsten Filme im April 2025
WerbungSchön mog:wai, dass du nun auch einen eigenen Favoriten-Thread startest. Und das gleich mit einem wirklich tollen Album, das es zu entdecken lohnt.
(Neben der Columbisa Pressung gibt es auch noch eine Earmark Nachpressung, die relativ günstig angeboten wird.)--
Hey man, why don't we make a tune... just playin' the melody, not play the solos...Klasse, Mog:Wai. In diesem Fall sind mir Künstler und Album völlig unbekannt, klingt sehr interessant. Bin gespannt, mit welchen Alben es weitergeht.
--
mog:waiCover von „Milk And Honey“ und „You Never Wanted Me“ fanden etwa den Weg auf Sandy Dennys (Sängerin bei Fairport Convention von 68 – 70 und 73 – 75) Debüt-LP.
Ich habe außerdem noch eine sehr schöne Bootleg-Version von „Blues Runs The Game“. Denke, diese Platte könnte etwas für mich sein.
--
A Kiss in the DreamhouseVon Jackson C. Frank habe ich bisher noch nie gehört. Eine wirklich tragische Biographie.
--
Wake up! It`s t-shirt weather.mog:waiNicht mit der Produktivität eines Nikodemus, aber – zumindest plane ich es so – in regen Abständen.
(Und hoffentlich nicht mit der Lethargie respektive Faulheit von DB…)
mog:waiVielleicht ist das Forum mittlerweile übersättigt an Beiträgen dieser Art, aber eventuell interessiert sich doch der ein oder andere dafür was Mog vorzustellen hat.
Nein, an solch schönen Beiträgen kann man sich nicht übersättigen.
--
Schön mog:wai, auch ich kenne die Platte nicht. Wird sich aber nun bestimmt ändern.
Dominick BirdseyNein, an solch schönen Beiträgen kann man sich nicht übersättigen.
Dem möchte ich heftigst zustimmen. Die Favoritenthreads sind weiterhin meine liebsten und ich lese alle immer mit großer Freude.
--
Sehr schön mog:wai, ich glaube nicht, dass es zuviele von solchen Beiträgen geben kann, also bitte weitermachen. Jackson C Frank kannte ich bisher auch nur vom Namen, aber dein Text macht wirklich sehr neugierig, ich werde auf jeden Fall mal Ausschau halten. Vielen Dank
--
and now we rise and we are everywhereEin mehr als gelungener Einstand!!! Ich habe von diesen Künstler bzw. der Platte noch nie etwas gehört. Doch deine Rezension überzeugt mich vollkommen. Werde mich wegen der Platte auf jeden Fall umsehen.
@atom: Ist die Earmark – Pressung empfehlenswert, oder sollte man doch eher nach der Columbia Ausschau halten?
--
Der Teufel ist ein Optimist, wenn er glaubt, dass er die Menschen schlechter machen kann. "Fackel" - Karl KrausEine schöne Plattenkritik! Ich kenne allerdings weder die Platte noch Jackson C. Frank.
Und solange nicht alle die gleichen Platten auf die gleiche Art und Weise vorstellen, sind diese Favouriten-Threads auf keinen Fall zu viel.--
Vega4@atom: Ist die Earmark – Pressung empfehlenswert, oder sollte man doch eher nach der Columbia Ausschau halten?
Ich kenne das Columbia Reissue nicht. Die Earmark Pressung ist aber empfehlenswert.
--
Hey man, why don't we make a tune... just playin' the melody, not play the solos...Schöner Text! Über Frank hatte ich schonmal etwas gehört (kann es sein, dass im RS etwas stand?), sein Werk ist mir aber nicht bekannt. Bitte weitermachen!
--
If you talk bad about country music, it's like saying bad things about my momma. Them's fightin' words.Wow, was für eine traurige Story!
Hochinteressante Auswahl, Mog. Freue mich auf weitere Vorstellungen.--
I like to move it, move it Ya like to (move it)Auch ich möchte mich hier einmal zu diesen persönlichen Threads äußern: Bin zwar nur zumeist stiller Mitleser, genieße aber sehr die oftmals sehr schönen Texte. @ mog:wai: Deine Ausführungen zu dem Album machen echt neugierig. Sehr beeindruckend! Auch ich bitte dringlichst um Fortsetzung.
--
there's room at the top they are telling you still but first you must learn how to smile as you killNapoleon DynamiteIch habe außerdem noch eine sehr schöne Bootleg-Version von „Blues Runs The Game“. Denke, diese Platte könnte etwas für mich sein.
Von dieser Demo hatte ich einmal in einem Bericht gelesen, stimmt. Gehört habe
ich sie allerdings noch nicht. Danach werde ich mich mal umsehen, es ist doch
immer wieder interessant tolle Songs von guten Künstlern neu interpretiert zu
hören.Malibu[…]
Und solange nicht alle die gleichen Platten auf die gleiche Art und Weise vorstellen, sind diese Favouriten-Threads auf keinen Fall zu viel.Eben das habe ich mir auch gedacht. Deshalb werde ich hauptsächlich versuchen
Alben auszuwählen, mit denen sich hier noch niemand näher
auseinandergesetzt hat.Deshalb habe ich den Thread übrigens auch ‚Mogs Platten‘ und nicht ‚Mogs
Favouriten‘ getauft. Mit ‚Five Leaves Left‘ (Nick Drake) hat Nikodemus bei-
spielsweise eine tolle Platte besprochen, die auch in meiner Gunst sehr hoch
steht. Da seine Kritik noch frisch und sehr gut ist, werde ich diese Platte aber
erstmal nicht besprechen. Außerdem wollte ich mir die Option offen halten
hier eventuell über interessante Kollaborations- und Projektalben zu schreiben,
die zwar nicht unter meinen Lieblingsplatten sind, von ihrer Grundkonzeption
es aber schon wert sind besprochen zu werden.Ich freue mich übrigens sehr über den positiven Zuspruch, da hat man direkt
Lust die nächste Kritik in Angriff zu nehmen. (Ich kann allerdings vorweg nehmen,
dass meine Besprechungen hauptsächlich am Wochenende online gestellt werden,
da ich dort mehr Zeit habe meine Gedanken zu Papier zu bringen.)
Wirklich toll, dass sich hier so viele mit diesen individuellen Threads
auseinandersetzen. Am meisten freue ich mich aber natürlich, dass ich
Lust auf die Platte von Jackson C. Frank machen konnte. (Denn darum ging es mir
bei dieser Platte hauptsächlich.) Falls sie den Weg in Eure Sammlung findet, teilt mir
bitte Eure Meinung dazu mit. Daran wäre ich wirklich sehr interessiert!--
-
Du musst angemeldet sein, um auf dieses Thema antworten zu können.