Die eine oder andere Diskussion der letzten Zeit hat es ans Tageslicht gefördert: Der Blick auf die Popmusik und die Frage, was du und ich eigentlich von ihr wollen, ist widersprüchlich und bedarf einer diskursiven Klärung. Einerseits wird Popmusik als Quelle sui generis für eine sowohl individuell als auch kollektiv empfundene Lebensfreude betrachtet, die eines darüber hinausgehenden Anspruchs nicht bedarf, andererseits wird sie in ihrer Fähigkeit verteidigt, aus sich selbst, aber auch aus der Begegnung mit anderen Stilrichtungen Neuschöpfungen hervorzubringen, die auch in künstlerisch-intellektueller Hinsicht den Vergleich mit Jazz, (Art-)Rock und Klassik nicht zu scheuen brauchen. Es liegt natürlich nahe, die ideale Kombination aus beidem zum ultimativen Maßstab zu erheben und Popmusik insgesamt und ihre InterpretInnen daran zu messen, und ich persönlich hätte gegen einen solchen Idealmaßstab durchaus nichts einzuwenden. Aber die Frage, wie wir es mit denjenigen halten, die ganz überwiegend einen dieser beiden Pole bedienen, bliebe dann weiterhin unbeantwortet. Sind sie gleichrangig, oder kann einer von beiden für sich einen Vorrang beanspruchen? Ist der "Spaßfaktor" der Natur der Popmusik gemäßer oder ist das intellektuelle Vergnügen am "gehobenen" Pop der "wahre" Genuss? Und kann man das überhaupt allgemein diskutieren, losgelöst von den individuellen Persönlichkeiten, die Popmusik machen? Ist nicht die individuelle Ausstrahlung der charismatischen Popsängerin bzw. des charismatischen Popsängers die entscheidende Qualität, auf die es ankommt? Und ist die Ästhetik eines Popsongs die Kombination aus allen diesen Einzelmerkmalen oder wiederum eine eigene, davon getrennt zu betrachtende Qualität?


Zitieren

Lesezeichen