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  1. #46
    Nightswimmer Avatar von nail75
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    Bericht & Bilder von der "Lost in Diversity"-Konferenz, insbesondere von Shepp & Lateef:
    http://www.regioactive.de/review/201...N55f3nyML.html
    Ohne Musik ist alles Leben ein Irrtum.

  2. #47
    Das Beste vom Norden im Südwesten Avatar von icculus66
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    Zitat Zitat von nail75 Beitrag anzeigen
    Bericht & Bilder von der "Lost in Diversity"-Konferenz, insbesondere von Shepp & Lateef:
    http://www.regioactive.de/review/201...N55f3nyML.html
    Hier als Ergänzung der Bericht von Georg Spindler, bei dem Shepp weniger gut
    "weg kommt" (aus der Samstag-Ausgabe des "Mannheimer Morgen"):
    http://www.morgenweb.de/nachrichten/...reise-1.795028

    Deine Einschätzung des Konzertes gestern abend? Die technische Unterbrechung
    hat den "Flow" der Musik doch etwas gestört, finde ich. Und von "Mama Rose"
    habe ich schon besserere Versionen gehört. Wirklich sensationell war Hamid Drake.

    gypsy und redbeans sind wahrscheinlich noch nicht zu Hause. Die werden
    ihre Eindrücke sicherlich auch noch schildern.
    Jazz is neither specific repertoire, nor academic exercise... but a way of life. (Lester Bowie)

    "Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners"
    Heinz von Foerster (*13.11.1911, +02.10.2002)

  3. #48
    Nightswimmer Avatar von nail75
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    Ich finde den Bericht von Spindler sehr gut und zusammengenommen ergibt sich schon ein gutes, umfassendes Bild dieser Nachmittagssession. Es gab einfach zu viele Aspekte auszuloten, um alles zu erwähnen.

    Ich habe offensichtlich mehr Verständnis für die "Enteignungsängste" von Shepp als andere, aber das heißt nicht, dass ich alles abnicke. Mir gehen diese Ängste zu weit, aber ich will ihn dafür auch nicht kritisieren, jedenfalls nicht übermäßig.

    Auf der anderen Seite bin ich durchaus gewillt nachzufragen, so als Shepp sich abfällig über den Begriff Free Jazz äußert und fragt, was das überhaupt sei. Da habe ich doch mal darauf hingewiesen, dass Ornette Coleman den Begriff popularisiert hat und nicht irgendein Weißer. Shepp hat darauf geantwortet, dass sich seine und Colemans Erfahrungen offensichtlich unterschieden haben. In der Tat.

    Nicht alle Afro-Amerikaner sind sich einig, was den Begriff Jazz angeht. Aber in der Begegnung mit Weißen wird eben eine gewisse Haltung nach außen aufgebaut, die man nicht in jeder Beziehung vollständig ernst nehmen sollte. Oder man soll die Herausforderung eben annehmen und widersprechen, das haben einige ja auch gemacht.

    Das Konzert fand ich sehr gut, der Bericht kommt in Kürze. Den Gesang von Shepp brauche ich nicht, kann ihn aber ertragen. Ich fand die Band nach der Pause besser als vorher, besonders Lateef, der wesentlich mehr tat, was am Schluss zu einigen Ungereimtheiten mit Shepp führte. Insgesamt war es aber ein sehr lebendiges und unterhaltsames Konzert.
    Ohne Musik ist alles Leben ein Irrtum.

  4. #49
    Nightswimmer Avatar von nail75
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    Ohne Musik ist alles Leben ein Irrtum.

  5. #50
    recalls the yellow cotton dress Avatar von redbeansandrice
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    nochmal danke an nail für alles (noch nicht erwähnt: die Fotos von der Konferenz sind fantastisch, vor allem das mit Lateef auf der Kanzel) - mein Senf:

    die Rhythmusgruppe mit Mitchell/Workman/Drake hat mir wahnsinnig gut gefallen, jeder einzelne war klasse, auf dem Papier sah die Mischung mutig aus - aber das Risiko hat sich voll ausgezahlt. Es war toll Shepp und vor allem Lateef mal zu sehen. Vom Ton her, waren auch beide noch ziemlich da, also, ein einzelner ton von lateef auf einem seiner instrumente (tenor, flöte, oboe, muschel, etc) und man versteht die klassischen Alben eine Spur besser - ähnlich für Shepp... bei Lateef hatte ich den Eindruck, dass er sich mittlerweile kaum noch für improvisierte Soli interessiert, mehr für Sounds... das ist vollkommen legitim, dass sich Interessen verschieben und so, aber es gab letztlich kein Solo von ihm an dem Abend, dem ich für sich genommen mehr als zweieinhalb Sterne geben würde, auf der Flöte ist er noch am flexibelsten, Tenor fand ich etwas zu schwach... kein Zufall, dass er den meisten Zwischenapplaus für die (wirklich tolle) Themenvorstellung von See See Rider auf der Oboe bekam, und nicht für eines der improvisierten Soli. Kann mir gut vorstellen, dass er in einem "geräuschorientierten" Duo mit einem Perkussionisten (so wie er mittlerweile meistens auftritt), vielleicht noch einem Bass heutzutage besser funktioniert, das scheint seinen Interessen auch mehr zu entsprechen, als Flötensoli in Ellingtonballaden zu spielen. Bei Shepp glaub ich irgendwie, dass ich mir ein Solokonzert von ihm (mit einer ähnlichen Band aber ausser Lateef) vielleicht besser anhören könnte, also, dass es mir dann leichter fiele, ihn so zu nehmen, wie er ist - ein Typ (gerne auch "ein Griot") im Ledermantel, der immer noch "Re Re Re, Re Re Revolution" singt und gerne das letzte Wort hat... es ist total ok, dass man sich mit Mitte 70 nicht mehr auf die Musik eines anderen einlassen kann, und dass man im wesentlichen die Klischees nachspielt, die man immer gespielt hat - und das tut er auch - ist halt irgendwie mehr ein Theaterstück, als ein Konzert... auf irgendeiner Ebene, hat es meinem Eindruck von Shepp fast am meisten geschadet, dass hinter ihm Reggie Workman stand - genauso alt, immer noch Vollprofi, immer noch ein fantastischer Ton und ein toller Groove, und immer noch voll im Dienst der Sache, und damit im Dienst der Ideen anderer... grad nochmal ein bisschen Lateef Belmondo Videos auf youtube geguckt (von 2006/07), ich würd schon behaupten, dass das besser funktioniert hat (zum Teil, weil Lateef mehr Luft hatte, zum Teil, weil er sich stärker bemüht, "tolle Soli" zu spielen)
    When mistakes get made that's where the music starts. (E. Eskelin)

  6. #51
    Das Beste vom Norden im Südwesten Avatar von icculus66
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    Mittlerweile wird auch auf Rücksicht der Gefühle von teilnehmenden Musikern
    auf den Ausschank von Alkohol verzichtet. Die Frage ist, ob man sich sowas
    als Freidenker (und Trinker; Freitrinker!) gefallen lassen muss.

    Er trägt ein weites, fließendes Gewand, seine Frau ein Kopftuch. Aus Rücksicht auf seinen Glauben wird beim anschließenden Empfang kein Alkohol ausgeschenkt.
    Nagel, das ist nicht gegen Dich. Aber irgendwas stimmt hier nicht.
    Immerhin nehmen sie alle gerne die (wahrscheinlich) gute Gage.
    Und kommen alle Jahre wieder.

    Darauf trinke ich jetzt einen.
    Jazz is neither specific repertoire, nor academic exercise... but a way of life. (Lester Bowie)

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    Heinz von Foerster (*13.11.1911, +02.10.2002)

  7. #52
    modérateur aquoiboniste Avatar von gypsy tail wind
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    @nail: vielen herzlichen Dank für den ganzen Tag, hat mich sehr gefreut, Dich zu treffen ... auch die kurze Unterhaltung mit Howard Mandel war sehr spannend! Danke auch für deine Besprechung, die ich schon heute nachmittag gelesen hatte. Und 'teef auf der Kanzel - grossartig!

    @redbeans: Deiner Einschätzung des Konzertes schliesse ich mich vollumfänglich an. Shepp hat mich vielleicht manchmal fast noch etwas mehr genervt. Interessantes Detail von Howard Mandel: er meinte ja im Gespräch danach, Drake sei ziemlich verschenkt gewesen, weil er all das nicht hätte ausspielen können, was seine Stärken sind ... er habe zweckdienlich gespielt, wie ein Profi halt (ja, hat er, und sehr gut hat er das gemacht!). Auf die Frage nails, was denn seine Stärken seien: "He's a reggae drummer." - BANG! So ist das wohl, auch wenn ich das so einfach noch nie gedacht hatte.

    @icculus: der Wein floss in Strömen, dass die Gläser zwischendurch mal für zehn Minuten und irrtümlich, wie sich herausstellte, entfernt wurden, das kann selbst ein Freitrinker verkraften!
    schmafu


    Funk Power! Eine lange Nacht mit Musik aus der Werkstatt von James Brown.
    RadioStoneFM - Samstag 29. November - 20:30 bis 00:33

  8. #53
    Nightswimmer Avatar von nail75
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    Zitat Zitat von redbeansandrice Beitrag anzeigen
    nochmal danke an nail für alles (noch nicht erwähnt: die Fotos von der Konferenz sind fantastisch, vor allem das mit Lateef auf der Kanzel)
    Danke und gern geschehen.

    Bei Shepp glaub ich irgendwie, dass ich mir ein Solokonzert von ihm (mit einer ähnlichen Band aber ausser Lateef) vielleicht besser anhören könnte, also, dass es mir dann leichter fiele, ihn so zu nehmen, wie er ist - ein Typ (gerne auch "ein Griot") im Ledermantel, der immer noch "Re Re Re, Re Re Revolution" singt und gerne das letzte Wort hat... es ist total ok, dass man sich mit Mitte 70 nicht mehr auf die Musik eines anderen einlassen kann, und dass man im wesentlichen die Klischees nachspielt, die man immer gespielt hat - und das tut er auch - ist halt irgendwie mehr ein Theaterstück, als ein Konzert... auf irgendeiner Ebene, hat es meinem Eindruck von Shepp fast am meisten geschadet, dass hinter ihm Reggie Workman stand - genauso alt, immer noch Vollprofi, immer noch ein fantastischer Ton und ein toller Groove, und immer noch voll im Dienst der Sache, und damit im Dienst der Ideen anderer...
    Ich kann das nachvollziehen, sehe es aber etwas positiver, wie du weißt. Reggie Workman war in der Tat fantastisch, aber wie auch beim Empfang fielen mir keine Worte ein, um es zu beschreiben. Shepp ist mehr Selbstdarsteller und Rechthaber. Aber damit kann ich leben. Nur ganz am Schluss hätte er mehr Rücksicht auf Lateef nehmen sollen.

    Zitat Zitat von icculus66 Beitrag anzeigen
    Mittlerweile wird auch auf Rücksicht der Gefühle von teilnehmenden Musikern
    auf den Ausschank von Alkohol verzichtet. Die Frage ist, ob man sich sowas
    als Freidenker (und Trinker; Freitrinker!) gefallen lassen muss.
    Ich kann dich beruhigen: Der Drang zum Alkohol siegt immer. Bei der Generalprobe gab es genug für alle und auch beim Abschlussempfang floss er reichlich. Nur als es kurzzeitig so aussah, als käme Yusef auch, wurde er schnell verbannt. Als er doch gleich ins Hotel ging, wurden die nächsten Flaschen geköpft.

    Nagel, das ist nicht gegen Dich. Aber irgendwas stimmt hier nicht.
    Seine Frau schüttelt auch Männern nicht die Hände ("Sorry I don't shake"). Shake, Mama, shake.

    Immerhin nehmen sie alle gerne die (wahrscheinlich) gute Gage.
    Oh ja, wahrscheinlich sehr gut. In bar vor dem Konzert. Dem weißen Mann ist nicht zu trauen.

    Und kommen alle Jahre wieder.
    Shepp auf jeden Fall.

    Darauf trinke ich jetzt einen.
    Prost.

    Zitat Zitat von gypsy tail wind Beitrag anzeigen
    @nail: vielen herzlichen Dank für den ganzen Tag, hat mich sehr gefreut, Dich zu treffen ... auch die kurze Unterhaltung mit Howard Mandel war sehr spannend! Danke auch für deine Besprechung, die ich schon heute nachmittag gelesen hatte. Und 'teef auf der Kanzel - grossartig!
    Hat mich auch sehr gefreut, war schön, dass du es geschafft hast. :)

    @redbeans: Deiner Einschätzung des Konzertes schliesse ich mich vollumfänglich an. Shepp hat mich vielleicht manchmal fast noch etwas mehr genervt.
    Ihr habt euch voll auf den "armen" Shepp eingeschossen.

    Interessantes Detail von Howard Mandel: er meinte ja im Gespräch danach, Drake sei ziemlich verschenkt gewesen, weil er all das nicht hätte ausspielen können, was seine Stärken sind ... er habe zweckdienlich gespielt, wie ein Profi halt (ja, hat er, und sehr gut hat er das gemacht!). Auf die Frage nails, was denn seine Stärken seien: "He's a reggae drummer." - BANG! So ist das wohl, auch wenn ich das so einfach noch nie gedacht hatte.
    Er kennt ihn seit 1976, er muss es wissen.
    Ohne Musik ist alles Leben ein Irrtum.

  9. #54
    Das Beste vom Norden im Südwesten Avatar von icculus66
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    "Is It (Free) Jazz? I Don't Care" (Jeb Bishop)

    Falls ihr beim Symposium in Heidelberg teilgenommen habt:
    Hat sich Schlippenbach beteiligt? Immerhin gibt es auch Leute,
    die bestreiten, dass "diese Musik" (nennt sie wie ihr wollt)
    ausschließlich "schwarz" ist. Und man kann auch den Blues haben,
    wenn man deutsch ist.

    http://www.youtube.com/watch?v=syN3PFm_K80
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    "Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners"
    Heinz von Foerster (*13.11.1911, +02.10.2002)

  10. #55
    Nightswimmer Avatar von nail75
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    Ich habe Schlippenbach gefragt, ob ihn die Aussagen von Shepp ärgern, aber er hat abgewunken und gemeint, das sei ja nichts neues und es sei ja auch nicht falsch, in der Hinsicht, dass Afro-Amerikaner den Jazz erfunden haben. Shepp hat auch später klargestellt, dass natürlich jeder Jazz machen kann. Wie gesagt: man sollte da nicht jedes Wort auf die Goldwage legen.

    Schlippenbachs eigener Vortrag war eine relativ spröde Abhandlung über die Entstehung des Free Jazz in Deutschland. Interessant war vor allem die Gegenüberstellung der sehr politischen Wuppertaler-Szene (Brötzmann, Kowald) mit der eher unpolitischen Kölner-Szene (u.a. er), die aber das Bestreben gemeinsam hatten, neue Wege zu gehen.
    Ohne Musik ist alles Leben ein Irrtum.

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