Wow. Genau. Bist Du Dylanologe?Das Problem bei den Nummern auf Saved ist ja nicht, dass die Songs religiöse Texte haben, sondern dass sie platte, eindimensionale religiöse Texte haben. Und das kann man jemanden wie Dylan, der gerade auch für seinen Umgang mit Sprache geschätzt wird, schon vorwerfen.
Was die Musik und Religion betrifft, sind für mich die Blues(cover)aufnahmen des jungen Bob Dylan (von Fixin to die bis Gospel Pow etc.) ein spannendes Beispiel dafür, wie jemand durch Musik ein religiöses Gefühl authentisch auf den Punkt bringt - auch wenn er als junger jüdischer Mann (wie ausgeprägt seine persönliche Glaubenswelt damals auch gewesen sein mag) in einer anderen religiösen Tradition steht, als der Text nahe legt. Und wie sehr erotische Liebe und Gottesliebe zwei Seiten einer Medaille sind, kann man bei I Believe in You in einer Weise nachhören, die keine Vergleiche mit Gian Lorenzo Berninis Verzückung der hl. Theresa von Avila scheuen muss.
Auch bei (z.B.) Gram Parsons höre ich eine authentische Erlösungssehnsucht, die sich ihren Weg im vor-gegebenen Flussbett religiöser Sprache bricht. Hier geht es meines Erachtens nicht um Dogmatik sondern um den kulturell konnotierten (und vielleicht sogar ironisch gewendeten) Ausdruck eines echten Gefühls. Dieses Gefühl ist natürlich nicht zwingend und lässt sich wohl weder mit Woody Guthries geschichtlichem Optimismus noch mit der Emphase der Internationalen ("uns aus dem Elend zu erlösen, können wir nur selber tun") vereinbaren: hier ist die eigene Kraft am Ende und die Hoffnung so weit aufgebraucht, dass sie von selbst keine Bilder mehr entwerfen kann und darüber außer sich gerät ("Oh lord grant me vision, Oh lord grant me speed").



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