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Thema: Bob Dylan: Cover-Ranking

  1. #76
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    Zitat Zitat von B.B. Grunt Beitrag anzeigen
    Das Problem bei den Nummern auf Saved ist ja nicht, dass die Songs religiöse Texte haben, sondern dass sie platte, eindimensionale religiöse Texte haben. Und das kann man jemanden wie Dylan, der gerade auch für seinen Umgang mit Sprache geschätzt wird, schon vorwerfen.

    Was die Musik und Religion betrifft, sind für mich die Blues(cover)aufnahmen des jungen Bob Dylan (von Fixin to die bis Gospel Pow etc.) ein spannendes Beispiel dafür, wie jemand durch Musik ein religiöses Gefühl authentisch auf den Punkt bringt - auch wenn er als junger jüdischer Mann (wie ausgeprägt seine persönliche Glaubenswelt damals auch gewesen sein mag) in einer anderen religiösen Tradition steht, als der Text nahe legt. Und wie sehr erotische Liebe und Gottesliebe zwei Seiten einer Medaille sind, kann man bei I Believe in You in einer Weise nachhören, die keine Vergleiche mit Gian Lorenzo Berninis Verzückung der hl. Theresa von Avila scheuen muss.

    Auch bei (z.B.) Gram Parsons höre ich eine authentische Erlösungssehnsucht, die sich ihren Weg im vor-gegebenen Flussbett religiöser Sprache bricht. Hier geht es meines Erachtens nicht um Dogmatik sondern um den kulturell konnotierten (und vielleicht sogar ironisch gewendeten) Ausdruck eines echten Gefühls. Dieses Gefühl ist natürlich nicht zwingend und lässt sich wohl weder mit Woody Guthries geschichtlichem Optimismus noch mit der Emphase der Internationalen ("uns aus dem Elend zu erlösen, können wir nur selber tun") vereinbaren: hier ist die eigene Kraft am Ende und die Hoffnung so weit aufgebraucht, dass sie von selbst keine Bilder mehr entwerfen kann und darüber außer sich gerät ("Oh lord grant me vision, Oh lord grant me speed").
    Wow. Genau. Bist Du Dylanologe?

  2. #77
    Ruraler Dialektiker Bauernschädel i.w.S. Avatar von B.B. Grunt
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    eine aufschlussreiches Interviewpassage aus 1997:

    `Those old songs are my lexicon and my prayer book,'' he adds. ``All my beliefs come out of those old songs, literally, anything from `Let Me Rest on That Peaceful Mountain' to `Keep on the Sunny Side.' You can find all my philosophy in those old songs. I believe in a God of time and space, but if people ask me about that, my impulse is to point them back toward those songs. I believe in Hank Williams singing `I Saw the Light.' I've seen the light, too.'' Dylan says he now subscribes to no organized religion.

    Quelle:
    http://www.interferenza.com/bcs/interw/97-set27.htm
    If you dance, you might understand the words better.
    David Byrne

  3. #78
    Ruraler Dialektiker Bauernschädel i.w.S. Avatar von B.B. Grunt
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    Zitat Zitat von bullschuetz Beitrag anzeigen
    Wow. Genau. Bist Du Dylanologe?
    Definitiv nicht. Ich schätze sein Werk, wie das von vielen anderen auch -würde aber nur einer Handvoll Dylan-Alben ***** geben, sammle nicht jeden Live-Mitschnitt und hab mir über die Jahre pro Jahr höchstens ein Dylan Konzert angeschaut. Manchmal aber auch eine Tour ausgelassen, weil die Karten teuer waren oder das Leben andere Dinge bereit hielt.
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    David Byrne

  4. #79
    Likely Lad Avatar von Bullitt
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    Warum wurde das Cover von "Saved" eigentlich ersetzt? War das nachträglich ein bewusster Versuch auf Distanz zu dieser Phase zu gehen? Hat Dylan sich überhaupt je von dieser Phase distanziert oder hat er sie einfach ausschleichen lassen?

    Zitat Zitat von Roseblood Beitrag anzeigen
    Für mich ist dieser Effekt perfekter als ein scharf geschossenes Foto. Es ist dadurch einprägsam und markant und cooler als Dylan sah 1966 sowieso keiner aus. Für mich bildet das Cover und die Musik auf Blonde On Blonde eine Einheit. Ich hätte mir kein anderes Bild für das 66er Album vorstellen können. Zumal die Idee mit einem Bild über ein Klappcover großartig ist.
    Sehe ich auch so. Die anderen, scharfen Fotos aus der Session haben längst nicht die Anziehungskraft wie das Covermotiv. Die Jacke finde ich im übrigen auch sau cool. Zu Recht bekam sie weitere Auftritte auf Nashville Skyline und John Wesley Harding.

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