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Thema: Qualität/Quantität - Die Produktivität der Musiker

  1. #1
    he's in the alley Avatar von Roseblood
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    Qualität/Quantität - Die Produktivität der Musiker

    The Beatles nahmen in ihren ersten 3 Studiojahren 6 LPs auf. Aretha Franklin veröffentlichte in den 60s nicht selten 4+x Singles pro Jahr. Allgemein war es üblich, dass neue Künstler zu dieser Zeit einen enorm hohen Output hatten und 2 Stduioalben pro Jahr veröffentlichten. 45 Jahre später, sieht diese Veröffentlichungspolitik vollkommen anders aus. Heute wartet man nicht selten Jahre auf einen Nachfolger einer Debütplatte. The Strokes lösten 2001 mit ihrer "Is This It"-LP einen neuen Hype aus und trotzdem dauerte es 2 Jahre, bis ihre Nachfolge-LP auf den Markt kam. In den 60s wäre solch eine "langsame" Produktivität undenkbar gewesen.

    Woran liegt dieses Umdenken? Einfach nur darin begründet, dass früher Musik sich neu entwickelte und man heute nur auf Gegebenes zurückgreifen kann und dies den Produktivitätsdrang zügelt?
    Ist es gut, dass heute Bands/Künstler nicht mehr in der Masse wie früher veröffentlichen?
    Welche Acts haben eurer Meinung nach in ihrer Quantität die Qualität vergessen oder auch anders herum?
    I drink to remember, I smoke to forget.

  2. #2
    Jokerman Avatar von dr.music
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    Zitat Zitat von Roseblood Beitrag anzeigen
    ... 1. Einfach nur darin begründet, dass früher Musik sich neu entwickelte und man heute nur auf Gegebenes zurückgreifen kann und dies den Produktivitätsdrang zügelt?
    2. Ist es gut, dass heute Bands/Künstler nicht mehr in der Masse wie früher veröffentlichen?
    1. Dies halte ich für ein erstes stichhaltiges Argument. Früher war es noch einfacher, viel Musikfelder sind heute auch abgeerntet.
    2. Andererseits gibt es viele, die veröffentlichen wie'd Sau.
    Jetzt schon 59 Jahre Rock 'n' Roll

  3. #3
    Nightswimmer Avatar von nail75
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    Zitat Zitat von Roseblood Beitrag anzeigen
    Woran liegt dieses Umdenken? Einfach nur darin begründet, dass früher Musik sich neu entwickelte und man heute nur auf Gegebenes zurückgreifen kann und dies den Produktivitätsdrang zügelt?
    Interessante Fragen.

    Sicherlich hat es etwas damit zu tun, dass in den 1960ern vieles einfacher war. Es gab einfach weniger Popmusik, es gab weniger Stile, es gab weniger Künstler, alles war im Grunde neu. Man ging in ein Studio, nahm ein paar Songs auf, mit Focus auf Singles und veröffentlichte die. Das Album als Kunstform existierte nicht, also musste man sich auch keine Mühe geben, ein besonders konsistentes Album zu veröffentlichen. Die Marketing-Abteilungen der Plattenfirmen dachten nicht in Veröffentlichungszyklen, niemand wusste ja, ob sich für die Beatles in einem Jahr noch jemand interessieren würde. Niemand wusste irgendetwas, also hat man sich beeilt - und die Künstler dabei teilweise auch verheizt. Das Konzept Album-Tour-Album-Tour existierte ja auch gar nicht. Es gab ja anfangs kaum geeignete Auftrittsmöglichkeiten. Und so weiter.
    Ohne Musik ist alles Leben ein Irrtum.

  4. #4
    Steht Baggypants überwiegend kritisch gegenüber Avatar von Filter
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    U1 durch bis kurz vor Ende
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    Eigentlich haben wir dank Internet doch längst wieder den Umbruch im Umbruch, oder? Zumindest wird zwischen den offiziellen Longplayern enorm viel übers Netz veröffentlicht. Du beschreibts da, jedenfalls in meiner Wahrnehmung, eher ein Phänomen der 70er und insbesondere der 80er und 90er und da ist mir nicht ganz klar, ob die erst in dieser Zeit aufkommenden Megaseller mit Verkaufszahlen im zweistelligen Millionenbereich nun Ursache oder Wirkung der Veröffentlichungspolitik waren? Wenn einer Platte Erfolg beschieden war, dann wurden jedenfalls nicht mehr schnell neue Aufnahmen nachgeschoben, wie in den 60ern, sondern die Platte vermarktet bis ins letzte. Bei den Doors warens z.B. in den 60ern ganze 6 Studioalben in 5 Jahren, 20 Jahre später lagen zwischen Jacksons Thriller und Bad allein 5 Jahre. Wieviele Songs von Thriller und Bad wurden jeweils als Single veröffentlicht? Dazu Tourneen bis in den hinterletzten Zwergstaat und ab den 80ern die zusätzliche Vermarktungsmöglichkeit durch Videoclips.

    Schätze, es war schlicht lukrativer.
    Country style auf Etage

  5. #5
    Stopfte einen Apfel in eine sowieso schon gestopfte Trompete
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    Sicherlich eine triviale und nicht sonderlich originelle Feststellung: War es in den späten 70ern und 80ern nicht vielleicht auch teilweise so, das abgefuckte, super reiche Megastars der 60er, die längst ausgesorgt und es eigentlich nicht mehr nötig hatten, denen partout nichts mehr einfiel, mit großem Bohei vermarktet wurden? Oft schien mir die gebuchte Studiozeit und die Dauer der Veröffentlichungpausen in negativer Korrelation zum Produkt zu stehen, manch Künstler verschwand mangels Ideen regelrecht hinter der Studiotechnik, da er/sie nichts zu sagen hatte. Klar, ein weiterer Aspekt von Seiten des damaligen Plattenfirmenoligopols könnte die künstliche Verknappung der Güter sein um den "Marktpreis" des jeweiligen Künstlers hochzutreiben.

  6. #6
    From Desolation Row Avatar von Stormy Monday
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    Zitat Zitat von dr.music Beitrag anzeigen
    1. Dies halte ich für ein erstes stichhaltiges Argument. Früher war es noch einfacher, viel Musikfelder sind heute auch abgeerntet.
    2. Andererseits gibt es viele, die veröffentlichen wie'd Sau.
    Richtig.
    Vielleicht 3. Die Antennen für gute Songs, die überall rumschwirren und die man nur schnappen muss (Keith Richards, ca.) funzen nicht mehr so. Und anders als bei den grossen Helden Dylan, Lennon, Young, Cohen, to name but a few, die schwer was vorgelegt haben, mangelt es auch am Talent für grosse Melodien und Texte ausser für eventuell ein One Hit Wonder. Zudem führt die Verwässerung durch sogenannte Hitproduzenten auf Holzwege, die morsch sind. Keine Experimente mehr, weder in Arrangement noch bei Klangfarben oder Kompositionen. Der R n`B beispielsweise ist eine klebrige Sosse heutzutage.
    Because something is happening here but you don`t know what it is

  7. #7
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    Zitat Zitat von Stormy Monday Beitrag anzeigen
    Zudem führt die Verwässerung durch sogenannte Hitproduzenten auf Holzwege, die morsch sind. Keine Experimente mehr, weder in Arrangement noch bei Klangfarben oder Kompositionen. Der R n`B beispielsweise ist eine klebrige Sosse heutzutage.
    Glaubst du denn, dass das Publikum zu einem großen Teil Experimente will? Im Kleinen gibt es das ja durchaus, aber über nerds scheint mir das nicht hinauszugehen. Oder hast du da andere Erfahrungen?

  8. #8
    From Desolation Row Avatar von Stormy Monday
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    Naja, nehmen wir mal die neue Neil Young, die hier überwiegend positiv besprochen wird. Crazy Horse, wie gewohnt. Nicht schlecht, aber auch nicht innovativ. Nun muss Neil ja kein Hip Hop- Album machen, aber ein Americana- Songbook hätte er auch mit Unerwartetem, noch nie von ihm gehörten Klang produzieren können. Was weiss ich, Funk, Soul, Metal. Denk mal an die Schwenks, die die Stones immer wieder überraschend machten in ihren guten Zeiten. Oder die erstaunlichen Sounds, die Jimi im Elektric Ladyland erfand. Von wem hört man heute noch ein sauberes Wah Wah, eine fette Fuzz oder eine Talk Box? Gut, das ist Geschichte, aber der technische Overkill scheint mir die Sounds zu nivellieren, für wenig Spannung zu sorgen. Von wenigen Ausnahmen mal abgesehen. Und das ist nur der Klang-Aspekt.
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  9. #9
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    Zitat Zitat von Stormy Monday Beitrag anzeigen
    Von wem hört man heute noch ein sauberes Wah Wah, eine fette Fuzz oder eine Talk Box? Gut, das ist Geschichte, aber der technische Overkill scheint mir die Sounds zu nivellieren, für wenig Spannung zu sorgen. Von wenigen Ausnahmen mal abgesehen. Und das ist nur der Klang-Aspekt.
    Das mit dem Klang ist wirkllich ein Problem, das ewig Gleichklingende. Aber klar, alle drängen hin zu den 10, 20 Top-Produzenten, und wenn die keine Zeit haben, dann wird halt versucht so zu klingen, und wenn man dann selbst produziert.
    Schlimm fand ich es, als die ganzen Brit-Bands (die heute zum Glück weitgend verschwunden sind) im Fahrwasser der Libertines und der US-Strokes alle gleich klangen. Und von der Presse gnadenlos gehyped wurden. Versuch mal, das Zeug heute zu hören ....

  10. #10
    turn on, tune in, drop out Avatar von Flash
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    Zitat Zitat von Stormy Monday Beitrag anzeigen
    Der R n`B beispielsweise ist eine klebrige Sosse heutzutage.
    Allerdings muss man zwischen R'n'B und R&B unterscheiden. Ersteres ist "contemporary soul" und hat mit zweiterem wenig zu tun.

  11. #11
    Retter des Wahren und Schönen Avatar von Reino
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    Die LPs in den 60er Jahren enthielten zumindest Anfangs die aktuelle Single und wurden ansonsten mit B-Material und Cover-Versionen aufgefüllt (auch bei den Beatles, zumal die ja ursprünglich eine Coverband waren). Erst als die Interpreten selber einen ungewöhnlich hohen und qualitativ hochstehenden Output hatten, änderte sich das (zumindest in der Wahrnehmung, den Schrott hat man ja nicht mehr auf dem Schirm). Je mehr die Interpreten/Autoren die Kontrolle über ihre Produktionen bekamen, desto häufiger ging Qualität vor termin- und marktgerechtem Erscheinen.
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  12. #12
    Bringt dem Hund von Baskerville das Miauen bei
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    Die Gründe für die angesprochenen Entwicklungen sind sicher vielfältig. Ich möchte noch einen weiteren Aspekt ins Spiel bringen, den zuletzt Joe Walsh angesprochen hat, der sich auf seinem neuen Album ja auch mit neuen Tendenzen bei Albumaufnahmen beschäftigt und das Ganze sehr ambivalent sieht: Mit der Möglichkeit von qualitativ hochstehendem Homerecording ist man nicht mehr an Studiozeiten im herkömmlichen Sinne gebunden. Zweitens ist die Entwicklung der Aufnahmetechnik verlockend für zur Studiobastelei neigenden Künstler, denn mit Pro Tools und digitaler Technologie lässt sich alles ausbessern und nochmals überarbeiten und nochmals und nochmals ....

  13. #13
    he's in the alley Avatar von Roseblood
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    @ PELO_Ponnes

    Aber gerade die ausgereiftere Studiotechnik und die Möglichkeit, dass man heute sogar mit Homerecordings "Brauchbares" aufnehmen kann und eigenlich nicht allzu viel investieren muss, müsste doch eigentlich in die Richtung gehen, dass heutzutage mehr Möglichkeiten gegeben sind, viel aufzunehmen und demnach auch viel zu veröffentlichen?!


    Einen weiteren Grund für die abnehmende Quantität in der Veröffentlichungspolitik sehe ich das heutige geringere Zusammenspiel aus Kultur und Musik. Früher war es doch nicht selten so, dass aus einer Sub-Kultur eine Musikrichtung entsprang oder umgekehrt. Doch wo sind heute noch die wirklichen Subkulturen, die in enger Verbindung mit der Musik stehen? Heute sind doch viele Kulturen zu verwaschen oder omnipräsent, dass Manches zu schnell trivial wird und gar keine richtige Dynamik mehr entstehen kann, was Einfluss auf einen künstlerischen Drang haben könnte. Vieles reicht eben nur für einen kurzen Hype.
    I drink to remember, I smoke to forget.

  14. #14
    help i'm alive Avatar von Jan_Jan
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    Zitat Zitat von Roseblood Beitrag anzeigen
    @ PELO_Ponnes

    Aber gerade die ausgereiftere Studiotechnik und die Möglichkeit, dass man heute sogar mit Homerecordings "Brauchbares" aufnehmen kann und eigenlich nicht allzu viel investieren muss, müsste doch eigentlich in die Richtung gehen, dass heutzutage mehr Möglichkeiten gegeben sind, viel aufzunehmen und demnach auch viel zu veröffentlichen?!
    tengo dinero, anyone?
    weniger als ungefähr Pi

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