Ach Mick, ich habe doch geschrieben, dass es mir nicht speziell um die Toten Hosen geht. Und nein, es geht mir auch nicht um spezielle Politiker (wobei ich zugeben muss, dass Silvana mir wirklich körperliche Schmerzen bereitet hat), es geht mir darum, dass gute und wichtige Inhalte weggefallen sind und neue, zweifelhafte Inhalte hinzugekommen. Das ist doch offensichtlich.
How does it feel to be one of the beautiful people?
Wenn ich so teilweise die letzten Seiten lese, sind viele "alte" Männer (zum alt gehöre ich auch) weiterhin zufrieden, so lange der RS über viele alte Männer schreibt, nebenbei mal ein paar mittelalte bis alte Männer vorstellt, die man noch nicht kannte. Ob das aber allein reicht um eine Auflage auch nur annähernd zu halten, wage ich zu bezweifeln. Genauso wag ich zu bezweifeln, dass man neue Leser durch das Hochhalten von Platten-Covern durch Politiker (welcher Couleur auch immer) oder Sternchen dazu gewinnen wird. Ich bleibe dabei, der RS muss sich vor allem was das musikalische Spektrum betrifft öffnen - mir bleibt ein Rätsel, warum nicht deutlich mehr verschiedene Musikstile nebeneinander funktionieren sollten.
Texas Forever!
So eine Art Relaunch ist sehr komplizierte und komplexe Sache, gerade bei einer etablierten Zeitschrift. Deshalb traut man sich häufig auch nicht dran. Aber man kann ja ein Szenario durchspielen:
Wenn du den RS zum Metal hin öffnest, sprichst du theoretisch neue Käufer- oder zumindest Leserschichten an. Faklt ist natürlich, dass Metal seine eigenen Organe und Netzwerke seit Jahrzehnten etabliert hat. Was bedeutet, dass der Informationswert, den der RS vermitteln könnte, für diese Schichten nicht existiert. Will sagen: Sie werden nicht RS-Leser, nur weil der RS jetzt auch etal bespricht. Okay, bleiben die bisherigen RS-Leser. Die können ja bestenfalls nur davon abgehalten werden, den RS NICHT mehr, oder wieder (die Enttäuschten) zu kaufen. Dies setzt voraus, dass der Mehrwert, der in der Aufnahme eines neuen Genres besteht, diese derart attraktiert,dass sie bleiben/zurückkommen. Was wäre dadurch gewonnen? Eine Zeitschrift, die Classic Rock thematisiert, daneben Indie Rock, jetzt noch Metal, darüber hinaus gibt es den Gesamt-kulturellen Anspruch des Magazins (Politik, Film, Buch, etc.). Übrig bliebe ein Magazin, das beliebig ist, das verwässert, das in der Tat dann sich zwischen den Fronten aufreibt.
Für Metal (das ist klar) kann man auch andere Genres einsetzen: Techno, Elektro, Black, Rap, etc.
Ich will das Thema hier auch nur mal anreißen, um zu zeigen, dass es nicht damit getan ist, einfach mal eine neue Musikrichtung aufzunehmen. Ganz abgesehen davon, wie die Anzeigenkunden reagieren (die ja letztlich das Heft finanzieren, und nicht wir Käufer). Also auch da muss man äußerst sensibel vorgehen.
Mein Anstoß wäre, das Heft von innen zu verändern, neue Kolumnen zu schaffen, Gastautoren aufzunehmen, und (das, was viele hier zurecht anprangern) streithafter zu werden, kontroverser, giftiger.
Es kommt selten vor, aber da bin ich mit werner mal einer Meinung!
Staring at a grey sky, try to paint it blue - Teenage Blue
Sehe ich auch. Abgesehen davon, dass ich nicht das geringste Interesse an Metal habe, gibt es im Hause Springer bereits den Metal Hammer. Ich denke, die Neuerschließung von Themen muss entlang der von Ernst Hofacker aufgezeigten Linien verlaufen (Gibson, Urheberrecht, etc. - das sind übrigens auch musiknähere Themen als die Hell's Angels, die ja nicht mal einen Plattenspieler besitzen.)
Ohne Musik ist alles Leben ein Irrtum.
Interessanter Beitrag! Mein Klugscheißer-Senf dazu: Ich glaube, man darf nicht vergessen, dass der Rolling Stone noch immer Journalisten/Autoren an Bord hat, die zu den besten im Lande gehören. Wenn diese Leute sich z. B. mal mit dem einen oder anderen musikalisch härteren, chartstechnisch erfolgreicheren oder auch "schwärzeren" Thema befassen würden statt immer nur mit den "sicheren" Themen bzw. den eigenen Vorlieben, kämen da ganz sicher auch deutlich anspruchsvollere Geschichten heraus als in den allermeisten Genre-Heftchen, die in der Regel über das Niveau allenfalls durchschnittlicher Besinnungsaufsätze nicht hinaus kommen. Das ist ein Pfund, mit dem der RS wuchern kann!
Abgesehen davon gibt es eine Menge junge, sehr talentierte Autoren, die man allerdings erst suchen, ansprechen und ausprobieren muss. Was natürlich a.) Arbeit macht und b.) die alteingesessenen Autoren-Erbhöfe gefährdet und möglicherweise zu Konflikten führt.
Meines Erachtens kann aber nur so eine Erneuerung/Öffnung funktionieren (man muss es natürlich wollen).
Außerdem: Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass die meisten RS-Leser und Forumianer nichts dagegen haben, wenn man ihnen das eine oder andere musikalische Phänomen, mit dem sich bislang nichts rechtes anfangen konnten, auf vernünftigem Niveau näher bringt. Solange sie sich ernst genommen fühlen und auch ihre "traditionellen" Vorlieben im Heft in adäquater Gewichtung wiederfinden. Schließlich kauft wohl keiner ein Musikmagazin, um immer nur die eigene Meinung bestätigt zu bekommen. So blöd sind nur Fanzine-Leser. Ich denke, der RS-Leser erwartet von seinem Magazin auch, dass er darin lernen, Neues erfahren und Denkanstöße finden kann. Und natürlich: mal was zu lachen kriegt.
Was im übrigen nicht zu einer Verwässerung führen würde, sondern im Gegenteil zu einer Ausweitung der RS-Kompetenz, die sich dann auf sämtliche Felder der populären Musik beziehen würde. Zumindest finde ich, dass das der Anspruch sein sollte.
Ernst for President ... oder wenigstens Chefredakteur
Nach dem Lesen dieses Treads möchte ich folgende Thesen anführen:
- Printmedien werden nicht aussterben. Es wird, wie es die Rückkehr des Vinyl nur allzudeutlich beweist, immer haptische Menschen geben.
- Von einer Musikzeitschrift, und als solche betrachte ich den RS, erwarte ich musikalische Themen und würde dabei auch unbekannte Richtungen und Wege mitgehen.
- Interessante Sonderbeilagen (siehe ME) sind aus meiner Sicht durchaus verkaufszahlenförderlich.
- der RS sollte nicht immer nur die ohnehin halbtoten Säue (DTH, Springsteen, u.a) zum 100. mal durch die Stadt treiben. No Risk, No Fun, No Leserschaft, No Absatzzahlen.
- Listen ... ja Listen. Als ich hier im Forum ankam dachte ich, na ja, Listen haben die ja überall. Das RS-Forum zeichnet sich jedoch durch einen besonderen Hang zur Liste aus. Für alles muss es eine Liste geben. Könnte man mit Sicherheit an der ein oder anderen Stelle im Magazin aufgreifen.
- Den Weg, den Ernst hier darstellt, würde ich durchaus mitgehen, denn er hat in fast allen Punkten recht
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