Hallo Josh,
kannst Du das bitte nochmal näher ausführen?
Ich ging bisher davon aus, daß Shellacks generell ohne die bei den Micro-Rillen-Schallplatten üblichen Entzerrungen geschnitten sind, was im Baßbereich ja für die gigantischen Rillenauslenkungen der Schellacks sorgt, die letztlich der Grund dafür sind, daß "normale" Abtastnadeln beim Abspielen von Schellacks sich selbst und wahrscheinlich auch die Schellack-Platte zerstören können.
Wenn "neuere" Shellacks ab den 30er/40er-Jahren mit Entzerrung geschnitten sind, dann wären diese auch mit modernen Abtastnadeln abspielbar?
Die Standardisierung auf die RIAA-Entzerrungskurve erfolgte definitiv erst in den 50ern mit dem Markterfolg der Micro-Rillen-Schallplatte. Die Entzerrungskurven bei den Schellacks wären demnach labelspezifisch gewesen?
Habe selbst keine Erfahrung mit Schellacks.
Das Thema interessiert mich aber aus aktuellem Anlaß, da ich letzte Woche unter Aufbietung aller meiner Kräfte einen Freund gerade noch davon abhalten konnte, Schellack-Flohmarktfunde mit seiner normalen Abtastnadel abzuspielen.
Grüße
Stefan
"Bird is not dead; he's hiding out somewhere, and will be back with some new shit that'll scare everybody to death." (Charles Mingus)
Meines Wissens gab es zu Schellackzeiten keine genormten Entzerrungskurven, schon gar nicht RIAA.
Aber die übergroße Vorsicht was Nadeln oder Schellacks selbst anbelangt, wenn man sie mit modernen Systemen abspielt, ist auch nicht vonnöten. Spätestens nach wenigen Takten nimmt man die Platte vom Teller, da klingt dann nämlich gar nichts.
Die Rillen sind einfach zu weit geschnitten, als dass ein modernes System die gesamte Info abtasten könnte. Eine ordentliche, dicke Schellacknadel und 78 Umdrehungen des Spielers reichen, um vernünftige bis grandiose Hörergebnisse zu erzielen.
Von Grammophonen (auch da muss man sehr zwischen den Trichtergrammophonen mit halbpfündigem Auflagegewicht und etwas moderneren Abspielgeräten unterscheiden) sollte man grundsätzlich die Finger lassen, zumindest darauf keine wertvollen Platten abspielen. Sie sind eine schöne Deko, mehr nicht.
Meine liebste Shellack aus der kleinen Sammlung meiner Eltern.
Die hüte ich wie mein Augenlicht! Großer Song! Große Aufnahme! Große Sängerin!
Solche Schellacks sollte man auch nicht stehenlassen.
US-Schellacks auf Checker, Atlantic und SUN, sowie eine für deutsche Verhältnisse sehr seltene deutsche London-Pressung von Bill Haley (Aufnahme 1953, erst hier 1956 veröffentlicht)
Im Grunde genommen hat fast jede Plattenfirma bis Anfang der 50er seine eigenen Entzerrungskurve benutzt, erst dann konnten sich die Labels auf eine Kurve einigen. Das Thema wird aber meiner Meinung nach in audiophilen Kreisen zu hoch gehängt. Mit der Klangregelung seines Verstärkers kann man das alles selbst nach Gehör ausgleichen. Alles andere ist Geldschneiderei für Goldohren. Meine Blues, Hillbilly, Rock & Roll und R&B Schellacks klingen auch ohne veränderte Entzerrung hervorragend. Für den Jazz- oder Klassikliebhaber mag das anders aussehen.
http://www.thel-audioworld.de/module/phono/RIAA.htm
http://midimagic.sgc-hosting.com/mixcurve.htm
Red Hot and Blue!
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