Art Blakey, 11. Oktober 1919 - 16. Oktober 1990
Durch den Hardbop-Thread bin ich mal wieder auf Horace Silver gekommen... und Silver ohne Blakey (und ohne KD, Mobley und Watkins) ist eigentlich nicht denkbar. Einen Thread zu Art Blakey, einem der explosivsten Drummer der 50er und 60er Jahre, der seine Anfänge allerdings schon im vorangegangenen Jahrzehnt, als er mit Mary Lou Williams, Fletcher Henderson, Billy Eckstine, aber auch mit Monk, Miles, Moody und vielen anderen spielte.
Er trat schon früh als Leader in Erscheinung, der zündende Moment war dabei die Session Ende 1954 mit Horace Silver, Kenny Dorham, Hank Mobley und Doug Watkins, die unter dem Titel "Horace Silver Quintet, Vol. 1" (Blue Note 5058) und dann später mit Vol. 2 (BN 5062) zusammen unter dem Titel "Horace Silver & The Jazz Messengers" (BN 1518) erschien. Die Gruppe trat als Kollektiv auf, nahm im November 1955 "Live at the Cafe Bohemia" auf (zwei LPs, eine dritte in Japan, heute alles auf zwei CDs zu finden), eine der besten Sessions des Hardbop. Auch auf Sessions von Kenny Dorham und J.J. Johnson spielten die meisten Jazz Messengers mit, aber Dorham war Ende 1955 der erste, der die Band verliess (um seine "Jazz Prophets" mit J.R. Monterose zu starten). Donald Byrd nahm seinen Platz ein, in dieser Besetzung entstand dann "The Jazz Messengers" für Columbia und einige weitere Sessions unter Leitung von Hank Mobley (eine im Quartett, sowie zwei Quintette mit Milt Jackson bzw. Art Farmer an Byrds Stelle) aber auch von Donald Byrd (mit Joe Gordon als Gast, Transition 4 "Byrd's Eye View").
Dann trennten sich die Wege von Silver und Blakey - Silver behielt vorläufig die Band, mit Joe Gordon und Kenny Clarke bzw. mit Art Taylor und Byrd nahm er ein Epic-Album auf ("Silver's Blue", Mobley und Watkins waren auf beiden Sessions), mit den Messengers mit Byrd und Louis Hayes and Blakeys Stelle dann im November 1956 das erste einer langen Reihe von Blue Note-Alben des Horace Silver Quintets, "Six Pieces of Silver".
Blakey behielt den Namen der Band aber musste sich neue Leute suchen, 1956/57 bestand seine Band - man spricht gemeinhin von der "second edition" - aus Bill Hardman, Jackie McLean, Sam Dockery und Spanky DeBrest, ab und zu stiess Johnny Griffin (teils als sechster Mann, teils anstelle von McLean) dazu. Es entstanden aber auch erste Drum-Sessions ("Drum Suite" für Columbia, "Orgy in Rhythm" in zwei Volumes für Blue Note) und ein tolles Album mit Thelonious Monk (für Atlantic). Zudem erschien auf der 2005er CD von "Drum Suite" eine faszinierende frühe Session (vor der "second edition") mit Donald Byrd, Ira Sullivan, Kenny Drew und Wilbur Ware, und für Vik nahm Blakey (neben Quintett und Sextett-Alben, darunter vielleicht das beste jener Jahre, "A Night in Tunisia") auch eine Session mit grösserer Besetzung auf: Lee Morgan, Melba Liston, Sahib Shihab und Cecil Payne stiessen zum Kern-Quartett (mit Griffin und mit Wynton Kelly an Dockerys Platz).
1957 war ein arbeitsreiches Jahr, die Gruppe nahm eine ganze Reihe von Alben für verschiedene Labels auf, u.a. Vik, Savoy, Pacific Jazz, Columbia und im Herbst als letztes Album der "second edition" "Hard Drive" mit Junior Mance am Piano. Ende des Jahres entstand zudem für Bethlehem ein Big Band Album, auf dem u.a. John Coltrane mitwirkte. Ihn präsentierte Blakey auch an der Seite von Donald Byrd in einigen Quintett-Nummern (ein wenig mehr Infos hier und folgende Posts).
Mit "Moanin'" kam 1958 dann der künstlerische Durchbruch für Blakey. Die neuen Messengers bestanden aus dem jungen Trompetenstar Lee Morgan, dem hart-swingenden Pianisten Bobby Timmons (der neben dem Titelstück auch "Dat Dere" beisteuerte), den Bassisten Jymie Merritt, sowie den vielleicht wichtigsten Mann und musikalischen Direktor am Tenor: Benny Golson. Golson steuerte für das Album eine ganze Reihe toller Stücke bei: "Along Came Betty", "Blues March", und "Are You Real". Er war es wohl, der die Messengers auf Kurs brachte, auch wenn er sie nach einer Europa-Tournee im Herbst 1958 (einige Konzerte wurden mitgeschnitten, v.a. die Konzerte aus Paris sind toll, es entstand überdies der Soundtrack für "Les femmes disparaissent") schon wieder verliess.
Das führte 1959 schon wieder zur ersten kleinen Krise... eine Blue Note Session mit Rückkehrer Mobley wurde zurückgehalten (bis heute, 1959-03-08), eine Reihe derselben Stücke wurden dann aber live aufgenommen und doch veröffentlicht, auf dem Album "At The Jazz Corner Of The World" (2 Volumes BLP 4015/16) - eine wunderbar dreckige Live-Session mit tollen Soli von Morgan und Mobley - sie gehört zu meinen allerliebsten von Blakey!
Im Juli nahm Blakey einen weiteren Soundtrack auf "Les liaisons dangereuses" - für diese Sessions spielte Barney Wilen Tenorsax (sowie auf einem Stück ganz wunderbar Sopransax... eine ganze Weile vor Coltrane!). Zudem nahm Blakey als Sideman an verschiedenen Sessions teil, bevor er Ende Jahr wieder in Europa war (eine Live-Aufnahme aus Kopenhagen mit dem neuen Tenoristen Wayne Shorter und Walter Bishop am Piano ist erhalten).
Mit Lee Morgan, Wayne Shorter, Bobby Timmons und Jymie Merritt hatte Blakey dann die nächste tolle Band beisammen, die für Blue Note eine grosse Menge toller Aufnahmen machte.
Ich habe vor, in den nächsten Wochen und Monaten die Alben anzuhören und ab und zu dazu was zu schreiben... hab aber noch nicht alles gefunden, was ich habe und höre jetzt zuerst mal Horace Silver.
Ach ja, zu den Aufnahmen, die Blakey vor den Messengers gemacht hat (u.a. die faszinierende Blue Note Session vom 22. Dezember 1947) komme ich dann auch noch.
Diskographien gibt's mehrere, allerdings haben die wohl alle gegenseitig abgeschrieben und scheinen alle den einen oder anderen Fehler zu enthalten:
http://www.jazzdisco.org/art-blakey/discography/
http://home.ica.net/~blooms/Art1.html
http://www.duke.edu/~aks2/jazz/dis.htm






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