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Thema: Androgynität und Homosexualität im Pop der 80s und heute

Hybrid-Darstellung

  1. #1

    Androgynität und Homosexualität im Pop der 80s und heute

    Anm.d.Mod.: Eine "Auskopplung" aus dem "1982 Singles-Top30"-Thread

    Waren 1980 noch Punk/Postpunk zu spüren, nimmt der Popanteil 1981/82 immer mehr zu. Für mich sind die 80s die Hochzeit der Popkultur. Kennzeichnend ein hoher Anteil an homosexuellen Sängern. Das Orginal Video von "Tainted Love" wäre heute so gar nicht mehr denkbar. Später ist die Gay Community in die House Szene abgedriftet und ist ab einem bestimmten Punkt musikhistorisch obsolet geworden. Gleichzeitig emanzipiert sich die Frau nochmals stark in den 80ern und springt auf den Individualisierungstrend auf. Eine Laurie Anderson, einen Adam Ant etc. wird man so nie wieder in den oberen Rängen der Charts finden. Je individueller der Künstler, desto mehr Chancen hatte er auf Erfolg. Heutzutage bei DSDS: Je trendiger gekleidet, geschickter im Tanzvermögen und anbiedernd an vermeintliche Größen (Dieter Bohlen), desto mehr Chancen auf Erfolg. Mit Musik, kompositorischen Qualitäten etc. hat das wenig zu tun. Das Indiduum als Massenprodukt in Form eines Kaugummis mit der gleichen Haltbarkeit.
    Geändert von Herr Rossi (24.02.2010 um 13:54 Uhr)

  2. #2
    Moderator Avatar von Herr Rossi
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    @SVM: Ich stimme Dir zu, dass die 80s eine Blütezeit des Pop waren, ebenso die 60s. Dass es solchen Pop nicht mehr gibt und schon gar nicht in den Charts, das bestreite ich aber entschieden. Müssen wir aber nicht hier diskutieren. Ich will die Namen gar nicht nennen, die für mich heute den Stellenwert von z.B. Adam Ant haben, das würde nur zu unnötigen off-topic-Diskussionen führen.

  3. #3
    Ja, das ganze Thema gehört hier nicht hin. Die auffallende Überpräsenz von homosexuellen Sängern in den 80s wollte ich trotzdem einmal betonen, weil sie doch entscheidend das Popleben der 80er bestimmt, natürlich auch in modischen Fragen und was vorausgegangene 70s Hörer die 80er immer etwas bedenklich erscheinen lässt. Welcher Sänger war nicht schwul in den 80s? Ich finde die Stimmen toll, weil sie das Männliche und das Weibliche in ihrer Tonlage vereinen. Es waren/sind alles großartige Sänger. Schade, dass es irgendwann nicht mehr en vogue war. Der Hip Hop und der Grunge der 90er (zudem Guns And Roses...) stellten die genaue Gegenbewegung da, wo wieder Kerle ohne Make Up das Sagen im Popbuisness haben.

  4. #4
    Alle Barbiepuppen-Bohèmes ab in die Themse! Avatar von Mistadobalina
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    Zitat Zitat von Some Velvet Morning Beitrag anzeigen
    Ja, das ganze Thema gehört hier nicht hin. Die auffallende Überpräsenz von homosexuellen Sängern in den 80s wollte ich trotzdem einmal betonen, weil sie doch entscheidend das Popleben der 80er bestimmt, natürlich auch in modischen Fragen und was vorausgegangene 70s Hörer die 80er immer etwas bedenklich erscheinen lässt. Welcher Sänger war nicht schwul in den 80s? Ich finde die Stimmen toll, weil sie das Männliche und das Weibliche in ihrer Tonlage vereinen. Es waren/sind alles großartige Sänger.
    Es gab sicherlich in den 80ern nicht mehr schwule Sänger als davor oder danach. Das Schwulsein wurde damals allerdings erstmalig selbstbewusst zur Schau gestellt und nicht mehr versteckt, nachdem es Mitte der 70er durch einige wenige Künstler erstmalig zum Thema gemacht wurde.
    When I hear music, I fear no danger. I am invulnerable. I see no foe. I am related to the earliest time, and to the latest.
    Henry David Thoreau, Journals (1857)

  5. #5
    Zitat Zitat von Herr Rossi Beitrag anzeigen
    Darum bitte ich auch.

    @SVM: Das Thema ist interessant, können wir vielleicht an anderer Stelle aufgreifen.
    Ja, gut. Bei mir ist im Zuge der 82er Liste meine Begeisterung für "unmännlichen" Pop durchgekommen, dem du m. E. auch nicht ganz abgeneigt bist. Vielleicht kann man diesbezüglich ja mal einen Thread woanders eröffnen. Das würde mich freuen.

  6. #6
    Moderator Avatar von Sonic Juice
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    Zitat Zitat von Some Velvet Morning Beitrag anzeigen
    Der Hip Hop und der Grunge der 90er (zudem Guns And Roses...) stellten die genaue Gegenbewegung da, wo wieder Kerle ohne Make Up das Sagen im Popbuisness haben.
    So pauschal kann man das nicht sagen. GnR sind im Glam-Umfeld groß geworden, haben in ihrer Frühzeit ziemlich viel Make Up verbraucht und bezogen sich in Musik und Style ja u.a. explizit auf die New York Dolls.

    Und zu Grunge vielleicht nur soviel:


  7. #7
    Zitat Zitat von Sonic Juice Beitrag anzeigen
    So pauschal kann man das nicht sagen. GnR sind im Glam-Umfeld groß geworden, haben in ihrer Frühzeit ziemlich viel Make Up verbraucht und bezogen sich in Musik und Style ja u.a. explizit auf die New York Dolls.

    Und zu Grunge vielleicht nur soviel:

    Gut, an Kurt habe ich auch gedacht. Aber ein Unterschied zu den 80s Sängern gibt es bei beiden Beispielen: Sie waren nicht schwul. Das hört man ihren Stimmen auch an. Schwulsein ist seit den 90s wieder tabuisierter.
    Und im Hip Hop seit den 90s: Ein schwuler Sänger ist ein Tabu. Das geht einfach nicht. Männlich musst du schon sein.

  8. #8
    Alle Barbiepuppen-Bohèmes ab in die Themse! Avatar von Mistadobalina
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    Zitat Zitat von Some Velvet Morning Beitrag anzeigen
    Gut, an Kurt habe ich auch gedacht. Aber ein Unterschied zu den 80s Sängern gibt es bei beiden Beispielen: Sie waren nicht schwul. Das hört man ihren Stimmen auch an.
    Du meinst, ob jemand schwul ist, hört man an der Stimme? Nicht dein Ernst, oder?
    When I hear music, I fear no danger. I am invulnerable. I see no foe. I am related to the earliest time, and to the latest.
    Henry David Thoreau, Journals (1857)

  9. #9
    Zitat Zitat von Mistadobalina Beitrag anzeigen
    Du meinst, ob jemand schwul ist, hört man an der Stimme? Nicht dein Ernst, oder?
    Nein, Billy Mackenzie ist ein gutes Beispiel. Ich meine aber schon, dass viele, schwule Sänger der 80s so eine gewisse Art des Singens inne hatten, wo man raushört, dass der Sänger wahrscheinlich nicht heterosexuell ist. Da kann man auch danebenliegen, aber beispielsweise bei Marc Amond.

    Was denkt ihr dem zum Verschwinden der Schwulen aus dem Popbuisness, hin zur House Szene und dann in die Modewelt. Ein SVM Hirngespinst oder vorstellbar? Welche großen Popsänger sind denn aktuell schwul und in den Charts?

  10. #10
    Zitat Zitat von Mistadobalina Beitrag anzeigen
    Du meinst, ob jemand schwul ist, hört man an der Stimme? Nicht dein Ernst, oder?
    Nicht, ob er schwul ist, aber dieser androgyne/schwule Gesangsstil exisiert für mich schon. Manche Hörer hassen ihn, andere Hörer mögen ihn. Ich denke, du weisst, was ich meine. Aktuell würde ich an Antony And The Johnsons oder The Irrepressibles denken. Da mag man den Gesang oder eben nicht. Es ist aber für mich schon eine bestimmte Art des Singens. Die männliche Stimme klingt sehr feminin bei Gesang.

  11. #11
    Kleines Monster Avatar von bloodandwater
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    Zitat Zitat von Some Velvet Morning Beitrag anzeigen
    und um weitere Missverständnisse auszuschließen, weil ich mich so für "schwulen" Pop begeistere: Nein, ich persönlich bin nicht schwul.
    Ich wüsste nicht, warum das bei der Diskussion von Bedeutung sein sollte.

    Zitat Zitat von Some Velvet Morning Beitrag anzeigen
    Gut, an Kurt habe ich auch gedacht. Aber ein Unterschied zu den 80s Sängern gibt es bei beiden Beispielen: Sie waren nicht schwul. Das hört man ihren Stimmen auch an.

    Herrjeh, SVM, überdenk das bitte noch einmal.

    Zitat Zitat von Some Velvet Morning Beitrag anzeigen
    Vielleicht ist es nur eine weitere SVM Theorie, aber dieses Abwandern in die House Szene war im Popbereich schon festzustellen. House war die Musik der schwulen Szene, sie feierte sich selbst und wanderte ab vom Pop Buisness in die Houseclubs und zunehmend forcierter in die Modebranche.
    Abgesehen davon, dass der Dance Floor zunächst sicher auch eine Art Safer Space (auch) für Homosexuelle war, ist es doch stark vereinfacht und geradezu die falsche Richtung, Disco und House als schwules Kulturgut zusammenzufassen. Der von Dir immer wieder erwähnte Gesang und die Ästhetik waren doch oft gerade das nicht: Zurschaustellen der eigenen Homosexualität oder gar der "Versuch, schwul auszusehen", wie Du es formuliertest. Eher ein Aufsprengen der herrschenden Geschlechter- und Sexualitätsbilder ("männliche/s kontra weibliche/s oder etwa heterosexuelle/s kontra homosexuelle/s Stimmen, Kleiden, Auftreten), ganz gleich, zu wem man sich selbst hingezogen fühlte. Die Frage sollte sich gar nicht mehr stellen.

    Zitat Zitat von Some Velvet Morning Beitrag anzeigen
    Heutzutage bei DSDS: Je trendiger gekleidet, geschickter im Tanzvermögen und anbiedernd an vermeintliche Größen (Dieter Bohlen), desto mehr Chancen auf Erfolg. Mit Musik, kompositorischen Qualitäten etc. hat das wenig zu tun.
    Das von Dir bezeichnete Phänomen des "schwulen Pops" aber auch nicht...




    Vielleicht drückst Du Dich auch nur etwas missverständlich aus.
    Geändert von bloodandwater (25.02.2010 um 14:39 Uhr)
    Ain't never been cool.

  12. #12
    [QUOTE=bloodandwater;2102704]
    ...Disco und House als schwules Kulturgut zusammenzufassen. Der von Dir immer wieder erwähnte Gesang und die Ästhetik waren doch oft gerade das nicht: Zurschaustellen der eigenen Homosexualität oder gar der "Versuch, schwul auszusehen", wie Du es formuliertest. Eher ein Aufsprengen der herrschenden Geschlechter- und Sexualitätsbilder ("männliche/s kontra weibliche/s oder etwa heterosexuelle/s kontra homosexuelle/s Stimmen, Kleiden, Auftreten), ganz gleich, zu wem man sich selbst hingezogen fühlte. Die Frage sollte sich gar nicht mehr stellen.[QUOTE]

    Ich habe nicht Disco und House als schwules Kulturgut zusammengefasst. Das wäre viel zu vereinfacht. Gleichzeitig spielt die schwule Szene beim Entstehen eine wichtige Rolle. Die ersten Houseclubs in den USA waren Gay-Clubs. Oft waren es farbige Gays. Es war diese damals neue Musik und in ihrer Radikalität und Andersartigkeit sprach sie diese "Randgruppen" der Gesellschaft eben gerade an.

  13. #13
    Where did our revolution go ? Avatar von Travis Bickle
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    Zitat Zitat von Some Velvet Morning Beitrag anzeigen
    ....Welcher Sänger war nicht schwul in den 80s?
    Wieviele soll ich Dir nennen ?
    So put a quarter in your ass 'cause you played yourself

  14. #14
    Ich sehe es etwas anders. Vielleicht ist es nur eine weitere SVM Theorie, aber dieses Abwandern in die House Szene war im Popbereich schon festzustellen. House war die Musik der schwulen Szene, sie feierte sich selbst und wanderte ab vom Pop Buisness in die Houseclubs und zunehmend forcierter in die Modebranche. Hochgehalten wurden stellvertretend nun Diven wie Madonna, Cher... Es war ja in den 80s en vogue schwul auszusehen, auch wenn man heterosexuell war. Teilweise war gar nicht mehr zu erkennen, welcher Sänger nun schwul war oder nicht. Sänger wie Bruce Springsteen waren so eine Art Gegenbewegung gegen New Wave Artists der Insel, wo das Männliche und Bodenständige wieder mehr an Bedeutung gewann. Diese unzähligen Artists, die "schwul" erscheinen bzw. waren: Soft Cell, Frankie Goes To Hollywood, ABC, Spandau Ballet, Adam And The Ants, Visage, Ultravox, Depeche Mode, Erasure, Yazoo, Heaven 17, Fine Young Cannibals, Communards, Bronski Beat... und um weitere Missverständnisse auszuschließen, weil ich mich so für "schwulen" Pop begeistere: Nein, ich persönlich bin nicht schwul. Ich mag einfach nur diesen Pop der 80er, dieses Spiel mit Androgynität...Zur Zeit würde ich sagen, dass eher so eine "Bruce Springsteen" Welle im Zuge der Wirtschaftskrise/den Folgen von 0911 angesagt ist: Ehrlichkeit, akkustische Gitarren, Bärte, Natur- eben eher das männliche Prinzip. Die aktuellen Strömungen mag ich, weitaus mehr als Guns n Roses oder Mötley Crüe. Nur bleibe ich dabei, Herr Rossi, das die 80er in ihrer Einzigartigkeit nie wieder kommen werden und dieses "androgyne" Singen/Outfit so nicht mehr die Charts beherrschen wird. Der Trend geht seit den 80s hin zu mehr Männlichkeit.

  15. #15
    TAK FOR ALT! Avatar von grandandt
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    Zitat Zitat von Some Velvet Morning Beitrag anzeigen
    ...die "schwul" erscheinen bzw. waren: ABC, Spandau Ballet, Heaven 17,

    ... dieses Spiel mit Androgynität...
    1. Schlechte Beispiele
    2. Das eine (schwul) hat mit dem anderen (androgyn) nichts zu tun.

    Du wirfst wieder zuviel in einen Topf und heraus kommt eine komische - unausgegorene - Mischung.
    "... you walked in and my life began again ..."

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