frigida rec.
da nehmen sich ein paar menschen mal nicht so ernst, verzichten auf den großen popanz, zelebrieren den kleinen auftritt, selbst auf ein eigenes logo wird verzichtet, und prompt entpuppt sich diese geschichte als ein außerordentlich hochwertiges produkt.
frigida rec. ist ein netlabel aus buenos aires. allein diese tatsache hat es für mich interessant gemacht, denn wie gesagt, der webauftritt ist alles andere als einladend. so kann man sich an den mageren informationen stoßen, den langen downloadzeiten. hat man diese hürden aber erst einmal überwunden, darf man in eine wunderbare (neue) welt eintauchen.
nun ein auszug.
künstler / werk / labelnummer / bewertung
dying emotion - caught in another... (fri017) ***1/2
wer sich an ein radiohead cover macht und sei es nur auf dem heimischen instrumentarium gebastelt und lediglich in die onlinewelt gestellt, hat mut und glaubt an sich. wer sich hinter dying emotion versteckt, war nicht herauszubekommen, aber der name spricht und steht für sich. ob „pearly“, das oben benannte radiohead cover oder „over side“, der opener in dieses fünf songs umfassende werk, ob „sickness from a cure“ oder „caught in another world“, sie alle stehen für gefühlvolle auseinandersetzung, melodische stücke, deren urheber deutlich und meiner meinung erfolgreich an einer eigenen note arbeitet. die lieder werden in begleitung von klavier und gitarre vorgetragen, erfahren hier und da unterstützung durch einige elektronische anleihen. sehr guter klang.
Kosmomuz- Energized (fri016) **1/2 - ***
hierbei handelt es sich um ein russisches projekt, das sich aus vier mitgliedern zusammensetzt. sie spielen auf der khomuz und der vargan, jeweils einer art maultrommel, und bearbeiten (bzw. etwas martialischer malträtieren) die gitarre im namen der kunst. hinzu kommen vocale anteile und das wissen, der nutzen, der sinn etc. der kosmoenergetik. wie letztere genau eingesetzt wird, bleibt vorerst im dunkeln, aber die verlautbarungen dieser gemeinschaft lassen schnell darauf schließen, dass es sich um außer-irdische signale handeln muss, psychedelische allemal. wer in diese spannende klangmaterie hineinhören möchte, dem empfehle ich das sechzehnminütige stück „energized“, denn es offeriert alle möglichkeiten, die diesen kleinen, unscheinbaren instrumenten innewohnen.
Suipacha- El fin es el comienzo ep (fri013) ***1/2
soundcollagen, die zum teil recht bekannte samples verwenden, die dennoch so verfremdet daherkommen, dass eine wirkliche verortung fehlschlägt, weil das ungewisse im verlauf des hörens überhand gewinnt. die stimme wird als verstärker genutzt, aber auch als gestreckte ergänzung. die einzelnen tracks sind sehr verschieden, gehören aber definitiv in ein und dieselbe schublade, dafür ist die machart zu ähnlich, sei es das aneinandereihen der segmente, die methodik, die glaubhaftigkeit, der ehrgeiz, die form der manie, das wenig sesshafte. „mantekoala“ glänzt durch seine verschiedenen ebenen, die sich stimmig ergänzen und ein scheinbar unmögliches zueinanderfinden gestatten, „nikolai cryp“ durch die weiblichen vocals. in ergänzung zu diesen musikalischen abenteuern finden sich sechs videos der künstler.
El sueño de la casa propia- Hogar (fri012) ***1/2
“hogar” ist das werk eines chilenen, mehr konnte ich nicht in erfahrung bringen. er erzeugt sehr ansprechende klangspielereien, warm, melodisch. „museo del abandono“ beispielsweise klopft munter, die gitarre setzt weitere rhythmische akzente, eine virtuelle geige flirrt.
eine nicht überstrapazierte einfachheit ist grundlage für alle kompositionen, die zum zuhören einladen, ohne zu kopfarbeit auszuarten, aber eben auch ohne chance sich auf den abwasch zu konzentrieren - man muss hinhören. toll.
wenig aufhebens um viel. wie eingangs erwähnt, besticht die qualität der veröffentlichungen, sehr konzentrierte, homogene arbeiten bestimmen das bild dieses netlabels. kaum ein werk, das man unter *** bewerten müsste.
um einen teil zwei werde ich nicht herumkommen. viel spaß beim (selber) entdecken.



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