Of Time and the City (Terence Davies, GB 2008)
Fantastischer Film! Hatte keine Ahnung, was mich erwarten würde, dass ich meine Hoffnungen verglichen mit den wunderbaren Spielfilmen etwas heruntergeschraubt hatte, stellte sich bald schon als Fehler heraus. Wie üblich hören wir einen Off-Erzähler, wie üblich wird suggeriert, dass das Davies selbst ist. Für einmal geht's zuerst um die Stadt, die schon in den ersten Filmen die wichtigste Nebenrolle spielte, und erst dann um ein Leben, oder eher: es geht um die Verknüpfung von Stadt und Leben, darum, wie Orte zur Identität beitragen, wie sie weiterleben und prägen, selbst wenn sie bloss noch Erinnerung sind. Davies' Humor wurde in keinem der bisherigen Filme so deutlich wie in diesem - die Off-Erzählung lief etwa bei den Kommentaren zu Betty's Hochzeit oder dem Austritt aus der Kirche zu Höchstform auf, aber auch diverse eingestreute Zitate sind absolut treffend angebracht.
Überhaupt ist der Film ein weiterer brillianter innerer Monolog, so persönlich eingefärbt, dass ich die Bezeichnung "Dokumentarfilm" ziemlich falsch finde, eher von einer autobiographischen Spurensuche reden möchte. Wie Bilder, Töne, Lieder sich überlagern, in einem steten Fluss, in dem Elemente ein- und ausgeblendet werden, ineinander übergreifen, das ist ganz wunderbar gemacht und (gemäss meinem beschränkten Filmwissen zumal) einzigartig.
Bedingungslose Empfehlung jedenfalls.
Jetzt fehlt noch der neue Film, der in vierzehn Tagen anläuft... freue mich sehr darauf, auch wenn ich neben Davies der einzige Zeitgenosse bin, der Rachel Weisz nicht kannte.


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