In der Luft der Geruch von Whisky und Regen
POP: Die Schwedin Sophie Zelmani ist im Heidelberger Karlstorbahnhof zur richtigen Zeit am richtigen Ort
Von unserem Redaktionsmitglied Nina Haas
Die ersten Töne sind nicht mehr als ein leises Wispern. Kerzen tauchen die mit alten Kisten und Verstärkern drapierte Bühne in ein weiches Licht. Sophie Zelmani schließt die Augen, stützt sich auf einen Barhocker und beginnt mit "Dreamer" diesen Abend im bis zum Anschlag gefüllten Karlstorbahnhof in Heidelberg. Über 550 Menschen sind gekommen, um ihrem traurig-schönen Folk-Pop-Zauber zu lauschen.
Ein bisschen scheint die 34-Jährige von so viel Resonanz überrascht. Schüchtern schleicht sie ums Mikro, versteckt sich fast hinter ihrer Gitarre, in ihrer Musik. Selten wandert ihr Blick in die vorderen Reihen und nur zaghaft beginnt sie einen Dialog mit dem Publikum. Rampenlicht, sagte sie einmal in einem ihrer seltenen Interviews, sei nicht ganz ihre Sache. Der richtige Platz für ihre Musik sei eigentlich nur die Veranda hinter ihrem kleinen Blockhaus in Schweden. Dort, wo die Stille überwiegt, gehöre sie hin.
Vielleicht begreift man Zelmanis melancholische Erinnerungen an gewesenes Glück, an verflossene Liebe und all jene traurigen Wahrheiten, die wir, wenn wir ehrlich sind, alle verborgen in unserer Seele tragen, tatsächlich am Besten in einer lauen Sommernacht irgendwo in Schweden. Dennoch: Auch in Heidelberg finden sie ihren Platz. Begeistert nehmen die Zuschauer die ersten Akkorde jedes Songs an, fast als ob sie spürten, sie müssten die zierliche, zurückhaltende Schwedin erst davon überzeugen, dass auch an diesem Abend alles stimmt.
Erst mit der Zeit begreifen wir: Es braucht eigentlich nicht viele Worte, um zu erfassen, wie sie ist, diese Frau in der feuerroten Weste. Alles, was wir tun müssen, ist die Augen schließen und sie spüren, sie reinlassen, diese raue, aber um so sinnlichere Stimme. Dann riecht es sogar ein bisschen nach Whisky und Regen im Karlstorbahnhof.
Viel zu früh, schon nach knappen 70 Minuten, verabschiedet sich Sophie Zelmani mit ihrer wunderbaren Band - Peter Korhonen (Schlagzeug), Lans Halapi (Gitarre), Robert Qwantouth (Keyboard), Thomas Axelsson (Bass). Aber noch nicht ganz: Die Heidelberger holen sie wieder und wieder auf die Bühne. Und die 34-Jährige schenkt ihnen zum Abschluss mit "I'll Remember You" eines ihrer schönsten Lieder.
Zu Beginn hatte die Schwedin ein Büchlein durch die Reihen gegeben. Weil sie gerne wissen wollte, wer da eigentlich zu ihren Auftritten kommt, sollte sich, wer mochte, darin eintragen. Später werde sie alles nachlesen. Die Seiten des Büchleins werden nach diesem Konzert gefüllt sein mit vielen schöne Worten. Sollte sie bei Kerzenschein auf ihrer Veranda hinter dem Blockhaus irgendwo in der schwedischen Seenlandschaft darin blättern, wird auch Sophie Zelmani begreifen, dass sie an diesem Abend genau am richtigen Ort gewesen war.
© Mannheimer Morgen - 25.02.2006
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