Pressemappe

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  • #24411  | PERMALINK

    otis
    Moderator

    Registriert seit: 08.07.2002

    Beiträge: 22,557

    Schon mehrfach fand ich Artikel, die es zu diskutieren gelohnt hätte. Ich stelle mir die Pressemappe deshalb als einen Ort mit Links oder ganzen Artikeln vor, die man diskutieren könnte.

    Hier ein Artikel aus der Sueddeutschen von heute:

    Musik als Politplattform
    Die rassistischen Vier

    „Salutiert, steht stramm, ich bin der Leader wie A“ oder „Das ist Schwarz-Rot-Gold, hart und stolz.“ Das ist HipHop von rechts: ein neues Musikgenre in Deutschland.
    ALEX RÜHLE

    Keine Frage: Fler ist ein erbärmlicher Typ. Proll, Heimkind, unsympathisch. Und die Berliner winken anscheinend längst schon wieder ab: Geh mir weg mit dem Assi.

    Jedenfalls die Berliner aus Treptow, dem „Ghetto“, wie der Sozialarbeiter Olaf Keßler selbst sein Viertel im Gespräch nennt. Die Berliner aus Charlottenburg und Schöneberg reiben sich hingegen die Augen, wenn sie abends auf MTV das Video zu Flers Song „Neue Deutsche Welle“ sehen: Frakturschrift mit leicht verfremdetem Reichsadler, deutsche Fahnen überall, am Ende setzt sich ein Adler auf Flers Arm.

    Diese deutschnationalen Insignien werden mit den üblichen Bildern und Szenen aus dem amerikanischen Gangsta-HipHop gesampelt: endzeitliche Abraumhalden, dampfergroße Zuhälterautos, Kapuzenpullis und eben Fler, der Macker, der einen anschaut wie ein hungriger Metzger und dazu singt: „Das ist Schwarz-Rot-Gold, hart und stolz. Man siehts mir nicht an, doch glaub mir, meine Mom ist deutsch.“

    In Neon wird gejubelt, der deutsche HipHop habe endlich seine eigene street credibility erlangt.Fler und seine Kollegen Eko Fresh, Bushido und Sido schlössen an die Kultur des amerikanischen Battle-Rap an, die dem deutschen HipHop ja leider immer gefehlt habe. Statt gymnasialer Lyrik und „harmloser Liedchen“ finde jetzt endlich „die soziale Realität ungefiltert Eingang in die Songs“. Ganz ähnlich bewirbt sich Flers Label Aggro Berlin auch selbst: „Harte, direkte Texte, die die soziale Realität im Plattenbau-Ghetto widerspiegeln“. Deshalb zur Einstimmung, ungefiltert, soziale Realität aus dem Ghetto Berlin: „Salutiert, steht stramm, ich bin der Leader wie A“ (Bushido). – „Ihr seid Fake, ich scheiß’ auf eure Baggypants, ich erschieß’ die Kelly-Fans und bange im Mercedes Benz“ (Fler). – „Bis aufs Blut bin ich ein deutscher MC“ (Fler).

    Rechts: auch nur ein Image?

    Dennis Kraus vom HipHop-Magazin Backspin, das Fler in seiner Maiausgabe immerhin die Coverstory widmet, meint, es wäre falsch, „da von rechtem HipHop zu reden. Die Typen sind ja nicht rechts. Sondern unglaublich dumm.“ In der taz hieß es ganz ähnlich, Fler sei nicht rechts, sondern bescheuert. Und all das nationale Getue sei nichts als Branding und Image-Strategie. Ein Flirt mit dem Tabu. Fler solle eben als der böse deutsche Rapper vermarktet werden. Das Album „Neue Deutsche Welle“ wurde beworben mit dem Slogan: „Ab 1. Mai wird zurückgeschossen.“ Das Gerücht, dass Fler den Produzenten DJ Ilan ein „geldgeiles Judenschwein“ genannt habe, wurde nie dementiert. Und der Regisseur des Videos für „Neue Deutsche Welle“ hätte Fler am liebsten mit Skins durchs Bild marschieren lassen, „aber da hätte man uns in die falsche Ecke gedrängt.“ Ecke? Welche Ecke?

    In seiner Langzeitstudie „Deutsche Zustände“ kommt der Konfliktforscher Wilhelm Heitmeyer in diesem Jahr zu dem Schluss, 60 Prozent der Deutschen seien fremdenfeindlich; 2002 waren es 55 Prozent. Der Anstieg ist laut Heitmeyer besonders ausgeprägt bei Personen, die sich selbst der politischen Mitte zuordnen.

    Fler und Bushido würden sich sicher nicht der politischen Mitte zuordnen, aber sie geben sich empört, wenn man sie als Rassisten oder Nazis bezeichnet. Bu-shido sagt, er sei doch selbst Migrant. Und als der HipHopper, Autor und Lehrer Hannes Loh die Gruppe Mor angriff, weil in deren Texten „wack MCs“ in „Gasduschen“ und „Kinder ins KZ“ geschickt werden, schrieb Mor empört auf der eigenen Homepage: „Wir sind keine Nazis und haben auch nicht die Absicht, einem deutschnationalen Rap auf die Sprünge zu helfen. Und das sollten wir nicht vergessen: Es gibt keinen deutschnationalen HipHop!“ Die kategorische Schlussbehauptung findet man in den diversen Foren zum Thema HipHop immer wieder. HipHop gilt da immer als multikulturell und irgendwie links. Aber seit wann ist denn einer ästhetischen Form per se eine politische Aussage eingeschrieben?

    Die zwei Klassen des Rap

    Hannes Loh und Murat Güngör haben in ihrem Buch „Fear of a Kanak Planet – HipHop zwischen Weltkultur und Nazi-Rap“ schon vor drei Jahren aufzuzeigen versucht, wie der HipHop im großen Stil von der rechten Szene gekapert worden ist. Der Sündenfall beginnt für die beiden mit dem Deutschrap der „Fantastischen Vier“. Bis dahin gab der HipHop den Jugendlichen mit migrantischem Hintergrund, wie man damals noch freundlich sagte, die Möglichkeit, über ihr Leben am Rande des deutschen Alltags zu erzählen. In Lohs Augen haben die vier Spaßrapper dieser Unterschicht den Stil geraubt, alle politischen Inhalte ausgeschüttet und dann aus ihrem beschaulichen schwäbischen Abiturientenleben erzählt. Seither gebe es im HipHop eine Zweiklassengesellschaft, die der deutschen Jugend aus dem Mittelstand und den „Oriental Rap“ für die Migranten aus den Ghettos. Die HipHop-Tradition des Battle, also des gegenseitigen Schmähens und Niedermachens, hat, seit es diese kategorische Unterscheidung gibt, an Härte eindeutig zugenommen. Schmäher und Niedermacher Fler bezeichnete einen anderen HipHopper namens Tomkat als „schwulen Zigeuner“ der sich „ganz krass mit seiner ganzen Sinti-Sippe in den Arsch ficken“ solle.

    Als das rechte Musikmagazin Rocknord 2001 einen Artikel unter der Überschrift „HipHop wird schneller weiß als man denkt“ veröffentlichte, ging es in den völkischen Foren rund: „Der Nationalsozialismus basierte immer auf der Masse, und wenn die Masse halt nationalen HipHop anhört, warum nicht.“ –„Ich hasse Hip Hop wie die Pest, begrüße es aber, wenn es auch da zu richtigem Denken kommt.“

    So und ähnlich lauteten die Einträge, die allesamt dieselbe Stoßrichtung hatten: Wenn HipHop angesagt ist, lasst ihn uns kapern. Keßler beobachtete ungefähr zur selben Zeit, dass viele Rechte den strengen Kleidercode der Skins ablegten und plötzlich in Baggy Pants und Sneakers herumliefen. „Die Jüngeren hatten das satt mit den Skins. Und im Battle-Rap hat man ihnen ja haargenau dieselben Inhalte serviert, bloß noch schick gereimt dazu.“

    Hannes Loh zeigt in einem neueren Aufsatz anschaulich, wie das funktioniert mit dem Kapern. Die Gruppe Advanced Chemistry machte Anfang der Neunziger unter dem eingängigen Titel „Fremd im eigenen Land“ einen Song, der die Probleme von Migrantenkindern thematisierte.

    Drei Jahre später coverten die HipHopper von Anti aus Schneeberg den Song und stülpten ihn um: Wir aus dem Osten fühlen uns fremd im eigenen Land, wir werden „wie Asylanten“ und „Ostnigger“ behandelt. Loh staunt selbst darüber, „wie selbstverständlich hier die HipHop-Erzählung von Unterdrückung und Ausgrenzung, die in erster Linie eine Erfahrung von Afroamerikanern war, mit einer deutschen Erzählung verknüpft wird“. Kürzlich klaute die Kieler Gruppe Mc Pain übrigens denselben Titel und machte daraus eine Art Montags-Demo-Song: „Türken werden immer reicher, Deutsche immer ärmer“, „Kommt noch so weit, dass ein Türke Kanzler wird.“

    Die Rechten können sich die Hände reiben. Die Prolls von Aggro und anderen Labels sagen, mit Rechten hätten sie nichts zu tun. Aber gegen den mächtigen trickledown-Efekt ihrer Texte können sie nichts unternehmen. „Nigger“ gehört unter HipHop-Youngstern längst zum ganz normalen Wortschatz. Die role models der deutschen Rapszene machen es vor. Mor scheinen geradezu an Koprolalie zu leiden, so oft verwenden sie das N- Wort. Afrodeutsche MCs wie Samy Deluxe, Afrob oder Meli Worte werden als „primitive Neger“ bezeichnet, die in den Zoo gehören. Wer sich darüber wundert, dem wird entgegnet, das sei Battle-Rap, und da gehe es nunmal um immanente Tabubrüche. Auf der Internetseite http://www.hiphop.de bemerkt ein Leser zu Denana, der sich 2001 darüber aufregte, dass „viel zu viele Bitches Geld und Fame mit Niggerbonus scheffeln“: „Der Spruch ist keineswegs fremdenfeindlich. Was soll daran bitte rassistisch sein? Das Wort nigger?? Oder das Wort Bitch??? Das sind Wörter, wie sie im Rapalltag so langsam üblich sind.“

    Auf Freigang ins Studio

    Genau das ist das Problem: So langsam ist alles üblich. Im deutschen HipHop des neuen Jahrtausends ist Gewalt Trumpf und Schwulsein ist Tötungsgrund, es geht ums Angeben, Vernichten und Ficken. Wobei das oft in eins fällt: „Ein Schwanz in den Arsch, ein Schwanz in den Mund, ein Schwanz in die Fotze, jetzt wird richtig gebumst.“ Widerlich? Allerdings. Aber Bushidos Refrain aus dem Song „Gangbang“ ist noch gar nichts gegen die Texte der Gruppe „Frauenarzt“.

    Die gern vorgebrachte These, das sei doch alles bloß Spaß und Triebabfuhr, siehe Egoshooter-Spiele, kann Keßler schnell entkräften. Er sagt, die Tracks würden häufig zur Legitimation für Gewalttaten herangezogen. „Die Jungen sitzen allein zuhause und hören vierzig Mal ,Ich fick dich in die Urinblase.’ Das ist das Einzige, was die an diesem Tag hören. Danach gehen die auf die Straße und stechen einen ab.“ Das Beängstigende, so Keßler, sei gewesen, dass zeitgleich mit dem Aufblühen von Aggro die Gewalt völlig entpersonalisiert worden sei. „Bis dahin wurdest Du als Stino (Stinknormaler) in Ruhe gelassen. Auf dem Höhepunkt von Aggro konntest Du wegen einer Kleinigkeit abgestochen werden. Jeder.“ Mittlerweile hat sich die Lage in Treptow beruhigt. „Die Harten sitzen alle im Gefängnis. “

    Hannes Loh glaubt, dass der deutsche HipHop noch härter wird: Die Stars von Aggro-Berlin werden inzwischen von einigen Rappern selbst als Warmduscher und Schlappschwänze verspottet. Kalusha, der nicht nur street-, sondern sogar Knast-credibility für sich verbuchen kann – „Dieses Album wurde ganz besonders aufgenommen, da Kalusha gerade (mal wieder) im Gefängnis sitzt und nur 8 Stunden am Tag ins Tonstudio darf“ –, verspricht für die Zeit nach der Entlassung: „Ich prügel Sido zum Krüppel und häng ihn an’n Baum mit meinem Gürtel.“

    Olaf Keßler glaubt hingegen, der Höhepunkt des Hartz-IV-HipHop sei vorüber, die Jugendlichen hätten die Nase voll von perspektivlosem Battle-Rap: „Wir haben hier jetzt plötzlich eine Punkband im Jugendheim. Und die Hauptschüler hören Adam Green. Hauptschüler! Adam Green!“Trotzdem hat Aggro ganze Arbeit geleistet: „Klar, Nigger sagt hier heute jeder.“

    Das sind keine schönen Aussichten, wenn man bedenkt, dass Berlin-Treptow in Sachen HipHop während der vergangenen drei Jahre nationale Avantgarde war.

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    #3181575  | PERMALINK

    sido

    Registriert seit: 22.03.2005

    Beiträge: 1,678

    hallo otis!
    guter beitrag aus der süddeutschen, wenn ich auch nicht alle aussagen, die da getroffen werden, unterschreiben würde. aber tendenziell geht das schon in ordnung, was da geschrieben steht.
    auch wenn das leicht einseitige auf aggro einschlagen, hier stellenweise mal wieder überhand zu nehmen droht, wie auch in dem taz-artikel zu fler, der in der woche vor der veröffentlichung von der „neuen deutschen welle“ erschien.
    also das fler ein idiot ist, darüber müssen wir nicht diskutieren. der ist wirklich hohl, der typ und wahrscheinlich rappen ungefähr zwei drittel seiner fans besser als er. in dem fall ist dann wirklich image alles, und die clevere vermarktung durch specter erledigt ihr übriges.
    aber sido sollte man nicht in einem atemzug nennen – denn zwischen so lächerlichen machtfantasien wie „neue deutsche welle“ und einer witzigen, aber durchaus nachdenklich machenden milieustudie wie „mein block“ liegen welten.
    genauso schlimm wie fler ist inzwischen bushido geworden, der auf der zweiten „carlo cokxxx nutten“ nur noch darüber rappt, das er rap wieder hart macht und deine mutter fickt. na besten dank auch, anis!
    ich hab mich fjen spätestens bei „electro ghetto“ mit so scheissaussagen wie „salutiert, steht stramm, ich bin der leader wie a“ (was, auf rückfrage bei bu, angeblich für Azad stehen soll – ja klar, alter! das glaubt dir doch keiner!) vom bushido-hören verabschiedet. das ist echt nicht mehr meine musik. so geil tracks wie „cordon sport massenmord“ und manche sachen auf „king of kingz“ und „bordstein“ vor zwei, drei jahren auch waren.
    man muss auch die dummheiten, die fler sich rausnimmt, glaub ich in zusammenhang mit bushido sehen, denn von dem hat er (als sein backup-rapper) schliesslich alles gelernt was ihn jetzt „auszeichnet“. war bushido immer schon stolz aufs „kanacke sein“ und schimpfte halbe platten damit voll, das alle frauen „fotzen“ seien und fast alle deutschen rapper vor ihm nur „schwule zigeuner“, so muss patrick losensky aka fler eben auf die nationalität seiner mutter bezug nehmen, wenn es darum geht, irgendwie eine identity für sich zu schaffen. von fingerspitzengefühl zeugt das ganze deutsch-ding von fler natürlich alles nicht, aber wie gesagt: doof bleibt doof.
    mit rechten tendenzen hat das auch bei bushido nichts zu tun (wie denn auch bei einem tunesier?), aber es ist und bleibt einfach ein zeichen von kompletter dummheit. da haben jungs in der schule nicht aufgepasst und sind auch noch stolz drauf. armes deutschland (und vielleicht noch schlimmer: armes berlin – denn das ist nicht die art, wie ich meine stadt repräsentiert sehen möchte in den medien).
    sowieso nimmt die (gespielte) härte in deutschland immer mehr überhand. irgendwie hab ich so den eindruck, das vor allem aus dem untergrund nicht gutes mehr nachwächst in den letzten jahren, sondern nur noch irgendwelche gescheiterten existenzen über „schwule“, „zigeuner“ und sonst (angeblich) nicht-harte randgruppen herziehen bzw. die ‚uncoolen‘ rapper (also alle mit consciousness etwa) damit gleichsetzen.
    auch eko taucht meiner meinung nach zu unrecht in der aufzählung in dem artikel auf, weil er einigermaßen was drauf hat und einfach eine andere wortwahl benutzt als etwa bushido (auch wenn er viel mit dem rumhängt).
    ausserdem hatte eko die eier, sich am ersten mai auf den mariannenplatz zu stellen und den anfeindungen des publikums paroli (nämlich seine reime) zu bieten. der kann schon was, der ekrem – von daher war es mehr als schwach, als bei seinem auftritt eine massenschlägerei ausbrach und eko auch noch ’ne becks-flasche aufs auge bekam.
    angefangen hat die ganze kacke mit leuten wie savas und MOR, das seh´ ich ähnlich wie der typ der den artikel geschrieben hat. weil damals bei savas halt zum ersten mal einer am mic war, der einen unglaublich guten style hatte, aber eben auch dabei so überhaupt keine aussage mehr. da wurde das hart-sein und auf „easy targets“ schiessen (wie schwule, sinti, roma, frauen und so weiter) quasi hoffähig mit im deutschen rap.
    und was der mann aus treptow erzählt, das man als stinknormaler wegen aggro plötzlich abgestochen werden kann, hab ich noch nie so erlebt. das halte ich auch für quatsch. und ich glaub nicht, dass neukölln jetzt irgendwie so viel sozialverträglicher ist als treptow. weil ich kenne solche sachen, was er da beschreibt, eben nicht.
    und kalusha ist sowieso der grösste sepp, der rumläuft (oder auch eben nicht – denn zur zeit sitzt er ja mal wieder ein). nix gelernt, so doof, das er sich bei seinen kleinkriminellen machenschaften immer wieder von der polizei erwischen lässt und rappen kann er auch nicht – das sind wirklich miese zukunftsaussichten in zeiten von hartz 4.
    aber halt, dann fängt man halt an zu rappern, machen ja sowieso alle heutzutage, ungeachtet von talent, flows, skills und ähnlichem, was noch vor einigen jahren in der szene zählte… und schon ist kalusha, den noch vor einem jahr kein schwein auf der strasse kannte, halt der übelste ghetto-rapper. sicher, jungs!
    und mit gerade einmal 4000 verkauften alben (und das obwohl der clip auf viva lief und alles) muss man natürlich auch irgendwie im gespräch bleiben – und das geht im hiphop immer noch am besten, indem man diejenigen disst, die gerade mal erfolg haben, in dem fall halt eben den zweitbesten rapper der nation, sido.
    das ist ebenso billig wie langweilig wie vorhersehbar. aber hauptsache, man bleibt im gespräch. sind halt alles abgefuckte business-moves.
    und was die verwahrlosung des jugendsprechs angeht, so gilt das sicherlich für gewisse kreise – aber eben nicht für alle. also von meinen homez sagt keiner „nigger“ oder „zigeuner“ oder so einen dreck (denn wir haben in der schule aufgepasst und wissen, was in deutschland mit diesen und anderen begriffen vor 60 jahren für eine scheisse ablief) – aber ich wohn‘ ja auch nicht in treptow… mal ganz davon abgesehen, dass ich nie so die zielgruppe für jugendheime war, sondern lieber zuhause gechillt habe.
    ansonsten aber, wie gesagt, ein guter artikel zu einem wichtigen thema wie ich finde. ist schon schade, das hiphop immer primitiver wird – was auch der wahrnehmung durch „aussenstehende“ (also leute die meinen, fettes brot wären noch hiphop, wo die doch schon längst popmusik machen) nicht gerade förderlich ist.
    hiphop ist nämlich eine weit gefächerte jugendkultur, die für jeden was zu bieten hat. sie bietet jungen leuten eine stimme, wie es zuletzt vielleicht der punk und vor 50 jahren der rock´n´roll geleistet haben.
    und das jetzt einfach nur auf „ich fick deine mutter, ich stech dich ab“ und diesen ganzen dreck reduzieren zu wollen, ist erstens falsch und schadet zweitens einer musik und einer kultur, die mir und auch vielen anderen immer viel gegeben hat.
    hiphop ist eine kultur, die immer schon für toleranz und zusammengehörigkeit stand. es geht um aussage, um styles – klar, auch um competition zum teil, aber das eben auch nur spielerisch und nicht mit auf´s maul hauen -, darum, einen teil seines lebens in lyrik zu verpacken.
    wenn man in einem reihenhaus wohnt, dann sollte man das auch in seinen texten transportieren und nicht einen auf übelsten ghetto-mann machen.
    hiphop gibt eben auch leuten, die nicht mit dem goldenen löffel im mund geboren wurden, eine stimme, eine bühne und eine öffentlichkeit. man kann auch ohne gitarre spielen zu können oder eine schöne stimme zu haben, die menschen erreichen – und das finde ich, als jemand, der auch nicht grad aus einem reichen elternhaus oder so kommt, richtig gut. das hat mich an hiphop auch immer interessiert – und deswegen ist das auch der soundtrack meines lebens.
    aber all das, was hiphop seit 25 jahren auszeichnet, wird jetzt von so hohlen egomanen wie bushido und fler immer mehr in den dreck gezogen und ins falsche licht gerückt.
    ups… mein beitrag ist zwar ein bisschen länger geworden, wie ich grade feststelle, aber ich hoffe es liest ihn doch jemand.
    gruss, euer siggi :cool:

    --

    ich verhandle nicht mit psychopathen[/b]
    #3181577  | PERMALINK

    ituark

    Registriert seit: 02.07.2004

    Beiträge: 705

    sidodenn zwischen so lächerlichen machtfantasien wie „neue deutsche welle“ und einer witzigen, aber durchaus nachdenklich machenden milieustudie wie „mein block“ liegen welten.

    :)

    --

    #3181579  | PERMALINK

    mikko
    Moderator
    Moderator / Juontaja

    Registriert seit: 15.02.2004

    Beiträge: 34,399

    Ich wil mich hier nicht zu deutschem HipHop und diesen ganzen Typen, die in den beiden langen Posts genannt werden, äußern. Ich kenn die zum Teil gar nicht. Aber eines möchte ich zu bedenken geben. Rechte Gesinnung und Rassismus gibt es überall auf der Welt, nicht nur in Deutschland. Und nur weil jemand Migrant ist, ist er noch lange kein Guter.

    --

    Twang-Bang-Wah-Wah-Zoing! - Die nächste Guitars Galore Rundfunk Übertragung ist am Donnerstag, 19. September 2019 von 20-21 Uhr auf der Berliner UKW Frequenz 91,0 Mhz, im Berliner Kabel 92,6 Mhz oder als Livestream über www.alex-berlin.de mit neuen Schallplatten und Konzert Tipps! - Die nächste Guitars Galore Sendung auf radio stone.fm ist am Dienstag, 17. September 2019 von 20 - 21 Uhr mit US Garage & Psychedelic Sounds der Sixties!
    #3181581  | PERMALINK

    hank-williams

    Registriert seit: 07.04.2004

    Beiträge: 3,150

    @ sido
    Ohne Dir zu nahe treten zu wollen: Das war der mit Abstand beste Post, den ich bisher von Dir hier gelesen habe. Sehr gute Analyse, mein Lieber. Respekt!

    Hier noch mal ein Artikel zum Thema, aus dem „Spiegel“:

    Fler und Er

    Von Uh-Young Kim

    Frakturschrift, Reichsadler, abgewandeltes Hitler-Zitat: Der Rapper Fler mischt mit Nazi-Anspielungen die Pop-Szene auf. „Schwarz, Rot, Gold, hart und stolz“, reimt der Berliner MC auf seiner aktuellen Platte und beweist: Mit dumpfem Deutschtum lässt sich prima Kasse machen.

    Bis vor kurzem war Fler ein Niemand im deutschen Rap. Wenn überhaupt fiel er durch großspurige Sprüche von der Hinterbank auf. Seit der 23-jährige Berliner aber Anfang Mai sein Album veröffentlicht hat, ist er allgegenwärtig. Für die Blitzkarriere des bulligen Rappers haben sich die Strategen seines Labels Aggro Berlin das skandalträchtigste Tabu der deutschen Gesellschaft zunutze gemacht: rechtsradikaler Nationalismus. HipHop mag mal die Kultur der Minderheiten gewesen sein, nun aber transportiert die größte und flexibelste Jugendkultur der Welt durch Fler auch deutsch-nationalistische Inhalte.

    Radikaler Zeichenmix

    In der Kampagne zum Album „Neue Deutsche Welle“ wird Fler als völkischer Blutsdeutscher inszeniert. Mit Zeilen wie „Schwarz, Rot, Gold, hart und stolz“ propagiert er Rap als neue Volksmusik. Die Insignien des Rechtsradikalismus werden mit Statussymbolen des HipHop gekreuzt. Das Logo hängt in Frakturschrift an einer Kette. Auf dem Album-Cover posiert der Kappenträger mit Adler auf dem Arm. Im Video schwenkt die Kamera vom Luxusauto zur Deutschlandflagge.

    Wegen des Spiels mit dem Nationalismus wird Fler vom größten deutschen HipHop-Magazin „Juice“ boykottiert. In der Titelgeschichte des Konkurrenzblatts „Backspin“ wiederum darf er seinen ausländischen Freundeskreis als Gegenbeweis zu Nazi-Vorwürfen anführen. Im Feuilleton der „Süddeutschen Zeitung“ läuteten dagegen die Alarmglocken vor dem „HipHop von rechts“. Weniger aufgeregt demontierte die „taz“ Flers Inszenierung als ambivalenten Mix aus rechts- und linksradikalen Zeichen. Sozial repräsentiere er das Schreckgespenst des marginalisierten Deutschen in Vierteln, die von Ausländern dominiert seien. „Bravo“ fotografierte ihn gleich mit Vorschlaghammer, und das Skandalfernsehen wittert ein neues Unterschichtenspektakel. Bei all dem Durcheinander sind sich die Kritiker wenigstens in einem Punkt einig: Seine Manager mögen schlau sein, Fler ist es nicht.

    Nun war Intelligenz in der Rapmusik nie notwendig, um sich Gehör zu verschaffen. Ganz im Gegenteil: Seit dem Welterfolg von 50 Cent scheinen auch schlichtere Gemüter zum großen Geld befähigt. Flers Album schoss aus dem Stand auf Platz fünf der Charts. Seine von einem Falco-Sample getragene Single „NDW 2005“ landete auf Platz 10. Im Grunde genommen haben aus Sicht des Labels Aggro Berlin alle genau das getan, was sie tun sollten: Fler ins Rampenlicht gerückt.

    Musik macht mobil

    Eine solche Figur gerade jetzt zu produzieren, ist gleichermaßen skrupellos wie geschäftstüchtig. Seit Monaten transportiert die Popkultur patriotische Themen. Im Kino fließen Tränen zum „Wunder von Bern“, und schwarz-rot-goldene Mode ist im Trend, wie man in Magazinen wie „Blond“ und „Deutsch“ nachlesen kann. Auch in der arg gebeutelten Musikindustrie haben sich Heimatgefühle für naive Deutschrockbands bezahlt gemacht. Zwar konnte sich die Deutschpop-Quote im Radio nicht durchsetzen, die Debatte aber hat ein Klima gefördert, in dem viele Jugendliche das Nationale cool finden. Flers Label nahm die Einladung an. Kurz vor dem 60. Jahrestag des Weltkriegsendes bewarb es Flers Debüt mit dem abgewandelten Hitler-Zitat: „Ab 1. Mai wird zurückgeschossen.“
    Den gewissensfreien Marketingplan hat einer der drei Gründer von Aggro Berlin entworfen. Der Graffitikünstler Specter zeichnet für das polarisierende Brutalo-Image von Aggro verantwortlich. Er ist der Kopf hinter dem Aufstieg des unabhängigen Labels, ein Meister der Übertreibung. Specter erfand die Maske von Sido – der momentan populärste und gewitzteste deutsche Rapper. Für Bushido, Sohn eines tunesischen Einwanderers, designte er ein Trademark-Tattoo und schickte ihn als Rapsoldat ins Feld. Der schwarze Rapper B-Tight wurde unter seiner Ägide zum noch schwärzeren, amoklaufenden, politisch unkorrekten „Neger“. Und aus einem schwererziehbaren Heimkind hat Specter nun den harten Germanen gemacht. Der lässt sich nicht länger als „fette Kartoffel“ beschimpfen, sondern verkündet laut, ein „stolzer Deutscher“ zu sein.

    Message-Rap für Bildungsbürger

    Kurioserweise ist vom entgegengesetzten Ende der deutschen Rap-Szene Ähnliches zu hören. Dort hat sich das antirassistische, afrodeutsche Bündnis Brothers Keepers zu ihrem zweiten Album zusammengefunden. Der deutsch-nigerianische Initiator Ade Odukoya besteht in Interviews ebenfalls darauf, ein „stolzer Deutscher“ zu sein. Er möchte das „Bedürfnis nach einer nationalen Identität“ nicht den Rechten überlassen. Sein Deutschland ist das demokratische, friedliebende, Gutmenschenland. Auf welches Deutschland Fler hingegen Bezug nimmt, führt der Berliner Reimrabauke auf seinem Album nicht weiter aus. Neben Schmähungen von Gegnern und sexistischen Ausfällen bildet sein Nationalismus bloß das Schockmoment, das ihn in der Rap-Arena einzigartig macht.

    Ein Generationswechsel hat in der deutschen Rapszene stattgefunden. Bei den Brothers Keepers sind neben Popstars wie Xavier Naidoo die wichtigsten Pioniere der Alten und Neuen Schule aus den neunziger Jahren vertreten, alle mit einem Migrationshintergund. Torch, Denyo von den Beginnern, Samy Deluxe und Afrob wurden stark vom sozialkritischen Message-Rap aus New York beeinflusst. Vier Jahre nach dem Erfolg des Antirassismus-Songs „Adriano (Letzte Warnung)“ ist jedoch das Interesse an dem politisch ambitionierten Projekt gering, während Fler die Aufmerksamkeit der Presse genießt.

    Fler stammt aus der jungen Berliner Battlerap-Szene, die um das Jahr 2000 gerade aus Ablehnung der alten Stars, Hierarchien und Regeln entstanden ist. Ihr Säulenheiliger ist der Einzelkämpfer Eminem; inhaltlich geht es ausschließlich darum, andere Rapper zu beleidigen. Battlerap ist im HipHop eine Art sozialdarwinistische Sportdisziplin aus Frauenfeindlichkeit, Homophobie, Antisemitismus und Gewaltexzessen. Dem Schulterschluss der Hamburger und Stuttgarter Brothers Keepers mit dem bildungsbürgerlichen Mainstream halten die Berliner die vermeintlich ungeschminkte Realität aus dem Ghetto-Alltag entgegen. Kasse machen wollen beide – die einen mit, die anderen ohne Moral.

    Fight Club für den Osten

    Der Erfolg beider Lager deutet drauf hin, dass sich die relevanten Themen im HipHop von Fragen der Rasse auf die der Klasse verschoben haben. Auch die Brothers Keepers tragen dem Rechnung und haben ihr Wirkungsfeld um weiße Sänger wie Gentleman erweitert. Von ihrer Botschaft sollen sich auch perspektivlose Jugendliche im Osten Deutschlands angesprochen fühlen. Gerade dort aber waren die Vorbestellungen für Flers Album am größten. Zurzeit haben Gleichheit und Brüderlichkeit bei Jugendlichen offensichtlich wenig Chancen gegen eine um männliche Allmachtsphantasien aufgebaute Videospiel-Identität.

    So gegenteilig die beiden Entwürfe sind, ist ihnen doch eines gemeinsam: Von unten fordern sie Einlass in die Mehrheitsgesellschaft über die nationale Identität. Die einen als aufklärerisches Kollektiv, weil sie einzeln nicht akzeptiert worden sind. Der andere mit dem Baseballschläger, weil er vergessen worden ist. Im Interview mit „Backspin“ gab Fler zu, er müsse auf sein Image aufpassen, sonst bekomme er keine Auftritte mehr. Die Macher wissen – Flers Deutschtümelei darf nur so weit gehen, wie sie von ihr finanziell profitieren können. In dem Wunsch nach sozialem Aufstieg um jeden Preis entpuppt sich seine Radikalität als simple Anpassung an einen Markt, auf dem sich mit dumpfem Deutschtum derzeit prima Kasse machen lässt.

    --

    „Kreuzberg ist so hart, dass sogar die Steine sagen: Wir sind zu weich für die Strasse. So hart ist Kreuzberg.“ (Catee)
    #3181583  | PERMALINK

    joerg-koenig

    Registriert seit: 09.08.2002

    Beiträge: 4,078

    MikkoAber eines möchte ich zu bedenken geben. Rechte Gesinnung und Rassismus gibt es überall auf der Welt, nicht nur in Deutschland. Und nur weil jemand Migrant ist, ist er noch lange kein Guter.

    Ist es nicht langweilig, der 1001. zu sein, der eine Ansicht vehement ablehnt, die (außer in seiner Phantasie) niemand vertreten hat?

    --

    Wenn wir schon alles falsch machen, dann wenigstens richtig.
    #3181585  | PERMALINK

    beatnik180

    Registriert seit: 06.06.2005

    Beiträge: 1

    Hallo,

    ich bin der „Mann“ aus Treptow der im Artikel der Süddeutschen zitiert wird.
    Ich möchte, nachdem ich die Ausführungen von „Sido“gelesen habe folgendes
    feststellen:

    Ich war selber ziemlich schockiert als ich lesen musste was der
    Autor der SZ da fabriziert hatte. Das Interview mit mir fand per Telefon statt,
    die Zitate insbesondere das mit dem “ abstechen “ wurden vollkommen aus
    dem Kontext gerissen und so auch nicht gesagt. Auch das Treptow in den letzten Jahren “ Nationale Avantgarde “ in Sachen HipHop war ist mir neu.
    Von diesem eindimensionalen in allen Bereichen mehr als schlecht recherchierten und inhaltlich oft nicht nachvollziehbaren Artikel möchte ich mich also mit größtem Abstand distanzieren ! Leider habe ich ihn vor der Veröffentlichung nicht mehr zum gegenlesen bekommen, was bei anderen Zeitungen eigentlich Standard ist.
    Vielmehr habe ich den Eindruck hier zur Stimmungsmache benutzt wurden zu sein. Da ich nicht der einzige bin, der von solcher Art „Berichterstattung“ betroffen ist werden Justus ( MOR ) und ich eine Stellungnahme dazu veröffentlichen. Das die SZ diese druckt ist unwahrscheinlich deshalb versuchen wir diese im „Backspin“ zu posten.
    Ich möchte noch bemerken, daß ich mich auf Grund meiner Arbeit als Straßensozialarbeiter sehr differenziert mit dieser Thematik auseinandersetzen (muß ).
    In der Backspinausgabe vom August 04 ist ein Artikel über eine Podiumsdiskussion zur Thematik zu lesen, die ich gemeinsam mit einem Kollegen damals organisierte. Teilnehmer waren unter anderem Markus Staiger,
    Fuat und DJ Zett. Die seit Jahrhunderten geführte leidliche Diskussion über was darf Kunst und was nicht ist dabei nicht meine Herangehensweise. Ich bin
    kein Musikwissenschaftler sondern kann lediglich die Erfahrungen im Rahmen meiner Arbeit als Jugendsozialarbeiter wiederspiegeln. Eine dieser ist nun mal auch, das Kids die bisher keinen Bezug zur „Hip Hop Szene“ hatten und erst auf Grund der gestiegenen Popularität der Protagonisten dazu kamen den Battlerap in seinem Ursprung oft nicht nachvollziehen können und gereimten oftmals eine höhere Authenzität andichten als tatsächlich vorhanden. Fakt ist auch, daß die Gewalt in meinem Bezirk seit aufkommen der ersten „Mainstreamgangs“ eine andere Qualität ereicht hat. Ging diese bisher vorwiegend von meist rechtsorientierten Jugendlichen aus und richtete sich gegen Minderheiten und Andersdenkende, so fand in den letzten drei Jahren eine Art „entpersonalisierung “ dieser statt.
    Selbst als „unauffälliger, normaler“ Jugendlicher muss ich damit rechnen Opfer zu werden. Des weiteren wurden Konflikte unter rivalisierenden Jugendlichen
    häufiger mit dem Messer „gelöst“. Ein Todesfall war denn auch der Anlaß für die Podiumsdiskussion. Das die Ursachen dafür natürlich nicht dem Battlerap zu zuordnen sind ist klar. Der Battlerap beschreibt oder/ und überzeichnet ja nur das was in unserer Gesellschaft bereits vorhanden ist. Vielmehr ist es die Summe aus einer vielzahl Faktoren und entspringt nicht zuletzt der Dynamik einer individualisierten Gesellschaft die den Kids immer weniger Anreize schafft Perspektiven und Visionen für ihre Zukunft zu entwickeln und sich mit ihrem Status als Jugendlicher in Deutschland aus einander zu setzen.

    Beste Grüße

    Olaf

    --

    #3181587  | PERMALINK

    otis
    Moderator

    Registriert seit: 08.07.2002

    Beiträge: 22,557

    Ich fand die Beiträge oben sehr interessant. Thx.

    Im „stern“ vom 2.6.05 findet sich ein lesenswertes Interview mit Sido (Dummheit, die wütend machen kann. Wenig tröstlich, dass die anderen noch dümmer sein sollen). Ich kann dieses Interview hier nicht zitieren, auf der Stern-Internetseite finde ich dazu nur folgenden Text:

    Deutsche HipHop-Stars verherrlichen Gewalt gegen Frauen
    Deutsche HipHop-Titel landen immer häufiger auf dem Index für jugendgefährdende Medien, weil sie Gewalt gegen Frauen verherrlichen. Nach Recherchen des Hamburger Magazins stern und des ZDF-Magazins „Mona Lisa“ untersagte die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien den Verkauf von Tonträgern Berliner Rapper wie King Orgasmus One oder Bass Sultan Hengzt an Minderjährige. Auch die CD „Ansage Nr. 3“ des Berliner Untergrund-Labels Aggro, das unter anderem den Erfolgs-Rapper Sido unter Vertrag hat, wurde indiziert. Gegen weitere sieben HipHop-Titel läuft das Indizierungsverfahren.

    Die Leiterin der Bundesbehörde, Elke Monssen-Engberding, bestätigte den Trend: Seit gut einem Jahr habe es die Behörde vermehrt mit deutschen Rap-Texten zu tun, „in denen dazu aufgefordert wird, Frauen zu diskriminieren, zu vergewaltigen oder Gewalt in anderer Form anzuwenden“.

    Der Bundesbehörde lag auch ein Antrag vor, den „Arschficksong“ des derzeit erfolgreichsten deutschen Rappers Paul Würdig, Künstlername: Sido, als jugendgefährdend einzustufen. Der Titel konnte allerdings nicht mehr indiziert werden, weil zuvor ein anderes Gremium, die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft, ein Video zu dem Song ab 16 Jahren freigegeben hatte. Für den Frankfurter Oberstaatsanwalt Peter Köhler gehen Sidos Texte „weit über die Jugendgefährdung hinaus“. Für ihn scheint eine „Verherrlichung von sexueller Gewalt gegenüber Kindern“ vorzuliegen.

    Im stern charakterisierte Sido den inkriminierten Song als „Punkertum“. Heute würde er einen solchen Text nicht mehr schreiben. „Ich habe jetzt meine Klientel gefunden. Viele Leute, die mich hören, lesen ‚Bravo‘.“ Für die sei der Song nicht gedacht, sagte der Rapper, der sein Alter Ego Sido als „krasse Kunstfigur“ bezeichnet. „Ich habe einen Sohn“, so Sido weiter im stern. „Der ist fünf. Der soll meine Musik auch nicht hören. Der ist Juli-Fan. Das finde ich gut.“

    --

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    #3181589  | PERMALINK

    filmstyle

    Registriert seit: 09.06.2005

    Beiträge: 2

    Aggroberlin ist für unverantwortliche, laute und populistische P.R. bekannt, diesmal servieren sie uns „doitsche Kost“, das Album von Fler ist unterdurchschnittlich, absolut nicht „rechts“, aber auch schon die früheren Konzepte von Specter ( einer von 3 Bossen bei Aggro ) waren bekannt für ihre politische und moralische Plumpheit ( siehe „Der Neger“, Sido´s „Analsex“-Song und Bushido´s Stolz auf eine verpfuschte Jugend als kleinkrimineller Drogenticker ). Die Ideen von Aggro werden nur auf ihren Gehalt nach kontroversen hin abgewogen, eine weitergehende, moralische Diskussion findet schon lange nicht mehr statt ( die hat es tatsächlich mal gegeben ) – heute zählt nur noch der Mammon.

    Mit Daniel Harder, Regie von „neue deutsche welle“ steht nun auch die passende Marionette als Inszenierer für das Video parat, seine obige Aussage ( laut Süddeutsche ) „Er hätte Fler am liebsten mit Skins durchs Bild marschieren lassen“ ist aus meiner Sicht konzentrierte, verantwortungslose Dummheit in einer Medienbeherrschten Welt, wo zu viele Jugendliche einer einseitig-verblödenden Dauerberieselung durch Viva und Co. ausgesetzt sind und die gleichgültige unwissenheit von Fler nur allzu gerne übernehmen, eben „Blöd ist Geil“.

    Mein Fazit: Danke, Aggroberlin für die „neue deutsche bräune“

    MfG,

    F.

    --

    #3181591  | PERMALINK

    sido

    Registriert seit: 22.03.2005

    Beiträge: 1,678

    @ filmstyle
    ich denke nicht, das es notwendig war, sich für diesen einen beitrag gleich im „rolling stone forum“ anzumelden – vor allem weil du hier auch an der falschen adresse bist. wenn das eine art offener brief an specter & konsorten werden soll, dann empfehle ich dir das aggro-board. denn hier im forum wird deinen beitrag bestimmt keiner von den eigentlichen adressaten (fler, specter usw.) lesen, soviel ist mal sicher. im aggro-board treiben sich die besagten herren hingegen auch selbst mal ab und zu herum.
    des weiteren sind die jugendlichen von heute nicht so dumm, wie du glaubst – trotz viva-dauerberieselung. deshalb bitte keine pauschalverurteilungen, denn mit aussagen wie „alle aggro-hörenden jugendlichen sind doof und nicht in der lage das entsprechend zu reflektieren und zu hinterfragen“ bist du auch nicht viel besser als ein großmäuliger rapper der sich hinstellt und scheisse vom stapel lässt wie „alle frauen sind fotzen“.

    @ otis
    du wirfst sido dummheit vor und beziehst dich dabei auf aussagen die er im interview mit´m stern getätigt hat. dummheit und intoleranz lassen sich aber vielmehr auf seiten der jugendschützer feststellen. da wirft einer sido „Verherrlichung von sexueller Gewalt gegenüber Kindern“ vor – weil da eine – vermeintlich – 13jährige (die fiktive katrin) anal penetriert wird. die kunstfigur sido (früher gab es mal so etwas wie ein lyrisches ich… aber so etwas ist der bpjm wohl unbekannt) erzählt in besagtem song, das seine vorliebe für analsex mit 13 begann und er diese mit einer gleichaltrigen partnerin auslebte. das ignoriert der herr aber, und so sido wird also mal eben schnell zum kinderschänder erklärt – alles klar… wäre ich an stelle von specter, würde ich hier mal ganz schnell einen anwalt einschalten und den besagten herrn wegen rufschädigung verklagen!!!
    was man von indizierungsverfahren zu halten hat, hat bass sultan hengst mit seinem track „fick index“ eigentlich schon abgedeckt. das wir uns in deutschland immer noch in einem überwachungsstaat befinden, dürfte klar sein, wenn nämlich die grenzen des jugendschutzes (der durchaus zu loben ist) enden und erwachsenenbevormundung beginnt. es gibt etwa 200 spielfilme die man sich überall auf der welt ansehen darf, nur nicht in deutschland – unter anderem filme von renommierten regisseuren, die später filme wie „spiderman“ oder „herr der ringe“ gemacht haben.
    einen ähnlichen weg schlägt die bpjm jetzt auch in sachen hiphop ein. das der aus berlin stammende immerschon härter war als die studentenmucke aus der schwäbischen provinz etwa, dürfte klar sein.
    das man nicht glauben sollte das minderjährige unreflektiert alles glauben was man ihnen vorsetzt oder erzählt dürfte allerdings auch klar sein. wenn arnold schwarzenegger als terminator durch die gegend ballert, denkt auch keiner das sei ein richtige roboter. ich denke, viele minderjährige können besser zwischen realität und fiktion unterscheiden als es frau monssen-engberding (berühmt-berüchtigt für ihre schnellverfahren-indizierungen in den 80ern, u.a. „zombie“ und „man-eater“) und ihre kollegen es vielleicht wahrhaben wollen.
    ein 12jähriger mag den „arschficksong“ toll finden – allerdings stößt er sehr bald an seine grenzen, wenn er mit seiner gleichaltrigen freundin die aussage des liedes nachspielen möchte. die wird ihm schon sagen, was sache ist – und ehe sich unser kleiner möchtegerngangster aus dem beispiel umkucken kann, ist er wieder auf dem boden der tatsachen zurück.
    es herrscht momentan eine regelrechte indizierungswut – b-tight, bass sultan, orgy, savas. und nun fordert so eine schnepfe von der spd auch noch ein sendeverbot von aggro-videos. na besten dank auch! man hat nun also ein neuen sündenbock gefunden – in den 80ern waren es die gewaltfilme, in den 90ern dann computerspiele und jetzt ist es eben hiphop, der jugendliche zu frauenfeindlichen brutalen monstern werden läßt. also leute, das glaubt ihr doch im ernst nicht!
    vielleicht denkt mal jemand bei zeiten daran, das es nicht die musik ist die jugendliche hören, die sie verroht, sondern die verhältnisse in denen sie aufwachsen.
    man muss berliner hiphop nicht mögen, aber es ist eine ganz andere sache, kunstwerke (und das meine ich hier völlig neutral) verbieten zu wollen. im land von bücherverbrennungen und intellektuellenvertreibungen hat so etwas immer einen schalen beigeschmack für mich. jugendschutz in allen ehren, aber totalverbote gehen zu weit!
    gruss simon

    ps: desweiteren möchte ich darauf hinweisen, das sido mit bürgerlichem namen NICHT paul würdig heisst. auch das ist nur ein künstlername.

    --

    ich verhandle nicht mit psychopathen[/b]
    #3181593  | PERMALINK

    otis
    Moderator

    Registriert seit: 08.07.2002

    Beiträge: 22,557

    „“Sido““, du wirst aber zugeben, dass „Sido“ in besagtem Interview keinesfalls als sonderliche Leuchte rüberkommt. Vor allem sein Umgang mit sich selbst und seinen früheren Songs, sein Rumgeeiere bzgl. Verantwortung fand ich schon seltsam amüsant.
    Ansonsten, danke für deine Ausführungen.

    --

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    #3181595  | PERMALINK

    sido

    Registriert seit: 22.03.2005

    Beiträge: 1,678

    hi otis!
    ja nee, das sido ne leuchte ist hat auch keiner behauptet. und was das rumge-eiere wegen den alten songs angeht, so muss man schon sagen das „arschficksong“ (sozusagen der schluss-strich unter die ganzen frühen „royal ts“-/“a.i.d.s.“-battlerap-sachen) noch ein ziemliches untergrundding war. damals auf der „aggro ansage nr. 1“ veröffentlicht, konnte noch keiner wissen das aggro mal so gross werden würde wie es jetzt ist – und an die 12jährige bravo-klientel war schon mal gar nicht zu denken damals. von daher sehe ich das nicht so sehr als ambivalente aussage an, was siggy da so sagt. er hat jetzt einfach ganz andere hörer als damals noch bei den atzen-rap-sachen. da war man mit 100 leuten bei den ersten „a.i.d.s.“-auftritten und cd´s gabs auch noch net, sondern tapes. und das war eben noch untergrund (genauso wie orgi, bass sultan, frauenarzt und wer noch alles zu der zeit ungefähr angefangen hat, kassetten unters volk zu werfen). da muss er sich auch nicht von distanzieren meiner meinung nach. er hat halt eine entwicklung durchgemacht – durch den kommerz haben sich seine themen und auch seine zuhörerschaft gleichermassen verändert.
    und das er nicht so super-selbstreflexiv ist, wie curse oder torch dürfte aber auch klar sein. man muss sido halt mehr als entertainer sehen. verantwortungslos ist er nicht, nur manchmal etwas leichtfertig. aber er ist ja noch jung, vielleicht lernt er’s ja noch.
    ps: du darfst simon zu mir sagen. :)

    --

    ich verhandle nicht mit psychopathen[/b]
    #3181597  | PERMALINK

    otis
    Moderator

    Registriert seit: 08.07.2002

    Beiträge: 22,557

    Schreibst du da noch mal Jahreszahlen dazu?! Wann war die Tape-Zeit, wann war „damals“? Wie alt war er?
    Und vor allem interessiert mich noch, wer dahinter steht, dass das ganze the next big thing wurde. Ganz so von allein geht so etwas ja nicht.

    --

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    #3181599  | PERMALINK

    atze-matze

    Registriert seit: 11.06.2005

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    Simon sagt, dass sido mit 17 angefangen hat ‚professionell‘ zu rappen. Das erste Royal TS-Tape is von 1998, da war er also knapp 18. Erste Aggro-Ansage is von Anfang 2002, da war er 21 und hat ungefähr zu der Zeit seinen Style verändert.

    Hier die Diskografie der frühen Jahre:
    1998: Wissen Flow Talent (Royal TS)
    1999: Sintflows (die Sekte)
    2000: Back in Dissniss (die Sekte)
    2001: Das Mic und Ich (A.i.d.S. [Alles ist die Sekte])
    2002: Album Nr.3 (A.i.d.S.)
    2003: Garnich so Schlimm (A.i.d.S.)

    Verschwörungstheorien würde ich hier nicht sehen, dass da jemand „hinter steht“ und das lenkt. Eine Mischung aus Talent und Dreist-Sein hat sich nach und nach durchgesetzt. Schon im Sommer 2002 waren Aggro ziemlich „dick“ im Geschäft, wenn man sieht, wie voll es beim ersten Splash-Gig der Jungz im Zelt war (round about 5000 Leutz) während vor der Hauptbühne bei Tefla & Jaleel (gloob ick das die das waren) gähnende Leere herrschte. Mundpropaganda, Tapes die die Runde in der Szene machen usw. haben dann dazu beigetragen, dass irgendwann Bushido mit „Bordstein“ in die Top 100 kam, dann die Medien langsam was checkten und Ende 2003 den „Weihnachtssong“ auf Power-Rotation brachten. Was aber auch noch über die Fans lief, denn der lief nur ständig wegen „Get the clip“, wo man per SMS oder Anruf für die nächsten Video´s stimmen kann. Ausnahmsweise waren es im Fall von Aggro mal nicht die bösen Marketingleute, die irgendwelche Crews casten, sondern ein Indie-Label, das Erfolg hat. Das kann man sehn wie man will, ob gut finden oder verdammen – aber hier waren es die Fans „Schuld“.

    --

    Cassa und sido feiern sich selbst[/font][/b]
    #3181601  | PERMALINK

    filmstyle

    Registriert seit: 09.06.2005

    Beiträge: 2

    @ „Sido“,

    Ich brauche von niemandem Ratschläge wo Ich meine Meinung poste. ok ?
    ( mal nebenbei, warum nennst Du Dich Sido ? Objektivität ist Dir wohl Fremd )Aber Du kannst Dich offenbar sowieso nicht objektiv zu irgendwas äussern, Deiner Meinung nach sollte sich offenbar jeder in jeglicher Form auslassen dürfen, volkommen unabhängig von der Tatsache, dass er/sie in einer Gesellschaft lebt, und zudem ( wie Fler, Sido, Buschido etc. ) momentan Prominent, also ein „Vorbild“ für gewisse Leute ist.
    Mit diesen Rappern findet keine ernste Diskussion statt, ganz im Gegenteil, Positionen werden hingeklatscht und wenn dann mal was zurückkommt heisst es nur: „ist uns egal was irgendwer dazu sagt und was das für Folgen hat, jemand anderes soll den Dreck in Ordnung bringen“.
    Wenn dann jemand sagt, dass das alles keine Auswirkungen auf Jugendliche oder sonst wen hat, Frage Ich mich wie Propaganda und Hirnwäsche bisher überhaupt funkionieren konnte ( Ich Rede hier nicht allein vom 3. Reich ).

    Ausserdem interessiert es mich überhaupt nicht den Leuten von Aggro irgendwelche Leviten zu Lesen, dafür ist es zu spät, Ich habe die Auswirkungen von NDW gesehen, und z.B. auf Rock Nord ( rechtsextreme Musikfanzine ) bedanken sich die NeoNazis offen bei Fler, dass rechtere Töne Eingang in den Mainstream finden können, egal ob er rechts ist oder nicht.

    Deine Aussage, dass Sido nicht wirklich Paul Würdig heisst, ist glatter Blödsinn, er heisst so, Punkt.

    F.

    --

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