Da an anderer Stelle recht hitzig über Chaplin diskutiert wurde (plus eine Gasterwähnung Keatons), soll auch bitte noch ein anderer brillanter Regisseur / Selbstdarsteller erwähnt werden, der gemeinhin leider doch eher geringer geschätzt wird.
Vor dem Beginn seiner (immens erfolgreichen) Regiekarriere erlangte er hohe Popularität im Co-Gespann mit Dean Martin, wobei er als nervendes Dümmchen grimassierte, während Martin den jovialen Sexisten präsentierte, also nicht schauspielern musste. Eine ähnliche Kollaboration wie jene von Keaton mit Dämlack Fatty Arbuckle, jedoch mit einer hervorragenden Ausnahme: "Hollywood Or Bust" von Frank Tashlin, eine herrlich kluge Hollywood-Allegorie, die fast das Niveau eine Filmes von Preston Sturges erreicht. Unbedingte Empfehlung.
Dann hatte Lewis es satt den herumgetretenen Narr in Serie zu spielen und brachte diese Figur unter seiner eigenen Regie zur Perfektion. Sein erste Arbeit, "The Errand Boy" halte ich für seine beste, sie vereint Chaplins filmische Präsenz mit Keatons detaillierter Komplexität und erweitert sie um eine persönliche Komponente: Lewis' pessimistischer Sarkasmus, der nur da halt macht, wo Unschuld herrscht. Als errand boy kommt er nach Hollywood, wird zur Marionette einer Intrige auserkoren und gelangt zuletzt selber an die Macht, indem er in tölpelhafter Dialektik das Hierarchiesystem untergräbt und verwüstet. In der letzten Szene fährt er mit offenem Verdeck und getönter Sonnenbrille durch das Studiogelände, winkt dem ergebenen production staff und schmeißt einem Fensterputzer eine Münze zu. Ein amerikanischer Aufstieg? You bet. Dabei schafft er es jedoch nicht dem gewalttätigen Zynismus Sturges' zu verfallen. Den einzigen amerikanischen, progressiven Filmemacher nannte ihn Godard danach. Und der großspurige, selbstverliebte Chaplin sprach von Genie. You bet.
Die zwei folgenden Filme "The Bellboy" und "The Ladies Man" variierten ihren Vorgänger, sind in einzelnen Gags wirklich hervorragend, allerdings etwas wiederholend und leider auch erratisch.
Erst in "The Nutty Professor" wurde sein Talent wieder komplett realisiert: Die Jeckyll & Hyde Geschichte als eine Fabel über sexuelles Begehren und sexuellem Begehrt-werden-wollen. Lewis mischt sich ein Elixier, das ihm Vitalität und Anerkennung, eine neue, zweite Existenz verschaffen soll, findet Liebe allerdings erst im Erkennen seiner eigenen Person. Chaplins naiver Humanismus gebrochen durch den sarkastischen Blick auf the bold and the beautiful. Ein Meisterwerk mit perfektem Timing und Aufbau, nicht weniger.
Danach folgte leider nur noch eine Abfolge von mißlungenen Albereien wie "The Family Jewels" oder "The Patsy". Eine Abkehr davon, "The Day The Clown Cried", eine Satire über einen Nazi-Komödianten, der jüdische Kinder ahnungslos ins KZ transportiert, beanspruchte endlose Dreharbeiten und verschwand nach ersten Vorführungen im Archiv. Bis heute ist ungeklärt ob der Film fertig gestellt wurde oder nicht evtl. sogar teilweise vernichtet wurde. Mal Bergman-Heroine Harriet Andersson fragen, die mitgespielt hat.
In case you don't know: Jerry Lewis lebt noch.

