Thad Jones

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  • #87085  | PERMALINK

    asdfjkloe

    Registriert seit: 07.07.2006

    Beiträge: 4,740

    Detroit-New York Junction (1956) ****
    The Magnificent (1956) **** ½
    Consummation (1970) ****

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    #8838675  | PERMALINK

    redbeansandrice

    Registriert seit: 14.08.2009

    Beiträge: 7,027

    The Fabulous Thad Jones ****1/2
    Detroit-New York Junction ****1/2
    The Magnificent Thad Jones ****
    After Hours ***1/2

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    #8838677  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
    Moderator
    Biomasse

    Registriert seit: 25.01.2010

    Beiträge: 48,361

    Also dann … Thad Jones (1923-1986) war der kleine Bruder von Hank (1918-2010) und der grosse von Elvin Jones (1927-2004, zum Sterne-Thread hier lang), drei Brüdern, die aus Michigan stammten und via Detroit nach New York kamen und den Jazz über Jahrzehnte hinweg prägten.

    Thad ist dabei wohl derjenige, der am wenigsten bekannt wurde, weil er häufig eher als Arrangeur denn als Leader und Trompeter tätig war, dabei war er schon früh (die Aufnahme für Mingus‚ Debut-Label!) ein besonders feiner Trompeter, der in der Nachfolge Dizzy Gillespies stand und dessen Stil mit einem ganz feinen Ton und durch harmonisch wagemutige Einfälle vorantrieb.

    1954 stiess er zu Basies New Testament Band, in der er bald eine Schlüsselrolle einnehmen sollte, weniger als Solist (sein „Pop Goes the Weasel“-Zitat in seinem Solo über „April in Paris“ auf dem gleichnamigen Album für Verve wurde allerdings zum unsterblichen Klassiker) denn als Arrangeur: „The Deacon“, „H.R.H.“, „To You“, „Counter Block“, „Sweet and Purty“ stammen etwa aus seiner Feder.

    Jones‘ Arrangements waren modern, für Basie wohl oft etwas zu modern, seine Voicings oft gewagt, manchmal dissonant – in Basies gut geölter Maschine fühlte er sich nach einiger Zeit eingeschränkt und 1963 verliess er die Band schliesslich, um mit dem Schlagzeuger Mel Lewis seine eigene Big Band zu gründen, das Thad Jones / Mel Lewis Orchestra, mit dem er seine Vorstellungen nun ohne Einschränkungen verwirklichen konnte. Es entstand eine Reihe vorzüglicher Alben für Solid State (später mit Bonusmaterial von Mosaic gesammelt), die Band tourte (der Live-Mitschnitt aus Basel 1969 auf TCB – mit Joe Henderson! – ist unbedingt hörenswert!), kam dabei bis in die Sowjetunion, machte sich rasch einen Namen und gewann 1978 sogar einen Grammy. Im selben Jahr zog Jones nach Kopenhagen, Lewis führte die Gruppe als Mel Lewis Jazz Orchestra bis zu seinem Tod 1990 weiter, seither läuft sie unter dem Namen Vanguard Jazz Orchestra und tritt wie seit Anbeginn jeden Montag im New Yorker Village Vanguard auf (wo sie 1966 auch ihr Debut gab).

    Die Jones/Lewis Band schrieb in den Sechzigern, als die Big Band Ära längst vergangen war, neben wenigen anderen ein neues Kapitel in der Geschichte der grossen Jazz-Ensembles. Neben Jones sass mit Bob Brookmeyer ein weiterer vorzüglicher Arrangeur in der Band (er kam aus der zuvor künstlerisch sehr, kommerziell wenig erfolgeichen, daher rasch aufgelösten Concert Jazz Band von Gerry Mulligan). Wichtige Solisten waren u.a. der Trompeter Richard Williams, die Saxophonisten Joe Farrell, Pepper Adams, Jerome Richardson (soaring soulful soprano!), Seldon Powell und Eddie Daniels (der als Solist v.a. an der Klarinette glänzte), neben den Posaunisten Jimmy Knepper und Jimmy Cleveland auch Bob Brookmeyer an der Ventilposaune und – viel zu selten – Jones selbst, oft am Flügelhorn. Als Lead-Trompeter wirkte der unverwechselbare Snooky Young. Die Rhythmusgruppe wurde von Mel Lewis‘ exzellentem Schlagzeugspiel zusammengehalten, an Nuancen und Farben so reich wie das kaum eines Big Band Trommlers, dazu kamen in den ersten Jahren Roland Hanna am Klavier, der Rhythmusgitarrist Sam Hermann und Richard Davis am Bass. Hanna/Davis/Lewis‘ Spiel verblüfft heute noch, sind sie doch so flexibel und spannend, wie man es in Big Bands kaum zu hören kriegt, und auch wirklich so wagemutig, wie der Name Richard Davis es erhoffen lässt.

    Thad Jones‘ Trompetenspiel wurde glücklicherweise neben seiner Tätigkeit bei Basie öfter auch mit kleineren Formationen dokumentiert. So nahm er ein paar sehr feine Alben für Blue Note auf, spielte noch früher mit Mingus‘ Jazz Workshop, dazu entstanden Alben für Period, United Artists etc. und er spielte unter anderem als Sideman bei Lambert, Hendricks & Ross, Yusef Lateef, Helen Merrill, Johnny „Hammond“ Smith, Sonny Stitt, Pepper Adams, Stanley Turrentine, McCoy Tyner, Oliver Nelson, Sonny Rollins, Gil Evans und natürlich bei Basie-Kollegen wie Paul Quinichette, Frank Wess oder Ernie Wilkins. Nicht zuletzt spielte er auch im Sextet of the Orchestra USA, mit dem unter der Leitung Mike Zwerins ein feines Album entstand, das ganz der Musik Kurt Weills gewidmet war (mit Eric Dolphy, Jerome Richardson, Jimmy Raney, Richard Davis, Nick Travis etc.). Zudem spielte er neben Nick Travis (der übrigens der wichtigste Trompetensolist der Concert Jazz Band Mulligans war) in der zweiten kleinen Big Band, die Thelonious Monk in den frühen Sechzigern zusammenstellte (Big Band and Quartet in Concert, Columbia).

    Thad Jones Quartet (Debut) * * * *1/2
    Mad Thad (Period) * * *1/2
    Detroit – New York Junction (Blue Note) * * * *
    The Magnificient Thad Jones (Blue Note) * * * *1/2
    The Magnificient Thad Jones Vol. 3 (Blue Note) * * * *
    Motor City Scene (United Artists) * * * *1/2
    Minor Strain (Roulette) * * * *
    w/Pepper Adams: Mean What You Say (Milestone) * * * *

    Thad Jones/Mel Lewis:

    Opening Night (Alan Grant) * * * *1/2
    Presenting (Solid State) * * * *
    Joe Williams with the Thad Jones/Mel Lewis Orchestra * * *1/2
    Live at the Village Vanguard (Solid State) * * * *1/2
    Monday Night! (Solid State) * * * *1/2
    Central Park North (Solid State) * * * *
    Basle 1969 (TCB) * * * *1/2
    Consummation (Solid State) * * * *
    Suite for Pops (A&M) * * * *1/2
    Rhoda Scott & Thad Jones / Mel Lewis- Big Band: In New York * * *1/2
    Live in Munich (A&M) * * * *

    Die Ratings würden mit einem erneuten Hören vielleicht etwas differenzierter, wer weiss … but it’s politics, baby ;-)
    Und wer sich bei Blue Note über Vol. 3 wundert: da wird wohl Detroit-NY als Vol. 1 und The Magnificient als Vol. 2 gezählt.

    whey hey!

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