Spex

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  • #10624159  | PERMALINK

    herr-rossi
    Moderator
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    Registriert seit: 15.05.2005

    Beiträge: 65,871

    Mir ist es übrigens gelungen, in einem Text für eine wissenschaftliche Zeitschrift statt „Narrativ“ einfach „Erzählung“ zu schreiben, und es hat die/das? Peer-Review überlebt.;)

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    Highlights von Rolling-Stone.de
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    #10624177  | PERMALINK

    friedrich

    Registriert seit: 28.06.2008

    Beiträge: 3,428

    @herr-rossiMir ist es übrigens gelungen, in einem Text für eine wissenschaftliche Zeitschrift statt „Narrativ“ einfach „Erzählung“ zu schreiben, und es hat die/das? Peer-Review überlebt.;)

    Das ist doch schon mal ein Anfang! ;-)

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    "My life was saved by Rock & Roll"
    #10624195  | PERMALINK

    bullschuetz

    Registriert seit: 16.12.2008

    Beiträge: 1,362

    Eine Meta-Ebene ist was Feines!

    Und Narrativ kann manchmal genau das treffende Wort sein, wenn es um eine sinn- oder identitätsstiftende Erzählung mit Weltdeutungspotenzial geht, die aber noch nicht die historische Wucht und Patina des Mythos erreicht hat. Das Narrativ ist sozusagen der kleine Bruder des Mythos.

    Wissenschaftlicher Jargon ist doch nichts Böses, oder? Ich bin froh, dass es noch ein geisteswissenschaftliches Milieu gibt und möchte es hiermit ausdrücklich gegen Nutzlosigkeitverdacht und „Die schwaetzen doch bloß angeberisch umständlich daher“-Schmaehung verteidigen. Manche Themen erfordern nunmal gewisse Denkanstrengungen und Lust an der Theoriebildung, und Fachbegrifflichkeiten können dabei helfen. Und wer da mitdiskutieren will, muss sich halt einarbeiten. Ist das echt zu viel verlangt oder gar verurteilenswert?

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    #10624203  | PERMALINK

    jan-lustiger

    Registriert seit: 24.08.2008

    Beiträge: 9,865

    @latho hatte angemerkt, dass solche Begriffe inzwischen derart in den Mainstream durchgesickert sind, dass man sie beim Spiegel und im Rolling Stone lesen kann. Das spricht ja dafür, dass diese Publikationen davon ausgehen, dass diese Begriffe ihren Lesern geläufig sind, obwohl das jetzt keine Soziologie-Studenten sind, von denen die Zielgruppe dominiert würde. Anders gesagt: Werden diese Begriffe nicht spätestens dann, wenn sie breitere Anwendung finden, zu „normalen“ Wörtern, also einem gängigen Bestandteil des Wortschatzes? Wieso war das „Narrativ“ okay, als man es noch im Wörterbuch nachschlagen musste und jetzt wo sich der Begriff verbreitet, wird er kritisch beäugt?

    Für mich ist das in allererster Linie eine ästhetische Frage. Früher fand ich diesen Schreibstil auch attraktiver als heute, weswegen ich, meine ich zumindest, derartige Formulierungen in meinen Texten nach und nach zumindest reduziert habe. Aber wenn ich bewusst Bezug zu einem Konzept aus einem akademischen Umfeld nehmen will, dann sehe ich nichts Schlechtes darin, dieses auch mit den entsprechenden Begrifflichkeiten zu versehen.

    friedrichOder um es mal scherzhaft auszudrücken: Was sagt es auf der Metaebene über einen Text bzw. seinen Autor aus, wenn er übermäßig häufig den Begriff „Metaebene“ verwendet?

    Ich weiß es nicht. Kannst du es mir sagen? Und kommt das nicht auch einfach auf das Thema an? Bestimmte Betrachtungsweisen überall reinzuinterpretieren, ist ja eine Unart, die sich bei weitem nicht auf das Phänomen des „Überformulierens“ beschränkt. Ich schätze mal (ohne nachgeschlagen zu haben), dass ich die „Metaebene“ das letzte Mal in meinem testcard-Text über 69 Love Songs verwendet habe. Aber wenn es in meinem Text darum geht, dass das ein Album voller Liebeslieder über Liebeslieder ist… warum denn nicht? Ich seh einfach den Anlass nicht, diese Begriffe automatisch als „Signalworte“ dafür herzunehmen, dass der Autor über irgendetwas hinwegtäuschen möchte. Sie werden erst dann zur Last, wenn etwas noch viel Grundlegenderes nicht stimmt. Sie sind nicht der springende Punkt und sich so auf sie einzuschießen, lenkt die Diskussion folglich vom eigentlichen Kritikpunkt m.E. eher weg.

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    #10624207  | PERMALINK

    bullschuetz

    Registriert seit: 16.12.2008

    Beiträge: 1,362

    Jan-lustiger Wieso war das „Narrativ“ okay, als man es noch im Wörterbuch nachschlagen musste und jetzt wo sich der Begriff verbreitet, wird er kritisch beäugt?

    Der Begriff „Narrativ“ ist nicht zufällig so erfolgreich. Das Konzept, das darin steckt, hat ja große Erklaerkraft für alles mögliche  von erfolgreichen Werbekampagnen und Firmen-Images bis zu politischen Entwicklungen. Und unvermeidlich schlägt dann der Fluch des Erfolgs zu: Der Begriff wird zum Modewort, wird inflationär verwendet, verkommt zum wichtigtuerischen Synonym und wird auch da eingesetzt, wo es „Erzählung“ tatsächlich auch täte.

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    #10624231  | PERMALINK

    friedrich

    Registriert seit: 28.06.2008

    Beiträge: 3,428

    @bullschuetzEine Meta-Ebene ist was Feines!
    Und Narrativ kann manchmal genau das treffende Wort sein, wenn es um eine sinn- oder identitätsstiftende Erzählung mit Weltdeutungspotenzial geht, die aber noch nicht die historische Wucht und Patina des Mythos erreicht hat. Das Narrativ ist sozusagen der kleine Bruder des Mythos.
    Wissenschaftlicher Jargon ist doch nichts Böses, oder? Ich bin froh, dass es noch ein geisteswissenschaftliches Milieu gibt und möchte es hiermit ausdrücklich gegen Nutzlosigkeitverdacht und „Die schwaetzen doch bloß angeberisch umständlich daher“-Schmaehung verteidigen. Manche Themen erfordern nunmal gewisse Denkanstrengungen und Lust an der Theoriebildung, und Fachbegrifflichkeiten können dabei helfen. Und wer da mitdiskutieren will, muss sich halt einarbeiten. Ist das echt zu viel verlangt oder gar verurteilenswert?

    „Kollektives Bewusstsein“, „gesellschaftlicher Mythen- und/oder Erfahrungsschatz“, „gemeinsame kulturelle Prägung“ – das würde mir als Umschreibung – je nach Kontext- auch noch einfallen, aber ich bin weder Geisteswissenschaftler noch Lehrer, daher lasse ich das lieber mal stecken.

    Nein, Denkanstrengung und Theoriebildung um mitzudiskutieren ist keineswegs zuviel verlangt. Ich selbst beteilige mich ja lebhaft daran, fühle mich hier aber auch etwas missverstanden. Was ich kritisiere, ist der schlagwortartige Gebrauch gewisser Begriffe, hinter dem ich eher eine affektierte Pose vermute, als die Absicht, etwas mitzuteilen – das was Du „angeberisch umständliches Geschwätz“ nennst.

    Vielleicht habe ich zu breit ausgeteilt und man kann mir vorwerfen, eine Pauschalverurteilung vorgenommen und daraufhin gedankliche Sippenhaft vollstreckt zu haben. Das ist vielleicht auch eine Überredaktion, die durch das Déjà-vu ausgelöst wurde, als ich in der aktuellen SPEX diesen Jargon wiederkannte, den ich schon aus den 80er/90er Jahren kenne. Die Art und das Niveau, auf dem dort über Pop gesprochen wurde , war für mich faszinierend und prägend. Und das war für mich und Freunde von mir damals sehr verführerisch und diente auch und gerade der Abgrenzung und dem eigenen Narzissmus. Aus mehreren Jahren Distanz wirkt das aber nicht mehr so verführerisch sondern eher wie „Naja, damals waren wir jung und stolz.“ ;-)

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    "My life was saved by Rock & Roll"
    #10624235  | PERMALINK

    friedrich

    Registriert seit: 28.06.2008

    Beiträge: 3,428

    @jan-lustiger

    friedrichOder um es mal scherzhaft auszudrücken: Was sagt es auf der Metaebene über einen Text bzw. seinen Autor aus, wenn er übermäßig häufig den Begriff „Metaebene“ verwendet?

    Ich weiß es nicht. Kannst du es mir sagen? Und kommt das nicht auch einfach auf das Thema an? Bestimmte Betrachtungsweisen überall reinzuinterpretieren, ist ja eine Unart, die sich bei weitem nicht auf das Phänomen des „Überformulierens“ beschränkt. Ich schätze mal (ohne nachgeschlagen zu haben), dass ich die „Metaebene“ das letzte Mal in meinem testcard-Text über 69 Love Songs verwendet habe. Aber wenn es in meinem Text darum geht, dass das ein Album voller Liebeslieder über Liebeslieder ist… warum denn nicht? Ich seh einfach den Anlass nicht, diese Begriffe automatisch als „Signalworte“ dafür herzunehmen, dass der Autor über irgendetwas hinwegtäuschen möchte. Sie werden erst dann zur Last, wenn etwas noch viel Grundlegenderes nicht stimmt. Sie sind nicht der springende Punkt und sich so auf sie einzuschießen, lenkt die Diskussion folglich vom eigentlichen Kritikpunkt m.E. eher weg.

    Ich habe es oben beschrieben: Vielleicht ist es eine Überreaktion von mir.

    Mir selbst wurde von einem Freund schon mal scherzhaft vorgeworfen „Du ziehst immer gleich alles auf die Metaebene!“ Und er hatte irgendwie sogar recht. Ich habe ja gar nichts gegen die M-Ebene, sie ist sogar eine gute Freundin von mir! Aber manchmal ist sie mir auch einfach zu aufdringlich.

    Weißt Du, ich bin in einem praktischen Beruf tätig. Narrativ oder Metaebene werden dort oft beim Planen mitgedacht und fließen hoffentlich auch in das Ergebnis ein – auch wenn es nicht für alle zu erkennen ist, denn auch dort geht es um Codes, die nicht jeder lesen kann. Gegenüber dem unmittelbaren Kunden wird darüber aber niemals gesprochen. Es würde auch nie in einem Erläuterungstext erklärt werden. Zum einen, weil man sich damit auf eine Ebene begibt, auf der sich mit dem Gegenüber nicht oder sehr schwer argumentieren lässt und deren Inhalte man ihm besser unerwähnt unterschmuggelt, zum anderen auch, weil sich diese Narrative und Metaebenen eben gerade nicht oder sehr nur schwer verbal mitteilen lassen oder der Reiz ihres Geheimnisses, ihrer Unbestimmtheit und Ambivalenz dadurch teilweise sogar verloren geht.

    Vielleicht auch deswegen eine gewisse Abneigung meinerseits gegen manche Begriffe.

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    "My life was saved by Rock & Roll"
    #10624413  | PERMALINK

    bullschuetz

    Registriert seit: 16.12.2008

    Beiträge: 1,362

    @friedrich Danke für die Erläuterung, das kann ich alles gut nachvollziehen. Der Grat zwischen inspirierende  intellektueller Theoretisierlust und enervierender rhetorischer Hochstapelei ist schmal, und Spex hat den Balanceakt nicht immer gleich gut gemeistert. Tja, ist nun Geschichte. Muss man sich eigentlich auch um den RS Sorgen machen?

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    #10624533  | PERMALINK

    friedrich

    Registriert seit: 28.06.2008

    Beiträge: 3,428

    bullschuetzDanke für die Erläuterung, das kann ich alles gut nachvollziehen. Der Grat zwischen inspirierende intellektueller Theoretisierlust und enervierender rhetorischer Hochstapelei ist schmal, und Spex hat den Balanceakt nicht immer gleich gut gemeistert. Tja, ist nun Geschichte. Muss man sich eigentlich auch um den RS Sorgen machen?

    Danke für die RM, @bullschuetz.

    Ich befürchtete schon, ich hätte mich hier total verrannt und sei über das Ziel hinausgeschossen. Aber vielleicht passt das dann auch schon wieder zum Thema. Die individuellen Erfahrungen sind wohl auch sehr unterschiedlich und so bewertet man das dann auch entsprechend unterschiedlich. Aber bei allem Gezicke ergibt sich ja gerade daraus eine anregende Diskussion bei der man auch die eigene Sichtweise mal hinterfragen kann. Aber Du sagst es: Das ist vorbei.

    Ob man sich um den RS Sorgen machen muss? Keine Ahnung, ich habe den RS noch nie gekauft. Ich vermute, die haben ein völlig anderes Konzept und eine andere Zielgruppe. Man muss sich in der Krise der Printmedien schon was sehr gutes einfallen lassen, um zu überleben. Was könnte das sein?

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    "My life was saved by Rock & Roll"
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