Return of the GrievousAngel: Persönliche Schätze aus der weiten Welt der Kunst

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  • #11822111  | PERMALINK

    grievousangel
    Urusei yatsu

    Registriert seit: 07.09.2013

    Beiträge: 5,647

    coral-room
    (habe bis dato noch nicht einmal einen Ghibli-Film gesehen)

    Woran liegt das eigentlich? Oder einfach nie dazu gekommen? :)

    Sorry, aber das hat mir seither keine Ruhe gelassen!  :bye:

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    #11822163  | PERMALINK

    coral-room

    Registriert seit: 06.01.2013

    Beiträge: 1,773

    grievousangel

    coral-room (habe bis dato noch nicht einmal einen Ghibli-Film gesehen)

    Woran liegt das eigentlich? Oder einfach nie dazu gekommen? :) Sorry, aber das hat mir seither keine Ruhe gelassen!

    Es hat sich bislang noch nicht wirklich ergeben. Ich glaube, es liegt zum einen daran, dass meine Freunde nahezu nichts mit Anime am Hut haben. Zwei Freunde lesen jeden One Piece-Manga bzw. schauen den Anime, aber das war es auch schon. Zum ersten Mal von Ghibli habe ich auch erst vor zwei Jahren oder so im Studium gehört, als ein paar Kommilitoninnen darüber sprachen. Zum anderen schaue ich die letzten Jahre generell nur sehr wenige Filme.

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    #11822349  | PERMALINK

    grievousangel
    Urusei yatsu

    Registriert seit: 07.09.2013

    Beiträge: 5,647

    Alles klar, das ist dann alles absolut nachvollziehbar – danke für die Rückmeldung!  :-)

    Falls du doch mal reinstarten solltest, lass es mich bitte wissen.  :bye:

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    #11822365  | PERMALINK

    coral-room

    Registriert seit: 06.01.2013

    Beiträge: 1,773

    Mache ich! :)

    --

    #11822485  | PERMALINK

    grievousangel
    Urusei yatsu

    Registriert seit: 07.09.2013

    Beiträge: 5,647

    ANGEL OLSEN – Big Time (2022)

    Dann werde ich stattdessen noch ein paar Zeilen über meine liebste Künstlerin auf der Welt schreiben. Immerhin hat sich Angel ja Anfang des Monats mit einem neuen Album zurückgemeldet.

    Seit dem letzten Album All Mirrors sind mittlerweile auch schon wieder fast drei Jahre vergangen. In der Zwischenzeit war sie aber alles andere als untätig, hat mit Whole New Mess eine stripped down-Version von ebendieser opulent produzierten LP, ein Box-Set mit beiden Versionen und Extra-Tracks sowie eine EP veröffentlicht, auf der Angel einigen bekannten 80s-Hits die Ehre erweist. 

    Nebenbei verlor die mittlerweile 35-Jährige in dieser Phase ihres Lebens auch in kurzem Zeitabstand beide Adoptiveltern, die sie immerhin noch rechtzeitig über ihre – bald darauf auch öffentlich kommunizierte – Homosexualität in Kenntnis setzen konnte. Auch wenn damit meine Hoffnungen auf eine gemeinsame Zukunft endgültig begraben werden mussten, freue ich mich sehr für Angel und diesen Schritt.

    In Anbetracht dieser Umstände lässt sich konstatieren, dass Big Time diese ereignisreiche Zeit sehr gut einzufangen scheint. Irgendwo zwischen vom doppelten Abschied gezeichneten Kummer, Dankbarkeit und Befreiung finden wir Angel auf den zehn Tracks anmutiger als je zuvor. Von dem schwelgerischen Pomp des Vorgängers ist nicht viel übriggeblieben, nur hie und da schicken sich die Musiker unter der Leitung von Jonathan Wilson und Angel selbst an, das Klangbild in Richtung bombastischer Verdichtung ausufern zu lassen.

    Abgesehen davon setzt man hier mehr auf Zurückhaltung, die den persönlichen Texten entgegenkommt. Die gelegentlich einsetzende Pedal Steel gibt vor allem dem schönen Titeltrack den größten Country-Vibe seit ihrem Debüt Half Way Home. Wir hören auf der LP generell sehr tolle Arrangements mit Streichern, Orgel oder Cembalo, aber wie gewohnt ist es Angels göttliche Stimme, die die ganze Aufmerksamkeit auf sich zieht. Wie sie da immer wieder von der Vergangenheit („The past is with us, it plays a part / How can we change it? How do we start?“) bzw. allgemein der Zeit und Veränderung oder dem Leben und der Liebe singt, ist nicht weniger beeindruckend als am Erstwerk vor mittlerweile zehn Jahren. 

    Obwohl ich es noch nicht lang besitze und dementsprechend noch keine innige Beziehung zu den einzelnen Songs aufbauen konnte, halte ich Big Time wieder für ein ganz tolles Album und eine schöne Weiterentwicklung. Big Time ist eine Aufarbeitung von Vergangenheit und Gegenwart, eine Rückbesinnung auf simplere Dinge, Natur und die eigene Persönlichkeit hinter all den Spiegeln sowie nicht zuletzt eine wunderschöne LP zwischen sommerlich verträumter Wärme, luftigen Songstrukturen und einer Protagonistin, die sich mal wieder selbst erfindet und damit verdammt viel richtig macht. Und solange sie Zeilen wie „And I can’t fit into the past that you’re used to, I refuse to“ dieser magischen Mischung aus schmerzvoller Sehnsucht und graziler Bestimmtheit vortragen kann, für die ich Angel einst lieben gelernt habe, werde ich jeden Weg mitgehen und immer an ihren Lippen hängen.

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    #11823377  | PERMALINK

    coral-room

    Registriert seit: 06.01.2013

    Beiträge: 1,773

    Danke für die Beschreibung des Albums und dessen Entstehungskontexts!  :bye:

    Ich habe bislang zu den Songs von Big Time, die ich gehört habe, noch keinen Zugang gefunden, mir hat der „schwelgerische Pomp“ von Mirrors oder auch der gemeinsame Track mit Sharon Van Etten mehr zugesagt. Aber nach der Lektüre deines Texts wage ich mich noch einmal heran. :-)

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    #11823407  | PERMALINK

    herr-rossi
    Moderator
    -

    Registriert seit: 15.05.2005

    Beiträge: 78,696

    @grievousangel: Danke für die schöne Besprechung! Der Sound von „All Mirrors“ hätte mir eigentlich in die Karten spielen müssen, aber „Big Time“ ist so, wie ich Angel am liebsten höre.

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    #11823649  | PERMALINK

    grievousangel
    Urusei yatsu

    Registriert seit: 07.09.2013

    Beiträge: 5,647

    Wie so oft danke euch beiden für die Rückmeldungen!  :bye:

    Finde es sehr cool, dass eure sonst so kompatiblen Vorlieben hier mal schön auseinanderdriften. :)

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    #11823689  | PERMALINK

    grievousangel
    Urusei yatsu

    Registriert seit: 07.09.2013

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    MY CHEMICAL ROMANCE – The Black Parade (2006)

    Lasset uns die Uhren noch einmal fast sechzehn Jahre zurückdrehen und in einen Herbst entführen, der sich in vielerlei Hinsicht als eine Art Wendepunkt für mich herausstellen sollte. Um den 14. Geburtstag herum war man in den Klauen der Pubertät aussichtslos gefangen. Pickel sprießten, das Testosteron blubberte und über die anderen aktiven Hormone hatte man selbst als abgestempelter Phlegmatiker weniger Kontrolle, als man je zugeben hätte können. Die Ahnungslosigkeit im Hinblick auf jene Entscheidung, welcher Pfad im Folgejahr beschritten werden sollte, hing genauso in der Luft wie der faulige Geruch einer manisch-depressiven Seele zwischen vermeintlichem Highlife und Verwesung. Tatsächlich wurden gelegentlich vor dem Einschlafen in einer relativ sachlichen Manier die Vorzüge und Konsequenzen eines vorzeitigen Ablebens durch die eigene Hand abgewogen, was dramatischer klingen mag, als es damals wirklich war. Musik spielte in jenen prägenden Jahren selbstverständlich auch eine gewichtige Rolle und mit der Entdeckung eines Albums hatten die Beatles plötzlich Konkurrenz um die Vorherrschaft auf dem eigenen Plattenteller bzw. damals noch im funktionierenden tragbaren CD-Player mit fast traumhaftem Sound.

    Man könnte jetzt natürlich ganz weit ausholen und über die Bedeutung von The Black Parade für eine Szene sprechen, von der nur noch eine romantische Erinnerung übriggeblieben ist; von den üppig geschminkten, fragilen Melancholikern, die in jenen Tagen My Chemical Romance wie Heilige verehrten. Ich bleibe aber lieber in meiner kleinen Weltanschauung anno Herbst ’06. Aufmerksam auf die Band wurde ich nicht bereits über eines der beiden vorangegangen Alben, sondern über Lead-Single Welcome To The Black Parade und dem dazugehörigen Musikvideo, die praktisch wie aus dem Nichts in meinen Kosmos eindringen und mein Leben für immer verändern sollten. Da ging es um einen unheilbar Kranken, da marschierte eine Horde eigenartiger Gestalten in Kostümen und (u.a. Gas-)Masken feierlich und leblos zugleich eine lange Straße hinunter. Und auf einer fahrenden Bühne stand da diese Band in einheitlichen, schwarzweißen Kostümen, die sich die Seele aus dem Leib zu spielen schien, mit einem Frontmann, der in seiner hingebungsvollen, theatralischen Performance dem Tod näher zu stehen schien als der kranke Patient.

    Was soll ich sagen? Es war Liebe auf den ersten Blick. Dieses Quintett, das hier so offensichtlich auf den Spuren von Queen unterwegs war und mit der einen Komposition für mich prompt alle Hymnen und Rhapsodien in den Schatten stellte, die Freddie Mercury und Gefolgschaft in 25 Jahren Bandgeschichte ersinnen konnten. Alles beginnt mit diesem sanften Klavierintro, das ich unter tausend anderen immer sofort heraushören würde. Es folgt ein emotionaler Rückblick von Sänger Gerard Way, Marschkapellensound und schließlich fällt der Vorhang und die Band spielt fast manischen Rock ’n‘ Roll. Die Gitarren von Frank Iero und Ray Toro jagen durch den Kanal und Ways Triumphzug kulminiert im mächtigen Pre-Chorus. „We’ll carry on, we’ll carry on“ heißt es da hoffnungsvoll und obwohl man nicht so ganz weiß, woher die optimistische Durchhalteparole kommt, nimmt man sie Ways beherzter Darbietung nur allzu unbefangen ab. Den Patienten bringt das zwar nicht wieder zurück ins Leben, fünf der großartigsten Minuten dieses Jahrtausends stehen nach dem Spektakel, wenn die Parade davongezogen ist, aber schon einmal auf der Habenseite.

    Dass die am dritten Longplayer der US-Amerikaner nicht zu kurz kommt, hat – sofern man den exzentrischen, aber harmlosen Hidden Track Blood mit einem Augenzwinkern abtun kann – eigentlich zwölf weitere Gründe. Denn da, wo sich gleich am einleitenden The End. ein Piepsen und die dazustoßende Gitarre in die Arme fallen, der Sterbende einen Abgesang auf sich selbst anstimmt, ja dort fängt jene Magie an, die sich sonst nur an den Schreibtischen der Studios Ghibli und Disney heraufbeschwören ließ. Ein Faible für Konzeptalben (kann ich nur teilweise von mir behaupten) und Rockopern im Speziellen (hmpf..) erleichtert den Zugang, ist aber keine Voraussetzung, um Gefallen an den absorbierenden Stücken zu finden. Auf der einen Seite gibt es auf The Black Parade Toros kraftvolle, röhrende Rock-Riffs, die wie auf Dead! oder This Is How I Disappear einen effektiven Beitrag zu einer überlebensgroßen Dynamik leisten, inmitten deren selbstzerstörerischem Sog aus Pathos und dramatischer Theatralik nur Frontmann Way mit seiner passioniert vorgetragenen Inszenierung vollständig die Kontrolle behält. Die andere Seite der Medaille schmücken im Gegensatz zum Vorgänger Three Cheers For Sweet Revenge auch ein paar Balladen, die nicht nur der Dramaturgie der losen Erzählung dienlich sind, sondern auch für sich genommen funktionieren. Cancer nimmt zwar einen stampfenden Beat mit auf die Reise, darf sich aber als einer der emotionalen Höhepunkte feiern lassen. Die übrigen balladesken Stücke, Single I Don’t Love You und Disenchanted, halten es in den ruhigen Gefilden ebenfalls nicht ganz aus, liefern aber vor allem bei Letzterem einige der schönsten und eindringlichsten Minuten: „Now will it matter long after I’m gone? / Because you never learn a goddamn thing“.

    Wie man es nun dreht und wendet, abgesehen von der etwas zu perfekt ausgefeilten Produktion wird man hier wenig finden, das den Spaß ernsthaft beeinträchtigen könnte. Und ob man nun Gefallen am zynisch bissigen Bestseller Teenagers samt ausgestrecktem Zeigefinger findet, zum verstörenden Polka-Rhythmus von Mama das Tanzbein schwingt oder seinen Emotionen beim entfesselten Famous Last Words ein Ventil bieten mag, in seiner kollektiven Bereitschaft, Grenzen zu überschreiten und – pathetisch gesagt – Herzen zu berühren, sind die dreizehn Tracks der Black Parade in jeder Verfassung ein lohnender Streifzug durchs Jenseits und die verschrobene Gedankenwelt einer Band auf dem kreativen Zenit.

    Es gab eine Zeit in jenem Herbst 2006, da bat ich meine Mutter, die damals etwa zur selben Zeit aufstehen musste wie ich, mich jeden Tag damit aufzuwecken, den vorbereiteten CD-Player einzuschalten und mich direkt mit Zeilen wie „If you look in the mirror and don’t like what you see / You can find out firsthand what it’s like to be me“ (die Texte sind natürlich nicht alle so plakativ „emo“, wenn man so will) in den neuen Tag zu schicken. In der jugendlichen Welt des Schreibers bedeuteten diese Songs über Liebe, Hass, Einsamkeit, das Leben und den Tod eine Art Rückzugsort, an dem man sich Tag und Nacht Trost und Verständnis erwarten konnte. Es war, als würde diese gesunde Distanz, die zwischen mir und jedem künstlerischen Werk steht, dieses eine Mal überbrückt worden. Selbst wenn man sich vom zweifelhaften Faktor Nostalgie und romantischer Verklärung löst, bleibt The Black Parade für mich in seiner cineastischen Pracht nach wie vor ein Meisterwerk vor dem Herrn, zu dem ich jederzeit wieder zurückkehren kann – die Parade wird fortwährend weitermarschieren:

    „And though you’re dead and gone, believe me
    Your memory will carry on
    We’ll carry on.“

    --

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    #11826743  | PERMALINK

    kinkster
    Private Investigator

    Registriert seit: 12.10.2012

    Beiträge: 30,493

    herr-rossi@grievousangel: Danke für die schöne Besprechung! Der Sound von „All Mirrors“ hätte mir eigentlich in die Karten spielen müssen, aber „Big Time“ ist so, wie ich Angel am liebsten höre.

    Eben erst gesehen, da möchte ich mich Herrn Rossi anschließen, eine sehr tolle Besprechung und ja Big Time ist sehr fein geworden.

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    🏆 Konsensheini bei Fairport Convention, Beastie Boys & Tom Waits, 🥈bei The Band & 🥉bei The Libertines & The Kinks
    #11827081  | PERMALINK

    grievousangel
    Urusei yatsu

    Registriert seit: 07.09.2013

    Beiträge: 5,647

    Danke dir!  :-)

    --

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