Patti Smith Passionskirche, Berlin 08.02.2008

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  • #51649  | PERMALINK

    tirron

    Registriert seit: 02.04.2004

    Beiträge: 94

    was für ein auftritt!!!! was für ein abend!!!!!
    patti smith war gestern abend in der berliner passionskirche.
    zuerst sei gesagt, daß mein bericht NICHT objektiv sein kann……weil ich bin „befangen“, ich bin fan!!!!
    im rahmen der berlinale, patti weilt anläßlich des steven sebring film’s „dream of life“ (kein wettbewerbsfilm) in der stadt, gab sie also gestern ein unglaubliches konzert, besser gesagt, einen auftritt als mischung zwischen lesung und musik.
    als ort wurde diesmal die dafür bestens geeignete passionskirche in berlin kreuzberg gewählt. passend, weil sie eine wahnsinnig gute atmosphäre und eine tolle akkustik bietet.
    schon über zwei stunden vor beginn standen vor den pforten der kirche ziemlich viele menschen, in der hoffnung ganz vorne, also fast in „berührungsnähe“ zu ihr, zu sitzen. so auch meine beiden weiblichen begleiterinnen und ich. und das frühe anstehen hat sich gelohnt. in guter position, in zweiter reihe, haben wir es uns also beizeiten bequem gemacht. beobachteten, wie immer mehr leute in dieses „heilige gemäuer“ strömten und immer in der hoffnung, auch den ein oder anderen „promi“ zu entdecken. was uns aber nicht wirklich gelang. die kirche war natürlich ausverkauft. wer keinen sitzplatz ergattern konnte, stand eben oder hockte sich irgendwo hin. dabeisein ist alles!!!!
    die zeit bis zum beginn wollte gar nicht schnell genug vergehen, aber dann war es endlich soweit.
    patti betrat die „bühne“. man möchte sagen, die predigerin betrat den altar ;-)
    es sollte kein normaler auftritt werden, sondern ein abend, den garantiert keiner, der anwesend war, jemals vergessen wird. da bin ich mir sicher.
    nur patti smith mit einer akkustikgitarre und ihr genialer und unheimlich sympathischer begleitmusiker an diesem abend, der italienische cellist giovanni sollima.
    patti kam zuerst alleine hinein und begann den abend mit einer eindringlichen version des songs trampin. gänsehaut also gleich beim ersten song.
    schließlich holte sie ihren freund giovanni mit auf die bühne. und was die beiden nun die fast 1 3/4 stunde boten, war mehr und besser als ich mir es im vorfeld vorstellen konnte.
    es war, wie vorher ja angekündigt,eine mischung zwischen poetry und music. ich denke das verhältnis war so ca. 70:30 zugunsten der musik. da mein englisch nicht sehr ausgeprägt ist, war ich mit diesem verhältnis auch zufrieden. das besondere an patti smith ist auch, daß sie die gabe hat, das publikum förmlich zu hypnotisieren. wenn man, wie eben ich, nicht alles verstehen konnte (dabei hat sie eine sehr klare sprache), dann zieht sie einen trotzdem in ihren bann. sie trug die gesprochenen stücke mit einer dermaßenden hingabe, was die stimme und auch ihre mimik betrifft, vor……ich kann es nicht in worte fassen. es gibt sicherlich nicht viele künstler, die es wie patti verstehen, die fans auch mit minimalen technischen aufwand dermaßen zu elektrisieren.
    was die songauswahl betrifft, so waren der großteil eher songs jüngeren datum’s. so waren einige stücke des trampin albums ( trampin, my blakean year, peaceable kingdom, gandhi), dann einige, wie sie selbst sagte, nur selten von ihr gespielte stücke (habe da leider keinen titel parat), von der easter ein ganz tolles „ghost dance“ und das „unvermeidliche“ „because the night“ dabei. viele songs widmete sie dann auch verschiedensten personen, die ihr leben geprägt haben (bob dylan, neil young, fred „sonic“ smith) oder anderen freunden (christoph schlingensief). war während des konzertes doch eher ruhe im publikum (außer dem jubel nach jedem stück), so änderte sich dies bei den zugaben „people have the power“ und eben „because the night“. patti animierte die leute mitzumachen, was diese sich nicht zweimal sagen ließen. in der kirche (achtung blasphemie!! ) war die hölle los.
    ich glaube, soviele momente der gänsehaut hatte ich und wahrscheinlich auch viele der anderen, selten oder noch nie erlebt.
    und daran hatte neben der wie höchstens 50 jahre jung wirkenden patti auch der sehr gute giovanni am cello seinen anteil. mir war der mann vorher völlig unbekannt. wie er jedoch das cello spielte, wie er für dieses instrument lebt, wie er es liebt…….das war schon sehr beeindruckend. auch wie er immer wieder versuchte, patti zu helfen, wenn z.b. der mikroständer nicht so wollte oder patti verzweifelt versuchte, die gitarre an den gitarrenständer anzulehnen…..es machte ihn sehr symphatisch.
    patti selbst war sehr entspannt und gut gelaunt. sie reagierte immer wieder mal auf dinge, die im publikum passierten. ob da mal eine bierflasche umfiel (auf den flaschenverkauf hätte man gestern besser verzichten sollen oder die leute sollten besser auf die flaschen achten, es nervte irgendwann!!!) oder ein kleines kind anfing zu weinen (just in dem augenblick, als sie bei einem song aus dem rhythmus kam), sie hatte immer einen spruch drauf :-). sie war sich auch nicht zu schade, sich zu entschuldigen, wenn mal etwas nicht so klappte. ihre fans hätten ihr ja auch so alles verziehen :-)
    dachte ich noch, daß ihr konzert 2004 im columbiafritz an intensität nicht übertroffen werden könnte, so war der gestrige auftritt das beste, was ich von patti smith je erlebt habe. und ob sie das jemals noch steigern kann…..?????
    persönlicher höhepunkt für mich war dann, als der großteil der leute schon auf dem weg nach hause oder in die umliegenden kneipen war. patti kam nochmal zum autogrammeschreiben raus. und nun habe ich auf meinem patti shirt eine orginale unterschrift von ihr. heute schon hängt es eingerahmt an meiner wand.
    es gäbe sicher noch vieles zum gestrigen abend zu schreiben, aber das soll ja kein roman werden ;-)
    auch wenn ich weiß, das es wohl keine steigerung mehr geben kann…..ich freu mich schon auf den nächsten besuch der frau schmidt in berlin.
    in diesem sinne
    es grüßt euch tirron

    die setlist des abends:
    Trampin
    Ballad of a Bad Boy
    Dog Dream
    Wing
    Ghost Dance
    Grateful
    Beneath the Southern Cross
    I’m So Lonesome I Could Cry
    Pirate Jenny
    My Blakean Year
    Helpless
    Gandhi
    Farewell Reel
    Burning Roses
    Peaceable Kingdom
    People Have The Power
    Because The Night

    hier noch ein paar pressestimmen: http://www.tagesspiegel.de/kultur/kino/berlinale/Berlinale-Patti-Smith-Panorama;art16892,2473716
    http://www.morgenpost.de/content/2008/02/10/feuilleton/946132.html

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    #6448747  | PERMALINK

    gerry

    Registriert seit: 29.06.2007

    Beiträge: 900

    Schöner Bericht, tirron. Ich wünschte mir dabei gewesen zu sein.

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    #6448749  | PERMALINK

    miwu

    Registriert seit: 02.02.2008

    Beiträge: 117

    Very nice reported :-)

    ( etwas neidisch verbleibend ;) )

    --

    #6448751  | PERMALINK

    melli

    Registriert seit: 10.02.2008

    Beiträge: 2

    wirklich ein schöner zusammenfassender bericht! ich war auch da und bin immer noch begeistert.
    patti ist eine schamanin, die passionskirche war genau der richtige ort für dieses außergewöhnliche konzert. sie hatte das publikum absolut unter kontrolle und nach because the night haben die meisten ihrer vorherigen ankündigung, den song mitzusingen und danach nach hause zu gehen, folge geleistet; bis auf die wenigen, die ausharrten in der hoffnung patti läßt sich nochmals blicken….wir sollten nicht enttäuscht werden…als belohnung gab es autogramme und eine patti so nah, wie man ihr wohl nie wieder sein wird.

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