Nina Simone

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    gypsy-tail-wind
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    Am 21. Februar 1933 als Eunice Waymon geboren in Tryon, North Carolina, von gottesfürchtigen Eltern grossgezogen genoss Simone eine solide musikalische Ausbildung als klassische Pianistin. Die Mutter war Hausangestellte und methodistische Predigerin, der Vater ein Barbier und gelegenheits Comedian. Simone ging nach New York an die Juilliard School of Music, wurde danach aber am Curtis Institute of Music in Philadelphia zurückgewiesen – sie führte es direkt auf die Tatsache zurück, dass sie schwarz war.

    Also begann Simone ab 1954 zu spielen, um über die Runden zu kommen. Sie wählte dazu einen Künstlernamen, der sich aus dem Spanischen „niña“ und dem Vornamen einer ihrer Lieblingsschauspielerinnen, Simone Signoret, zusammensetzte.

    Ihr Spiel schöpfte aus ihrer klassischen Ausbildung, gepaart mit einem tollen Rhythmusgefühlt und einem perfekten Timing. Ihre Stimme beschreibt David Nathan folgendermassen:

    her appreciation for singers like Sarah Vaughan and Billie Holiday was evident in her own distinctive sound, smoky-blue emotion-filled vocals, often marked by a signature vibrato that was always deeply expressive.

    ~ David Nathan, Liner Notes zu „The Amazing Nina Simone“, April 2004, EMI CD Reissue

    Ein erstes, absolut wunderbares Album entstand im Dezember 1957 für das kleine Bethlehem Label, es erschien 1958 unter dem Titel „Little Girl Blue“ und war später auch unter dem Titel „Jazz as Played in an Exclusive Side Street Club“ bekannt:

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    Simone wird begleitet von Jimmy Bond (b) und Albert „Tootie“ Heath (d) und spielt eine Reihe von Standards, darunter auch das Stück, das zu ihrem ersten Hit wurde, „I Loves You Porgy“. Zum Auftakt gibt’s „Mood Indigo“ und es findet sich bereits ein Original auf dem Album, „Central Park Blues“, ein ausgedehntes, sehr schönes Stück. Ein Highlight ist auch ihre Version von Willard Robisons Song „Don’t Smoke in Bed“ und das Stück, das späteren Versionen den Namen gab, „My Baby Just Cares for Me“ (auch meiner CD auf dem Gambit Piratenlabel, das die Stücke von „Nina Simone and Her Friends“ und die lange Version des Titelstücks enthält und somit die ganze Session erstmals an einem Ort zusammenfasst).

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    Danach nahm Simone erst zwei Jahre später 1959 wieder auf – bis 1963 stand sie beim Label Colpix unter Vertrag, es entstanden neun Alben sowie die Singles-Compilation „Nina’s Choice“. Den Auftakt machte „The Amazing Nina Simone“, ein Album, das sehr bunt zusammengewürfelt ist und Simone mit einem grossen Orchester und als Stand-Up-Sängerin präsentiert. Es ist nicht annähernd so gelungen wie das Debut, lässt aber erahnen, in welche Richtung(en) Simones Musik sich entwickeln würde. Neben Standards und Film-Stücken findet sich etwa auch das alte englische Volkslied „Tomorrow (We Will Meet Once More)“, einige Torch Songs, und dazwischen als Fremdkörper ein Jump Blues, „You’ve Been Gone Too Long“.

    Auf der EMI CD von 2004 finden sich als Bonus vier Stücke vom Album „With Strings“, das wie „Nina’s Choice“ nicht teil der Reissues war (alle zehn Alben finden sich allerdings auch auf insgesamt sechs CDs von Collectables, allerdings ohne Bonustracks, die auf den EMI CDs teilweise üppig zu finden sind).

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    Das nächste Colpix-Album wurde im September und Oktober 1959 aufgenommen, teils im Studio, teils live in der New Yorker Town Hall – back to basics: Simone spielt wieder selber Klavier und wird erneut von Bond und Heath begleitet. Zum Auftakt des Albums hören wird den Traditional „Black Is the Color of My True Love’s Hair“, es folgen neben ein paar Standards auch ein Stück von Billie Holiday, „Fine and Mellow“, einer von Simones zukünftigen signature songs, „The Other Woman“, und als Herzstück und Highlight das zweiteilige „Summertime“, bei dem der erste Teil aus einer Piano-Einleitung besteht. Ganz wunderbar ist auch die Version von „Wild Is the Wind“!

    Die EMI CD davon habe ich nie gefunden, mir also den Collectables Twofer (mit „The Amazing“) zugelegt… klingt akzeptabel. Die EMI CD – die in diesem Fall keine Bonustracks enthält, ob der reingemischte Applaus weg ist, weiss ich nicht – wäre überdies gar keine CD sondern einer dieser kopiergeschützten Kakteen, die nichts als ein Ärgernis darstellen – was auch bei „The Amazing“, „At Newport“ und „Sings Ellington“ und möglicherweise bei weiteren der Fall ist. Amazon.co.uk listet jedenfalls „At Carnegie Hall“, die auf CD2 auch das am selben Konzert aufgenommenen „Folksy“ enthält, auch als kopiergeschützt (mein Exemplar ist eine normale Doppel-CD). In diesem Sinne mögen die Collectables eine Alternative sein, mit den Remasterings, die Malcolm Addey 2004 für EMI angefertigt hat, können sie allerdings mit Bestimmtheit nicht mithalten.

    Ich möchte gerne in loser Folge weiter über meine Beschäftigung mit Simone berichten… vorweggenommen sei, dass die sieben Philips-Alben von 1964-66 sowie das allererste für RCA („Sings the Blues“, 1966/67) für mich den Höhepunkt von Simones Schaffen darstellen.

    Es gibt im Netz zudem eine sehr informative Seite (allerdings ist sie was die Navigation betrifft nicht besonders gelungen):
    The Nina Simone Database

    Hier im Forum gibt’s bisher einen Sterne-Thread sowie einen kleinen im Replays-Forum.

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    #7813971  | PERMALINK

    krautathaus

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    Sehr schöne Idee, GTW! Nina ist meine absolute Lieblingssängerin. Dann Billie Holiday, Ruby Johnson, Peggy Lee und Aretha Franklin.

    gypsy tail wind
    Ich möchte gerne in loser Folge weiter über meine Beschäftigung mit Simone berichten… vorweggenommen sei, dass die sieben Philips-Alben von 1964-66 sowie das allererste für RCA („Sings the Blues“, 1966/67) für mich den Höhepunkt von Simones Schaffen darstellen.

    Da sehe ich exakt genauso. Neben den von Dir genannten, gehört für mich auch Ihr Debut zu den Highlights, auch wenn man es natülich noch nicht als einen „Höhepunkt ihres Schaffens“ nennen kann.

    Meine Top 6:

    1. Nina sings the blues (RCA)
    2. Pastel Blues (Philips)
    3. Jazz as played in an exclusive side street club (Bethlehem)
    4. Let it all out (Philips)
    5. Silk and soul (RCA)
    6. High priestess of soul (Philips)

    Zu den Philips Jahren hatte ich schon mehrfach die entsprechende CD Kompilation „Four Women“ empfohlen:

    Die beste Compilation von Nina Simone ist die Zusammenstellung aller Philips Alben „Four Women“, ausgestattet in einer sehr schön aufgemachten klienen Box (sieh die Bilder bei Amazon):

    http://www.amazon.co.uk/Four-Women-C…6207441&sr=1-1

    Der Klang ist hervorragend und die Philipsaufnahmen sind durch die Bank gut bis hervoragend.

    Wobei ich kein Freund von Kompilationen bin, und lieber die Originalalben auf Vinyl höre, ist diese CD Zusammenstellung nicht nur klangliche ein Leckerbissen, sondern auch noch sehr schön aufgemacht.

    Nina’s Autobiographie sei auch ans Herz gelegt. Hab sie schon zweimal gelesen und bin immer noch fasziniert von Nina’s bewegtem Leben.

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    #7813973  | PERMALINK

    krautathaus

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    gypsy tail windEin Highlight ist auch ihre Version von Willard Robisons Song „Don’t Smoke in Bed“

    Btw, Willard Robison war schwer krank und hatte „Don’t smoke in bed“ noch nicht zu Ende geschrieben. Da sprangen Peggy Lee und David Barbour ein, vollendeten das Stück und ließen die Autorenrechte ausschließlich bei Robison, damit im Falle des Ablebens seine Tochter die Einnahmen bekommt.

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    #7813975  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    Ja, das Bethlehem-Album gehört natürlich mit zu den besten, hab ich vergessen, das nochmal zu erwähnen!

    Was die Philips-Box betrifft: sie war mein Einstieg in die Musik von Simone. Davor besass ich aus meiner Schulzeit irgendeine Billig-Compilation mit ein paar Hits und wohl v.a. lahmen RCA und 80er Tracks. Die Philips-Box hat mir dann so richtig die Ohren geöffnet! Wunderbare Musik!
    Allerdings frag ich mich da, ob nicht die chronologische Anordnung der Musik mehr Sinn gemacht hätte, zumal die Alben sich von den Sessions her erheblich überschneiden und die Album-Idee in der Box ja sowieso eher untergeht (ich kann die einzelnen Alben auch schlecht unterscheiden, allerdings dürften „In Concert“ und „Pastel Blues“ meine Favoriten sein).

    Nach der Philips-Box hab ich mir dann die frühen Alben zusammengesucht… für die LP-Hörer seien diesbezüglich besonders die EMI CD-Reissues von „Forbidden Fruit“ und „Carnegie Hall“ empfohlen. Ich habe hier vor einer Weile mal die Infos zu den Bonustracks zusammengestellt.

    Das mit den Bonustracks auf „Forbidden Fruit“ ist ein wenig verwirrlich… Porgy erschien so auf With Strings, „Baubles“, ein anderer Take von „Gimme a Pigfoot“ und „Spring Is Here“ erschienen auch auf „With Strings“, sind auf der „Forbidden Fruit“ CD aber OHNE die Streicher-Overdubs zu hören. Zudem finden sich auf The Amazing Nina Simone vier Stücke von „With Strings“ (mit den Overdubs) – auf den beiden CDs hat man also acht der 10 Songs in teilweise anderen Versionen beisammen, nicht zu hören sind „Blackbird“ und „Work Song“, aber mir reicht das wohl auch so… das Streicher-Album werd ich nicht auch noch separat suchen.

    Was ich noch haben will ist „And Piano!“ (RCA 1969). Von den RCAs fehlt mir dann nur „Nuff Said“… die beiden sind auch im „Original Album Classics“ 5CD-Set enthalten, aber die anderen drei enthaltenen Alben („To Love Somebody“, „Black Gold“ und „It Is Finished“) habe ich schon auf Camden Cheapo-CDs von 2002, ersteres auf einem Twofer mit „Here Comes the Sun“, letztere beiden auf einem 3-on-2-Set mit „Emergency Ward“. Ziemliches Durcheinander da…

    Von den späteren Alben habe ich bisher „Baltimore“ und „Let It Be Me“. Gelegentlich halte ich Ausschau nach einem billigen Exemplar von „A Single Woman“, aber ich weiss gar nicht, ob ich da noch mehr brauche… was bietet sich denn von den späteren Alben noch so an? Wohl nicht besonders viel?

    Und weil ich’s grad bei Hand habe, hier ist noch ein Kommentar von tops zu Simone.

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    #7813977  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    KrautathausBtw, Willard Robison war schwer krank und hatte „Don’t smoke in bed“ noch nicht zu Ende geschrieben. Da sprangen Peggy Lee und David Barbour ein, vollendeten das Stück und ließen die Autorenrechte ausschließlich bei Robison, damit im Falle des Ablebens seine Tochter die Einnahmen bekommt.

    Oh, das wusste ich nicht! Robison starb allerdings erst 1968, zwanzig Jahre nachdem Peggy Lee mit „Don’t Smoke in Bed“ einen Hit landete!?

    Ganz grossartig ist Jack Teagardens Album mit Robison-Songs, Think Well of Me von 1962.

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    #7813979  | PERMALINK

    krautathaus

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    gypsy tail windOh, das wusste ich nicht! Robison starb allerdings erst 1968, zwanzig Jahre nachdem Peggy Lee mit „Don’t Smoke in Bed“ einen Hit landete!?

    Richtig, aber 1947 war Robison noch so krank, daß Peggy und David die Autorenrechte an ihn abgegeben haben:

    These compositions have withstood the test of time. Peggy’s 1948 recording of her composition „Don’t Smoke in Bed“ (which she credited to Willard Robison to help his daughter financially) opened the Jack Nicholson movie The Two Jakes.
    http://www.peggylee.com/solos/writer.html

    In 1948 Peggy Lee had a hit with “Don’t Smoke in Bed” which was also frequently performed by Nina Simone. The song is variously credited to Robison or to Lee, her husband Dave Barbour, and Robison.
    http://www.jazzbiographies.com/Biography.aspx?ID=310

    So, in den Linernotes der Capitol Singles Collection schreibt Will Friedwald es genauer:

    Like many people in Lee‘ s life, the composer (Robison) was an unrepentent alcoholic. Robison spent so much of his last 25 years convincing people he was just about to give up the ghost that no one would have believed that he would make it to age 72. In 1947, he came up with the title and a few lines for a song that he wanted to call „Don’t skmoke in bed“. Lee was convinced that Robison wouldn’t live to finish it, so she and Barbour wrote most of the words and music and made a present of the whole song to him, so he would have a new copyright to leave his young daughter. Surprisingly, Robison lived another 20 not-especially-productive years after that, but Lee’s generosity was rewarded when the record became a minor hit and Robison gave a portion of the song’s publishing to her and Barbour.

    Ich war auch ziemlich erstaunt, daß diese Peggy Lee diese Geschichte in ihrer Autobiographie gar nicht erwähnt hat.

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    #7813981  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    Das dritte Album für Colpix, „Nina Simone at Newport“, wiederholte die Erfolgsformel von „At Town Hall“. Live und mit kleiner Besetzung trat Simone am 30. Juni 1960 zum ersten Mal am Newport Jazz Festival auf – sie folgte auch keinen geringeren als Duke Ellington, der dort 1956 ein grosses „Comeback“ (das gar keines war) feierte und auch 1958 ein tolles Doppel-Album aufnahm.
    Simone begleitete sich wie üblich selbst am Piano und wurde von ihrer Working Band begleitet: Al Schackman (g), Chris White (b) undd Bobby Hamilton (d). Schackman hielt ihr über vierzig Jahre die Treue, Chris White spielte später – er ging 1961 – u.a. mit Dizzy Gillespie, Ramsey Lewis und Quincy Jones, bevor er in den 90ern noch einmal mit Simone zusammenspielte. Vor er zu Simone stiess hatte er u.a. schon mit Cecil Taylor gespielt. Drummer Bobby Donaldson blieb bis Mitte der 60er bei Simone.
    Dieses Trio begleitet die Sängerin-Pianistin bzw. Pianistin-Sängerin kongenial. Mit ihrem oft zurückhaltenden, aber wenn nötig auch aktiv ins Geschehen eingreifenden Spiel ermöglichen sie Simone, ihr genre-übergreifendes Programm zu präsentieren.
    Am Abend des Newport-Konzertes war Simone in grosser Form. Das Set beginnt mit Richard M. Jones‘ Klassiker „Trouble in Mind“ (die Single davon war einer der beiden Chart Hits aus der Colpix Zeit, R&B #11, und auch zwei Wochen in den Pop Top-100). Dann folgt „Porgy“, nicht von Gershwin sondern das Stück von Dorothy Fields/Jimmy McHugh (vor Simone hatten u.a. Billie Holiday, Ethel Waters, Ellington und Peggy Lee dieses Stück aufgenommen).
    Dann folgt die erste Überraschung: „Little Liza Jane“, ein englischer Folk-Song. Eins der Highlights des Albums ist danach Cole Porters „You’d Be So Nice to Come Home To“ – hier verwendet sie ihre spezielle Methode, klassische „Interpolationen“ in einen Jazz Standard einzuweben, sehr effektiv.
    Dann folgt wieder ein kleiner Wechsel: das afrikanisch anmutende Original „Flo Me La“ folgt, in dem Simone ein perkussives Crescendo aufbaut. Im Instrumental „Nina’s Blues“ wird dann noch einmal deutlich, wie gut eingespielt die Leaderin und ihr Begleit-Trio waren.
    Den Abschluss machte ein weiteres Folk-Stück, „In the Evening By the Moonlight“, in dem Simone einmal mehr ihren frischen und eigenen Mix von Klassik und Jazz zum besten gibt. Damit endet ein wunderbares, inspiriertes Konzert, das auf der EMI CD von 2005 im Remastering von Malcolm Addey auch ganz wunderbar klingt!

    „Forbidden Fruit“ war das vierte Colpix-Album. Vermutlich entstand es im Studio über diverse Sessions verteilt. Die Band ist dieselbe, das Repertoire noch bunter gemischt, jedoch gelingt es Simone scheinbar mühelos, alles zusammenzuhalten – mit ihrer Stimme dominiert sie das Geschehen und sie ist auch als Pianistin sehr präsent.
    Die zehn Stücke des Albums wurden für die CD-Ausgabe (EMI 2005, wie die ganze Reihe in Remastern von Malcolm Addey) um elf Bonustracks angereichert – und das ganze macht den bunten Mix wohl etwas zu lang, um alles am Stück zu geniessen, aber ist dennoch eine klare Bereicherung für das Album!
    Die Musik reicht von Fletcher Henderson („Gin House Blues“) bis zu Oscar Brown Jr., der auf dem Album gleich mit drei Stücken vertreten war: dem Opener „Rags and Old Iron“, „Work Song“ (Musik von Nat Adderley) und dem Titelstück „Forbidden Fruit“. Dazwischen finden sich zwei mit Billie Holiday verbundene Songs („No Good Man“ und „I’ll Look Around“), ein Torch Song, den Peggy Lee mitkomponiert und aufgenommen hat („Where Can I Go Without You“), ein witziger Kitschsong namens „Just Say I Love Him“ (basierend auf einem italienischen Lied und mit tollem Gitarrenspiel von Schackman… ein hübsches period piece), Hoagy Carmichaels stimmungsvolles „Memphis in June“ und schliesslich – ein Highlight – „I Love to Love“, ein Stück, das zuvor Lena Horne aufgenommen hatte, und das Simone nützt, um ihre Meisterschaft am Piano zu demonstrieren.
    Die Aufnahme ist hervorragend gelungen, Cal Lampley zeichnete im Studio verantwortlich.

    Als Bonustracks finden sich vier Stücke, die mit Streicher Overdubs auf dem zehnten und letzen von Simones Colpix-Alben, With Strings, veröffentlich wurden. Zum Zeitpunkt, als dieses Album veröffentlicht wurde, war Simone schon längst nicht mehr bei Colpix, das Album wurde aus diversen Quellen zusammengestückelt. Vier der Stücke sind als Bonus auf der 2005er EMI-CD von „The Amazing“ zu finden, dazu die vier hier (von denen eins ein Alternate Take ist und alle ohne Streicher Overdubs zu hören sind, „Porgy I Is Your Woman Now“ und „Gimme a Pigfoot“ hatten allerdings von anfang an keine Overdubs) und auf der Doppel-CD At Carnegie Hall findet sich überdies „Blackbird“, das zuerst als Single erschienen war. Damit fehlt auf den 2005er CDs nur „Work Song“ – soweit ich sehen kann, ist das nirgends als Bonustrack aufgeführt, anscheinend ist der derzeit nur auf dem Collectables Twofer Folksy + With Strings zu finden.

    Genug der Belehrungen… das Chaos stammt von der LP „With Strings“, die von Anfang an ein Machwerk war.

    Die Bonustracks auf „Forbidden Fruit“ machen jedenfalls Freude: Zum Auftakt hören wir „Porgy I Is Your Woman Now“, das dritte Porgy-Stück und das zweite aus Gershwins Feder. Weitere Standards sind „Ev’rytime We Say Goodbye“ und „Spring Is Here“, daneben hören wir die Traditionals „Lonesome Valley“ und „Od Yesh Homa“ (ohne Worte), Weills „My Ship“ (die Seeräuber Jenny wurde später ja zu einem der grossen Kracher in Simones Repertoire), ein weiteres Broadway/Musical-Stück, „Baubles, Bangles, and Beads“, zwei alte Blues-Nummern, „Gimme a Pigfoot“ (wie erwähnt ein anderer Take als derjenige, der auf „With Strings“ – ohne Streicher – zu hören ist) und „T‘ Ain’t Nobody’s Biz-ness If I Do“. Eher überraschend folgt gegen Ende auch noch „Golden Earring“, ein Song, den auch Caterina Valente und Peggy Lee aufgenommen haben, und eine verjazzte Version von „Try a Little Tenderness“ – Simone macht daraus eine jubilierende Performance.

    Das ganze ist genauso disparat, wie sich das hier jetzt liest, es ist aber zugleich durch die unglaublich starke, präsente Stimme und das prägende Piano-Spiel von Nina Simone zusammengeschweisst zu etwas ganzem, das grossen Spass bereitet!

    Colpix-Album #5 wurde wieder live eingespielt, dieses Mal im New Yorker Village Gate:

    After her wildly triumphant shows at New York’s Town Hall in September 1959 and at the Newport Jazz Festival in June 1960, Nina Simone had begun developing a steadfast and loyal following, a mixture of highbrow ‚in‘ crowd jetsetters, a burgeoning black bourgeoisie and of prime importance, a faithful crowd of young folk and jazz enthusiasts who hung out in New York’s Greenwich Village. Known as a haven for free thinkers, beatniks, folkniks and the Big Apple’s equivalent of the Bay Area’s ‚flower children,‘ the Village would be a fertile breeding ground for conversations about change, transformation, liberation and freedom. No surprise that as Nina herself noted in her autobiography, „In the Village, there were a number of different groupings. There was the jazz scene… gravitating around the music, were the writers, poets and painters, remarkable men and women who would become my friends. Langston Hughes, Jimmy Baldwin, Leroi Jones – as Amiri Baraka was known then – Lorraine Hansberry, Godfrey Cambridge, Dick Gregory – so many talented and exciting people… it was an extraordinary time to be in the Village…“

    ~ David Nathan, Mai 2004, Liner Notes zu „Nina Simone at the Village Gate“, Colpix, EMI CD-Reissue 2005

    In diesem Umfeld dokumentierte sie Colpix also im April 1961 für das nächste Album, „Nina Simone at the Village Gate“. Begleitet wird sie wieder von ihrer treuen Working Band mit Al Schackman, Chris White und Bobby Hamilton. Die EMI-CD von 2005 enthält vier Bonustracks, die zuerst auf der Compilation „Nina Simone at Newport, The Village Gate and Elsewhere“ (West Side CD 210) zu hören gewesen waren. Auf zweien davon stösst Perkussionist Montego Joe zur Band und Hamilton spielt Perkussion statt seinem regulären Drum-Kit. Produziert hat wieder Cal Lampley, aber die Aufnahme klingt leider erheblich schlechter und leidet unter Fluktuationen im Sound.

    Das lenkt jedoch nicht davon ab, dass sowohl Simone als auch ihre Band in bester Form sind. Die acht Stücke des Albums wachsen zu einem organischen ganzen zusammen, obgleich auch hier wieder unterschiedlichstes Material gespielt wird. Als Opener spielt Simone eine getrieben Version des Comden/Styne Songs „Just in Time“ – diese Aufnahme verkörpert für mich perfekt den existentiellen Charakter, den Simones beste Musik hat. Es folgt ein Rodgers/Hart Song, „He Was Too Good to Me“, den zuvor etwa Chris Connor, Jeri Southern und Helen Merrill aufgenommen hatten (diese Performance hat angeblich Laura Nyro massgeblich geprägt, so schreibt Nathan unter Berufung auf Michelle Korts Buch „Soul Picnic: The Music and Passion of Laura Nyro“ von 2002).
    Josh White machte den Traditional „House of the Rising Sun“, 1940 bekannt, Simone eignet sich das Stück an – eine wunderbare Performance! Es folgt ein Romp durch „Bye Bye Blackbird“… achteinhalb Minuten, Simone auf der Höhe ihrer pianistischen Fertigkeiten – unglaublich!

    Dann folgt wieder Oscar Brown Jr. – Simone spielt solo dessen „Brown Baby“, das erste Stück mit einer klaren Message bezüglich des Civil Rights Movements. Eine unglaublich berührende Aufnahme.
    Mit „Zungo“ heitert sich die Stimmung – wie schon „Flo Me La“ ist das Stück von afrikanischen Rhythmen getragen. Geschrieben hat es Babatunde Olatunji, der nigerianische Perkussionist, der um diese Zeit in den USA für Furore sorgte. Das Album endet dann mit zwei Spirituals: „If He Changed My Name“ und „Children Go Where We Send You“, das erste langsam und klagend, das zweite stürmisch und fröhlich.

    Die vier Bonustracks fügen dem Mix noch zwei Israelische Songs hinzu: „Eretz Zavat Chalav U’dvash“ und „Vaynikehu“, auf beiden spielt Montego Joe Dumbek und Bobby Hamilton Perkussion. Beide Stücke gehörte offensichtlich zum Repertoire, sie wurden im Mai 1963 in der Carnegie Hall erneut eingespielt (diese Versionen erschienen 1964 auf „Folksy“, dem neunten Colpix-Album).
    Es folgt eine ausgedehnte frühe Version von „Sinner Man“ (die definitive Version folge auf dem Philips-Album „Pastel Blues“) sowie „You’ll Never Walk Alone“ von Rodgers/Hammerstein.

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    gypsy-tail-wind
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    KrautathausRobison … „Don’t Smoke in Bed“

    Vielen Dank für die zusätzlichen Infos! Wollte Deine Auskunft oben nicht anzweifeln, war nur etwas verwundert!

    und wusste gar nicht, dass man „give up the ghost“ in Englisch auch gebrauchen kann!

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    #7813985  | PERMALINK

    satiee

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    Nina Simone ist eine „Göttin“ :sonne:
    Für mich gibt es neben ihr höchstens
    Jessey Norman.
    Ich danke für alle obigen links + so kenntnisreichen infos !!

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    #7813987  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    Ja, wird mir jetzt beim Wiederhören der Colpix-Alben auch wieder bewusst, wie unglaublich gut das alles ist! Und die Philips-Alben sind dann ja noch einmal ein rechtes Stück besser!
    Mal schauen ob ich am Wochenende weiterhöre/-schreibe. Jetzt geht’s jedenfalls ab zu Buster Keaton ins Kino! :sonne:

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    krautathaus

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    gypsy tail windVielen Dank für die zusätzlichen Infos! Wollte Deine Auskunft oben nicht anzweifeln, war nur etwas verwundert!

    und wusste gar nicht, dass man „give up the ghost“ in Englisch auch gebrauchen kann!

    Ne, ne…das hab ich nicht als Kritk verstanden. Hab‘ allerdings erstmal ewig in der Autobiographie geblättert, bis ich drauf gekommen bin, daß ich diese Absätze in den Linernotes der Singles Collection gelesen habe.
    Als ich dieselbigen damals gelesen habe, viel mir auf, dass Peggy zu bescheiden war, um die Geschichte in ihrer Autobiographie zu veröffentlichen.

    Und über den „give up the ghost“ Ausdruck war ich auch verwundert. Wäre mal interessant zu erfahren, aus welcher Sprache diese Redewendung ursprünglich kommt.

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    gypsy-tail-wind
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    KrautathausNe, ne…das hab ich nicht als Kritk verstanden. Hab‘ allerdings erstmal ewig in der Autobiographie geblättert, bis ich drauf gekommen bin, daß ich diese Absätze in den Linernotes der Singles Collection gelesen habe.
    Als ich dieselbigen damals gelesen habe, viel mir auf, dass Peggy zu bescheiden war, um die Geschichte in ihrer Autobiographie zu veröffentlichen.

    Danke jedenfalls! Ich weiss ja noch fast nichts über Robison aber seine Songs mag ich extrem gerne!

    KrautathausUnd über den „give up the ghost“ Ausdruck war ich auch verwundert. Wäre mal interessant zu erfahren, aus welcher Sprache diese Redewendung ursprünglich kommt.

    Ja, das würd mich auch interessieren… gäb ja noch „ins Gras beissen“ (da würden etwa „to count worms“ oder „to bite the dust“ einigermassen passen) oder „to kick the bucket“… schön, solche Redewendungen und Euphemismen! Hier gibt’s eine kleine Liste.

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    gypsy-tail-wind
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    Ein kleines PS zu Post #7: Das Town Hall Album mag musikalisch eine Spur aufregender sein, aber die Aufnahme von Newport ist dafür nahezu perfekt. Beim Town Hall Set klingt die EMI-Version bedeutend besser als das Klangmus auf dem Collectables-Twofer.

    Und Forbidden Fruit, das jetzt wieder läuft, ist voller Perlen! „Just Say I Love Him“ ist bester afro-kubanischer Sound, was Schackman da an tropischen Läufen zum besten gibt, das können Bill Frisell, Marc Ribot, Ry Cooder oder Manuel Galbán auch nicht besser! Ganz grossartig!
    Mir scheint, „Forbidden Fruit“ wachse kontinuierlich über die Jahre… hab das Album seit wohl ca. 2-3 Jahren und es gefällt mir immer besser. Dass das Repertoire so bunt zusammengewürfelt ist, macht überhaupt nichts, Simone und Band gelingt es locker, ein grosses ganzes daraus zu machen… und die Bonustracks sind ja fast nochmal ein Album für sich! Hörprobe: Memphis in June

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    krautathaus

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    gypsy tail wind
    Was die Philips-Box betrifft: sie war mein Einstieg in die Musik von Simone. Davor besass ich aus meiner Schulzeit irgendeine Billig-Compilation mit ein paar Hits und wohl v.a. lahmen RCA und 80er Tracks. Die Philips-Box hat mir dann so richtig die Ohren geöffnet! Wunderbare Musik!
    Allerdings frag ich mich da, ob nicht die chronologische Anordnung der Musik mehr Sinn gemacht hätte, zumal die Alben sich von den Sessions her erheblich überschneiden und die Album-Idee in der Box ja sowieso eher untergeht (ich kann die einzelnen Alben auch schlecht unterscheiden, allerdings dürften „In Concert“ und „Pastel Blues“ meine Favoriten sein).

    Das sich Alben Sessionmäßig oft überschneiden, hat mich eigentlich nicht gestört. „broadway, blues, ballads“ und „i put a spell on you“ sind ja aus recht eigenen Sessions entstanden.
    „Pastel Blues“, „let it all out“ und „four women“ fast komplett aus den Sessions im Frühjahr und Herbst 1965 und gehören für mich „combotechnisch“ zusammen.
    „High priestess of soul“ hat wieder seine eigenen Aufnahmesessions aus 1966.
    So habe ich für mich das gedanklich getrennt.

    Hab‘ am Anfang die Alben auch immer einzeln angehört, auch wenn ich mitten in der CD anfangen mußte.

    Allerdings habe ich auch einen Faible, mir bei Musikern die Aufnahme Session komplett zu betrachten, ähnlich wie im Jazz. Hat mir z.B. bei Billie Holiday’s Verve Box eine Menge Zeit gekostet, bis ich da mal durchgeblickt habe (ähnlich auch bei der Ray Charles Atlantic Box), aber es hat sich in allen Fällen rentiert, weil man die Spielweise der Begleitmusiker (die ja oft bekannte Größen waren) besser nachvollziehen kann.

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    krautathaus

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    gypsy tail wind
    Und Forbidden Fruit, das jetzt wieder läuft, ist voller Perlen! „Just Say I Love Him“ ist bester afro-kubanischer Sound, was Schackman da an tropischen Läufen zum besten gibt, das können Bill Frisell, Marc Ribot, Ry Cooder oder Manuel Galbán auch nicht besser! Ganz grossartig!

    Ja, wunderschön. Schade, daß die Gitarre etwas weit nach hinten gemischt wurde. Muß mir das Album noch öfter anhören. Schackman als feste Größe hat sie ja bis ans Kariereende immer wieder begleitet und ist gar nicht wegzudenken.

    Oscar Brown jr’s „Sin and soul“ Album kennst Du bestimmt? Ist für mich ein ewiger Klassiker.

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