Musik im Wandel der Zeit: Wie Musik sich verändert

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  • #12593901  | PERMALINK

    nicht_vom_forum

    Registriert seit: 18.01.2009

    Beiträge: 7,152

    friedrich
    Das mag nicht besonders originell sein, aber klang technisch perfekt gemacht und gar nicht mal übel.

    @friedrich
    „Technisch perfekt“ wie bei den typischen KI-Bildern, denen man ansieht, dass schon das Trainingsmaterial fast ausschließlich seelenlose Werbefotos waren? Und zweite Frage: „Technisch perfekt“ von Moment zu Moment oder auch schon mit einer erkennbaren musikalischen Struktur, die über das Stück hinweg durchgehalten wird? Ich habe mich damit noch nicht näher befasst, aber alles, was ich bisher gehört habe, war eigentlich schnell als KI erkennbar, da die „Musik“ so offensichtlich regel- und planlos war.

    Ich frage mich: Wenn KI die übliche Gebrauchs-Popmusik schwupp-di-wupp generieren kann, wie wird sich das eigentlich auf von Menschen gemachte Musik auswirken? Für den Durchschnittspop werden Menschen (oder zumindest Musiker) ja nicht mehr gebraucht. Was machen Musiker, wenn sie sich davon unterscheiden wollen?

    Ich glaube, die Auswirkungen werden sich in Grenzen halten. Es ist ja auch ohne KI kein Problem, aus allenfalls auf Amateurniveau singenden und spielenden Menschen mit Studiotechnik und Software Musiker zu machen, die dann zum Vollplayback auf der Bühne stehen.

    --

    Reality is that which, when you stop believing in it, doesn't go away.  Reality denied comes back to haunt. Philip K. Dick
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    #12594055  | PERMALINK

    friedrich

    Registriert seit: 28.06.2008

    Beiträge: 5,605

    @nicht_vom_forum

    friedrich
    Das mag nicht besonders originell sein, aber klang technisch perfekt gemacht und gar nicht mal übel.

    friedrich
    „Technisch perfekt“ wie bei den typischen KI-Bildern, denen man ansieht, dass schon das Trainingsmaterial fast ausschließlich seelenlose Werbefotos waren? Und zweite Frage: „Technisch perfekt“ von Moment zu Moment oder auch schon mit einer erkennbaren musikalischen Struktur, die über das Stück hinweg durchgehalten wird? Ich habe mich damit noch nicht näher befasst, aber alles, was ich bisher gehört habe, war eigentlich schnell als KI erkennbar, da die „Musik“ so offensichtlich regel- und planlos war.

    Ich frage mich: Wenn KI die übliche Gebrauchs-Popmusik schwupp-di-wupp generieren kann, wie wird sich das eigentlich auf von Menschen gemachte Musik auswirken? Für den Durchschnittspop werden Menschen (oder zumindest Musiker) ja nicht mehr gebraucht. Was machen Musiker, wenn sie sich davon unterscheiden wollen?

    Ich glaube, die Auswirkungen werden sich in Grenzen halten. Es ist ja auch ohne KI kein Problem, aus allenfalls auf Amateurniveau singenden und spielenden Menschen mit Studiotechnik und Software Musiker zu machen, die dann zum Vollplayback auf der Bühne stehen.

    Technisch perfekt im Sinne von handwerklich gut gemacht, zumindest über ein paar Takte. Doch wenn alleine das durch einen Prompt, der gerade mal eine Zeile lang ist und der von einem musikalische Laien erstellt wurde, generiert wird, ist das ja schon allerhand. Zwischen Aufgabenstellung und Ergebnis lagen nicht mal 2 Minuten. Was passiert, wenn ein Profi sich nicht 2 Minuten sondern 2 Tage damit beschäftigt? Und wenn KI so etwas heute schon kann, was wird KI in 2 Jahren können?

    Auch auf Amateurniveau spielende und singende Menschen braucht in der Musikproduktion bald kein Mensch mehr. Ich vermute, dass die Musik, die im Dudelfunk läuft, in absehbarer Zeit ohne weiteres komplett KI-generiert sein kann. Das ist dem Hörer, der im Stau Autoradio hört, dem Gaststättenbesucher, der nebenbei musikalisch berieselt wird und den Kids, die am Späti cornern und den Bluetooth-Speaker wummern lassen, doch möglicherweise völlig wurscht. Vielleicht entwickelt sich da sogar eine neue Kunstform?

    Wir Musiknerds hier im Forum hören das natürlich anders.

    --

    “There are legends of people born with the gift of making music so true it can pierce the veil between life and death. Conjuring spirits from the past and the future. This gift can bring healing—but it can also attract demons.”                                                                                                                                          (From the movie Sinners by Ryan Coogler)
    #12594073  | PERMALINK

    nicht_vom_forum

    Registriert seit: 18.01.2009

    Beiträge: 7,152

    friedrich
    Technisch perfekt im Sinne von handwerklich gut gemacht, zumindest über ein paar Takte. Doch wenn alleine das durch einen Prompt, der gerade mal eine Zeile lang ist und der von einem musikalische Laien erstellt wurde, generiert wird, ist das ja schon allerhand.

    Schon. Die Frage ist m. A. n., ob die Entwicklung so weitergeht. Natürlich ist KI für manche Dinge einfach*er* als andere Produktionsmethoden, aber einen Prompt zu schreiben, der ein irgendwie originelles Ergebnis zur Folge hat, wird nie *einfach* werden – und sei es nur, weil man zwingend das Vokabular braucht und sich erarbeiten muss, um sein gewünschtes Ergebnis genau genug zu beschreiben.

    Zwischen Aufgabenstellung und Ergebnis lagen nicht mal 2 Minuten. Was passiert, wenn ein Profi sich nicht 2 Minuten sondern 2 Tage damit beschäftigt?

    Das ist genau das, worum es mir geht: „Profi“ wird man schließlich nicht von jetz auf gleich. Produzent, Dirigent, DJ etc. sind ja auch hochanspruchsvolle Tätigkeiten, auch wenn sie eine andere Art von musikalischem Handwerk erfordern als Instrumentenbeherrschung.

    Auch auf Amateurniveau spielende und singende Menschen braucht in der Musikproduktion bald kein Mensch mehr. Ich vermute, dass die Musik, die im Dudelfunk läuft, in absehbarer Zeit ohne weiteres komplett KI-generiert sein kann. Das interessiert den Hörer, der im Stau Autoradio hört, den Gaststättenbesucher, der nebenbei musikalisch berieselt wird und die Kids, die […] en Bluetooth-Speaker wummern lassen, doch vielleicht überhaupt nicht. Vielleicht entwickelt sich da sogar eine neue Kunstform? Wir Musiknerds hier im Forum hören das natürlich anders.

     
    Natürlich gibt es einen Markt für Gebrauchsmusik für Fahrstuhl umd Fitnessstudio, der wahrscheinlich gut und billig von KI bedient werden kann. Insgesamt denke ich aber, wird es nach wie vor einen Bedarf an Celebrities und Zielen für Fantum geben, der durch KI generierte Musik nicht befriedigt wird. Unterm Strich ist Musik dann doch primär ein soziales und kommunikatives Unterfangen.

    --

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    #12595409  | PERMALINK

    nicht_vom_forum

    Registriert seit: 18.01.2009

    Beiträge: 7,152

    Adam Neely zum Thema:
    Nebula:
    https://nebula.tv/videos/adam-neely-suno-ai-music-and-the-bad-future

    Youtube:

    --

    Reality is that which, when you stop believing in it, doesn't go away.  Reality denied comes back to haunt. Philip K. Dick
    #12596747  | PERMALINK

    friedrich

    Registriert seit: 28.06.2008

    Beiträge: 5,605

    @nicht_vom_forumAdam Neely zum Thema:
    Nebula:
    (…)

    Das Video ist 90 Minuten lang. Das ist mir gerade etwas zu viel. Wer ist Adam Neely und was hat er – kurz zusammengefasst – zu sagen?

    --

    “There are legends of people born with the gift of making music so true it can pierce the veil between life and death. Conjuring spirits from the past and the future. This gift can bring healing—but it can also attract demons.”                                                                                                                                          (From the movie Sinners by Ryan Coogler)
    #12596775  | PERMALINK

    nicht_vom_forum

    Registriert seit: 18.01.2009

    Beiträge: 7,152

    friedrich

    @.nicht_vom_forumAdam Neely zum Thema: Nebula: (…)

    Das Video ist 90 Minuten lang. Das ist mir gerade etwas zu viel. Wer ist Adam Neely und was hat er – kurz zusammengefasst – zu sagen?

     
    @.friedrich: Ich verlinke mal seine Wikipedia-Seite: https://en.wikipedia.org/wiki/Adam_Neely
    Kurz: Neely ist ein Jazz-Bassist und Musik-youtuber, der (normalerweise kürzere) Erklärvideos rund um Jazz, Musik, Musiktheorie und das Leben als freier Musiker macht:
    https://nebula.tv/adam-neely
    https://www.youtube.com/@AdamNeely

    Zusammengefasst geht es in dem Video darum, wie wenig Wertschätzung und Interesse die KI-Betreiber, exemplarisch der Suno-Chef, und die Leute, die mit KI Musik machen, Kultur, Musik und den kommunikativen Aspekten von Kunst entgegenbringen und welche Auswirkungen das auf Musik, Musiker und die Gesellschaft als ganzes hat.

    Die Länge ist bei diesem Video, ähnlich wie bei youtubern wie Dan Olson, Contrapoints, Lindsay Ellis, shaun usw., ein Stilmittel. Die Nebula-Fassung ist übrigens nochmal länger. ;-)

    --

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    #12596859  | PERMALINK

    stormy-monday
    Natural Sinner

    Registriert seit: 26.12.2007

    Beiträge: 23,233

    nicht_vom_forum

    friedrich

    @.nicht_vom_forumAdam Neely zum Thema: Nebula: (…)

    Das Video ist 90 Minuten lang. Das ist mir gerade etwas zu viel. Wer ist Adam Neely und was hat er – kurz zusammengefasst – zu sagen?

    @.friedrich: Ich verlinke mal seine Wikipedia-Seite: https://en.wikipedia.org/wiki/Adam_Neely Kurz: Neely ist ein Jazz-Bassist und Musik-youtuber, der (normalerweise kürzere) Erklärvideos rund um Jazz, Musik, Musiktheorie und das Leben als freier Musiker macht: https://www.youtube.com/@AdamNeely Zusammengefasst geht es in dem Video darum, wie wenig Wertschätzung und Interesse die KI-Betreiber, exemplarisch der Suno-Chef, und die Leute, die mit KI Musik machen Kultur, Musik und den kommunikativen Aspekten von Kunst entgegenbringen und welche Auswirkungen das auf Musik, Musiker und die Gesellschaft als ganzes hat. Die Länge ist bei diesem Video, ähnlich wie bei youtubern wie Dan Olson, Contrapoints, Lindsay Ellis, shaun usw., ein Stilmittel. Die Nebula-Fassung ist übrigens nochmal länger.

    DANKE. Interessante Einschätzung von künftigen KI- Billionären. Kohle zählt, kulturbefreit.

     

    --

    Beiträge nicht KI- generiert                       Contre la guerre    
    #12596907  | PERMALINK

    herr-rossi
    Moderator
    -

    Registriert seit: 15.05.2005

    Beiträge: 88,884

    Adam Neely ist einer der besten und bekanntesten Musikerklärerer auf YouTube, allerdings in den letzten zwei, drei Jahren nicht mehr so aktiv, weil er mit seiner Fusionband Sungazer die Jugend der Welt mit weird time signatures, Polyrhythmik und Bass-Solos verderben muss. Gut so.

    Music Theory and White Supremacy

    --

    #12596963  | PERMALINK

    latho
    No pretty face

    Registriert seit: 04.05.2003

    Beiträge: 39,054

    Ich habe das Video bis 3:36 geschafft, dann musste ich vor Lachen abbrechen. Rückzugsgefechte der linksidentitären Verlierer in the age of Trump.

    --

    If you talk bad about country music, it's like saying bad things about my momma. Them's fightin' words.
    #12596967  | PERMALINK

    nicht_vom_forum

    Registriert seit: 18.01.2009

    Beiträge: 7,152

    lathoIch habe das Video bis 3:36 geschafft, dann musste ich vor Lachen abbrechen. Rückzugsgefechte der linksidentitären Verlierer in the age of Trump.

    Magst Du mehr „meaningful consumption experiences“? Ich fand allerdings auch den Take des Suno-Chefs gut, dass Musik mit Suno einen Multiplayer Mode bekommt. :wacko:

    Davon abgesehen: Was ist denn Dein Problem mit Rückzugsgefechten? Du sagst das, als wären die etwas grundsätzlich negatives.

    --

    Reality is that which, when you stop believing in it, doesn't go away.  Reality denied comes back to haunt. Philip K. Dick
    #12597011  | PERMALINK

    latho
    No pretty face

    Registriert seit: 04.05.2003

    Beiträge: 39,054

    nicht_vom_forum

    lathoIch habe das Video bis 3:36 geschafft, dann musste ich vor Lachen abbrechen. Rückzugsgefechte der linksidentitären Verlierer in the age of Trump.

    Magst Du mehr „meaningful consumption experiences“? Ich fand allerdings auch den Take des Suno-Chefs gut, dass Musik mit Suno einen Multiplayer Mode bekommt.
    Davon abgesehen: Was ist denn Dein Problem mit Rückzugsgefechten? Du sagst das, als wären die etwas grundsätzlich negatives.

    Soll ich das militärisch beantworten oder politisch?
    Seit die „Linke“ – in Anführungszeichen, weil es eine echte sozial orientierte Linke in den USA kaum noch gibt – trotz aller Siegesgewissheit Trump unterlag, hat sie sich in die Wagenburg zurück gezogen, Hexenjagden wegen Sprachverfehlungen, vermeintlichem #metoo-Momenten und allgemeiner Hysterie nahmen nochmal massiv zu. Hat, kaum überraschend, nix genützt, Trump wurde wiedergewählt, sogar vermehrt von „eingeschlossenen“ Bevölkerungsgruppen (Schwarzen und „Latinx“). Kaum überraschend also, dass sich jetzt, in der zweiten Ära Trump, in der anscheinend ungehindert Bürgerrechte und Verfassungsstaat abgebaut werden, die Heulsusen nochmal besonders aufführen (hat mal einer in letzter Reels/Posts von Linken angesehen? In puncto Epstein sind die ja mittlerweile schlimmer als Alex Jones).
    Und in das fällt dann zB der Auftritt von dem Musiktheorie-Professor, der ex cathedra verkündet, das wäre alles Rassismus, wie üblich. Dabei vergessend, dass wir über eine Zeit reden, die 300 Jahre her ist und in der Sklavenbesitz in der westlichen Welt noch nicht als besonders schlimm gesehen wurde. Um damit die Musiktheorie (und natürlich auch die Musik) als irgendwie rassistisch abzuleiten (es fehlt noch das Zauberwort „strukturell“). Also weiterhin in den Dumpfbacken-Bubbles Hexen jagen, während draußen die Welt untergeht. Deswegen Rückzugsgefecht.

    --

    If you talk bad about country music, it's like saying bad things about my momma. Them's fightin' words.
    #12597025  | PERMALINK

    nicht_vom_forum

    Registriert seit: 18.01.2009

    Beiträge: 7,152

    latho
    […]
    Und in das fällt dann zB der Auftritt von dem Musiktheorie-Professor,
    […]

    Ach so… Ich dachte, Du meinst das Video zu KI und Musik. Das andere gehört ja eigentlich thematisch in den Nachbarthread (und ist übrigens vom September 2020). Ich habe aber auf das Thema gerade so gar keine Lust.

    --

    Reality is that which, when you stop believing in it, doesn't go away.  Reality denied comes back to haunt. Philip K. Dick
    #12597045  | PERMALINK

    latho
    No pretty face

    Registriert seit: 04.05.2003

    Beiträge: 39,054

    Ich eigentlich auch nicht.

    --

    If you talk bad about country music, it's like saying bad things about my momma. Them's fightin' words.
    #12597201  | PERMALINK

    herr-rossi
    Moderator
    -

    Registriert seit: 15.05.2005

    Beiträge: 88,884

    lathoIch habe das Video bis 3:36 geschafft, dann musste ich vor Lachen abbrechen.

    Unbenommen, aber die folgenden – sorry, ich kann’s nicht netter formulieren – substanzlosen Rants hättest du dir auch getrost sparen können. Wenn du deinen Blick nur 3 Sekunden lang über die Videos auf Neelys Kanal hättest streichen lassen, wäre dir aufgefallen, dass Neely eigentlich nie politisch wird, sondern ausschließlich über Musik spricht. Das gilt übrigens auch für seine Kollegin Nahre Sol, eine weitere großartige Produzentin von Music Education Content auf YouTube, die für den Clip Klavierstücke klassischer Komponisten interpretierte. Dir hätte auch auffallen können, dass das Video 2020 im zeitlichen Zusammenhang der „Black Lives Matter“-Proteste entstand. Es war eine bewusste Entscheidung.

    Neely spricht aber an keiner Stelle über Sklaverei und Geschichte des Rassismus allgemein, sondern ausschließlich über Musiktheorie und Geschichte der Musiktheorie, und im Verlauf kann er unaufgeregt, nuanciert und dezidiert begründen, warum er (und sein Interviewpartner Philipp Ewell) zu der Auffassung gelangen, dass die akademisch vorherrschende Musiktheorie sich exklusiv auf die europäische Traditionslinie seit dem 18. Jahrhundert bezieht und diese als allgemein gültig deklariert, obwohl es andere Musiktheorien gibt (beispielsweise im Jazz oder in afrikanischen und indischen Musiktraditionen). Und das ist kein Zufall, sondern Musiktheoretiker wie Heinrich Schenker haben sehr deutlich formuliert, dass sie eine Überlegenheit dieser europäischen Musiktradition (und Musiktheorie bringt ja nur auf Begriffe und Systematisierungen, was in der musikalischen Praxis entwickelt wurde) über allen anderen sehen, und zwar in sehr deutlichen und klaren Worten.

    In einem Punkt hast du recht: Am Schluss gelangt er zu der Auffassung, dass das ein strukturelles Problem ist. Warum nun ausgerechnet ein Historiker und sich selbst politisch links verortender Kommentator ein Problem mit dem Wort „strukturell“ hat, entzieht sich meinem Verständnis, auch sonst hätte ich noch einige Fragen zu dem, was du da hier alles zum wiederholten Male zu diesen Themenkreisen von dir gibst, doch ein anderes Mal und an geeigneter Stelle.

    Es ist jedenfalls nicht ohne Ironie, sich über „linksidentitäre Heulsusen“ und „ex cathedra-Professoren“ zu echauffieren, und selbst Hot Takes auf Grundlage von nichts als erspürten Vibes rauszuhauen.

    --

    #12597207  | PERMALINK

    nicht_vom_forum

    Registriert seit: 18.01.2009

    Beiträge: 7,152

    herr-rossi
    akademisch vorherrschende Musiktheorie sich exklusiv auf die europäische Traditionslinie seit dem 18. Jahrhundert bezieht und diese als allgemein gültig deklariert, obwohl es andere Musiktheorien gibt (beispielsweise im Jazz oder in afrikanischen und indischen Musiktraditionen).

    Die nicht-europäischen Musiktheorien haben eben eine offensichtlichere kulturelle Prägung und Basis, während die europäisch/westliche schon seit Pythagoras versucht, irgendwie mathematisch/objektiv zu sein und das auch oft mit Erfolg vortäuscht[1]. Das Absurde daran ist, dass man noch nicht mal die Instrumente stimmen kann, ohne dass es im mathematisch-objektiven Gebälk massiv knirscht und kracht und dass auch die westlich/akademische Musiktheorie auf lokaler Kultur und lokaler Musikpraxis basiert.

    (und Musiktheorie bringt ja nur auf Begriffe und Systematisierungen, was in der musikalischen Praxis entwickelt wurde)

    Eben. :good:

    [1] Daher kommt ja auch der Unsinn, es gäbe objektiv gute und schlechte Musik, während man tatsächlich im Grunde nur „besser“ und „schlechter“ bewerten kann, und die Maßstäbe dabei mehr oder weniger frei wählbar sind.

    --

    Reality is that which, when you stop believing in it, doesn't go away.  Reality denied comes back to haunt. Philip K. Dick
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