Lou Donaldson

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    gypsy-tail-wind
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    also, dann woll’n wir mal… Poppa Lou ganz ohne Sammich im Sterne-TÜV :-)

    Ergänzungen fett – habe ja eine Kopie des vergriffenen Mosaics von einem Freund, ganz vergessen… hab mal alle Alben aufgeführt und bin jetzt am Hören…

    :: Leader ::

    Quartet/Quintet/Sextet ****
    Lou Donaldson/Clifford Brown Quintet ****

    Wailing with Lou ***1/2
    Swing and Soul ***1/2
    Lou Takes Off ***1/2
    Blues Walk ***
    Light-Foot **1/2
    LD + 3 ***1/2
    The Time Is Right ***1/2
    Sunny Side Up **** (4)
    Midnight Sun ***1/2
    Gravy Train **1/2

    Here ‚Tis ****1/2 (1)
    The Natural Soul **** (2)
    Good Gracious **** (3)
    A Man With a Horn ***
    Fried Buzzard ****
    Lush Life ****
    Mr. Shing-a-Ling ***1/2 (aber ***** für „Ode to Billie Joe“!)
    Midnight Creeper ***1/2
    Everything I Play Is Funky ***
    The Scorpion: Live at the Cadillac Club ****

    :: Sideman ::

    Milt Jackson Quintet (Wizard of the Vibes) ****
    Art Blakey – At Birdland Vol. 1/2 *****
    Jimmy Smith – The Sermon / House Party ****
    Jimmy Smith – Cool Blues ****
    Jimmy Smith – Rockin‘ the Boat ***1/2
    Red Garland & Lou Donaldson – Fine & Dandy ***1/2

    :: Anstösse zur Diskussion ::

    (Hat ja schon im Patton-Thread begonnen, unter negativen Vorzeichen, wofür ich mich auch noch entschuldige, das war nicht die feine Englische Art!)

    Donaldson ist doch zuerst mal ganz klar ein Bird-Schüler, das geht stellenweise fast schon zum Klon! Klar kann man da auch noch Hodges und Benny Carter raushören (und Willie Smith, den zu oft vergessenen dritten im Bunde!), aber für mich klingt Donaldson oft ein wenig wie ein Bird für arme Leute, und wie ein Bird ohne die innere Zerrissenheit und daher eher langweilig (nicht, dass man sowas wie „innere Zerrissenheit“ haben muss, um grosse Kunst zu machen, aber in vielen Fällen scheint’s zu helfen… da geht’s nicht um Buchhaltung sondern darum, etwas aus seinem eigenen Innersten auszudrücken!)

    Joachim-Ernst Berendt attestiert Donaldson „eine starke Blues-Emotionalität“, was sicher gut trifft.

    Richard Cook/Brian Morton sagen im Penguin Guide (ed. 5 hab ich mal aus dem Gestell gezogen) in ihrer Mini-Biographie zu Beginn des Donaldson-Absatzes:
    „Arrive in NYC in the early ’50s and worked with Monk, Blakey and Mingus as well as leading his own groups. An unreconstituted bebopper, he played enough blues and gospel licks in his solos to foge the path towards soul-jazz in the ’60s. Still performing in Europe and the USA.“ (p. 416)
    Und der (aus älteren Auflagen übernommene/fortgesponnene) Teil zu den CDs beginnt so:
    „Lou Donaldson has remained among the most diligent of Charlie Parker’s disciples. His playing hardly altered course in 40 years of work [daraus kann man wohl mittlerweile 50 machen – gtw]: the fierce tone and familiar blues colourings remain constant through the 1950s and ’60s and, if he’s as unadventurous as he is assured, at least his records guarantee a solid level of well-executed improvising. He replaces Parker’s acidity with a certain sweetness which can make his work pall over extended listening and, considering his reputation, his albums seem to add up to a disappointing lot.“ (p. 416)

    Die Bewertungen für die wenigen aufgeführten Blue Notes sind dann **1/2 (Blues Walk, Alligator Boogaloo) bis *** (Good Gracious, Everything I Play) Sterne, die für die späteren Milestones ** bis **1/2 (davon kenn ich gar nichts, sie erwähnen Play the Right Thing, Birdseed, Caracas, mittleres bekommt nur **).
    (Sie vergeben übrigens nur * bis **** und haben klare Kriterien für Ihre Ratings, aber grad bei Soul/Orgel-Jazz sind sie oft etwas zu streng – meine Daumenregel ist, alles mit mindestens *** ist wert, mal zu hören, bei Leuten, die ich mag auch drunter, und dann hab ich natürlich ein ganz ausgeklügeltes – aber rein intuitives – Korrektiv-Programm zu ihren Meinungen, das macht auch Spass, da die eigenen Ansichten und Vorlieben abzugleichen… geht ja bei Allmusic z.B. überhaupt nicht, weil dort kein System, keine Linie dahintersteht.)

    Dann noch Richard Cook in seinem vielgeschmähten Blue Note Buch:
    „Donaldson war in vielerlei Hinsicht der typische Blue-Note-Saxophonist. Er glaubte, der Jazz habe sich seit Charlie Parker kaum mehr weiterentwickelt, wovon er im Übrigen heute noch überzeugt ist, und als Bird-Schüler war er auch ein würdiger Nachfolger. Sein Spiel war lebhaft und kraftvoll und hatte einen scharfen, schneidenden Ton, der in Balladen zu einer überraschenden Eleganz fand, während seine Affinität zum Blues fast sein gesamtes Werk durchzieht. Donaldson konnte auf eine solide Auswahl von Standards in seinem Repertoire zurückgreifen, im Wesentlichen solche Blues- und Jazzstücke, die eingängig genug waren, um ein Jazzpublikum anzusprechen, das vor allem Unterhaltung suchte. Donaldson war beileibe kein Langweiler – seine Zusammenarbeit mit Monk beweist das -, aber er trug auch nicht gerade die Fackel der Innovation vor sich her.“ (p. 74)

    Weiter hinten, als Kommentar zu seinen 1957er Sessions (nach drei Jahren Unterbruch) werden Lou Donaldsons Bemerkungen zu Lions Arbeitsweise zitiert – sie sind ziemlich haarsträubend (Wolff hat sie auf einer Jimmy Smith Compilation von 1968 wiedergegeben):
    „Wissen Sie, Frank und Alfred stammten aus Deutschland. Sie hatten nicht besonders viel Ahnung von unserer Musik. Und deswegen haben sie einen auch in Ruhe gelassen. Sie kamen nicht daher und sagten ‚Und jetzt machst du dies, und dann machst du das.‘ Sie kamen zu den Sessions, und irgendwann fragten sie: ‚Fertig?‘ Und dann sagte man: ‚Nein, ich bin noch nicht fertig.‘ Und sie setzten sich hin und lasen Zeitung. Danach haben sie dir dein Geld gegeben und sind gegangen. Sie haben gesagt: ‚Es ist doch so: Die Schwarzen spielen dieses Zeug. Sie wissen, was wir wollen, also lassen wir sie spielen.‘ Und damit haben sie viel Geld gemacht.“ (Donaldson nach Cook, p. 147f.)

    :: Zu den Alben ::

    Quartet/Quintet/Sextet: Die Quartett-Session schwankt bei mir zwischen Langweile und Faszination… wie er seine Zitate einstreut ist sowas von öde, aber wenn er in „The Things We Did Last Summer“ mit ein wenig mehr Vibrato tatsächlich and Carter und Hodges erinnert, dann ist das ganz toll! Bei der Quintett-Session gibt’s Blue Mitchell zu hören (1952!), was natürlich wilkommen ist. Horace Silver macht seine Sache auf beiden Sessions sehr gut! Auf der Sextett-Session spielen Kenny Dorham und Matthew Gee (dessen „Jazz By Gee“ ist ganz hübsch übrigens!), und die Rhythmusgruppe ist auch toll: Elmo Hope, Percy Heath und Art Blakey. Heath war ja wohl einer der ersten interessanten Bassisten im modernen Jazz, Curly Russell, Nelson Boyd, Tommy Potter etc haben ja v.a. Metronom mit Grundtönen gespielt… Al McKibbon war auch eher etwas spannender… wie auch immer: diese Sextett-Session gehört für mich wohl zum Schönsten von Donaldson, weil er Teil einer tollen Band ist und auch weil er weniger im Vordergrund steht.

    Lou Donaldson/Clifford Brown Quintet – diese Session fällt zwischen die Quartet und Quintet (beide 1952) und die Sextet (1954) Session, auch hier ist eine tolle Rhythmusgruppe dabei: Elmo Hope, Percy Heath und Philly Joe Jones. Hope soliert schon in der ersten Nummer toll, Philly Joe macht seine Präsenz so deutlich spürbar wie Blakey es auf der 1954er Sextett-Session tut. Und dann ist da natürlich Clifford Brown, noch rauh und nicht immer ganz sicher, aber schon mit diesem grossen, wunderbaren Sound! Donaldson passt gut zu ihm, was man ja auch auf der grossartigen Blakey Birdland-Session nachhören kann!

    Milt Jackson – Wizard of the Vibes: Für Donaldson ein eher verhaltenes Umfeld, aber Jackson war damals ganz gross! Und mit John Lewis, Percy Heath und Kenny Clarke ist da schon das MJQ da (Ray Brown war ja zuvor am Bass, das MJQ entstand als Auskopplung der Rhythmusgruppe der Gillespie Big Band der späten 40er Jahre… später kam und blieb dann Connie Kay, aber Clarke macht das natürlich höchst kompetent). Jedenfalls ist das Umfeld für Donaldson vielleicht auch eine Chance… er passt jedenfalls ziemlich gut rein hier!

    Die Monk-Session sprech ich hier jetzt mal nicht an… das ist wohl eher so ein Fall, wo Donaldson die Sache nicht zu verderben mag, weil Dorham, Lucky Thompson, Max Roach und natürlich Monk und seine Stücke dafür viel zu gut sind…

    — folgenden Abschnitt habe ich noch ergänzt (10-03-17) —

    Die Working Group Sessions (mit Herman Foster, Peck MorrisonDave Bailey/Jimmy Wormsworth, Ray Barretto), also Swing and Soul, Blues Walk, Light-Foot, Gravy Train… wirklich kennen tu ich davon bisher nur Gravy Train und die fand ich immer schon ein wenig langweilig. Da hat Donaldson seine „Formel“ gefunden und die dann bis zum letzten gemelkt… jetzt läuft dann grad Wailing with Lou aus, die beginnt mit einer ganz ganz tollen Version von Caravan, bei der Donaldson ausser in der Bridge seine beiden Soli nur über Art Taylors Latin-Beat spielt. Wunderbar! Und dass Donald Byrd dabei ist schadet auch gar nicht – leider wird er eher an der kurzen Leine gehalten. Ein Wort zu Herman Foster, der auch hier dabei ist: leider finde ich seine zweifäustigen Soli und die übermässigen Garnerismen ziemlich öde…
    Und ja, ich hab auch Sunny Side Up, von dem ich seit vielen Jahren die Connoisseur CD habe, als eher langweilig in Erinnerung… da kann Parlan auch nicht mehr allzu viel retten.
    Bin also von den Blue Note Piano-Alben in erster Linie gespannt auf The Time Is Right (mit Parlan und Blue Mitchell, der ja schon 1952 dabei war) und auch auf die Session mit den Three Sounds, LD + 3 (obwohl ich kein grosser Fan von denen bin… aber mit ihrem populistischen Approach müssten sie eigentlich perfekt zu Donaldson passen).
    Und zu guter letzt (für den Moment – und danach werde ich weitere Kommentare in neuen Posts abgeben und hier nur noch Sterne ergänzen!) eine Bemerkung zu Lou Takes Off, die ich mir endlich gekauft hatte im letzten Herbst, als das Donaldson-Set bei der kleinen Mosaic-Katastrophe ohne Ankündigung verschwand… Sonny Clark ist toll, aber Art Taylor scheint mir nicht der beste Drummer für ihn zu sein. Donald Byrd und vor allem Curtis Fuller steuern manche guten Soli bei, die Rhythmusgruppe stellt sicher, dass einem auch bei Donaldsons langweiligen Lick-Soli die Lust, weiterzuhören nicht vergeht. Also kurz gesagt: beim richtigen Wiederhören eher eine Enttäuschung, ein Album, das v.a. trotz Donaldson noch gelingt, dank der Rhythmusgruppe und Fuller vor allem. Gebe mal ***1/2…

    — Ende der Ergänzung —



    Dies mal als Anstoss… mehr Sterne und allenfalls ein paar Gedanken zu den späteren Alben werden folgen, höre heute nur Donaldson, hab ich beschlossen (werde aber voraussichtlich nicht durchkommen mit allem).

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    "Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #133: Revivals in den 90ern und eine Neuheit aus der Romandie - 14.6., 22:00 | Slow Drive to South Africa, #7: tba | No Problem Saloon, #29: tba
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    #7538967  | PERMALINK

    redbeansandrice

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    Lou Donaldson/Clifford Brown Quintet ****
    Here ‚Tis ****
    The Natural Soul ***1/2
    Lou Donaldson – Signifyin‘ ***
    Lou Donaldson – Possum Head ***
    In Bologna ***1/2
    Birdseed **

    Jimmy Smith – Cool Blues ****

    Vielleicht auch nachher mehr… In die Lush Life hör ich grad zum ersten Mal rein, ist in der Tat ganz nett, war wohl nicht schlecht, wenn Donaldson mal einen Teil der Verantwortung an jemand ambitionierteres gegeben hat… freche Behauptung, aber vermutlich fand Donaldson einfach sich als Saxophonisten so umwerfend, dass er meinte, viel mehr brauche es nicht für ein großartiges Album… falsch gedacht, da ist mir der Biss von Sonny Stitt (der auch viele solche Alben gemacht hat auf denen eigentlich nur sein Saxophon im Vordergrund steht) erheblich lieber… die Orgelalben sind ja nicht schlecht, aber die werden von den zum Teil grandiosen Rhythmusgruppen gerettet…

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    #7538969  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    Ja, Stitt bietet sich bei mir auch als Vergleich an… böse gesagt als ziemlich genau all das, was Donaldson nicht ist…
    Sein grosser Vorteil war halt, dass er ganz ganz toll Tenorsax spielte… auch beachtlich auf dem Bari, Donaldson blieb ja immer beim Alt, soviel ich weiss, und da ist’s halt schwieriger, sich von Parker zu verabschieden).
    Bei Stitt wird mir eigentlich nie langweilig! Aber einen Sterne-Thread würde ich wohl dennoch nicht hinkriegen, da gibt’s so unendlich viele Alben…

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    #7538971  | PERMALINK

    redbeansandrice

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    gypsy tail windJa, Stitt bietet sich bei mir auch als Vergleich an… böse gesagt als ziemlich genau all das, was Donaldson nicht ist…

    genau, Sonny Stitt auf der einen Seite, Sonny Criss auf der anderen… ist vielleicht eine Frage der Persönlichkeit, Stitt und Donaldson waren/sind ja scheinbar beide mächtig überzeugt von dem was sie machen, aber während Stitt jedes Mal auf die Bühne ging um die Zweifler umzustimmen (der Albumtitel „Just in Case you forgot how bad he really was“ entstand aber erst nach Stitts Tod?), steht Donaldson mehr mit seinem Hütchen auf der Bühne und flötet einem verhalten was vor als wollt er sagen „Mir doch egal wenn du nicht hörst wie super das ist“… diese Einstellung mag ihn irgendwie blockieren… deshalb wirkt auch diese „Versüßlichung“ von Charlie Parker bei ihm ein bißchen ziellos, sind ja keine großen Gefühle, von denen er da erzählen will sondern nur so eitles Gestichel… das hör ich bei Sonny Criss erheblich gelungener, der hat dem etwas süßlichen Ton das passende musikalische Drama zur Seite gestellt hat… (ohne abstreiten zu wollen, dass auch Criss mir ganz ganz gelegentlich auf die Nerven geht oder mich langweilt)

    ein Stitt Sterne-Thread ist schwierig, aber mittelfristig unumgänglich; irgendwie ist er kein richtiger Albenkünstler, vielleicht hat er fast 150 Alben aufgenommen, damit man sich keins davon dutzende Mal anhören muss…

    --

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    #7538973  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    Ja, Stitt hat sich immer wieder mit neuen Leuten umgeben, andere Saxophonisten in der Band gehabt, mal auch was mit ner grösseren Besetzung versucht, auch mal als Sideman aufgenommen etc.
    Das hebt ihn schon ziemlich von Donaldson ab. Und bei Stitts immensem Output gibt’s zwischendurch immer wieder das eine oder andere absolut grandiose Album! Und ich behaupte jetzt mal, wenn er und Donaldson 1955 gestorben wären, auch dann wäre Stitt dank den sagenhaften Sessions mit Bud Powell in die Geschichte eingegangen… die wirklichen Perlen bei ihm kommen aber erst später, z.B. „Tune Up“, „Constellation“ und „12!“ auf Muse, allesamt im Quartett mit Barry Harris, Sam Jones und Roy Brooks/Alan Dawson/Louis Hayes – das sind für mich Sternstunden!

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    "Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #133: Revivals in den 90ern und eine Neuheit aus der Romandie - 14.6., 22:00 | Slow Drive to South Africa, #7: tba | No Problem Saloon, #29: tba
    #7538975  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    Also, nochmal kurz zu den Alben mit Foster/Morrison/Bailey/Barretto: Foster ist für meinen Geschmack insgesamt viel zu schwerfällig (lustig, aber diese Art Klavierspiel finde ich schwerfälliger als Hammond-Orgel!)
    Manchmal passt das jedoch ganz gut zur Musik, und grad die langsamen Blues finde ich sehr, sehr schön! Den schönsten davon finde ich gibt’s grad auf dem ersten Album, das ich auch insgesamt von den ersten dreien das schönste finde. Danach wird’s zu bunt und zu seicht – *** sind wohl sehr auf der positiven Seite! (Mit der Anmerkung, dass ich „Gravy Train“ erst noch wiederhören muss.)

    Das Album mit Gene Harris, LD + 3 finde ich dagegen wieder ein Spur besser, insgesamt ein runde Sache, Harris ist im Vergleich zu Foster ein geradezu luftiger Pianist und das Trio ist schon sehr gut abgestimmt und eingespielt, keine Frage.

    Insgesamt, nach 6 Donaldson-Alben plus den fünf 50er Sessions (Monk hab ich wie gesagt weggelassen beim hören) halte die Musik für ganz hübsch aber ziemlich harmlos. Auf langsamen Blues-Nummern ist Donaldson ganz gut, auch bei einigen Balladen… aber ein grosser Fan werde ich kaum je sein. Mal schauen, wie’s weitergeht… hab ja noch vier Alben vom Mosaic und dann 10 Orgel-Alben vor mir.

    --

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    #7538977  | PERMALINK

    katharsis

    Registriert seit: 05.11.2005

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    Ich habe gerade leider keine Zeit, mich dezidierter zu äußern, aber eines will ich gerne schreiben.
    Ich bin (eigentlich seltsamerweise) schon immer ein „Fan“ der Three Sounds gewesen. Harris, Simpkins und Dowdy sind ja von Lou Donaldson an Blue Note empfohlen worden und durften ja dann konstant bis ans Ende von Blue Note (mit zwischenzeitlichen Aufnahmen auf Mercury) ran. Leider nur noch einmal als Vehikel für einen Bläser, Stanley Turrentine.
    Natürlich sind die Three Sounds absoluter Soul-Jazz, dennoch sind sie beileibe nicht so leicht und harmlos, wie man bei oberflächlichem Hören vermuten mag.
    Harris war ein eloquenter und technisch versierter Pianist, Simpkins und Dowdy haben eigentlich immer den Groove gepachtet, ohne belanglos zu klingen. Was bei Harrs vielleicht etwas enervierend ist, sind seine häufig eingesetzten Triller mit der rechten Hand. Aber ansonsten ein feines, perlendes Spiel.
    „Blue Hour“ mit Turrentine ist wunderbar, „Black Orchid“ das beste der Trio-Alben und „Live at the Lighthouse“ ein trockenes und energiegeladenes Live-Album mit Donald Bailey an den Drums.
    Wenn man ein Album mag, dann mag man irgendwie alle, aber die sind schon mit die besten!

    --

    "There is a wealth of musical richness in the air if we will only pay attention." Grachan Moncur III
    #7538979  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    Ich glaub das sind so ziemlich genau alle Three Sounds Sessions, die ich kenne (plus das eine Stück mit Ike Quebec, auf dem Harris Orgel spielt).

    „Blue Hour“ hab ich schon ewig nicht mehr gehört – es ist ein perfektes late night Album (aber nicht für redbeans‘ hibbelige late night Hörstunden, sondern für die faulen…), aber irgendwie fand ich’s doch immer ein wenig „underwhelming“… muss ich mal wieder hervorsuchen. Gab ja in der Connoisseur-Serie die Doppel-CD, wo auch noch eine frühere Session von Mr. T und den Three Sounds drauf ist.

    Die Three Sounds haben auch auf dem sehr schönen Nat Adderley Album „Branching Out“ gespielt, wo v.a. Johnny Griffin glänzt. Allerdings scheinen sie mir da nicht ganz die geeignete Rhythmusgruppe zu sein.

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    #7538981  | PERMALINK

    katharsis

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    „Blue Hour“ passt tatsächlich sehr zu einem entspannten Abend, an dem man nicht viel vor hat und das Gehirn nicht mit komplexen musikalischen Strukturen belästigen will. Ich mag die Scheibe aber recht gerne und habe auch die Schwester-Session irgendwo.
    Die Vier versuchen irgendwo eine kühle, entspannte Grundstimmung zu erzeugen, was möglicherweise das „underwhelming“ erzeugt hat.
    Das selbe trifft auch auf den meisten Kram von Lou Donaldson zu, welchen er bis Mitte der 60er eingespielt hat. Ich hab‘ mir heute nochmal „Blues walk“ und dann „Gravy Train“ angehört. Das, was bei der ersten Session gut funktioniert ist bei der zweiten langweilig. Auf „Blues walk“ finde ich insbesondere die Hinzunahme von Ray Barretto geglückt, während sich seine rhythmischen Figuren auf „Gravy Train“ stark wiederholen. Foster finde ich nicht unpassend, da er den Tracks das Blues-feeling zu geben versucht. Da „Blues walk“ von der Konzeption in meinen Augen als schwereres Album konzipiert wurde, passt er ganz gut. Seine Vorstellung insgesamt ist als solide einzuschätzen. Parlan konnte bei Donaldson sicherlich mehr herausholen.

    Aus gegebenem Anlass:

    Blues walk: ***1/2
    Sunny side up: ****
    Gravy Train: **1/2
    Here ‚tis: ***1/2

    --

    "There is a wealth of musical richness in the air if we will only pay attention." Grachan Moncur III
    #7538983  | PERMALINK

    katharsis

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    Nun noch etwas zu den Three Sounds. Mir fällt es schwer, zusätzlich zu den genannten Alben Aufnahmen besonders herauszugreifen. Alle zeigen doch irgendwie den selben Grundtenor, ohne sich deswegen aber zu wiederholen.
    „Vibrations“ ist vielleicht das tanzbarste, was auch am Orgeleinsatz bei „The Frown“ liegt. „Out of this world“ hat ein Programm mit etlichen unbekannteren Standards, die aber sehr frisch aufbereitet werden, ähnlich wie bei „Feelin‘ good“ mit bekannteren Stücken. Sehr schön ist die Platte mit Anita O’Day. Die passen gut zusammen.
    Und ich mag „Soular Energy“ sehr gerne, ein Ray Brown Trio-Album mit Gene Harris am Klavier!

    „Branching out“ kenne ich gar nicht. Offenbar gibt es auch Aufnahmen mit Lester Young und Sonny Stitt.

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    #7538985  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    Na ja, ich hab ja jetzt Swing and Soul, Blues Walk und Light-Foot angehört und fand die Tendenz da recht klar abwärts… also das erste fand ich noch ganz hübsch, bei Blues Walk fand ich vieles schon schlechter gemacht (dasselbe Schema mit langsamem Blues, Balladen, etc) und bei Light-Foot fand ich’s dann ziemlich langweilig. Ich könnte den dreien wohl auch *** und dann zweimal **1/2 geben.

    Von Harris hab ich noch diese Rare Groove CDs, die vom allerallerletzten „batch“, „Elegant Soul“ und „Soul Symphony“ – die fand ich beide ziemlich gut, aber hätte sie wohl nie gekauft, wenn nicht der Preis gut gewesen wäre…

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    #7538987  | PERMALINK

    katharsis

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    Die späteren (hauptsächlich vom Funk infizierten) Sachen von den Sounds machen mich weniger an. Ich finde auch „Coldwater flat“, von Oliver Nelson arrangiert ziemlich seicht. Aber ich kenne nur recht wenig nach der „Lighthouse“-LP.

    Vom „Elegant Soul“ Album gibt es eine wunderbare Madlib-Version von „Book of slim“.
    Das Video dazu ist ebenfalls super:
    http://www.youtube.com/watch?v=py59JkBoqew

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    #7538989  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    Hab jetzt die Piano-Alben fertig besternt. Eher auf der grosszügigen Seite, übrigens… ist schon ein wenig „too much of the same“ insgesamt, aber die Sessions mit Horace Parlan sind eine Erholung nach all dem Gehämmere von Foster! Und das Album mit Hardman hat mir beim wiederhören (nach vielen Jahren!) einiges besser gefallen, als ich das in Erinnerung hatte.

    Jetzt mach ich mal mit den Orgel-Alben weiter… muss lesen und schreiben dieses Wochenende, da bietet sich solche Musik an :-)

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    #7538991  | PERMALINK

    katharsis

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    Ich sage ja, dass „Sunny side up“ sein bestes Album ist! Mehr will ich dann auch gar nicht :lol:

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    #7538993  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    katharsisIch sage ja, dass „Sunny side up“ sein bestes Album ist! Mehr will ich dann auch gar nicht :lol:

    Nö, „Here ‚tis“ und „Natural Soul“ sind besser :-)

    Und erstaunlicherweise finde ich „Good Gracious“ (bin damit jetzt grad halb durch) heute ganz ganz toll! (Fand die bisher immer ein wenig langweilig.)
    Glaub es hat geholfen, mich durch die Foster/Conga-Alben zu kämpfen, um die Orgel-Alben mal wieder richtig schätzen zu können ;-)

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