Literarische Begegnungen (Lesungen)

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  • #10320241  | PERMALINK

    ford-prefect
    Feeling all right in the noise and the light

    Registriert seit: 10.07.2002

    Beiträge: 4,934

    henne@ford-prefect:
    Vielen Dank für den schönen Text zur Lesung Robert Forsters mit Maik Brüggemeyer. Forster ist demnächst in meinem Wohnort zu Gast; nehme mir vor, hier auch etwas davon zu berichten

    Danke. Ja, gerne, dieser Thread steht natürlich jedem frei zur Verfügung. Da bin ich ja mal gespannt.

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    "The first German word I'v learned in Germany was 'verboten'. Signs everywhere with 'verboten'. Verboten, Verboten, Verboten. In Germany everything seems to be verboten." (Buzz Osborne / The Melvins, Zoom-Club, Frankfurt/Main, 6.10.2015)
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    #10320291  | PERMALINK

    henne

    Registriert seit: 20.07.2016

    Beiträge: 402

    Ich habe Forster ein paar Mal Anfang der 1990er Jahre in seiner Regensburger Zeit getroffen; ein Bekannter von mir arbeitete seinerzeit in der Regensburger GOVI Filiale und war den Go-Betweens schon in den 80ern hinterhergereist, wenn sie auf Tour waren. Mein Bekannter war Leadsänger einer Band namens Baby you know ; bei ihm wohnte Forster dann auch einige Zeit und seine Frau, die ja aus der Gegend stammt, spielt, zusammen mit Forster, auch auf dem zweiten Baby you know –Album  Clear water. 

    Die Band probte einige Zeit lang auch in einem Raum über einer Kneipe in Regensburg und ich hockte mich hin und wieder gerne dazu.. insofern freut es mich besonders, Forster nach etlichen Jahren auf diese Weise nun mal wieder live zu sehen. Der frühe Tod Grant McLennans hat mich damals natürlich auch schwer getroffen…

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    #10320341  | PERMALINK

    ford-prefect
    Feeling all right in the noise and the light

    Registriert seit: 10.07.2002

    Beiträge: 4,934

    Ah, ein Insider, cool. ;-) Dann könntest du ja glatt zwischendurch mit auf die Bühne kommen und von Forsters Regensburger Zeit berichten, aus deiner Sicht.

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    #10320365  | PERMALINK

    thokei

    Registriert seit: 09.07.2002

    Beiträge: 6,011

    henne Mein Bekannter war Leadsänger einer Band namens Baby you know ; bei ihm wohnte Forster dann auch einige Zeit und seine Frau, die ja aus der Gegend stammt, spielt, zusammen mit Forster, auch auf dem zweiten Baby you know –Album Clear water.

    Die Sängerin von „Baby you know“ ist seit diversen Jahren die Ehefrau von RF und beide leben in Brisbane btw…

    Habe die Lesung in Hamburg leider verpasst. War aber auch schon Wochen vorher ausverkauft und ich zu der Zeit dann leider krank. Lese momentan das Buch und es bereitet viel Freude.

    zuletzt geändert von thokei
    #10343185  | PERMALINK

    ford-prefect
    Feeling all right in the noise and the light

    Registriert seit: 10.07.2002

    Beiträge: 4,934

    Dietmar Dath – Ernst-Bloch-Zentrum, Ludwigshafen/Rhein, 7.12.2017

    Vor mir gewährt eine riesige Glasplatte im Fußboden einen Blick in das ehemalige Arbeitszimmer des 1977 verstorbenen Philosophen Ernst Bloch. Im darunterliegenden Stockwerk. Eine wenig ergiebige Lesung dennoch. Was will Science-Fiction-Literatur? Sie unternimmt mannigfaltige Was-wäre-wenn?-Gedankenspiele in Bezug auf die bevorstehende Zukunft. Oder wie Gegenwart und Zukunft verlaufen könnten, wenn man die Vergangenheit manipuliert. Spekulative Literatur also. In seinem vor einem Jahr erschienenen Roman „Venus siegt“ berichtet Schriftsteller Dietmar Dath, der Filmredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ist („Von Montag bis Freitag in der Redaktion, und sogar sonntags, am Montag wollen die Leute auch Zeitung lesen“), über eine sozialistische Diktatur auf dem Planeten Venus in ferner Zukunft. Wo Menschen, Roboter und Netzintelligenzen gleichberechtigt miteinander leben. Als Utopie oder Dystopie? Bei diesen beiden Begriffen möchte sich Autor Dietmar Dath, wie der 47-Jährige auf Nachfrage erklärt, nicht festlegen.

    Zwischen 1998 und 2000 war Dath Chefredakteur der Spex. „Ich lese nicht aus dem Buch, sondern aus Voraussetzungen und Folgen zu diesem Buch“, schildert Publizist Dietmar Dath, der 50 Minuten lang Absätze, Vorträge und Zitate vorliest (darunter ein Essay von Deng Xiaoping mit dem Titel „Achtet Wissen, achtet Fachkräfte“), in einem Cut-up-Monolog, wobei abgelesene weiße Blätter neben ihm zu Boden sinken. Zu allem Überfluss sitzt in meiner Stuhlreihe links von mir mein alter Religionslehrer. Lose Textstücke aus den vergangenen 15 Jahren des Dath’schen Schaffens bekommen wir zu hören, die in „Venus siegt“ münden.

    Bisweilen sperrig und wenig zugänglich. Eigensinnig und assoziativ. „Es war keine Lesung, sondern eine Schreibung“, fasst Dath, dem wir den 2008 erschienenen Bestseller „Die Abschaffung der Arten“ verdanken, nach der Veranstaltung zusammen. Ringsherum unter den 18 Besuchern ernste bis wissende Gesichter. „Wenn einen Karl May anlügt, gibt es zumindest doch Amerika“, weiß Dath. Und holt aus: „Marx und Lenin reden dauernd über Fabrik, Hitler über Wölfe.“ Und ergänzt frei: „Erst durch die Arbeitsteilung werden wir Individuen. Zehn Personen auf zehn Inseln sind ja gleich: Da ist die Kokosnuss, der Unterstand und das Raubtier.“ Ah ja.

    zuletzt geändert von ford-prefect

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    #10373985  | PERMALINK

    ford-prefect
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    Walter Sittler spielt Erich Kästner „Als ich ein kleiner Junge war“ – CongressForum, Frankenthal/Pfalz, 12.1.2018
    Szenische Lesung mit Musik

    Für den Schriftsteller Erich Kästner seien schön verfasste Vorworte in seinen Büchern „so hübsch wie der Vorgarten für ein Haus“ gewesen. „Ja, ich hab auch schon Bücher mit zwei und sogar mit drei Vorworten zustande gebracht! Und auch wenn es eine Unart sein sollte – ich werde mir’s nicht abgewöhnen können“, zitierte Schauspieler Walter Sittler, der von 1997 bis 2005 in der RTL-Arztserie „Nikola“ den Dr. Robert Schmidt gab, freistehend aus Kästners Kindheitserinnerungen „Als ich ein kleiner Junge war“. Nachdem Sittler seinen hellen Mantel samt schwarzen Regenschirm und Hut aufgehängt hatte.

    Mit einer Band bestehend aus Klavierspieler, Kontrabassist, Bläsern und Schlagzeuger erweckte Charakterdarsteller Walter Sittler die Kästner’sche Autobiographie, seine frühen Jahre, zu neuem Leben. Auf der Bühne im vollen Frankenthaler CongressForum, wo sonst das SWR-Fernsehen alljährlich die Große Fernsehprunksitzung der Vereinigung Badisch-Pfälzischer Karnevalvereine überträgt. Mit einer eindringlichen Intensität, wozu sicher nur ausgebildete Sprecherstimmen fähig sind. In seinem erstmals 1957 erschienenen Memoiren widmet Kästner seiner geliebten und aufopferungsvollen Mutter viele beschreibende Seiten. Fürsorglich bis zur Selbstaufgabe sei seine Mutter gewesen. Zur Welt kam Erich Kästner, als einziger Sohn der Eltern Emil und Ida Kästner, am 23. Februar 1899 in Dresden. Dort seien die Prager Straße und die Königsbrücker Straße seine Heimat gewesen. „Ich bin noch mit der Pferdebahn gefahren. Der Wagen lief schon auf Schienen, aber er wurde von einem Pferde gezogen, und der Schaffner war zugleich der Kutscher und knallte mit der Peitsche“, schilderte Schauspieler Walter Sittler. Völlig in seiner Rolle aufgehend. Als Heranwachsender war Erich Kästner froh über den Umstand gewesen, ein Einzelkind zu sein. Bloß an Weihnachten schmerzte es den späteren Weltautor, keine Geschwister zu haben.

    Wie ein aus der Zeit gefallenes Sittengemälde wirken die Kindheitserinnerungen „Als ich ein kleiner Junge war“ im Jahre 2018. Je mehr Geld man damals verdiente, umso tiefer zogen die Familien, Etage um Etage, im Mietshaus nach unten. Betuchte Leute wohnten im Erdgeschoss und mussten die Kohlen zum Heizen der Wohnung nicht die Treppe hinaufschleppen. Ärmere Menschen bewohnten ganz oben eine Mansarde unter dem Dach. „Damals gab es noch »höhere« Töchter! So nannte man Mädchen, deren Väter adlig waren oder eine Menge Geld verdienten […] An vornehmen Haustüren stand »Eingang nur für Herrschaften« […] Höhere Töchter und bessere Herrschaften gibt es allerdings auch heute noch. Sie heißen nur nicht mehr so. Es steht nicht mehr auf Schildern“, trug Schauspieler Walter Sittler vor. In Dresden befindet sich in der ehemaligen Villa des Onkels von Kästner mittlerweile ein Erich-Kästner-Museum.

    zuletzt geändert von ford-prefect

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    #10382637  | PERMALINK

    ford-prefect
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    Georg Stefan Troller – Deutsch-Amerikanisches Institut, Heidelberg, 21.1.2018

    Wie viel Erfahrung, Erlebnis und Erkenntnis passen in ein einziges Leben? Während seines lebensprallen Werdegangs konnte TV-Journalist und Dokumentarfilmer Georg Stefan Troller, selbst Jahrgang 1921 und somit einer der letzten Zeitzeugen des Zweiten Weltkrieges, fast 1500 Interviews führen. Darunter Gespräche mit Menschen wie Comic-Zeichner Robert Crumb, Boxsportler Muhammad Ali, Sex-Filmer Russ Meyer und Underground-Poet Charles Bukowski. Im Deutsch-Amerikanischen Institut in Heidelberg las Schriftsteller Georg Stefan Troller aus seinen drei Büchern „Mit meiner Schreibmaschine„, „Unterwegs auf vielen Straßen“ und aus dem reich mit Fotografien bebilderten „Ein Traum von Paris“ vor. Nicht zum ersten Mal war Troller im DAI zu Gast.

    Einen „Menschenforscher“ nannte ihn mal die Wochenzeitung Die Zeit. Vor allem ältere Generationen kennen ihn noch als Fernsehreporter der ARD-Sendung Pariser Journal. Oder von der TV-Sendung Personenbeschreibung her. Wenn sich Georg Stefan Troller daheim in die Rolle des Autors begibt, dann tippt der 96-Jährige, der erstaunlich klar und vital wirkt, auf seiner Schreibmaschine. In Gesellschaft seines Katers, wie Troller erzählte. In dem vorgetragenen Kapitel „Sprache in der Emigration“ verglich der gebürtige Wiener einen Heimatverlust mit Identitätsverlust. Kulturschaffende wie Thomas Mann gingen einst ins amerikanische Exil auf der Flucht vor dem Dritten Reich. „Durfte man weiterschreiben und dichten in der Sprache seiner Vertreiber, seiner Mörder? Genau mein Problem“, überlegte Gastredner Troller. „Die Sprache, an der man sich allzu oft mehr bedient als ihr zu dienen, beginnt sich an ihrem Dompteur zu rächen.“ Sprache sei „mehr als ein System von Zeichen“ zur Kommunikation: Nämlich geprägt von Sinnlichkeit, Musikalität und Subtext. Darüber hinaus erzählte Georg Stefan Troller, ein ehemaliger US-Soldat im Bereich „Gefangenen-Vernehmungen“ mit jüdischen Wurzeln, davon, wie der Filmemacher zur Zeit der deutschen Besatzung das nächtliche Paris erkundet habe. Mit schlechtem Schuhwerk. „Auf diese Weise lernte ich ein Paris kennen, das längst verblichen ist und lediglich noch in Andeutungen existiert“, kommentierte der 96-Jährige. Immer auf der Hut vor der damaligen Sperrstunde. „Wer nicht um Schlag zehn in seinen vier Wänden saß, konnte von der Streife gefasst werden“, schilderte Troller. Oder der Gestapo in ihren braunen Ledermänteln in die Hände fallen.

    Mit einer Stunde war die Lesung etwas kurz. Andererseits muss man auch Rücksicht auf das Alter des Gastredners nehmen.

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