Kris Kristofferson, Hamburg, 11. März 2007

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  • #42023  | PERMALINK

    sonic-juice
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    Registriert seit: 14.09.2005

    Beiträge: 10,983

    Es folgt mein kleiner Bericht von Kris Kristofferson’s Auftritt im Deutschen Schauspielhaus vom vergangenen Sonntag. (bitte keinen Feinschliff erwarten, ich tippe das jetzt einfach mal so runter…)

    Das Publikum war angenehm durchmischt, alters- wie auch klamottentechnisch, es überwog aber doch der kultivierte, gediegene Auftritt, was wohl schon durch das Ambiente und insbesondere die Ticketpreise bedingt war. Ein paar Cowboyhüte waren allerdings auch zu sehen (naja, sollte man die nicht im Saal zumindest vom Kopf nehmen, schon aus Rücksicht vor dem, der hinter einem sitzt?). Ob die Herren von Truck Stop auch da waren, kann ich nicht sagen, jedenfalls wurden Volker Lechtenbrink und Gunter Gabriel gesichtet.

    Kristofferson spielte solo, die Songs begleitete er recht spartanisch mit einfachen Akustikgitarren-Akkorden und ab und zu ein wenig Mundharmonika, wie auch auf dem aktuellen Album „This old road“ zu hören. Somit klang es eher nach Folk denn Country. Sein Mundharmonikaspiel kommentierte er selbst mit „Well, I’m not Bob Dylan, but that’s all I got“. Auch Das Gitarrenspiel war teils recht fahrig-schludrig, wie er auch manche Songs nicht mal ordentlich beendete, sondern einfach mehr oder weniger unvermittelt abbrach, wenn die letzten Zeilen gesungen waren. Das machte aber erstaunlicherweise gar nichts aus, vielmehr vermochte Kris es oft, gerade mit diesen fragilen und transparenten Rohfassungen den Kern der Songs freizuschälen und auf den Punkt zu bringen. Ferner hatte man somit nie den Eindruck, einer durchgeplanten Show beizuwohnen, alles blieb unmittelbar, rauh, spontan, aus dem Augenblick geschöpft. Ich bin mir auch gar nicht so sicher, was eigentlich die Größe des Abends ausmachte, die Lieder selbst, oder doch eher das Ereignis, Kris Kristofferson diese legendären Stücke aufführen und kommentieren zu sehen, so wie er sie vielleicht auch vor dem Kamin seinen Kindern vorspielt.

    Das etwa 2-stündige Programm (zwischendurch gab es eine viertelstündige Pause) bestand erfreulicherweise aus fast sämtlichen Songs seiner ersten beiden Alben, einigem von seinem übrigens sehr freundlich aufgenommenen neuen Werk, und noch ein paar anderen Songs, zB auch „Jesse Younger“ oder das wunderschöne „Come Sundown“. Schon die Songauswahl allein garantierte, dass ich selig war. Mit „The Best Of All Possible Worlds“,Casey’s Last Ride“, „Darby’s Castle“ zB hätte ich nicht unbedingt gerechnet, umso glücklicher war ich, sie zu hören.

    Kris war augenscheinlich sehr angetan von dem überaus herzlichen Empfang, euphorisches Klatschen war die Regel, und auch von der edlen Atmosphäre des Schauspielhauses. Er flocht immer wieder Anekdoten zu den Songs ein, teilweise kommentierte er einzelne Zeilen auch direkt während des Songvortrags, etwa bei „Best Of all Worlds“, dass die Zeiten von „there’s still so many lonely girls“ nun auch schon einige Jahre vorbei seien. Je nachdem, ob die Songinhalte auch noch für den heutigen Kristofferson eine Bedeutung hatten, spielte und sang er sie auch unterschiedlich enthusiastisch und konzentriert, „ For the good times“ war da eher pflichtschuldig durchexerziert, „To Beat the Devil“ hingegen als Monument der Zeiten, in denen er sich noch ohne nennenswerte Erfolge als Nashville-Songwriter durchschlug, war schlichtweg umwerfend intensiv (mein Favorit des Abends und, jawohl, ich gebe es zu: Gänsehaut galore). Insbesondere bei den Songs des neuen Albums merkte man, dass er hinter jeder einzelnen Zeile steht und er sein Herz ausschüttet, nicht nur bei den erwartbaren Kommentaren zur US-Politik, sondern auch gerade wenn er sich in einer Anekdote oder in einem Songtext vor seinen geliebten Idolen und Freunden wie Mickey Newbury, Johnny Cash, Roger Miller oder Willie Nelson verbeugt.

    Am Ende faszinierte mich mehr noch als der Vortrag der Songs wohl die Person Kristofferson. Ein Mann mit berührendem Charme und überwältigendem Charisma, selbst schon Teil der Musikgeschichte, spielte er ohne jeglichen Begleitschutz, ohne Effekthascherei und musikalische Finessen, mit brüchiger Stimme, völlig unprätentiös und voller Dankbarkeit und Herzlichkeit seine Lieder für sein Publikum. Für mich war es, auch wenn das jetzt kitschig klingen mag, wirklich eine Bereicherung und Inspiration, solch einen Künstler, den ich zu meinen größten musikalischen Helden zähle, an einem solchen Abend erleben zu können.

    PS: Noch weitaus schöner wäre es gewesen, wenn der geschätzte Forumskollege Bullitt auch vor Ort gewesen wäre. Der Arme war aber leider ans Bett gefesselt. Ich hoffe, wir können gemeinsames Bier und Konzertbesuch baldigst mal nachholen! This article is dedicated to you, buddy! ;-)

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    #5616043  | PERMALINK

    bullitt

    Registriert seit: 06.01.2003

    Beiträge: 19,664

    Sonic Juice
    PS: Noch weitaus schöner wäre es gewesen, wenn der geschätzte Forumskollege Bullitt auch vor Ort gewesen wäre. Der Arme war aber leider ans Bett gefesselt. Ich hoffe, wir können gemeinsames Bier und Konzertbesuch baldigst mal nachholen! This article is dedicated to you, buddy! ;-)

    Danke dir, Sonic! Ja, wenn ich das hier so lese wird mir ganz schwer ums Herz und das nur am Rande wegen der 80 € für das Ticket, die ich in den Sand gesetzt habe, wäre wirklich unglaublich gerne dabei gwesen. Seitdem du mich Mitte letzten Jahres auf Kristofferson gebracht hast, ist er aus meinem musikalischen Horizont nicht mehr weg zu denken. Das gilt natürlich insbesondere für die ersten beiden Platten, mit denen er ja wohl auch das Gros seiner Show füllte. Dein Bericht liest sich jedenfalls so, dass ich hoffe, ihn frühr oder später auch nochmal von Angesicht zu Angeicht erleben darf. Unser nächstes Konzerterlebnis lässt aber hoffentlich nicht ganz so lange auf sich warten :wave:

    http://www.youtube.com/watch?v=LuA1s2eXAuU

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    #5616045  | PERMALINK

    amadeus

    Registriert seit: 04.12.2003

    Beiträge: 10,738

    @sonic. Schön beschrieben. Dieses Konzert hätte mir auch gefallen. Einer der ganz großen Singer-Songwriter.

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    Keep on Rocking!
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