Startseite › Foren › Kulturgut › Das musikalische Philosophicum › Kann man zu viel – gute – Musik hören?
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AutorBeiträge
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Sehr richtig! Keine Hülle, kein Cover, keine Linernotes und nicht zu vergessen kein Tonträger macht Musikhören nicht unbedingt schlechter, aber doch irgendwie ein wenig „minderwertiger“. Wenn man nicht mühsam eine Schallplatte aus der Innenhülle eines Foldout-Covers reißen muss oder (wenn auch ein bisschen langweiliger) nicht die CD aus der Hülle nehmen kann, ohne auf einen häßlichen Rohling zu schaun, machts nicht ganz soviel Spaß…
Äh, und man kann nicht zu viel gute Musik hören, aber die gleiche Platte zu lang zu oft hintereinander. Ging mir mal mit Led Zeppelin so. Hab nur das gehört, irgendwann wollt ich dann gar nichts mehr von denen wissen. Hat sich aber wieder geändert, hör jetzt wieder viel Led Zeppelin, aber auch viel anderes.--
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WerbungZeppelin…Äh, und man kann nicht zu viel gute Musik hören, aber die gleiche Platte zu lang zu oft hintereinander
Genau so ist es!:)
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Jetzt schon 62 Jahre Rock 'n' RollHm, die Art des Konsums wechselt. War ich eine zeitlang ein mp3 Junkie, so habe ich jetzt wieder Abstand genommen und kaufe.Selbst bei einer CD Sammlung von ca. 3000 Cd´s und einem mp3 Volumen von ca. 120 GB bin ich wie ein gehtztes Tier nach Neuem und ich finde immer wieder etwas. Das nennt man Sucht.
Ich brauch das. Ebenso ändern sich meine Vorlieben und ich tauche dann in die neue Sphäre ein. Hörte ich eine Zeitlang amerikanische Jam-Band so hatte ich dann wieder meine Jazz Phase wechselte dann nach einigen Monaten wieder in den Blues Rock, Southern Rock, Singer-Songwriter. Im Momnet höre ich, zu meiner Verwunderung, wieder ausgiebig englische Gruppen. Mal schauen was danach kommt!!!!!--
Music is like a river, It's supposed to flow and wash away the dust of everyday life. - Art Blakeybei mir kommt es selten vor das ich keine lust mehr auf gute musik habe.
es ist eher umgekehrt. es gibt viel zu viel gute/interessante musik und ich komme mit dem höhren nicht nach.--
Look out kid You're gonna get hitIch kenne das wenn man zu viel musik gehört hat. Bei mir sind die ohren dann so überanstrengt, dass ich gar nicht mehr richtig hinhöre. Ich lese dann meistens oder gucke ein bisschen TV. Manchmal höre ich auch zwei drei Tage keine Musik. Danach freu ich mich schon wieder auf dir musik und überleg erstmal ne halbe stunde welche PLatte ich dann als erstes höre.
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SHIT HAPPENS! Take it how it is! SteadyzerrexVielleicht beschreibe ich kurz mein Problem:
Bin seit einem Jahr selbständig und sitze den ganzen Tag bei mir im Laden vor dem PC. Habe auf der Festplatte ca. 15.000 mp3s (natürlich alle legal erworben…).
Habe mich anfangs tierisch gefreut endlich Musik zu hören! Meine Musik! Den ganzen Tag lang was ich will und so laut ich will! Habe jetzt aber alles x-mal gehört, vorwärts und rückwärts und querbeet.
Nun hat sich bei mir eine gewisse Routine eingestellt, selbst meine persönlichen Klassiker fangen an mich zu langweilen. Ich ertappe mich sogar manchmal dabei gefallen an Musik zu finden – bei der ich auf keinen Fall will dass sie mir gefällt! – nur weil sie für mich noch neu und unverbraucht ist.
Kennt ihr das Problem des Über-hörens? Sollte man sich vielleicht einfach mal selber auf Entzug setzen? Oder mal eine richtige „schöne“ Volksmusik-Woche einlegen um wieder Lust auf Qualität zu bekommen?
MP3-GEJAMMER
Die unerträgliche Leichtigkeit der Files
Von Christian Stöcker
Von diesem Schlag wird sich die MP3-Kultur nicht so schnell erholen. Wissenschaftler und Superstars der siebziger Jahre sind sich einig: Songs in Fileform sind Teufelszeug, MP3-Player musikalische Liebestöter und Ohrenschinder. Sogar Studien gibt es schon.
Früher war alles besser. Kulturell zum Beispiel: Es gab keine fernsehfabrizierten „Superstars“, keine verdorbenen Kindergartenclowns die als „Comedians“ firmierten, keine kostenpflichtigen Rülpsgeräusche für Handys. Früher, meinen zumindest ein paar britische Forscher, wurde Kultur noch mit Liebe gemacht und auch mit Liebe konsumiert. Musik zum Beispiel.
„Im 19. Jahrhundert wurde Musik als wertvoller Schatz mit grundlegenden und fast mystischen Kräften zur menschlichen Kommunikation betrachtet: Sie wurde in klar definierten Kontexten erlebt, und ihr Wert stand in unmittelbarem Bezug zu diesen Kontexten“, sagt der Musikpsychologe Adrian North von der University of Leicester. Heute, sagt North, ist es damit vorbei. Schuld daran sei Steve Jobs.
Nicht Steve Jobs direkt und allein. Aber all die großen und kleinen Steve Jobs dieser Welt, die unbedingt Musik über das Internet verkaufen und in winzige Plastikquader hineinstopfen und von da aus direkt in die bemitleidenswerten Gehörgänge der Jugend von heute schleusen wollen. Die MP3-Player-Mafia gewissermaßen. Die Musikdigitalisierer. Die Saugdienstleister. „LEISER!“, schreit übrigens auch The-Who-Gitarrist Pete Townshend – aber davon später.
Nochmal North: „Weil Musik unterschiedlichster Arten und Genres jetzt so weithin verfügbar ist, über tragbare MP3-Player und das Internet, lässt sich argumentieren, dass die Menschen Musik jetzt viel stärker aktiv in alltäglichen Hör-Kontexten nutzen als je zuvor.“ Schlimmer noch, „die Hörkontexte entscheiden am Ende über den Wert, den die musikalische Erfahrung für den jeweiligen Zuhörer hat.“
Da hat er recht!
Teufel noch mal, Mr. North, das stimmt. Das Eurodisco-Gefiepe, dass ich in irgendwelchen Schuhgeschäften über mich ergehen lassen muss, nervt mich manchmal auch ziemlich. Gut, wenn man dann einen MP3-Player dabeihat, der einem ein bisschen alternativen musikalischen Erfahrungswert zur Verfügung stellt. Oder habe ich das falsch verstanden? „Der Grad der Verfügbarkeit und Auswahlmöglichkeiten hat jedoch zu einer eher passiven Einstellung zu Musik geführt, die man im Alltag hört“, sagt North. Um das mal zu übersetzten: Die Wissenschaftler finden, wir lieben Musik einfach nicht mehr genug. So unerträglich leicht verfügbar darf Sound nicht sein.
North und sein schlagkräftiges Forscherteam haben 346 Menschen zwei Wochen lang jeden Tag eine SMS geschickt. Die Telefonbesitzer mussten dann jedes Mal einen Fragebogen ausfüllen, in dem sie unter anderem angaben, was für Musik sie gerade hörten, und welche sie seit der letzten Forscher-SMS gehört hatten. Die verblüffenden Resultate: Die Leute hörten ziemlich viel Musik, oft auch allein, und meistens war es „Pop“ – was immer North und seine Leute darunter verstehen. Die Musik gefiel ihnen unterschiedlich gut, je nachdem, wo sie sie hörten, und ob sie sich ihren Soundtrack selbst ausgesucht hatten. So weit, so sensationell.
Manche hören Musik beim Bügeln. Skandal!
Jetzt aber kommt die Crux: Viele Leute machten noch irgendetwas anderes, während sie Musik hörten. Zum Beispiel: Bügeln, abspülen, Briefmarken in Alben kleben, Häkeln, Zwiebeln schneiden. Meistens hörten die Leute nämlich zu Hause und abends Musik. Nur „eine geringe Anzahl der Fälle“ trug sich in der Öffentlichkeit zu.
Trotz alledem leiten North und seine Musikologen aus ihren Resultaten die Behauptung ab, dass unser Musikkonsum heutzutage „nicht mehr notwendigerweise durch eine tiefe emotionale Investition gekennzeichnet ist.“
Ganz abgesehen davon, dass auch ein, sagen wir mal, angeheiterter Minenarbeiter im Sheffield des 19. Jahrhunderts dem Fiedelspieler in seinem Pub nicht notwendigerweise mit tiefer emotionaler Hingabe gelauscht hat – was, bitteschön, hat das alles mit MP3-Playern und Musikdownloads zu tun? Radios haben die Leute seit den zwanziger Jahren zu Hause stehen, Plattenspieler noch länger. Der erste Walkman kam 1978 auf den Markt.
Und da kommt The Who ins Spiel
In diesem Jahr starb übrigens auch Keith Moon, der legendäre Schlagzeuger von The Who, an einer Überdosis Pillen – für viele Fans das endgültige Ende der Band. Frontmann Pete Townshend hörte zu diesem Zeitpunkt vermutlich schon ziemlich schlecht, weil er bereits viele Jahre lang neben vorsätzlich bis zum Anschlag ausgereizten Lautsprechertürmen Gitarren zertrümmert hatte.
Inzwischen aber hat der Rock-Gott andere Sorgen. „Wenn Sie einen iPod oder so etwas benutzen, oder ihr Kind, KÖNNTEN sie Glück haben … Aber meine Intuition sagt mir, dass entsetzliche Probleme auf Sie zukommen.“, schrieb Townshend auf seiner Webseite. Er sorgt sich, kein Witz, ums Gehör der Jugend.
Eine verblüffende Warnung aus der Feder eines Mannes, der selbst fast taub ist, dessen Band in den Siebzigern jahrelang als lauteste Band der Welt im Guinness-Buch stand, (und deren Musik übrigens dennoch von Vielen als „wertvoller Schatz mit grundlegenden und fast mystischen Kräften“ betrachtet wurde – und das im 20. Jahrhundert!). Zur Erinnerung: Der erste Walkman kam … aber das hatten wir schon.
Was uns diese Meldungen jedenfalls sagen: Es geht wieder los. Die Rocker von damals, die Musik-Besserwisser und „Meine Bands sind cooler als deine Bands“-Menschen aus den Siebzigern sind alt genug, um Studien zu organisieren oder Blogeinträge zu schreiben, die der Welt verdeutlichen sollen, dass früher alles besser war. Dass MP3s keine richtige Musik mehr sind. Dass sie die Ohren kaputtmachen und der Musik die Seele rauben.
Die Linie der Pop-Bewahrer verläuft jetzt von den „Gitarren-und-echter-Schweiß“-Verfechtern über die Vinylfetischisten bis hin zu den CD-Käufern, die jetzt – endlich! – wenigstens auf die MP3-Sauger herabblicken dürfen. Weil denen ja nun wirklich ganz offensichtlich wirklich die Leidenschaft fehlt. Wissenschaftlich erwiesen. Fragen sie Mr. North.
http://www.spiegel.de/netzwelt/netzkultur/0,1518,394760,00.html
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Captain Beefheart to audience: Is everyone feeling all right? Audience: Yeahhhhh!!! awright...!!! Captain Beefheart: That's not a soulful question, that's a medical question. It's too hot in here.Zuviel wird es auf jeden Fall, wenn ich anfange, Musik für wichtig zu halten, und andere Sachen vernachlässige.
Ansonsten merke ich schon, dass ich von Zeit zu Zeit zu viel Musik nebenbei höre. Spätestens dann ist bewusste Stille etwas ganz Wunderbares.
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Malibu
Ansonsten merke ich schon, dass ich von Zeit zu Zeit zu viel Musik nebenbei höre. Spätestens dann ist bewusste Stille etwas ganz Wunderbares.
ja! das ist so schön geschrieben – diese worte sind wirklich etwas Wunderbares
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Hallo Beatlebum,man kann auch Musik hören beim lesen dieser Zeilen
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Malibu. dann ist bewusste Stille etwas ganz Wunderbares.
Du sprichst mir aus der Seele.
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Das gelegentliche bewusste Abschalten unterscheidet die Zuhörer von den Konsumenten.
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Wenn wir schon alles falsch machen, dann wenigstens richtig. -
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