john lenwood "jackie" mclean

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  • #7975531  | PERMALINK

    soulpope
    "Ever Since The World Ended, I Don`t Get Out As Much"

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    gypsy tail windDone!

    :bier: ….

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    #7975533  | PERMALINK

    vorgarten

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    gypsy tail wind
    Für meine Ohren bilden diese Sessions – fünf der sechs unter McLeans Leitung zumal – eine Art Kulminationspunkt im Schaffen des Altsaxophonisten. Hier findet er nach den Experimenten mit Grachan Moncur III und Bobby Hutcherson wieder zurück in den Hard Bop im weitesten Sinne, aber die Experimente sind keinesfalls vergessen sondern werden eingebaut in die neue Musik, die damals auf den Alben IT’S TIME, RIGHT NOW und ACTION zu hören war.

    mit nochmaligem dank ein paar bemerkungen dazu, zuerst zum ersten teil.

    mir geht es natürlich sehr ähnlich, gerade diese drei alben sind für mich – neben dem zweiten miles-quintett und den mclean/moncur/hutcherson-aufnahmen und vielleicht noch einigen shorter-sachen – der höhepunkt des mitt60er jazz, der in- und out-elemtente gleichzeitig im spiel belässt und den man weder in die eine noch in die andere richtung adäquat beschreiben kann: es ist keine ausbruchsbewegung in die freiheit, genausowenig eine mutwilliger verlust von traditionen – es entsteht vielmehr ein unendlich großer reichtum im ausdruck, der gerade im fall von mclean theoretisch längst „durch“ ist und sich schon wieder mit anderen dingen als struktur beschäftigt – mit sound zum beispiel, über den jackie zu dieser zeit oft redet, und deswegen ist der verweis auf billie holiday ziemlich interessant.

    was du nicht erwähnst, ist die erzwungene karrierepause durch mcleans 6-monatige haftstrafe. es ist ja immer ein bisschen spekuliert worden, dass seine musik danach eine neue dringlichkeit bekommen habe und sein ton eine neue, bittere, härte (das gerede von der „acid“-phase). mir ist allerdings nicht ganz klar, was da genau passiert ist. oft liest man, dass er wegen längst vergangener delikte inhaftiert worden sei, was zu diesem zeitpunkt seiner musikalischen karriere, im moment der neufindung oder aktualisierung, völlig falsches timing gewesen sei. in steve lehmans master-arbeit, die ja im wesentlichen auf persönlichen gesprächen mit mclean beruht, ist aber davon die rede, dass er tatsächlich vor der haft noch nicht clean war – erst danach, quasi mit dieser post-jail-phase eine grundsätzliche neuorientierung möglich gewesen sei, die in der akademischen und sozialen arbeit ab 1966 (u.a. als ‚drug councelor‘) in hartford ihre institutionalisierung erfuhr.

    diese spekulationen sind vielleicht irrelevant, aber ich kann mir vorstellen, dass 6 monate haft mitte der 60er jahre für einen relativ reifen und auf dem höhepunkt seiner künstlerischen karriere stehenden afroamerikaner kein zuckerschlecken war. ein bisschen was darüber steht bei spellman, den ich aber als autor, der ständig irgendwelche maskulinistischen diskurse pflegt, für nicht ganz zurechnungsfähig halte (so behauptet er, dass jackie in der haftzeit zeuge von mordfällen unter insassen war, auch von sadistischen quälereien durch das wachpersonal, aber eben auch – und das ist natürlich für spellman viel schlimmer! – von sexuellen beziehungen und ausbeutungen unter den inhaftierten). das mclean-fazit, das ich irgendwo gelesen habe, nämlich: dem staat keine lebenszeit mehr zu schenken, finde ich da als grundsatzentscheidung ziemlich plausibel.

    deine beschreibung von IT’S TIME! finde ich sehr toll. ich liebe gerade dieses album sehr, obwohl ich davon seit jeher nur eine ziemlich blechern klingende japan-cd habe (mit dem schicken quadratischen pappkarton) und nie nachgehört habe, ob sie wirklich so brutal aufgenommen ist (was aber für mich immer sehr zur musik gepasst hat).

    tolliver war vorher ziemlich tief im new thing oder? 1964 judson hall, slug’s saloon – da hat ihn mclean direkt aus bohème zu blue note verfrachtet. zu seinem auflaufen sort erzählte tolliver panken mal das hier:

    TP: Within jazz historiography, when people think about the line of trumpet vocabulary, you and Woody Shaw are the culmination of a timeline, and then there’s a ten-year gap, and then Wallace Roney and Terence Blanchard and Wynton Marsalis pick up on it and go in some different directions. But you and Woody Shaw, before the “end of history,” where musicians begin to embrace the whole timeline of vocabulary… You and Woody Shaw sort of end the thing. Is that accurate?

    TOLLIVER: Yes, it is accurate. Woody and I… Alfred would not give us a record date. Woody had recorded with Horace Silver and other artists. I had recorded with Horace and of course Jackie McLean. But because he was retiring, he wasn’t going to “make any more trumpet stars.” The way you got in, if you got to Blue Note and you got a deal with Alfred to do one-two-three records a year, you would then be Downbeat’s New Star on the trumpet and then off you go. Woody and I got caught right at the end, and Alfred wouldn’t give us that in, even though we had already been tapped by other greats to record on Blue Note and worked… By that time, we had already worked with some of the heavy-duties. This could have been, and was devastating probably to both of us… A little bit more to him than me, I think, because I made a decision that I was going to do something about that, which was to make my own recordings. It took Woody another four-five years before he was able to deal with Muse and then Columbia with Dexter. Historically, with the two of us being the last of that group of trumpet players… There was a period… Of course, Miles and Freddie were the guys the industry was dealing with in terms of the crossover stuff in the ‘70s…

    über IT’S TIME kann man noch viel sagen, ich habe zum beispiel hancock selten so energetisch gehört, was haynes und mcbee da rhythmisch machen, ist unfassbar; es gibt einfach keinen moment auf dem album, der nicht unter strom steht. der london jazz collector z.b. über hancock:

    What is particularly exciting here is the conversation between Hancock and the front line. He spurs on McLean and Tolliver, poking and prodding them from all directions with melodic fragments, half started tunes, changes in direction, which they pick up and twist. It’s piano accompaniment, but not as we have known it.

    TOM CAT. das ist in der tat ein sehr schönes album, und dass etwas drittes entsteht, wenn morgan und mclean heads spielen, finde ich auch sehr offensichtlich. aber es ist auch deutlich, dass mclean hier nur zu gast ist und nicht das einbringen kann, was ihn in der phase auszeichnet, was meiner ansicht nach nicht durch die begleitung kommt, sondern durch die chord-fixierte struktur der kompositionen. das titelstück greift den pink panther auf (auch von 1964), oder ? ;-) da schielen lion und morgan schon – wie gewohnt – ein bisschen zum pop/markt hinüber. ganz toll finde ich aber „rigormortis“, den closer – der ist harmonisch viel ambivalenter, und sofort setzt sich mclean wieder einen mikroton unter (über?) morgans head-vortrag. aber typischerweise wird diese ambivalenz in den soli wieder aufgegeben (und das ist ja schon was, das mclean seit LET FREEDOM RING nicht mehr macht).

    ACTION. da steht am anfang deiner besprechung kurz der falsche bassist (cranshaw). toll jedenfalls, wie mclean hier das konzept der offenen harmonien mit hutcherson in seine momentan heiße phase überführt (das klappte mit hancocks kürzel-begleitung auch schon ganz gut, aber die perkussiven und dann wieder schwebenden sounds der vibes machen alles irgendwie moderner, transparenter). higgins wirkt in diesen konzepten immer ein bisschen wie „angeknipst“, nicht so schillernd wie haynes, der sich im rhythmus immer vor- und zurückarbeitet, quasi um den bass herum. aber dass es mit higgins treibender wird, wie du schreibst, höre ich auch so (und es legt mehr fokus auf den solierenden, wie in der ornette-band halt).
    und das hypnotische „hootnan“ ist wirklich einer der hippsten tracks aus der jazzdiskografie überhaupt.

    hier hat sich mal jemand die arbeit gemacht und das covermotiv als positiv zurückgebildet:

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    #7975535  | PERMALINK

    soulpope
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    vorgarten
    hier hat sich mal jemand die arbeit gemacht und das covermotiv als positiv zurückgebildet:

    nice find ….

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    #7975537  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    Danke für die Ergänzungen und Kommentare, vorgarten!

    Den Fehler (Crashaw statt McBee) habe ich korrigiert.

    Über die Biographie, das halbe Jahr im Gefängnis, weiss ich wenig. Spellman ist insofern wichtig als er einer der ganz wenigen (und wohl der einzige im Kritik-Mainstream, Baraka kann man da ja kaum dazu zählen) war, der sich überhaupt für das New Thing aussprach, aber Deine Bedenken kann ich natürlich bestens verstehen. Ich habe sein Buch („Four Live in the Bebop Business“) allerdings noch nicht gelesen, es liegt daheim auf dem Stapel …

    Das selbstgemachte (von wem weiss ich nicht) HIGH FREQUENCY-Cover hatten wir anderswo auch schon, aber hier ist es für alle Fälle auch nochmal:

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    "Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #136: We Jazz Records 2022, 13.12., 22:00 | Slow Drive to South Africa, #7: tba | No Problem Saloon, #30: tba
    #7975539  | PERMALINK

    vorgarten

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    RIGHT NOW! allein die dringlichkeit der titel: right now! action! it’s time! toll für mich die überschneidung zum arkestra über clifford jarvis. wobei er dort immer das hart swingende element ist, sozusage die verbindung zur tradition. bei mclean ist er provokant, immerzu baut er höhepunkte aus dem swing heraus, das geht ja manchmal wirklich richtung permanentem schlagzeug-solo. aber warum ist dieses album so toll, auch jenseits des meisterwerks „poor eric“? willis ist ein vergleichsweise unauffälliger pianist, cranshaw spielt auch viel funktionaler als mcbee (the next best thing nach carter, was diese harmonisch offenen postbob-sachen angeht) – und trotzdem finde ich RIGHT NOW! auch den eigentlichen höhepunkt dieser phase. durch die länge kann man dem herausarbeiten der höhepunkte zusehen, aber es ist vor allem die fähigkeit, über lange strecken diese energie zu halten, ohne langweilig zu werden, ohne dass man auf ein neues solo, eine neue stimme wartet.

    CORNBREAD ist mein lieblingsalbum von lee morgan. es ist wirklich wahnsinnig schön, wie sie diesen boogaloo-blues am anfang in den himmel spielen, aber wirklich alle, selten höre ich das so heraus, wie man aus bekannten formeln heraus eine derartige euphorie entwickeln kann. gerade hancock ist sich da ja wirklich für nichts zu schade. für mich ist das auch tanzbarer als der sidewinder. bei „our man higgins“ verstehe ich bis heute nicht, wie dieser head funktioniert, wo alle so schief nebenher spielen, während higgins diese großartigen fills macht. das stück hätte zum beispiel auch auf einem mclean-album landen können, es ist aber von morgan komponiert. im gegensatz zu den stücken auf TOM CAT behält hancock hier die ambivalenten harmonien auch bei den soli bei (und morgan hat damit natürlich überhaupt kein problem, bei mobley höre ich schon ein leichtes unbehagen heraus). was rosenthal über mcleans humorlosigkeit sagt, finde ich bedenkenswert – darüber hatte ich vorher noch nie nachgedacht. die version von „ill wind“ finde ich heute sehr schön, aber als ich den standard noch nicht kannte, habe ich nie verstanden, was er auf diesem album zu suchen hat. hier übrigens noch ein schönes, etwas sphinxhaftes foto von larry ridley, den ich aber als eigenständige stimme nie wahrgenommen habe:



    JACKNIFE
    ist auch wieder ein album, das keinen einzigen schwachpunkt hat. jack dejohnettes spiel hat eine tolle transparente schärfe, man kann jeden einzelnen schlag heraushören – aber auch willis gefällt mir hier sehr gut, mit seinen modernisierten soul-akkorden, die sich nicht aus der ruhe bringen lassen und trotzdem ganz tief im material hängen. schade, dass er diesmal keine eigenen kompositionen beigesteuert hat.

    INFINITY funktioniert dagegen für mich nach wie vor nicht. die kompositionen finde ich überambitioniert und gleichzeitig bleiben sie in formeln kleben, die sie zu erweitern vorgeben. auch mcleans ballade hört sich für mich wie ein schnellschuss an. ganz allgemein stellt sich bei mir der eindruck her, dass die session nicht in einem inspirierten moment entstanden ist. und reggie workmans ton ist – bei allem ideenreichtum seines spiels – flach und klingt wie elektrisch abgenommen.

    mit CONSEQUENCE ist dann alles für mich wieder gut – die a-seite finde ich, obwohl konventioneller als vieles zuvor, sehr heiß gespielt, mit einem explodierenden higgins und einem druckvollen piano (ich kann die vorbehalte gegen mabern nicht ganz teilen, auch im calypso-stück ist er super), mclean und morgan sind beide in hervorragender spiellaune. auf der b-seite finde ich alle kompositionen ganz großartig, vor allem morgans „slumber“ (die akkorde!), aber auch besagten calypso von mclean. die ganze aufnahme ist sehr energetisch, auch wieder ziemlich unbarmherzig aufgenommen, damit man sich bloß nicht zurücklehnt dabei. billy higgins hätte ich gerne mal live gesehen – ich kann immer noch nicht recht beurteilen, ob er eigentlich ein zurückhaltender, oder tatsächlich ein durchaus lauter drummer war.

    die HIGH FREQUENCY session ist einer meiner persönlichen höhepunkte der mclean-diskografie. ich hatte die aufnahmen relativ früh, weil „moonscape“ auf einem italienischen mclean-sampler drauf war, den ich ganz zu beginn meiner jazzeuphorie in die finger bekam und durch den ich mclean überhaupt erst verstanden habe. ich habe mir den rest danach zusammengesammelt und heute auch nochmal angehört. auf diesem album, was nie album sein durfte, kann man wirklich die ganze soundpalette des saxofonisten hören, manchmal sogar auf nur einem stück. ich höre, wie inspiriert er auf dejohnette reagiert, wie die ideen zwischen allen vier musikern zirkulieren, wie entspannt das ist ohne die konventionelle nummernrevue mit mehr solisten, und noch dazu gibt es hier die ersten wirklich freien momente, wo sich mclean wirklich komplett von allen harmonischen und rhythmischen vorgaben löst.
    ganz toll finde ich den „jossa bossa“, wo der kratzton sich langsam mit der lässigkeit anfreundet, wie mclean da moduliert, ein kontrolliertes ausatmen, wobei die grundaggression doch immer wieder durchbricht (mcleans lieblingsmotiv ist ja ein durch die skalen geschobenes absterbendes martinshorn!). entspannen als harte arbeit, bei der willis ganz aufmerksam mitfedert und kommen lässt. wie kann man solch ein album nur im schrank lassen…

    ich dachte erst, dass ich danach CHARISMA nicht mehr hören könne, aber mit „hey chico“ fängt es sehr hübsch an – keine ahnung, was das für ein rhythmus ist (chambers‘ bass synkopiert ja gar nicht!), aber irgendwie macht sich jeder darauf einen eigenen, charmanten reim. danach wird das material allerdings sehr retroaffin, hätte schon ende der 50er erscheinen können. an den individuellen beiträgen lässt sich aber nichts kritisieren, alle scheinen hier ihren spaß zu haben. und „sweet honey bee“ ist wirklich toll…

    demnächst mache ich dann tatsächlich mal weiter mit der working band und dem fade-out als blue-note-leader. könnte aber ein paar wochen dauern.

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    #7975541  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    vorgartenRIGHT NOW! allein die dringlichkeit der titel: right now! action! it’s time!

    Die Titel sind in der Tat super, auch HIGH FREQUENCY, CONSEQUENCE und natürlich JACKNIFE – schneidend wie ein Messer ist McLeans Ton!

    Ein paar weitere Kommentare als Reaktion auf Deine Gedanken:

    Larry Willis: Ich kriege ihn nicht recht zu fassen, das wurde wohl deutlich aus meinen Posts über die drei Alben mit ihm. Er wächst wohl in der kurzen Phase stark, im ersten Album scheint er – und das dient dem Album in seiner Geschlossenheit und Kompaktheit sehr – v.a. Nährboden, „foil“ für McLean zu sein, später wird er zum wichtigeren Akteur, das abschliessende Quartettalbum legt davon ja beredt Zeugnis ab. Kompositorisch finde ich allerdings Tolliver das Highlight (neben McLean natürlich).

    Harold Mabern: Meine Vorbehalte beziehen sich nicht auf CONSEQUENCE – das wurde glaube ich deutlich genug? Ich schätze George Coleman sehr (er ist auch einer dieser Generation der alten Kämpen, den ich mal live erleben durfte), er schätzt Mabern sehr, und der Grund dazu erschliesst sich mir nicht ganz. Für mich fühlt Mabern sich im Normalfall an wie ein altmodischer, aber äusserst bequemer Sessel. Es mag seinem Spiel eine gewisse Eleganz innewohnen, aber auch die ist sehr altmodisch, immer zweihändig (oft eher beidfäustig), er zieht seine Bahnen wie auf einer vorgegebenen Spur, die er fast nie verlässt. Man kann sich so gesehen auf ihn verlassen (das ist es vielleicht, was Bläser an ihm schätzen?), aber er kann eben auch schrecklich langweilig sein. Und schrecklich klischiert, wenn er auf seinen eigenen Prestige-Alben, die alle allein schon wegen der feinen Besetzungen da sein müssen (zwei CD-Twofer mit fast vier Alben, drei mit George Coleman, eines mit zudem Buddy Terry, die anderen mit Blue Mitchell bzw. Virgil Jones, das vierte mit Lee Morgan und Hubert Laws, rec. 1968-70), die aber für mich letzten Endes wegen Maberns Schwerfälligkeit immer eine Spur hinter den Erwartungen bleiben. Ähnlich geht es mir mit Aufnahmen von George Coleman, den ich am Ende lieber mit Hilton Ruiz höre. Aber gut, das geht hier sehr weit off topic, ich wollte bloss erklären, warum ich da einen Vorbehalt habe und nochmal verdeutlichen, dass der wenig bis gar nichts mit CONSEQUENCE zu tun hat.

    CORNBREAD: „Our Man Higgins“ ist doch eine ziemlich pure Bebop-Nummer? Die könnte 1946 oder 1947 so in einer Tadd Dameron/Fats Navarro-Session oder sonstwo in dem Umfeld (die Coleman Hawkins-Sessions mit Navarro und Dorham z.B.) oder auch bei Dizzy Gillespie („Two Bass Hit“) in grosser oder kleiner Besetzung erklungen sein? Mir ist das Album bisher nicht so recht ans Herz gewachsen, meine liebsten Morgan-Alben sind wohl SEARCH FOR THE NEW LAND und THE PROCRASTINATOR. CORNBREAD lernte ich kennen, als ich wohl schon sechs oder sieben andere Morgan-Alben kannte, aber ich warte jetzt mal auf die SHM-Ausgabe, vielleicht hilft ja der bessere Sound beim Verstehen.

    vorgartenINFINITY funktioniert dagegen für mich nach wie vor nicht. die kompositionen finde ich überambitioniert und gleichzeitig bleiben sie in formeln kleben, die sie zu erweitern vorgeben. auch mcleans ballade hört sich für mich wie ein schnellschuss an. ganz allgemein stellt sich bei mir der eindruck her, dass die session nicht in einem inspirierten moment entstanden ist. und reggie workmans ton ist – bei allem ideenreichtum seines spiels – flach und klingt wie elektrisch abgenommen.

    Das ist lustig, denn mir ging es beim letzten Hören – als ich vor ein paar Wochen die seit Jahren bereitgelegten CDs in die Hände nahm und wiederzuhören anfing, das hatte ich ja hier vermeldet – auch so. Aber beim Wiederhören in den letzten Tagen funktionierte das Album für mich plötzlich hervorragend.

    vorgartenich dachte erst, dass ich danach CHARISMA nicht mehr hören könne, aber mit „hey chico“ fängt es sehr hübsch an – keine ahnung, was das für ein rhythmus ist (chambers‘ bass synkopiert ja gar nicht!), aber irgendwie macht sich jeder darauf einen eigenen, charmanten reim. danach wird das material allerdings sehr retroaffin, hätte schon ende der 50er erscheinen können. an den individuellen beiträgen lässt sich aber nichts kritisieren, alle scheinen hier ihren spaß zu haben. und „sweet honey bee“ ist wirklich toll…

    Hm, den Punkt mit den Fünfzigern glaube ich irgendwie nicht, obwohl ich schon weiss, was Du meinst.

    vorgartendemnächst mache ich dann tatsächlich mal weiter mit der working band und dem fade-out als blue-note-leader. könnte aber ein paar wochen dauern.

    … auch ein paar Jahre sind völlig in Ordnung ;-)

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    #7975543  | PERMALINK

    vorgarten

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    ich glaube, larry willis‘ beitrag hast du sehr gut beschrieben – und lamont johnson geht ja danach in dieselbe richtung, beides pianisten, die in sich ruhen, aber auch einen modernen begriff von pianospiel haben und mclean niemals einengen. was mabern angeht, hast du viel mehr ahnung und ich glaube dir da jedes wort – ich kenne nur noch eine späte aufnahme mit carter und chambers, damals dachte ich, damit kaufe ich „alte schule“, aber es war einfach langweilig und formelhaft und bei jemandem wie flanagan war ich besser aufgehoben. ich fand nur, dass mabern auf CONSEQUENCE ziemlich druck macht und das der musik sehr gut bekommt.

    gypsy tail wind
    CORNBREAD: „Our Man Higgins“ ist doch eine ziemlich pure Bebop-Nummer?

    das kann ich mir nicht vorstellen. die voicings sind total schräg und die harmonien auch. vielleicht kennt sich hier irgendjemand musiktheoretisch etwas besser aus?

    gypsy tail wind Hm, den Punkt mit den Fünfzigern glaube ich irgendwie nicht, obwohl ich schon weiss, was Du meinst.

    das zweite und das dritte stück auf CHARISMA meine ich, das zweite klaut total bei einem stück, das ich mit miles verbinde, vor KIND OF BLUE, ich bin gerade zu faul mit suchen. was lee morgan generell angeht, mag ich SEARCH FOR THE NEW LAND natürlich auch sehr gerne, THE PROCRASTINATOR allerdings gar nicht (da läuft für mich zwischen tradition und moderner aktualisierung ähnlich was schief wie bei INFINITY). mir ist aber tatsächlich heute zum ersten mal aufgefallen, wie toll morgan und mclean miteinander klingen. das passt schon sehr.

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    #7975545  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    Ach so, und die Anmerkung zum Humor, Morgan vs. McLean – die hatte ich überhaupt nicht mehr präsent (habe die letzten Tage wohl seit den Neunzigern zum ersten Mal wieder ins Booklet der Mosaic-Box geschaut). Rosenthal sagt nun ja nicht gerade, McLean hätte gar keinen, aber ich finde die Überlegung spontan überzeugend und auch beim Nachdenken darüber scheint sie zu passen.

    Morgan war ein player, ein Bluffer, ein Trickster – dem darob aber nicht die Tiefe abging, ich höre das bei ihm als ein Spiel, es kommt mir oft vor wie eine herumstreichende Raubkatze, die sich ihrer Eleganz und ihrer Herrschaft (blödes Wort, Meisterschaft wäre besser, aber das passt nicht zur Tiermetapher) sehr bewusst ist (und das passt natürlich auch nicht zur Tiermetapher). Bei McLean kommt alles mit der vollen Wucht, direkt ins Gesicht geklatscht, man kann sich nicht entziehen, der Druck, die Überzeugungskraft sind ja hier, auf der Höhe seines Schaffens, wirklich gewaltig und bezwingend. Wer da noch an der Intonation krittelt, muss eigentlich ein Unmensch sein. Morgan ist da ganz anders, er tänzelt, er spielt, er stürzt sich kopfüber ins Getümmel und erhebt sich im nächsten Moment wieder in die Höhe, weit darüber, zeigt uns den Finger (natürlich durch die Blume, mit Witz eben), ist uns oft schon wieder einen Schritt voraus. Und grad letzteres ist ja auch wieder nicht McLeans Art, der ist nämlich: Da! Hier! Jetzt! RIGHT NOW!

    Die Stücke auf CORNBREAD und CHARISMA höre ich nochmal nach die nächsten Tage.

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    gypsy-tail-wind
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    Jackie McLean on Mars (Ken Levis, 1979) – hatten wir bestimmt schon, aber ich hab den Film gerade zum ersten Mal geschaut, toll!

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    gypsy-tail-wind
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    Meine Eindrücke bezüglich Jackie McLeans Blue Note-Alben haben sich im Lauf des letzten Frühlings ein wenig verschoben, die Alben von 1963-66 sind mir noch wichtiger geworden, die letzten von 1967 haben auch ein wenig zugelegt – dafür haben andere, die ich früher mehr mochte („Jackie’s Bag“, „Bluesnik“) etwas verloren. Allerdings habe ich das alles nur als fortlaufenden Kommentar im Hörfaden vermerkt und danach halt in Listenform summiert.

    Damit das nicht wieder passiert, ein paar kurze Zeilen zu den drei Steeplechase-Albumpaaren von Jackie McLean. Das erste bzw. früheste „Dr. Jackle“ und „Tune Up“, dokumentiert einen Abend in der legendären Left Bank Jazz Society bei Baltimore. McLean hat kommt im Quartett mit Lamont Johnson (as), Scotty Hold (b) und Billy Higgins (d). Die Aufnahme klingt dreckig, was den Eindruck der Atemlosigkeit vielleicht noch verstärkt. McLean ist jedenfalls in Form und die Rhythmusgruppe extrem tight, eine bestens abgestimmte Groove-Keimzelle. Solistisch dominiert McLean das Geschehen, legt Stück für Stück Zeugnis ab, während Johnson/Holt das Geschehen vor sich her treiben. Higgins klingt – das hat vielleicht mit dem Klang zu tun, aber sicher auch mit der Atmosphäre, die hier dokumentiert wird – weniger luxuriös glänzend über allem stehend sein Ding durchziehend – das soll keine negative Kritik sein, er bringt ja bei praktisch jeder Session, bei der er mitwirkt, wahnsinnig viel ein, gerade auch was die Stimmung angeht. Mich dünkt hier aber, dass er sich viel tiefer in die Musik eingräbt als bei ihm sonst üblich, dass er quasi von Innen heraus mitspielt, sich mit Johnson und Holt sehr eng verzahnt und auch McLean, der einen Groove reiten kann wie wenige andere. Das Ergebnis ist eine zugleich sehr kompakt wirkende, aber auch sehr offene Musik – die Stücke dauern oft über zehn Minuten, „Little Melonae“ oder „Smile“ sind für meine Ohren unter den Highlights (die CD von „Dr. Jackle“ enthält noch „Jossa Bossa“ aus Don Moores Feder, das Stück bricht am Ende ab, vermultich lief halt das Band aus und drum war’s vielleicht auch nicht auf den LPs?).

    Runde zwei sind zwei Alben im Quartett mit Kenny Drew (p), Alex Riel (d) und Bo Stief bzw. Niels-Henning Ørsted Pedersen (b). Das erste der Alben, „Live at Montmartre“, war zugleich die erste Steeplechase-Produktion, noch im Jahr 1972 erschienen, aus dem auch die Aufnahme stammt. Drew ist hier schlecht eingefangen, bringt der Musik aber dennoch viel, dünkt mich: einen sehr dunkel getönten Kitt, der zwischen den skandinavischen Rhythmikern und dem Leader vermittelt. Riel klingt auf dem ersten Alben da und dort etwas zögerlich, NHOP ist der bessere Bassist (er bietet auch als Solist sehr viel) – und dennoch, und auch trotz des viel ausgewogeneren Klangbildes, ist das zweite, 1973 ebenfalls live im Montmartre mitgeschnittene Album, eine Spur weniger gut. Drew ist hier zwar viel besser zu hören, Riel dreht richtig auf, und eben: der Bass kickt auch nochmal anders – aber die Stimmung war bei der Aufnahme des ersten Albums im Sommer 1972 nach ca. fünf Jahren Aufnahmepause vermutlich in so vielerlei Hinsicht (auf)geladen, dass das Ergebnis für meine Ohren zwingender ausfällt – und nur wenig hinter McLeans besten Alben von Mitte der Sechziger zurücksteht. Die beiden Stücke der A-Seite wurden übrigens für die LP deutlich gekürzt. Eins von ihnen ist auch hier wieder Charlie Chaplins „Smile“.

    „Smile“ ist eine gute Überleitung zur dritten Runde – und es ist echt schade, dass das Stück hier nicht erneut eingespielt wurde, denn Dexter Gordon, der hier zur Band von „A Ghetto Lullaby“ stösst, hat eine der schönsten Aufnahmen davon gemacht (auf „Dexter Calling“ zu finden, dem 1961er Album auf Blue Note, bei dem auch Kenny Drew am Klavier sitzt). McLean und Gordon ergänzen sich, finde ich, ganz hervorragend: beide verfügen über einen grossen, satten Ton, beide haben eine sehr persönliche, ja unverwechselbare Phrasierung – und bei McLean kommt natürlich noch die Intonation dazu, die bei Gordon fadengrad ist. Die Aufnahmen für „The Meeting“ und „The Source“ entstanden am 20. und 21. Juli, während „A Ghetto Lullaby“ am 18. und 19. aufgenommen wurde. Wir hören die Musiker also bei einem längeren Engagement … und die CDs enthalten wieder ein paar Extra-Tracks: auf Vol. 1 gibt es mitten drin Drews „Callin'“, auf Vol. 2, ebenfalls zwischen den einstigen LP-Seiten programmiert, einen 19minütigen Alternate Take von „On the Trail“ und einen ganz kurzen von „The Closing“ (aka „The Theme“), das auch am Ende des Albums ebenso kurz zu hören ist. Musikalisch ist McLean hier etwas konservativer unterwegs als auf seinen eigenen Alben – „back to bebop“, schreibt Mark Gardner in den Liner Notes zu Vol. 2, wäre ein passender Untertitel für das Album gewesen. Feuerwerke von den beiden Bläsern, eine hellwache, reaktionsfähige und gut eingespielte Rhythmusgruppe dahinter, die auch solistisch was zu bieten hat, für sich allein aber mehr nach Hard Bop klingt – in Drews Soli wird es gerne mal funky, was ich im Kontext durchaus bereichernd empfinde. Zu den Highlights zählen auf jeden Fall die zwei Versionen von „On the Trail“ und das brennende „Half Nelson“, mit dem Vol. 2 öffnet (Riel on fire).

    Jackie McLean im Jazzhus Montmartre, Copenhagen, 1973 (Foto von Ib Skovgaard/JP Jazz Archive/Getty Images):

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    gypsy-tail-wind…. die Rhythmusgruppe extrem tight, eine bestens abgestimmte Groove-Keimzelle. Solistisch dominiert McLean das Geschehen, legt Stück für Stück Zeugnis ab, während Johnson/Holt das Geschehen vor sich her treiben. Higgins klingt – das hat vielleicht mit dem Klang zu tun, aber sicher auch mit der Atmosphäre, die hier dokumentiert wird – weniger luxuriös glänzend über allem stehend sein Ding durchziehend – das soll keine negative Kritik sein, er bringt ja bei praktisch jeder Session, bei der er mitwirkt, wahnsinnig viel ein, gerade auch was die Stimmung angeht. Mich dünkt hier aber, dass er sich viel tiefer in die Musik eingräbt als bei ihm sonst üblich, dass er quasi von Innen heraus mitspielt, sich mit Johnson und Holt sehr eng verzahnt ….

    Eine wirklich sehr spannende Rhythmus Kombo ….

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    #11737415  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    Gerade noch eine späte Jackie McLean-Lücke geschlossen: „Rites of Passage“ mit der gleichen Band wie auf dem drei Jahre früher eingespielten „Dynasty“, also dem Quartett der späten 80er/frühen 90er plus Sohn René McLean (hier an ts/as/ss). Ein paar Monate später geht es dann ohne den Sohn weiter. Die Band hat jetzt auch einen Namen, ist aber personell unverändert: Hotep Idris Galeta (p), Nat Reeves (b), Carl Allen (d). Das ist schon recht geschliffene Musik, die drei Begleiter – der in Kapstadt geborene Galeta ist mit Jahrgang 1941 der Veteran, Reeves und Allen sind Jahrgang 1955 bzw. 1961 – sind mit ziemlich allen Wassern gewaschen, haben von entspannt bis druckvoll und manchmal total hip wirklich alles drauf.

    So einiges gerät aber etwas glatt, finde ich – und das hat wohl beim ersten Album auch ein klein wenig was mit René McLean zu tun, der (wer tut das schon!) keine so eindringliche und persönliche Stimme hat wie sein Vater und sich trotz der Gigs mit Woody Shaw und Louis Hayes in den Siebzigern vor allem am Tenor gar nicht so anders anhört als die Junglöwen, die um diese Zeit herum so gross im Kommen waren. Auf seinem eigenen „Morning Prayer“ klingt René McLean dann allerdings sehr souverän und besonders in der Phrasierung schwingt da auch etwas mit, was die jüngeren Musiker nicht drauf hatten.

    Eins der Highlights auf dem ersten Album ist für meine Ohren das Balladenfeature von Jackie McLean über sein eigenes „My Lady (Portrait of Doll)“ – ein bewegendes Meisterstück. Und hier ist die Rhythmusgruppe zur Stelle und liefet genau, was benötigt ist.

    Das zweite Album ohne den Sohn präsentiert das Quartett in einem Club-Set aus dem Hnita Hoeve Jazz Club in Heist-op-den-Berg, Belgien. Die Aufnahme wurde zwar für den Rundfunk gemacht, klingt aber nur semi-professionell. Das Tut der Intensität der Musik aber keinerlei Abbruch. Schon im Opener, „Cyclical“, brennt McLean lichterloh, und die Band klingt super tight und geht mit ihm, treibt ihn an. Im Gegensatz zu „Rites“ mit 10 Stücken, von denen nur zwei länger als 4-5 Minuten sind, gibt es hier vier Stücke zwischen 9 und 12 Minuten und zwei etwas kürzere). Klar hinkt der Vergleich, aber das, woran ich hier als erstes denke, ist „Banned in New York“, das Live-Album von Greg Osby, dem eine Bootleg-Ästhetik verpasst wurde und das ebenfalls nicht so klingt, wie Jazzproduktionen in den Neunzigern sonst halt klangen.

    In René McLeans „Dance Little Mandissa“ spielt übrigens Galeta ein Piano-Riff, das für einmal seine Wurzeln im Cape-Jazz offenbart. Die sind sind sonst nicht wirklich zu hören – fügen sich hier aber sehr schon zusammen mit McLeans Sax, das beim Einstieg direkt an die Höhenflüge der mittleren Sechziger anzusetzen scheint. Ich glaube dieser Band-Spirit ist es, der hier für mich einen Unterschied macht und das Live-Album über die schönen aber vielleicht etwas braven und etwas routinierten beiden Vorgänger-Alben hebt. Noch weiter zurück blickt „Minor March“, das direkt folgende Stück, das McLean zur Session des Miles Davis/Milt Jackson Quintet/Sextet für Prestige mitbrachte (es ist eins der zwei Sextett-Stücke mit McLean, auch das andere Sextett-Stück, „Dr. Jackle“, war seins).

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    "Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #136: We Jazz Records 2022, 13.12., 22:00 | Slow Drive to South Africa, #7: tba | No Problem Saloon, #30: tba
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    vorgarten

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    (ah, du reparierst gerade – irgendwas ist mit den discogs-bildern passiert in den letzten wochen, im blood-thread musste ich auch alles neu verlinken) – RITES OF PASSAGE mag ich ja schon sehr gerne, und rené mclean finde ich sehr unterschätzt, sein steeplechase-album WATCH OUT ist großartig, ich hab das leider nicht in einer vernünftigen ausgabe, muss mich mal darum kümmern.

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    #11737447  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    Ja, ganz viele Bilder sind verschwunden – keine Ahnung, was Discogs wieder macht, die bauen ja eh wieder mal um (nur noch Paypal und so, und bei mir schon mehrmals mit Problemen beim Checkout).

    Von René McLean ist nur „In African Eyes“ da, auch Triloka, 1992 u.a. mit Hugh Masekela und einem grossen südafrikanischen Line-Up (also dauernd wechselnd, nicht gross besetzt). Da hab ich keine Erinnerung dran, hab das ev. noch gar nie angehört … von den späten McLean-Alben sind mir aber auch nur „Hat Trick“ und „Nature Boy“ wirklich vertraut. Die folgen noch, aber davor steht noch „Rhythm of the Earth“ an.

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    #11737467  | PERMALINK

    vorgarten

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    und dann gibt’s ja noch FIRE & LOVE, das steve lehman immer empfiehlt – den opener „mister e.“ hat er ja mit seinem trio auch eingespielt.

    [‚Mr. E‘] really represents, as far as I’m concerned, state-of-the-art composing for small ensemble,“ Lehman said. Then he continued. „And also, I think it’s important to document the recent work of all these amazing musicians which we look up to, whether it be Jackie McLean or Andrew Hill or Wayne Shorter, all of whom are people who wrote really amazing, seminal works in the ’60s, but also continued to do so right up until the ends of their lives — or are continuing to do so, in Wayne Shorter’s case. When it feels appropriate, it’s really important to underline the fact that people like Jackie really stayed active and really kept pushing himself throughout his life.

    von hier.

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