I’m Not There (Todd Haynes)

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  • #52033  | PERMALINK

    sonic-juice
    Moderator

    Registriert seit: 14.09.2005

    Beiträge: 10,983

    **
    Die überaus gütige Bewertung resultiert nur aus den drei Minuten unverhofftem Calexico-Auftritt (wirklich schönes Lied!) und der dunklen Ahnung, dass daraus mit einem anderen Regisseur, anderen Schauspielern, einem weitaus skrupelloseren Cutter („Sorry, Mr. Gere, but your scenes didn’t make it…“) – und notwendigerweise wohl auch einem anderen Sujet – ein recht passabler Film hätte werden können. Denn die Idee, einer zerrissene Biographie mit mehreren Schauspielern auf mehreren potentiellen Lebenswegen unchronologisch nachzugehen, muss nicht unbedingt zum Scheitern verurteilt sein.
    Bei Haynes wird man aber leider mit prätentiösen, muffigen Einfällen aus der Mottenkiste des Regietheaters bombardiert (Dylans Band holt auf dem Newport Folk Festival Maschinengewehre aus den Gitarrenkoffer! In Anspielung auf „Tarantula“ läuft, Achtung, eine Tarantel über die Leinwand; Dylan als Luftballon!!…), die sich mit uninspirierten 1:1-Nacherzählungen ausgelutschter Schlüsselelemente (nein, Pete Seeger, bitte nicht schon wieder die Axt-Nummer!) in aufgeblasener Big-Budget-Ästhetik zu einer Achse der fast 2 1/2 Stunden Lebenszeit raubenden bösen Langweile verbünden. Und auch wenn Cate Blanchet eine anständige Dylan-Kopie abgibt: wozu muss ich mir ellenlange Szenen, die hinlänglich aus „Don’t Look Back“ und „No Direction Home“ bekannt sind (Dylans schnoddrige Auftritte vor der UK-Presse; die, gähn, Judas-Rufe, „I Don’t Believe You!“…) noch mal in sklavischer Nachstellung geben? Wozu diese ganzen halbherzigen Playback-Nummern mit Dylan-Coverversionen, zu denen die Schauspieler erkennbar nur den Mund auf und zu machen? Wie schafft es Haynes eigentlich, mit seinem Magerquark aus Mythenversatzstücken, halbherziger Legenden-Dekonstruktion und beliebigen Star-Cameos einen gänzlich spaß-, sex- und leidenschaftsbefreiten Rockmusik-Film zu zimmern, der einem die Faszination an Dylans Musik gänzlich auszutreiben sucht (glücklicherweise vergeblich).
    Bezeichnende Schlusspointe: Als ich mit meiner Begleitung aus dem Saal kam, fragte sie: „Sag mal, seit wann ist Dylan eigentlich tot?“

    Selten soviele Sätze aus dem Verriss-Baukasten für Kritiker im Kopf gehabt, als ich endlich aus dem Kino entlassen wurde. Damit ist Haynes endgültig auf meiner Shit List.

    --

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    #6504229  | PERMALINK

    oldboy

    Registriert seit: 12.10.2004

    Beiträge: 7,593

    Ich liebe gute Verrisse!

    --

    sent via personal computer - bitte entschuldigen sie eventuelle INSZENIERUNGEN
    #6504231  | PERMALINK

    bullitt

    Registriert seit: 06.01.2003

    Beiträge: 20,757

    Hm, jetzt bin ich neugieriger als vorher, habe aber viel weniger Lust ins Kino zu gehen

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    #6504233  | PERMALINK

    bauer-ewald

    Registriert seit: 26.10.2005

    Beiträge: 4,279

    Nachdem ich Richard Gere (habe sonst nichts gegen diesen Schauspieler) auf einem Szenenfoto gesehen habe, habe ich keine Lust mehr auf den Film.

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    #6504235  | PERMALINK

    punkcow

    Registriert seit: 08.07.2002

    Beiträge: 9,235

    Könnte bitte ein Mod die Umfrage öffentlich machen?

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    #6504237  | PERMALINK

    herr-rossi
    Moderator
    -

    Registriert seit: 15.05.2005

    Beiträge: 87,231

    Ich hab die erste Umfrage gelöscht und eine neue angehängt. Die drei Forumianer, die schon abgestimmt hatten: Bitte noch mal wiederholen.

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    #6504239  | PERMALINK

    sonic-juice
    Moderator

    Registriert seit: 14.09.2005

    Beiträge: 10,983

    Rossi, danke fürs kitten!

    --

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    #6504241  | PERMALINK

    ursa-minor

    Registriert seit: 29.05.2005

    Beiträge: 4,499

    Ich bin eben aus dem Kino gekommen … Kann aber keine Wertung abgeben. Ich kann nur sagen: Für mich war der Film nichts. Dafür kenne ich Dylan zu wenig. Das war ja echt was für die Insider.
    Es hat aber auch keiner im Kino gelacht. Das war schon merkwürdig. Ich musste immer mal wieder leise vor mich hinkichern,

    ****spoiler*****

    besonders als Brian Jones als der „Typ von der Coverband“ vorgestellt wurde … Wobei ich wohl eher „Cover“-Band schreiben sollte.
    Ich hab den Film einfach nicht verstanden. Also, die Grundaussage „Dylan ist nicht zu fassen“ schon, aber ansonsten … Was sollte die Szene mit dem Motorradunfall? Hat Haynes gedacht, die muss in den Film, also klatscht er sie mal ans Ende, damit sich keiner beschwert? Mir hat sich der tiefere Sinn dieser Sequenz (wie so manch anderer) nicht erschlossen …

    --

    C'mon Granddad!
    #6504243  | PERMALINK

    hat-and-beard
    dial 45-41-000

    Registriert seit: 19.03.2004

    Beiträge: 20,530

    OldBoyIch liebe gute Verrisse!

    Ich auch. Mighty fine, Sonic! (Muss ihn mir aber trotzdem noch selbst ansehen.)

    --

    God told me to do it.
    #6504245  | PERMALINK

    janpp

    Registriert seit: 28.08.2002

    Beiträge: 7,179

    Sonic Juicewozu muss ich mir ellenlange Szenen, die hinlänglich aus „Don’t Look Back“ und „No Direction Home“ bekannt sind

    Leute, die die beiden Filme und Dylans Oeuvre selbst nicht gut kennen, könnten dann aber durchaus mehr Spaß haben, meinst du nicht?
    wobei ich grade lese, dass ursa minor das gegenteil behauptet. nun ja.

    Bezeichnende Schlusspointe: Als ich mit meiner Begleitung aus dem Saal kam, fragte sie: „Sag mal, seit wann ist Dylan eigentlich tot?“

    :lol:

    --

    RAUSCHEN Akustische Irritationen aus Folk, Jazz & beyond. Jeden 2. und 4. Dienstag, 19 Uhr. Auf Tide 96.0. http://www.mixcloud.com/Rauschen/[/URL]
    #6504247  | PERMALINK

    sonic-juice
    Moderator

    Registriert seit: 14.09.2005

    Beiträge: 10,983

    JanPPLeute, die die beiden Filme und Dylans Oeuvre selbst nicht gut kennen, könnten dann aber durchaus mehr Spaß haben, meinst du nicht?
    wobei ich grade lese, dass ursa minor das gegenteil behauptet. nun ja.

    Das bringt das Dilemma des Films, glaube ich, ganz gut auf den Punkt. Ich weiß nicht so recht, wer davon eigentlich profitieren sollte. Wer sich mit Dylan bislang nicht näher beschäftigt hat, wird aus dem Wust an biografischen und fiktionalen Versatzstücken vermutlich kaum eine tiefere Einsicht über Dylans Leben/Werk gewinnen können, dafür ist das alles dann doch zu kryptisch. Das wäre nicht so schlimm, wenn wenigstens die einzelnen Szenen eine sinnliche Qualität hätten, die die Sinnfrage erübrigen würde (was leider in kaum einer Einstellung gelingt).

    Wer hingegen die einschlägigen Dokus und die wesentlichen Eckdaten über ihn bereits kennt, wird dem Film noch mehr misstrauen, da er ihn an den hinlänglich bekannten echten Aufnahmen messen kann; Zimmerman als Dylan ist nunmal deutlich unterhaltsamer als Blanchet als „Dylan“ bzw. dessen Alter Ego „Jude Quinn“ (wobei Blanchet neben Christian Bale aus dem Dylan-Ensemble noch herausragen; Ben Whishaw hingegen ist wirklich unerträglich).

    Wenn es überhaupt einen Sinn haben sollte, Ereignisse wie den Eklat auf dem Newport Folk Festival filmisch nachzustellen, dann meines Erachtens, indem man das hinreichend bekannte Detail in ein erzählerisches Ganzes einbettet und insbesondere das Davor, Danach und Dazwischen erzählt (eben das, was ein Dokumentarfilm nicht leisten kann). Haynes verweigert sich aber dem narrativen Prinzip, und, viel schlimmer: die Szenen, die er aneinanderreiht (insbesondere die noch nicht so abgegriffenen und fiktiven), sind leider weitgehend pointenlos.

    Nach „I’m Not There“ habe ich mir übrigens tatsächlich gedacht: meine Güte, wie toll waren dagegen Streifen wie „Tommy“ und „The Wall“, die waren zwar auch prätentiös, unendlich aufgeblasen und weitgehend sinnfrei, aber man hatte zumindest seinen Spaß gehabt mit Schulkindern, die in den Fleischwolf fallen, wuchernden Blüten aus weiblichen Geschlechtsorganen oder Tina Turner als „Acid Queen“.

    --

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    #6504249  | PERMALINK

    bauer-ewald

    Registriert seit: 26.10.2005

    Beiträge: 4,279

    Auf zeit.de rezensiert Thomas Gross den Film sehr wohlwollend.

    --

    #6504251  | PERMALINK

    bullitt

    Registriert seit: 06.01.2003

    Beiträge: 20,757

    Bauer EwaldAuf zeit.de rezensiert Thomas Gross den Film sehr wohlwollend.

    Der Film-Dienst äußert sich auch positiv. (Achtung, Rezension wie immer nur für kurze Zeit online verfügbar!)

    --

    #6504253  | PERMALINK

    nail75

    Registriert seit: 16.10.2006

    Beiträge: 45,074

    Die Kritiken sowohl in den USA wie in Deutschland waren bislang überwiegend positiv bis enthusiastisch.

    Neuestes Beispiel, der Spiegel:
    http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,538082,00.html

    http://www.metacritic.com/film/titles/imnotthere

    --

    Ohne Musik ist alles Leben ein Irrtum.
    #6504255  | PERMALINK

    nerea87

    Registriert seit: 03.02.2005

    Beiträge: 3,185

    Sonic Juice**
    Bei Haynes wird man aber leider mit prätentiösen, muffigen Einfällen aus der Mottenkiste des Regietheaters bombardiert (Dylans Band holt auf dem Newport Folk Festival Maschinengewehre aus den Gitarrenkoffer! In Anspielung auf „Tarantula“ läuft, Achtung, eine Tarantel über die Leinwand; Dylan als Luftballon!!…), die sich mit uninspirierten 1:1-Nacherzählungen ausgelutschter Schlüsselelemente (nein, Pete Seeger, bitte nicht schon wieder die Axt-Nummer!) in aufgeblasener Big-Budget-Ästhetik zu einer Achse der fast 2 1/2 Stunden Lebenszeit raubenden bösen Langweile verbünden. Und auch wenn Cate Blanchet eine anständige Dylan-Kopie abgibt: wozu muss ich mir ellenlange Szenen, die hinlänglich aus „Don’t Look Back“ und „No Direction Home“ bekannt sind (Dylans schnoddrige Auftritte vor der UK-Presse; die, gähn, Judas-Rufe, „I Don’t Believe You!“…) noch mal in sklavischer Nachstellung geben? Wozu diese ganzen halbherzigen Playback-Nummern mit Dylan-Coverversionen, zu denen die Schauspieler erkennbar nur den Mund auf und zu machen? Wie schafft es Haynes eigentlich, mit seinem Magerquark aus Mythenversatzstücken, halbherziger Legenden-Dekonstruktion und beliebigen Star-Cameos einen gänzlich spaß-, sex- und leidenschaftsbefreiten Rockmusik-Film zu zimmern, der einem die Faszination an Dylans Musik gänzlich auszutreiben sucht (glücklicherweise vergeblich).
    Bezeichnende Schlusspointe: Als ich mit meiner Begleitung aus dem Saal kam, fragte sie: „Sag mal, seit wann ist Dylan eigentlich tot?“

    Selten soviele Sätze aus dem Verriss-Baukasten für Kritiker im Kopf gehabt, als ich endlich aus dem Kino entlassen wurde. Damit ist Haynes endgültig auf meiner Shit List.

    Das ist mal eine Stellungnahme. Vielen Dank für die klaren Worte.

    Mich machen diese „ausgelutschten Schlüsselelemente“ zurückhaltend. Und dann noch Newport und Maschinengewehre. Und dann noch Judas-rufe. Das das endlich mal einer thematisiert. Mich wundern da die positiven Kritiken der Mainstream-Presse nicht. Bekommen sie doch offensichtlich das gezeigt, was in Ihren Dylan-Memoranden steht und woraus sie dann immer abschreiben, wenn Dylan mal wieder auf Tour ist.

    Ich glaube, Sonic, du hast mich nicht nur vor einer unsinnigen Geldausgabe bewahrt sondern auch vor 2,5 langweilige Stunden.
    Danke.

    --

    ...falling faintly through the universe...
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