Ich höre gerade … Jazz!

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  • #11806513  | PERMALINK

    soulpope
    "Ever Since The World Ended, I Don`t Get Out As Much"

    Registriert seit: 02.12.2013

    Beiträge: 45,636

    gypsy-tail-wind Ich hab ehrlich gesagt seit geschätzt so 1994 einen Bogen um „Friday Night“ gemacht – meine Erinnerung sagt mir, dass ich das inhaltsleeres Wohlklang-Gefrickel fand, viel zu oft auf den Effekt aus. Aber das ist ja wohl wie mit Garbareks Hausfrauen-Esoterik: es gibt unzählige glänzende Augen, wenn davon die Rede ist. Und das ist ja auch nichts, was ich verurteilen möchte. Ich hatte einfach nie das Bedürfünis, mich mit Di Meola auseinanderzusetzen, mit McLaughlin auch nur sehr am Rande … falls es den ultimativen Paco de Lucia-Tipp gäbe, würde ich da ev. mal reinhören mögen ….

    Guten Morgen @ „gypsy“,

    ich halte bekanntlich in mehreren Musikbereichen Abstand zu der (elektrischen) Gitarre, aber diese Scheibe nun auch noch als „inhaltsleeres Wohlklang-Gefrickel“ bezeichnet zu sehen schmerzt .

    Im Jahr 1980 hatten viele (=jene welche zu diesem Zeitpunkt bereits bewusst Musik hörten) bereits „blutende Ohren“ vom Einfluss und der Überpräsenz der Elektrischen Gitarre. Schon zuvor hatte sich Spezialisten wie Paco de Lucia oder die ECM Stallgefährten Ralph Towner bzw Egberto Gismonti als „Akustiker“ eine stetig wachsende Fangemeinde aufgebaut.

    Nun schien die Zeit für ein „Crossover Projekt“ gekommen, in welchem der akustische Flamenco Poet Paco de Lucia mit veritablen E-Meistern mal „unplugged (so hätte es dann eine Dekade später geheissen) aufspielt.

    Das Projekt verlief durch die beteiligten Egos bzw Starallüren alles andere als friktionsfrei und doch war das musikalische Ergebnis gemeinschaftlich.

    Natürlich lassen sich die Egos auch in der musikalischen Umsetzung nicht unterdrücken und insbesondere auf den beiden Trio Stücken ist partiell jede Menge „Verkehr“. Es sind für mich aber die drei Duo Stücke, welche aufhorchen lassen und hier dann wieder besonders das Lucia/Di Meola Feature „Mediterranean Sundance“ und die Interpretation der Egberto Gismonti Komposition „Frevo Rasgado“ durch de Lucia/McLaughlin.

    Ich bin im Erscheinungsjahr mit einem musikbegeisterten Studienkollegen durch sozusagen „flamencovertiefte“ Territorien Spaniens gereist und selbst für die hohen lokalen Ansprüche an die akustische Gitarre vorort (nicht zu reden vom Gewicht der sog. „Reinheit“ des Flamenco) fand diese Scheibe Anerkennung bzw doch zumindest Akzeptanz.

    Aber gut, das ist Geschichte.

    Natürlich jedem/-r sein/ihr eigener Gschmack. Aber nachdem hier im Jazzforum ja „offene Ohren“ verkehren und gar nicht so selten dezidierte Begeisterung/Superlative für (zumindest aus meiner Sicht) durchschnittliche Aufnahmen Platz greifft/findet, wird wohl dann auch ein respektabler Zu-/Umgang mit „Friday Night In San Francisco“ möglich sein.

    --

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    #11806557  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
    Moderator
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    Registriert seit: 25.01.2010

    Beiträge: 61,827

    Danke für deine Zeilen – ich will ja wirklich nicht ausschliessen, dass ich diesem Album gegenüber unfair und unsensibel bin. Es hat für mich – zehn Jahre später, als „Unplugged“ in aller Munde war, vermutlich etwa zweitgleich wie „Nirvana Unplugged“, mich einfach nie angesprochen und was ich oben auf die erneute Nachfrage hin schilderte ist, was davon hängen geblieben ist. Und das ist halt in erster Linie, dass ich es fürchterlich fand. Vielleicht muss ich in der Tube mal wieder ein Ohr voll nehmen?

    Bin jetzt woanders, Kenny Barron wurde ja im Rahmen der Neunziger schon ein paar Mal erwähnt. Ich hatte ihn damals nicht aktiv verfolgt, „Other Places“ via Penguin Guide ausgesucht und „Scratch“ aus den Achtzigern aus einer Enja-Aktion gezogen, danach noch „Things Unseen“ aus der Wühlkiste gefischt, und dann waren eh schon die Nuller, ich hörte die Band von „Images“ im Radio und kaufte noch die CD, dann erst wieder das „Book of Intuition“ (eins der Alben vom Allard-Revival auf Impulse) und um die Zeit herum dann noch ein paar weitere jüngere Sachen (die Duo-Alben mit mit Holland und Haden, ersteres da auch noch neu, die beiden „Live at Bradley’s“ und ein paar frühere Sachen, auch das Trio mit Haden/Haynes habe ich erst da nachgeholt).

    Kenny Barron – Live at Fat Tuesday’s | Der nächste Schwung Barron folgte dann letztes Jahr, und das führt auch zu den zwei genannten Neunziger-Alben hin, ich steige daher mal hiermit ein, 2020 in Japan erneut aufgelegt, ein Live-Mitschnitt des Quintetts mit Eddie Henderson, John Stubblefield, Cecil McBee und Victor Lewis.

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    #11806561  | PERMALINK

    soulpope
    "Ever Since The World Ended, I Don`t Get Out As Much"

    Registriert seit: 02.12.2013

    Beiträge: 45,636

    gypsy-tail-windDanke für deine Zeilen – ich will ja wirklich nicht ausschliessen, dass ich diesem Album gegenüber unfair und unsensibel bin. Es hat für mich – zehn Jahre später, als „Unplugged“ in aller Munde war, vermutlich etwa zweitgleich wie „Nirvana Unplugged“, mich einfach nie angesprochen und was ich oben auf die erneute Nachfrage hin schilderte ist, was davon hängen geblieben ist. Und das ist halt in erster Linie, dass ich es fürchterlich fand. Vielleicht muss ich in der Tube mal wieder ein Ohr voll nehmen? ….

    Womöglich macht es Sinn zuvor herauszufinden, woher die Proponenten dorthin gelangt sich und da vor allem Paco de Lucia …. und diese Aufnahme aus 1973

    verschafft erste Eindrücke und ist um wenige Sesterzen zu haben via …. :

    https://www.discogs.com/de/release/6955181-Paco-De-Lucia-Fuente-Y-Caudal

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      "Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit" (K. Valentin)
    #11806577  | PERMALINK

    vorgarten

    Registriert seit: 07.10.2007

    Beiträge: 9,795

    thelonica
    Ich bin die Tage immer mal wieder bei Love What You Doin‘ hängengeblieben, weil der Text interessant ist. Wir hatten was wegen Jimmy Scott geschrieben. Nach dem gesungenen Refrain (4 Wiederholungen) kommt in der ersten Zeile ein all the way, dann reimte sie dream auf stream, sie hatte da zwei Fragen formuliert. Da sind zufällig die beiden Albentitel von seinen 90er Alben drin. Mit never mind the tears, ‚cause you‘ ve always been my darling through the years geht’s dann weiter. Vielleicht interpretiere ich da viel hinein, weil es bleibt ja doch irgendwie offen, an wen das Lied gerichtet sein könnte. Ich befürchte, dass die Begleiter das vielleicht nicht wussten. Optisch ist die gesamte CD interessant, weil Abbey da ein bißchen wie eine Zauberin posiert, obwohl es sicher auch den Bezug zu Tanz gibt. (It’s Magic). Hier kann man das gar nicht so einfach trennen, denn steht der Zylinder (Hut) ausschließlich für Tanz, oder vielleicht für Varieté?

    interessant, versteckte botschaften an jimmy scott? irgendwo steht das ja, dass sie sich als fan zu erkennen gegeben hat (das tat billie holiday ja auch schon), aber man kriegt nicht raus, wo und in welchem zusammenhang. du hast recht, dass der/die adressat:in des lieds völlig offen ist, darunter liegen schon die lincolnschen themen vom mit-dem-strom-gehen oder im-verborgenen-warten, was auf sie wie auf scott zutrifft. das mit dem traum ist interessant, auch der varieté-bezug, wenn man an scotts red-room-auftritt in NAKED LUNCH denkt. auch sein outfit natürlich. zylinder, stepptanz, geh-/tanzstock sind alles mehrdeutige elemente, vaudeville & ministrels (in den meisten karikaturen von weißen haben schwarze ja einen zylinder auf, als symbol für den versuch, sich statussymbole anzueignen), die ambivalenz tanzstock/zauberstab führt natürlich direkt in den songtext hinein (die, die früher mit dem tanz den regen beschworen haben, sind heute zugpersonal etc., dazu der stepptanz als percussion…)

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    #11806627  | PERMALINK

    thelonica

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    Beiträge: 3,509

    Ja, ich dachte schon länger, dass Love eine Person sein könnte. Der Titel sagt schon: (Ich) liebe was du tust, oder „Liebe was machst du“ (ohne Fragezeichen) und natürlich „Liebe was du tust“. Also absolut mehrdeutig, das kann viel bedeuten. Weil singen tut sie auch „Liebe, was machst du da unten“. Der Song hat vielleicht eine Botschaft, die uplifting sein soll. Es ist aber schwierig zu entschlüsseln.

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    #11806651  | PERMALINK

    clasjaz

    Registriert seit: 19.03.2010

    Beiträge: 2,003

    gypsy-tail-windIch hab ehrlich gesagt seit geschätzt so 1994 einen Bogen um „Friday Night“ gemacht – meine Erinnerung sagt mir, dass ich das inhaltsleeres Wohlklang-Gefrickel fand, viel zu oft auf den Effekt aus. Aber das ist ja wohl wie mit Garbareks Hausfrauen-Esoterik: es gibt unzählige glänzende Augen, wenn davon die Rede ist. Und das ist ja auch nichts, was ich verurteilen möchte. Ich hatte einfach nie das Bedürfünis, mich mit Di Meola auseinanderzusetzen, mit McLaughlin auch nur sehr am Rande … falls es den ultimativen Paco de Lucia-Tipp gäbe, würde ich da ev. mal reinhören mögen

    Der Hinweis  von soulpope zu dem entscheidenden Mann ist sehr gut, also ich kann ihn nachvollziehen, das gehört zwar nicht in die Jazz-Ecke, die mir allmählich hier zu engstirnig wird. Wohlklang-Gefrickel ist vielleicht etwas anderes – und so wenig ich Garbarek hören mag (und zwar nichts von oder mit ihm), ist mir das Wortgebilde „Hausfrauen-Esoterik“ doch zu sehr neben den Wortmöglichkeiten gebaut. Außerdem hat das nichts mit „Friday Night“ zu tun. – Ich wollte „Friday Night“, übrigens, nicht in den sog. Himmel loben, das ist mir fern. Nah war mir, Euch mal nach Begründungen zu fragen für die katapultierende Ablehnung. Und da kommt einfach nichts. Das ist schade. (Mc Laughlin hat mich noch nie interessiert, noch weniger Di Meola. Aber hier am Freitag mussten sie eben einmal antworten auf einen guten Fingerklämpfer.)

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    #11806669  | PERMALINK

    atom
    Moderator

    Registriert seit: 10.09.2003

    Beiträge: 20,384

    clasjaz

    atomDas stimmt, das Kräftemessen auf Friday Night ist da eine ganz andere Kategorie. Ich habe die drei sogar mal Live gesehen und war sehr schnell ermüdet.

    Lese ein bisschen mit, besonders zu Merrill und Scott („Dream“ war die erste Musik von ihm, die ich von ihm kennengelernt habe, habe Leute damit genervt), aber was ich mich gerade frage und damit Euch: Was ist so schlimm an „Friday Night“? Ich kann das heute auch sicher nicht mehr durchhören, aber was ist das Schlimme? Sportliches höre ich da nicht, drei Leute treffen sich, haben ziemlich verschiedene Gitarren und entsprechend verschiedene Finger oder vielmehr umgekehrt. Trotzdem sind sie doch beieinander. Vielleicht gerate ich da auch nicht in große Konflikte, weil es keine drei Pianisten sind. Das würde mich wahrscheinlich auch nerven Mir gehen ja schon zwei auf den Keks, wenn also Gulda mit Corea rummacht. Live habe ich sie, die drei, auch gehört, muss Ende der 80er-Jahre gewesen sein, in der Tonhalle Düsseldorf. Nicht mein Concert of the Century, aber es wahr auch kein schlechter Abend, jedenfalls war ich nicht müde. – Ich wundere mich nur über Eure so einhellige Abneigung („unsäglich“, „sportlich“, usw.) Ich würde das schon wieder mal hören. Auch wenn es nicht die größte Kunst auf der Erde sein sollte.

    Friday Night in San Francisco ist überhaupt kein schlechtes oder gar schlimmes Album, es enthält sogar Momente, die ich durchaus mag, aber für mich haben diese Duellierenden Momente und Tempo-Steigerungen immer etwas sportliches und showhaftes. Natürlich gehört auch das zum Jazz dazu, gehört zur Tradition in Clubs und Bühnen. Aber als Aufnahme und als Album ist mir das persönlich etwas zu wenig, um mich zu begeistern. Daher greife ich im Zweifelsfall lieber zu Passion, Grace and Fire, wenn ich die Drei hören möchte. Ich wollte niemandem den Spaß an Friday Night nehmen.

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    Hey man, why don't we make a tune... just playin' the melody, not play the solos...
    #11806735  | PERMALINK

    clasjaz

    Registriert seit: 19.03.2010

    Beiträge: 2,003

    atom Friday Night in San Francisco ist überhaupt kein schlechtes oder gar schlimmes Album, es enthält sogar Momente, die ich durchaus mag, aber für mich haben diese Duellierenden Momente und Tempo-Steigerungen immer etwas sportliches und showhaftes. Natürlich gehört auch das zum Jazz dazu, gehört zur Tradition in Clubs und Bühnen. Aber als Aufnahme und als Album ist mir das persönlich etwas zu wenig, um mich zu begeistern. Daher greife ich im Zweifelsfall lieber zu Passion, Grace and Fire, wenn ich die Drei hören möchte. Ich wollte niemandem den Spaß an Friday Night nehmen.

    Da sind wirklich Duelle, andere nennen es: das Gespräch aufnehmen. Dass es zum Duell zuweilen gerät, mag am Instrument liegen. Ich möchte hier wirklich nicht als Verteidiger des Albums aussehen und „Passion, Grace and Fire“ – sehr zurückhaltender, trotz Fire, aber eben mehr Grace – wäre auch meine Wahl. Danke für Deine Antwort. Mir kann man den Spaß an den Alben nicht verderben, da ich sie längst alle verschenkt (und alte Regel: man schenkt nur, was einem lieb ist) habe. Es ging mir nur um den Eindruck des schnellen, einigen Abwatschens.

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    #11806753  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
    Moderator
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    Registriert seit: 25.01.2010

    Beiträge: 61,827

    Es gibt unterschiedliche Formen von Dialog (das Duell ist eine davon, wobei die Metapher ja auch hinkt – Tote gibt es selbst im übertragenen Sinn nur selten), unterschiedliche Arten der Wahrnehmung dieser Formen, und unterschiedliche Interessenlagen. Ich wollte hier echt niemandem zu nahe treten, mir bedeutet diese Musik nichts (sie spricht nicht zu mir) und da fällt der schnelle Griff zum Zweihänder leichter, er findet unüberlegter statt als anderswo. Entschuldigung. Ich wäre dankbar, wir könnten es dabei belassen. Gerne auch ohne Vorwürfe der Engstirnigkeit – es geht hier ja nicht darum, laufend die vollständige Breite der eigenen Interessen zu verhandeln, sondern zu berichten, was gerade angehört wird, ein paar Gedanken dazu (oder auch keine). Dass sich aus der hier im Lauf der letzten Wochen entstandenen Dynamik einige in Jazz-Aufnahmen, die im Lauf der Neunzigerjahre entstanden sind, vertiefen, sich auch mal eingraben, lang gehegte und auch lang weggelegte Dinge hervorholen, ist jetzt vielleicht echt nicht die diverseste Stunde dieses Fadens – aber es ist doch gerade sehr interessant, dünkt mich, zumindest für jene, die sich aktiv daran beteiligen.

    Kenny Barron – What IF? | Vorhin bei mir nochmal das Kenny Barron-Album aus dem letzten Post, dann „What If?“, in der hässlichen Papphüllen-Version. Ich finde hier keinen unmittelbaren Zugang. Die beiden Trompeter – der einzige Wechseln zwischen den Alben, Eddie Henderson beim Live-, Wallace Roney beim Studio-Album – klingen phasenweise arg nach Miles Davis, bei Stubblefield geht es mir immer etwa gleich: ich habe den Eindruck, dass er stets mit einer grossen Ernsthaftigkeit dabei ist, aber auch immer wieder auf einen guten Einfall wartet … ich mag seinen Ton am Tenor unheimlich gerne, bewundere ihn sehr – aber bin auch immer wieder leise frustriert (vielleicht vergleichbar mit meiner Reaktion auf Dewey Redmans Sachen als Leader). Die Rhythmusgruppe ist exzellent, vor allem Cecil McBee hat starke Momente (besonders live). Aber ganz zum Fliegen kommt das für meine Ohren nicht, im Studio eher noch etwas weniger. Das Monk-Stück im Konzert („Misterioso“) finde ich ziemlich super, den Closer des Studio-Albums – „Trinkle Tinkle“, solo – finde ich dann umso irritierender, das klingt für mich so dahingenudelt, fast roboterhaft gleichmässig.

    An Evening with Lena Horne. Live at The Supper Club | thelonica hörte neulich was von Horne an – das erinnerte mich an diese CD, meine einzige späte von Horne, ein schöner Live-Mitschnitt aus New York, 19. September 1994, mit Mike Renzi (p/synth), Rodney Jones (g), Ben Brown (b), Akira Tana (d) und auf fünf der sechzehn Stücke den Bläsern des Count Basie Orchestra – vermutlich Renzi arrangiert, dazu steht nirgendwo was, aber er wird als „musical director“ geführt. Das ist ziemlich gut, aber nicht immer ganz so gut intoniert, wie ich es mir wünschte. Aber macht Spass!

    PS: Sax-Solist – u.a. in „Just One of Those Things“ – einem Track ohne die Basie-Leute – spielt wohl Donald Harrison. Horne nennt ihn in der Ansage (#14 meiner CD, fehlt aber im Tracklisting) vor dem nächsten Stück („We’ll Be Together Again“, gleich wieder mit einem Sax-Solo – aber hier sind dann die Basie-Bläser und vielleicht einer von ihnen der Solist?) … sein Name taucht im Booklet nicht auf aber in seinem Wiki-Eintrag findet sich die DVD-Version des Horne-Konzerts in den Credits:
    https://en.wikipedia.org/wiki/Donald_Harrison

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    "Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #133: Revivals in den 90ern und eine Neuheit aus der Romandie - 14.6., 22:00 | Slow Drive to South Africa, #7: tba | No Problem Saloon, #29: tba
    #11806767  | PERMALINK

    lotterlotta
    Schaffnerlos

    Registriert seit: 09.04.2005

    Beiträge: 3,317

    clasjaz

    atom Friday Night in San Francisco ist überhaupt kein schlechtes oder gar schlimmes Album, es enthält sogar Momente, die ich durchaus mag, aber für mich haben diese Duellierenden Momente und Tempo-Steigerungen immer etwas sportliches und showhaftes. Natürlich gehört auch das zum Jazz dazu, gehört zur Tradition in Clubs und Bühnen. Aber als Aufnahme und als Album ist mir das persönlich etwas zu wenig, um mich zu begeistern. Daher greife ich im Zweifelsfall lieber zu Passion, Grace and Fire, wenn ich die Drei hören möchte. Ich wollte niemandem den Spaß an Friday Night nehmen.

    Da sind wirklich Duelle, andere nennen es: das Gespräch aufnehmen. Dass es zum Duell zuweilen gerät, mag am Instrument liegen. Ich möchte hier wirklich nicht als Verteidiger des Albums aussehen und „Passion, Grace and Fire“ – sehr zurückhaltender, trotz Fire, aber eben mehr Grace – wäre auch meine Wahl. Danke für Deine Antwort. Mir kann man den Spaß an den Alben nicht verderben, da ich sie längst alle verschenkt (und alte Regel: man schenkt nur, was einem lieb ist) habe. Es ging mir nur um den Eindruck des schnellen, einigen Abwatschens.

    ….vielleicht, um auch nochmals meine vielleicht etwas zu drastisch formuliertes „unsäglich“ zu relativieren, hier mein Eindruck zu diesem damaligen „must have“! Habe mir die Scheibe tatsächlich bei Erscheinen gekauft, kannte von McLaughlin das eine oder andere, von Al di Meola hatte ich schon zwei Scheiben, alles auf Empfehlung von befreundeten Gitarristen, welche von den Fähigkeiten der Beteiligten absolut überzeugt waren. Als Erlebnis war diese Friday Night sicher was tolles für die, welche dabei waren und sich an diesem Wettstreit der 3 ergötzten, was mir dabei auf der Strecke blieb, ist die Musik. Sicher sind da ein paar schöne Momente und technisch ist das alles ganz groß, höre da aber kein Gespräch, nur ein leb- und liebloses Übertrumpfen wollen, bei dem mir der Spaß beim Hören verging, vielleicht sollte man das Ganze auch als Spaß der Drei sehen….mehr nicht!

    McLaughlin habe ich von den dreien immer noch als angenehmsten in Erinnerung, wenn auch nicht als Leader, als sideman in diversen Projekten(shakti u.ä.) setzt er doch einige sehr schöne und auch emotional ansprechende Akzente….

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    Hat Zappa und Bob Marley noch live erlebt!  
    #11806769  | PERMALINK

    vorgarten

    Registriert seit: 07.10.2007

    Beiträge: 9,795

    merci, @gypsy-tail-wind. ich kann dazu wenig sagen, auch hochsprung kann man als interessiertes aufeinandertreffen beschreiben, dafür gibt es auch publikum, deswegen weiß ich auch nicht, ob „sportlich“ wirklich so negativ gemeint war. ich hoffe, dass mein schock-begriff angesichts der erstbegegnung mit besagtem album mir jetzt nicht auch als engstirnigkeit ausgelegt wurde, es war einfach so, ich lernte damals gerade gitarre und das hat ganz schön abschreckend gewirkt (und damit meine ich nicht die virtuosität). ob das, was da passiert, instrumentenspezifisch ist, weiß ich nicht, mit corea/gulda wurde ja schon eine meiner ansicht nach sehr treffende referenz ins spiel gebracht.

    p.s. mein gitarrenlehrer meinte damals nur: al di meola hat den größten.

    andy bey, shades of bey (1998)

    meine erstbegegnung mit bey, weil seine schön arrangierte (und gesungene) version des „river man“ mir auf einem samler von gilles peterson begegnet war. in den liner notes steht was vom erfolg des vorgängeralbums nach 22 jahren diskografischer leerstelle, also hat evidence auch den nachfolger in auftrag gegeben, mit der maßgabe: nicht auf nummer sicher gehen. bey stellt hier eine große bandbreite vor, es gibt folklore, balladen, standards, swing, kopf- und tiefe baritonstimme, scat-gesang. unter den mitmusiker:innen zeigen sich persönlichkeiten, die lust auf diese stimme und das experiment haben, geri allen, gary bartz, der wunderbar sensible gitarrist paul meyers, peter washington, victor lewis. interessant, wie zu dieser zeit bestimmte songs zirkulieren: der river man bei bey und mehldau, street of dreams bei merrill und lincoln, der wayfaring stranger bei merrill und scott. am ende hier das afrokubanische schlaflied „drume negrita“, das ich vor allem mit bola de nieve verbinde, das es aber auch in einer bearbeitung von leo brouwer gibt. das kann ich mir wiederum im jazzkontext nur von bey vorstellen, in dieser zärtlichen aneignung, für wen auch immer er das singt.

    --

    #11806805  | PERMALINK

    lotterlotta
    Schaffnerlos

    Registriert seit: 09.04.2005

    Beiträge: 3,317

    vorgarten: al di meola hat den größten. andy bey, shades of bey (1998) meine erstbegegnung mit bey, weil seine schön arrangierte (und gesungene) version des „river man“ mir auf einem samler von gilles peterson begegnet war. in den liner notes steht was vom erfolg des vorgängeralbums nach 22 jahren diskografischer leerstelle, also hat evidence auch den nachfolger in auftrag gegeben, mit der maßgabe: nicht auf nummer sicher gehen. bey stellt hier eine große bandbreite vor, es gibt folklore, balladen, standards, swing, kopf- und tiefe baritonstimme, scat-gesang. unter den mitmusiker:innen zeigen sich persönlichkeiten, die lust auf diese stimme und das experiment haben, geri allen, gary bartz, der wunderbar sensible gitarrist paul meyers, peter washington, victor lewis. interessant, wie zu dieser zeit bestimmte songs zirkulieren: der river man bei bey und mehldau, street of dreams bei merrill und lincoln, der wayfaring stranger bei merrill und scott. am ende hier das afrokubanische schlaflied „drume negrita“, das ich vor allem mit bola de nieve verbinde, das es aber auch in einer bearbeitung von leo brouwer gibt. das kann ich mir wiederum im jazzkontext nur von bey vorstellen, in dieser zärtlichen aneignung, für wen auch immer er das singt.

    oh weh, Gitarrenhals, hoffe ich ;-)

    Die shades of bey gefällt mir insgesamt von den drei Reissues zwar schon sehr gut, das scat-Stück ist nicht so meins, hat so etwas von Fremdkörper auf der Scheibe. Die beiden Nachfolger sind für mich stimmiger, tolle Stimme, Arrangements und die Begleiter sind ganz formidabel, hoffe seinen Erstling demnächst auch zu bekommen…..

    --

    Hat Zappa und Bob Marley noch live erlebt!  
    #11806811  | PERMALINK

    soulpope
    "Ever Since The World Ended, I Don`t Get Out As Much"

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    ….

    --

      "Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit" (K. Valentin)
    #11806817  | PERMALINK

    vorgarten

    Registriert seit: 07.10.2007

    Beiträge: 9,795

    christof lauer, evidence (1995)

    lieblingsmusik, merkwürdigerweise. puristische, wunderbar aufgenommene (walter quintus!) trio-einspielung, mit anthony cox & daniel humair, sie spielen standards als zielpunkte aus coltraneschen freien improvisationen heraus, die in die bekannten themen münden (evidence, take the coltrane, blue & green, what’s new), manchmal spielen sie auch nur die themen (in a sentimental you, there will never be another you). no bullshit, einfach nur inspiriertes, kommunikatives aufdrehen. lauer war ja so ein angehender deutscher jazzstar, hat preise gewonnen, war hier auf dem zenith, verschwand danach in big bands. hab das trio live gesehen, nicht viel erwartet, jeden ton geglaubt.

    --

    #11806843  | PERMALINK

    vorgarten

    Registriert seit: 07.10.2007

    Beiträge: 9,795

    masabumi kikuchi, m (1997)

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