Franz Schubert

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  • #41787  | PERMALINK

    the-nightwatch

    Registriert seit: 01.03.2005

    Beiträge: 408

    Welche Aufnahmen der Winterreise könnt Ihr empfehlen?

    Ich kenne bisher jene mit Christa Ludwig die mir gut gefällt und eine mit Fischer-Diskau, die mit weniger gut gefällt.

    Was haltet Ihr von dem Zyklus?

    --

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    #5601201  | PERMALINK

    sinnerman

    Registriert seit: 12.01.2004

    Beiträge: 870

    Als „stolzer“ Besitzer von inzwischen 38 Winterreisen würde es mir nicht einfallen, nur eine einzige Aufnahme herauszustellen.

    Meine meistgehörte Winterreise ist vermutlich die des späteren Hermann Preys mit Philippe Bianconie auf einem Bösendorfer. Schönklang mit Tiefe.
    Als Referenz gilt vielen die berühmte Auslegung von Peter Pears (Tenor) mit Benjamin Britten. In derselben Stimmlage bevorzuge ich indes Ernst Haefliger (mit Jörg Ewald Dehler auf dem Hammerflügel).
    Ganz wunderbare Interpretationen von Frauen gibt es von Brigitte Fassbaender (mit Aribert Reimann, inzwischen ganz billig zu bekommen!!!) und (ganz neu) auch von Nathalie Stutzmann.
    Für mich ebenfalls unverzichtbar sind die ebenfalls erhältlichen Transkriptionsfassungen für Streiquartett oder Gitarrenduo (die Orchesterversion mit Hermann Prey – kurz vor dessem Tod – ist leider nur zum Teil empfehlenswert) und die „Modernisierung“ für Orchester von Hans Zender (Tenor: Hans Peter Blockwitz).

    --

    Es gibt ein Ziel, aber keinen Weg; was wir Weg nennen, ist Zögern. (Kafka)
    #5601203  | PERMALINK

    zeze

    Registriert seit: 06.04.2007

    Beiträge: 7,874

    Der Thread verdient mehr Beachtung, keine Frage.

    Ich habe die hier heute erstanden:

    Gut oder nicht gut? Ich kenne mich da nicht aus.

    --

    #5601205  | PERMALINK

    kingberzerk

    Registriert seit: 10.03.2008

    Beiträge: 2,063

    Zeze, wie wär’s mal mit der schönen Müllerin zur Abwechslung? Meine Lieblingsaufnahme ist mit Peter Schreier und András Schiff.

    Lernte alles natürlich durch Fischer-Dieskau und Gerald Moore kennen, war sozusagen unvermeidlich und auch prima, aber „Die Schöne Müllerin“ in dem Gespann da oben möchte ich Dir zumindest ans Herz gelegt haben.

    Mein Schubert-Favorit seit Jahren ist aber „Der Hirt auf dem Felsen“ op. 129 (für Sopran, Klavier und Klarinette, Text auch von Wilhelm Müller, das Gespann funktionierte ja sehr gut). Lernte ich durch den Film „Das Auge“ (Mortelle Randonnée) kennen. Die Interpretin darf nicht zu alt sein! Es gibt zwar eine Einspielung mit Margaret Price und Wolfgang Sawallisch, aber diesen Style meinte ich nicht. Es gibt eine Menge günstiger Einspielungen von Sopranistinnen, die man nicht unbedingt kennt, Soile Isokoski zum Beispiel. Da kann man noch entdecken.

    --

    Tout en haut d'une forteresse, offerte aux vents les plus clairs, totalement soumise au soleil, aveuglée par la lumière et jamais dans les coins d'ombre, j'écoute.
    #5601207  | PERMALINK

    katharsis

    Registriert seit: 05.11.2005

    Beiträge: 1,737

    Soile Isokoski hat sich schwer mit Interpretationen von Alexander Zemlinsky empfohlen, insofern ist Sie alle Mal einen Blick wert. Ihr Repertoire ist dabei sehr breit gefächert, so dass mit Sicherheit Schubert einige interessante Facetten abgetrotzt werden können.

    Ein ähnlich breites Repertoire hat Bernarda Fink, von der vor kurzem eine Auswahl Schubert’scher Lieder bei Harmonia Mundi erschienen ist. Bei Fink darf man getrost zugreifen, singt Sie doch immer glasklar, mit guter Intonation und der emotionalen Tiefe an den richtigen Stellen, ohne zu stark zu tremolieren.

    --

    "There is a wealth of musical richness in the air if we will only pay attention." Grachan Moncur III
    #5601209  | PERMALINK

    rainy-day-dream-away

    Registriert seit: 25.02.2007

    Beiträge: 216

    Wie findet ihr die Aufnahme der Winterreise von Fischer-Dieskau und Gerald Moore? Kingberzerks Beitrag klingt ein wenig als wär das die klassische aber langweilige Standardausgabe der Winterreise.
    Ich mag sie in deren Interpretation sehr, aber bin leider auch kein Klassikkenner.

    Welche deutschen Kunstlieder kann man sonst noch empfehlen?

    #5601211  | PERMALINK

    coleporter

    Registriert seit: 23.02.2007

    Beiträge: 4,085

    Rainy Day, Dream AwayWie findet ihr die Aufnahme der Winterreise von Fischer-Dieskau und Gerald Moore?

    Ich finde, es ist DIE Interpretation schlechthin!

    --

    Es ist viel leichter in dem Werke eines großen Geistes die Fehler und Irrthümer nachzuweisen, als von dem Werthe desselben eine deutliche und vollständige Entwickelung zu geben. (Arthur Schopenhauer, Die Welt als Wille und Vorstellung, Zürich 1988, S.531)
    #5601213  | PERMALINK

    marting

    Registriert seit: 13.10.2008

    Beiträge: 13

    Rainy Day, Dream AwayWie findet ihr die Aufnahme der Winterreise von Fischer-Dieskau und Gerald Moore?

    Welche??
    Es gibt drei Studioaufnahmen in dieser Besetzung. Die verbreitetste ist wohl die der Deutschen Grammophon aus den frühen 70ern (als Gerald Moore sich eigentlich schon zur Ruhe gesetzt hatte). Mir persönlich gefällt sie nicht besonders, und wenn es Dieskau sein soll würde ich unbedingt zu seiner Aufnahme von 1966 mit Jörg Demus raten! Auch günstig von der DG zu haben.
    Dort SINGT er noch wirklich schön, ohne dass die Interpretation zu kurz kommt. Und Demus ist halt ein richtiger Schubert-Pianist! Dieskau mag ich immer dann nicht, wenn er zu deklamieren und zu bellen anfängt. (Das ist allerdings nicht automatisch um so stärker, je neuer die Aufnahme ist….)

    Für mich sind allerdings Originaltonarten wichtig, daher sind „Bariton-Fassungen“ immer nur eine Variante.
    Die perfekte Tenor-Aufnahme habe ich noch nicht gefunden, aber ich höre Schreier/Schiff gern (bei Schreier/Richter wird zuviel gehustet). Und Pears/Britten hat auch etwas besonderes, wenn man sich an die Stimme mal gewöhnt hat.
    Hat jemand eine Meinung zu Prégardien? Die kenne ich noch nicht. Ich glaube, historischer Klavierklang ist was, was mich immer etwas befremdet… Darum höre ich meine Haefliger-CD eher selten, aber schlecht ist sie auch nicht.

    Gruß,
    Martin

    --

    #5601215  | PERMALINK

    sinnerman

    Registriert seit: 12.01.2004

    Beiträge: 870

    Bei „Der Hirt auf dem Felsen“ bitte unbedingt die Einspielung von Kathleen Battle (mit James Levine) berücksichtigen. Betörender geht’s nimmer.

    --

    Es gibt ein Ziel, aber keinen Weg; was wir Weg nennen, ist Zögern. (Kafka)
    #5601217  | PERMALINK

    coleporter

    Registriert seit: 23.02.2007

    Beiträge: 4,085

    MartinGDie verbreitetste ist wohl die der Deutschen Grammophon aus den frühen 70ern (als Gerald Moore sich eigentlich schon zur Ruhe gesetzt hatte).

    Ja, genau die habe und schätze ich.

    --

    Es ist viel leichter in dem Werke eines großen Geistes die Fehler und Irrthümer nachzuweisen, als von dem Werthe desselben eine deutliche und vollständige Entwickelung zu geben. (Arthur Schopenhauer, Die Welt als Wille und Vorstellung, Zürich 1988, S.531)
    #5601219  | PERMALINK

    rainy-day-dream-away

    Registriert seit: 25.02.2007

    Beiträge: 216

    Oh ja, die habe ich auch.

    Bezüglich der Stimmlage:
    Nun, ich bevorzuge meistens Bariton, weil ich die Stimmlage sehr angenehm finde. Frauenstimmen kann ich mir gar nicht anhören. Aber wie gesagt, ich bin nur ein schnöder Pop-freak, der ab und zu mal „richtige“ Musik hört. Das übliche wie Orff, Smetana und so… ;-)

    #5601221  | PERMALINK

    clasjaz

    Registriert seit: 19.03.2010

    Beiträge: 1,705

    .

    --

    #5601223  | PERMALINK

    clasjaz

    Registriert seit: 19.03.2010

    Beiträge: 1,705

    Bezüglich der Stimmlage

    Um auch einmal in den anderen Karzern der Klassik vorbeizuschauen …

    Besonders bei der „Winterreise“ finde ich die Frage der Stimmlage ganz unerheblich, zumal Männlein und Weiblein da auch Gemeinsamkeiten haben. Zunächst: ich halte es für ein grandioses Missverständnis, dass da ein einsamer Mann, wie man sich ihn vorstellen mag, durch die Gegend geht und seinen Schmerz vorbeibringt. Damit meine ich nicht einmal die Deutung, dass das verborgene politische Lieder gegen Metternich seien; sondern den schlichten Gestus der Einsamkeit. Ihn hinauszubrüllen oder auch -zuwiegen, das höre ich bei Fischer-Dieskau, Haefliger, sogar Schreier, obwohl nicht so sehr. Und ein Klavier, das sich etwas denkt, was zumal bei den F-D-Leuten nicht so sehr geschieht.

    Nein, für die „Winterreise“ brauche ich entschieden die Frauen. Also vor allem Fassbaender – und Reimann. Das ist die Kontrafaktur zu F-D und Moore, Brendel (Demus konnte ich zu wenig hören, um ihn hier einordnen zu wollen), schwer, getragen auch im Klavier, aber im „Frühlingstraum“ kann sie nun einmal besser schreien als die Männer.

    Das ist nur eine schlichte, unbeholfene Vorrede für Christine Schäfer und Eric Schneider. Ich habe keine Lust, Verbindungen zu ihrem Leben in der Zeit um die Einspielung herum zu ziehen, die ich ja auch nur aus herbeigezogenen Nachrichten aus dem Netz kenne. Ich weiß nicht, was da mit ihr vorgeht, denn die anderen Aufnahmen von ihr waren mir gleichgültig. Aber in der „Winterreise“, das ist der verschlagene Terror des Todes (der das männliche Gejaul als dumme Süße entlarvt), der dann doch in sein Ebenbild umschlägt, das schwer zu sagen ist.

    Wenn ich wissen will, ob ich etwas mit einer „Winterreise“-Einspielung anfangen kann, gehe ich gleich zum letzten Lied. Wenn das Klavier da nicht verzogen-zögernd ohne Atem die ersten Takte nimmt, hoffe ich nichts für das andere. Gerald Moore z. B. ist mir da ein großer Langweiler, Brendel – wie immer – jemand, der so tut, der es ja wissen muss, aber nichts macht.

    Dann noch: Jemand sagte hier irgendwann einmal, Schubert hätte zu viele Noten. Das stimmt nicht. Da sind fast keine. Es bleibt ein Rätsel für mich, was die Leute aus dem Wenigem machen, wie sie in eine kleine notierte Note ein Bewusstsein legen.

    Der Schäfer/Schneider-Aufnahme stehen diese Worte von Thomas Brasch voran:

    Was ich habe, will ich nicht verlieren, aber
    Wo ich bin, will ich nicht bleiben, aber
    Die ich liebe, will ich nicht verlassen, aber
    Die ich kenne, will ich nicht mehr sehen, aber
    Wo ich lebe, da will ich nicht sterben, aber
    Wo ich sterbe, da will ich nicht hin:
    Bleiben will ich, wo ich nie gewesen bin.

    Das stimmt, so singt sie. In diesem Furor, den Fassbaender auch hat, aber gemildert – oder wissender, da sie älter ist und darum ein wenig ruhiger, aber nur ein wenig.

    --

    #10361889  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
    Moderator
    Biomasse

    Registriert seit: 25.01.2010

    Beiträge: 49,860


     
    ’s ist nicht für Mädchenbusen,
    So schön sieht es nicht aus:
    Schwarz, schwarz ist seine Farbe,
    Es paßt in keinen Strauß.

    ~ Wilhelm Müller, aus „Blümlein Vergißmein“, aus dem Zyklus „Die schöne Müllerin“
     
    Christian Gerhaher/Gerold Huber – Schubert: Die schöne Müllerin (Sony Classical, 2017)
     
    Das ist nichts weniger als phänomenal! Ich musste ja auch schmunzeln, als ich neulich irgendwo vom oberlehrerhaften Gebahren beim Singen las, das Gerhaher bei einem Auftritt an den Tag legte … hat ja was, mit seiner Suche nach einer gewissen Objektivität – aber wenn so etwas dabei herausschaut, soll es mir noch so recht sein. In Brahms‘ Requiem war er vor einiger Zeit mit Haitink in der Tonhalle auch perfekt, gerade wie hier. So schwarz und düster, so zweiflerisch und grüblerisch klang die Müllerin wohl noch nie, dafür besorgt ist auch Gerold Huber, der langjährige Partner von Gerhahers Lied-Erkundungen. Vor, zwischen und nach den Schubert-Liedern rezitiert Gerhaher dieses Mal zusätzlich die fünf Gedichte aus Wilhelm Müllers Zyklus, die Schubert nicht vertont hat. Das gibt Atem- und Denkpausen und gefällt mir sehr gut.

    Das tolle daran ist, wie Gerhaher aus der Tiefe der Musik zu singen scheint, sich quasi in ihr versenkt, sich den Stoff aneignet –
    das geht so weit, dass er dem unsicheren, selbstzweifelnden Ich des Müller-Lehrlings eine fahlere Stimme mit Vibrato gibt als dem gelangweilten Müller. Beim Hören fühlt man wohl so stark mit dem Protagonisten fühlt wie noch nie – Gerhaher lädt jede Zeile, jede Phrase, mit Bedeutung auf. Das gelingt ihm aber völlig ohne die Prätentionen des grossen DFD. Diesen will ich damit nicht abwatschen, ohne ihn gäbe es Gerhaher ja vermutlich überhaupt gar nicht. Aber ich mag DFDs Gesang halt nicht so sehr und diese Überfrachtung mit Bedeutung glaube ich bei ihm tatsächlich fast permanent zu hören, als würde er das alles quasi auf die Musik drauf laden statt – wie Gerhaher es tut – es (und sich) in der Musik versenken und dann in der Umsetzung, im Singen, in der Performance quasi erst wiederauftauchen zu lassen.

    Gut, ich bin tief beeindruckt. Aber das sagte ich wohl schon.

    --

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