Evan Parker

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  • #62765  | PERMALINK

    newk

    Registriert seit: 09.10.2008

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    Dann versuche ich mich mal an einem kurzen Überblick über die Discographie von Evan Parker.
    Natürlich kenne ich nicht alle wichtigen Alben. So fehlen mir unter anderem Monoceros und Karyobin.
    Seine ersten Aufnahmen machte Parker Ende der 60er mit John Stevens bzw. dem Spontaneous Music Ensemble.
    Während bei ungefähr zeitgleich enstandenen Alben mit Peter Brötzmann noch deutliche Anklänge an amerikanischen Free Jazz zu erkennen sind handelt es sich hierbei um oft sehr abstrakte und jazzferne Musik.
    Zwischen diesen beiden Polen pendelt sich das Schlippenbach Trio (bzw. Quartett) mit Alexander von Schlippenbach und Paul Lovens sowie zeitweise Peter Kowald oder Alan Silva ein.
    Auch hier hört man zwar Referenzen an amerikanische Vorbilder, besonders die Cecil Taylor Unit mit Lyons und Murray, allerdings ist die Musik viel kollektiver so daß man kaum von einer Hierarchie Leader/Sideman oder von Soli sprechen kann.
    Nebenbei bemerkt gehören die Alben dieser Gruppe mE oft zu Parkers besten. Während man auf manchen Aufnahmen der letzten 10 Jahre das Gefühl hat er würde die selben, natürlich extrem virtuosen, Phrasen unverändert widerholen, finden sich immer wieder Überraschungen. So klingt auf der 2006 erschienenen CD Winterreise für einen Moment lang Evan wie Maceo Parker.
    Auf Aufnahmen unter eigenem Namen arbeitet Parker oft mit dem Schlagzeuger Paul Lytton zusammen. In den 70ern entstanden mehrere Alben als Duo, später wurde mit dem Bassisten Barry Guy das Trio Parker / Guy / Lytton gegründet.
    Diese Gruppe bildet auch die Basis für Quartettalben mit Marilyn Crispell oder George Lewis sowie für das Electro-Acoustic Ensemble.
    Weiterhin sind natürlich Soloaufnahmen ein wichtiger Teil von Parkers Œuvre. Besonders am Sopransaxophon erzeugt er per Zirkularatmung eine beeindruckte Anzahl von Obertönen, die die Illusion vermitteln mehrere Musiker gleichzeitig zu hören.

    Auswahldiscographie:

    Peter Brötzmann – Machine Gun
    Tony Oxley – The Baptised Traveller
    Evan Parker / Derek Bailey / Han Bennink – The Topography of the Lungs (eine von zahlreichen Aufnahmen mit Derek Bailey)
    Schlippenbach Trio – Pakistani Pomade
    Spontaneous Music Ensemble – Eighty-Five Minutes / Quintessence
    Evan Parker & Paul Lytton – At the Unity Theatre
    Derek Bailey & Evan Parker – The London Concert
    Evan Parker – The Snake Decides (Solo Sopran)
    Cecil Taylor with Tristan Honsinger and Evan Parker – The Hearth (eines der Cecil Taylor Alben, die 1989 von FMP veröffentlicht wurden; Parker ist auch Teil des „European Orchestra“ auf Alms/Tiergarten (Spree))
    Schlippenbach Trio – Elf Bagatellen (Studioalbum von 1990)
    Anthony Braxton & Evan Parker – Duo (London) 1993 (ohne Rhythmusgruppe und natürlich eher abstrakt; erinnert zeitweise an Aufnahmen von Konitz und Marsh)
    Paul Bley / Evan Parker / Barre Phillips – Time Will Tell (an das Jimmy Giuffre Trio angelehnt; auf ECM)
    Parker / Guy / Lytton – At the Vortex (1996)
    Evan Parker & Eddie Prévost – Most Materiall (nicht zufällig fast genau 30 Jahre nach Interstellar Space aufgenommen; eine Doppel-CD mit dem Schlagzeuger von AMM)
    Parker / Schlippenbach / Lytton – America 2003 (Schlippenbach ist für Barry Guy eingesprungen; klingt erwartungsgemäß mehr nach Schlippenbach Trio als nach P/G/L)
    Schlippenbach Trio – Winterreise (Liveaufnahmen von 2004/5)

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    #7139009  | PERMALINK

    vega4

    Registriert seit: 29.01.2003

    Beiträge: 8,667

    newk
    Tony Oxley – The Baptised Traveller
    Spontaneous Music Ensemble – Eighty-Five Minutes / Quintessence
    Evan Parker – The Snake Decides (Solo Sopran)
    Cecil Taylor with Tristan Honsinger and Evan Parker – The Hearth (eines der Cecil Taylor Alben, die 1989 von FMP veröffentlicht wurden; Parker ist auch Teil des „European Orchestra“ auf Alms/Tiergarten (Spree))

    Sehr schöner thread! Kannst du bitte ein paar Worte zu diese Alben schreiben?

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    #7139011  | PERMALINK

    newk

    Registriert seit: 09.10.2008

    Beiträge: 428

    Vega4Sehr schöner thread! Kannst du bitte ein paar Worte zu diese Alben schreiben?

    The Baptised Traveller ist von 1969, neben Oxley und Parker mit Kenny Wheeler, Derek Bailey und dem Bassisten Jeff Clyne. Trotz Bailey und Oxley eher Free Jazz als freie Improvisation. Parker spielt nur Tenor und klingt oft wie Albert Ayler.
    Quintessence ist eine Aufnahme von 1973 mit Trevor Watts und Evan Parker (jeweils nur Sopransaxophon), Derek Bailey, Kent Carter (Cello, Bass) und John Stevens.
    Meistens spielen alle 5 Musiker gleichzeitig, also ein eher abstraktes Album.
    The Snake Decides ist das sechste Soloalbum von 1986. Parker spielt , dank Zirkularatmung, bis zu 20 Minuten lang ununterbrochen.
    Bei The Hearth handelt es sich um eine Aufnahme von 1988. Neben Taylor und Parker (nur Tenor) spielt der Cellist Tristan Honsinger mit. Für Cecil Taylor ein ungewöhnliches, weil frei improvisiertes Album. Taylor „singt“ hier auch mehr als sonst.

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    #7139013  | PERMALINK

    mueti

    Registriert seit: 09.11.2007

    Beiträge: 1,047

    The Snake Decides sollte jeder mal gehört haben. Ein absolutes Überalbum.

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    #7139015  | PERMALINK

    nail75

    Registriert seit: 16.10.2006

    Beiträge: 43,529

    Ja, steht auf der (unendlich langen) Liste. Ich kenne von Parker nur einen kleinen Teil der Alben, die newk oben listest. Zu „The Baptised Traveller“ wollte ich ergänzen, dass es eines der UK-Free-Jazz-Alben ist, die Columbia in den späten 1960ern und frühen 1970ern finanziert hat, ebenso wie die Columbia-Alben von Howard Riley beispielsweise. Im Penguin Guide bekommt es eine Krone, aber die Faszination dieses Werks hat sich mir bislang nie erschlossen. Ich schätze Oxley sehr und mag sein Schlagzeugspiel auf vielen von mir heißgeliebten Alben wie Adventure Playground und Leosia, aber das?

    Oxley hat noch ein Columbia-Album gemacht (Four Compositions), beide sind auf CD und LP oop und teuer. Bei Interesse an einer Hörprobe PN!

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    Ohne Musik ist alles Leben ein Irrtum.
    #7139017  | PERMALINK

    icculus66

    Registriert seit: 09.01.2007

    Beiträge: 1,960

    #7139019  | PERMALINK

    vega4

    Registriert seit: 29.01.2003

    Beiträge: 8,667

    Dann bedanke ich mich schon brav für eure Infos! Klingen alle sehr interessant…
    Auch meine Einkaufsliste hat eine gewisse „Überlänge“… ;-)

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    Der Teufel ist ein Optimist, wenn er glaubt, dass er die Menschen schlechter machen kann. "Fackel" - Karl Kraus
    #7139021  | PERMALINK

    newk

    Registriert seit: 09.10.2008

    Beiträge: 428

    Sehr gutes Interview auf Paris Transatlantic:
    http://www.paristransatlantic.com/magazine/interviews/parker.html

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    #7139023  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
    Moderator
    Biomasse

    Registriert seit: 25.01.2010

    Beiträge: 58,504

    Kenne Parker noch nicht sooo gut (siehe auch der Sterne-Thread).

    Die 1975er „Saxophone Solos“ ist jedoch absolut grandios. Hatte vor Jahren mal das Glück, die Chronoscope CPE 2002-2 „Saxophone Solos“ CD mit diesen Aufnahmen zu finden.

    Auch sehr spannend finde ich sein Elektro-Akustik Ensemble, sowie das Trio mit Paul Bley und Barre Phillips (habe allerdings da nur die „Sankt Gerold“ von ECM).

    Die Intakt-Doppel-CD mit Barry Guy, „Birds and Blades“, ist auch toll.

    Live habe ich Parker bisher nur einmal gesehen, mit Barry Guys New Orchestra. Sie spielten am Taktlos Zürich „Oort – Entropy“, das war unglaublich intensiv live, aber am Radio bzw. auf CD im Vergleich dazu extrem schwach! Das ist eins der Konzerte, die sich definitiv nicht reproduzieren lassen!
    Parker hat damals ein Solo auf dem Sopran gespielt mit seinen üblichen virtuosen Zirkuläratmungs-Endlos-Schlaufen… irgendwie hab ich das gehört… aber später hat er zum Tenor gegriffen (oder war das zuerst, weiss nicht mehr) und ein wunderbares, sehr lyrisches Solo geblasen – eins der Highlights des Konzerts!

    --

    "Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #123: 12.10., 22:00 | Slow Drive to South Africa, #7: tba | No Problem Saloon, #29: tba
    #7139025  | PERMALINK

    newk

    Registriert seit: 09.10.2008

    Beiträge: 428

    gypsy tail windKenne Parker noch nicht sooo gut (siehe auch der Sterne-Thread).

    Die 1975er „Saxophone Solos“ ist jedoch absolut grandios. Hatte vor Jahren mal das Glück, die Chronoscope CPE 2002-2 „Saxophone Solos“ CD mit diesen Aufnahmen zu finden.

    Auch sehr spannend finde ich sein Elektro-Akustik Ensemble, sowie das Trio mit Paul Bley und Barre Phillips (habe allerdings da nur die „Sankt Gerold“ von ECM).

    Die Intakt-Doppel-CD mit Barry Guy, „Birds and Blades“, ist auch toll.

    Live habe ich Parker bisher nur einmal gesehen, mit Barry Guys New Orchestra. Sie spielten am Taktlos Zürich „Oort – Entropy“, das war unglaublich intensiv live, aber am Radio bzw. auf CD im Vergleich dazu extrem schwach! Das ist eins der Konzerte, die sich definitiv nicht reproduzieren lassen!
    Parker hat damals ein Solo auf dem Sopran gespielt mit seinen üblichen virtuosen Zirkuläratmungs-Endlos-Schlaufen… irgendwie hab ich das gehört… aber später hat er zum Tenor gegriffen (oder war das zuerst, weiss nicht mehr) und ein wunderbares, sehr lyrisches Solo geblasen – eins der Highlights des Konzerts!

    Die Electro-Acoustic Ensemble Alben kenne ich bisher noch kaum. Ich habe öfter gelesen, daß die Aufnahmen sehr verhallt sind, darauf
    geht Parker ja in dem verlinkten Interview ein. Das stört mich auch bei Sankt Gerold etwas.

    Meinst Du in dem letzten Absatz, dass die Sopransoli zu vorhersehbar klingen? Das finde ich generell nicht so tragisch. Eigentlich hat ja
    fast jeder Jazz(?)-Musiker ein paar typische licks die er immer spielt, die cluster bei Cecil Taylor ähneln sich ja auch oft.

    „Saxophone Solos“ ist mittlerweile übrigens auch auf PSI veröffentlich wurden.

    --

    #7139027  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
    Moderator
    Biomasse

    Registriert seit: 25.01.2010

    Beiträge: 58,504

    Ja, das meinte ich zu den Sopran-Soli – vorhersehbar ist vielleicht etwas hart, aber er klingt für mich in letzter Zeit auf dem Tenor immer wieder ungeheuer frisch, auf dem Sopran eher weniger.

    Wusste ich nicht, dass es „Saxophone Solos“ auf PSI wieder gibt, aber das ist schön – solche Aufnahmen dürften gar nie vergriffen sein!

    Übrigens finde ich auch seine Zusammenarbeit mit Derek Bailey sehr spannend. Kenne zwar „Topography“ noch nicht, aber das „London Concert“ und die paar Live-Aufnahmen, die ich habe, gefallen mir sehr. Bin allerdings mehr Bailey-Fan denn Parker-Fan.

    --

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    #7139029  | PERMALINK

    clasjaz

    Registriert seit: 19.03.2010

    Beiträge: 1,943

    Das ist mir heute auf den Bildschirm gerutscht: Parker mit Bailey, zusammen und solo. Es gibt auch noch ein Solokonzert von Parker (1978). Da ist zwar nicht allzu viel dokumentiert, aber die Auswahl ist schön (auch Jenkins und Bang). Außerdem einiges für percussion solo (Cyrille, Roach, Murray, Graves) und – drum habe ich es gefunden – ein interessantes Konzert vom Dixon-Trio 1979. Leider sagen auch die „Dixonia“ von Young nicht, wer am Bass (der ist besonders spannend) und am Schlagzeug sitzt.

    --

    #7139031  | PERMALINK

    atom
    Moderator

    Registriert seit: 10.09.2003

    Beiträge: 19,623

    Falls jemand in der nächsten Woche in London ist:

    Join us next week in a week-long celebration for Evan Parker’s 70th birthday with concerts every night split between OTO and The Vortex.
    Monday 20 October 2014 – Cafe OTO
    Evan Parker + The Necks SOLD OUT

    Tuesday October 21 – The Vortex
    Evan Parker / Joe McPhee / Chris Corsano / John Edwards

    Wednesday October 22 – Cafe OTO
    Evan Parker + AMM (John Tilbury & Eddie Prévost)

    Thursday October 23 – The Vortex
    Evan Parker with Black Top (Pat Thomas & Orphy Robinson)
    Evan Parker / John Edwards / Steve Noble

    Friday October 24 – Cafe OTO
    Evan Parker / John Edwards / John Russell

    Saturday October 25 – The Vortex
    Trance Map Quartet with Matt Wright, Hannah Marshall and Barry Guy

    Sunday October 26 – Cafe OTO
    Evan Parker Electro-Acoustic Ensemble

    Im Dezember erscheint „The Topography of The Lungs“ als Vinyl-Reissue auf OTO-Roku:

    OTOrokuWe’re very pleased to cap off this year’s celebrations of Evan Parker’s 70th birthday with a vinyl re-issue of ‚The Topography of The Lungs‘ – Evan Parker’s first recording as a „leader“ and originally issued in 1970 as the first LP on Incus, the label he founded with guitarist Derek Bailey and drummer Tony Oxley.
    This re-issue has been produced from an original vinyl pressing from Evan’s archives – carefully transcribed and restored by Andreas [LUPO] Lubich at Calyx in Berlin.
    Release date: 15 December 2014.
    PRE-ORDER NOW for £10
    (Regular Price = £13)

    Evan Parker‘The Topography of the Lungs’ was the first recording I made as a „leader“ – in the somewhat antiquated terminology of the times. What this means in simple terms is that I set up the date and invited Han and Derek to participate – after that it was a matter of open interaction.

    The original notes make clear my enthusiasm for the work that Derek Bailey and Han Bennink had done as a duo and it was good of them to share their discoveries with me. It was the first release on Incus, a label that I set up with Derek Bailey and Tony Oxley with financial assistance from music journalist Michael Walters. No accurate history of Incus Records has yet been written. After parting company and when the conditions of my agreement with Derek Bailey had been met, it was issued as a CD, thanks to Martin Davidson, on my label psi.

    Musicians of my generation were very happy when the CD superseded the LP. I remember clearly the initial argument that CD was an elitist format… Times and attitudes have changed and the LP has made a serious return, especially in the documentation of marginal musics. OTOroku is run by and, perhaps, largely for, a new generation of listeners who have an affection for the LP format that reminds me of my youth.

    I am very happy that a label associated with one of the most important music venues in London is overseeing this release.

    I often travel along Dawes Road in Fulham and pass the building where the recording was made. It is on the first floor by a bus stop and was a small space with a dead acoustic, probably ideal for making low-budget rock demos, which encouraged very analytical listening.

    The engineer, Bob Woolford, was not shocked by what we were doing. On the contrary he was then, and remains, one of the great engineers, along with Adam Skeaping and Michael Gerzon who enjoyed the challenges of recording alternative musics.

    In the intervening forty-odd years since its first release, the idealism of the original notes has been battered almost sense-less by the Neo-Liberal (Neo-Fascist would be a more accurate term) moves to global hegemony. I take heart from the environ-mental, Occupy and anti-war movements and would encourage all younger listeners to find a way to live their lives as far as possible without interference and control by decisions made in corporate boardrooms. May the music here give you energy and fuel your imaginations.

    --

    Hey man, why don't we make a tune... just playin' the melody, not play the solos...
    #11513535  | PERMALINK

    icculus66

    Registriert seit: 09.01.2007

    Beiträge: 1,960

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