Die letzte Dokumentation, die ich gesehen habe

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  • #11844211  | PERMALINK

    ford-prefect
    Feeling all right in the noise and the light

    Registriert seit: 10.07.2002

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    Total Thrash – The Teutonic Story, Kino Harmonie, Frankfurt/Main, 18.7.2022

    Seit der Welturaufführung in der Essener Lichtburg am 31. Mai befindet sich Filmemacher Daniel Hofmann, der einen Dokumentarfilm über die deutsche Thrash-Metal-Szene gedreht hat, auf Kinotour quer durch die Republik. Am 27. Juni war Hofmann, selbst bekennender Kuttenträger, mit seinem Werk im Frankfurter Mal sehn-Kino gewesen. Wegen der großen Nachfrage kam Daniel Hofmann gestern erneut nach Mainhattan, um im Harmonie-Kino vor etwa 30 Besuchern seinen Film abermals zu präsentieren, mit anschließender Frage-Antwort-Runde. Moderator der Vorführung war Marcus Menold, der Chefredakteur des Horrorfilmmagazins Virus, der in der Harmonie regelmäßig in der Rubrik „(Dis)harmonie“ ausgewählte Gruselfilme zeigt.

    In dem knapp zweistündigen Thrash-Metal-Dokumentarfilm „Total Thrash“ kommen Szene-Giganten wie Kreator, Sodom, Destruction, Dust Bolt und Tankard zu Wort, aber auch kleinere Acts wie Space Chaser, Exumer und Hate Squad sowie „Elchkuh“ Britta Görtz von Cripper und Sabina Classen von Holy Moses. Darüber hinaus äußert sich eine junge Generation an Thrash-Metal-Musikern, die noch gar nicht geboren waren, als diese Combos erste Songs komponierten, etwa Antipeewee aus der Nähe von München. Für die erhellenden Interviews besuchte die Filmcrew die jeweiligen Bands in ihren Heimatstädten. Tankard-Sänger Andreas „Gerre“ Geremia erzählt in der Hard’n’Heavy-Kneipe Speak Easy in Frankfurt/Main, in der Gerre häufig als DJ auflegt. Angereichert mit Archivmaterial und alten Konzertausschnitten.

    Von der ersten Minute an merkt man dem gelungenen Film an, wie viel Arbeit und Herzblut darin stecken. Nur ein Protagonist der Szene fehlt in diesem Reigen … Mille von Kreator, ausgerechnet. „Der hatte einfach keine Lust, an dem Projekt mitzuwirken. Ich hab mehrmals sein Management kontaktiert und es über Dritte und Bekannte versucht, Mille sagte aber Nein“, bedauerte Filmemacher Daniel Hofmann in der Frage-und-Antwort-Runde. Kann man irgendwie gar nicht verstehen, immerhin befindet sich Mille seit der VÖ des neuen Kreator-Albums „Hate über alles“, das am 10. Juni erschien, gegenwärtig in sämtlichen Medien des Metal- und Punk-Sektors. Also ein Sendebewusstsein scheint er schon zu haben. Als Daniel Hofmann, der mit einem Interview in der Juni-Ausgabe des Rock Hard zu lesen war, mit der Vorproduktion begann und erste Kontakte zu den städtischen Szenen aufnahm, seien ihm vereinzelt Reaktionen wie „Och nö, nicht schon wieder so ein TV-Heini, der eine Dokumentation über uns drehen will“ entgegengeschlagen.

    Im Ruhrgebiet seien besonders die anarchischen Autobahnbrückenpartys in der Stadt Velbert in den 1980er Jahren legendär gewesen, die Besucher reisten dafür aus ganz Deutschland an. Deshalb gibt es in Velbert einen Heavy Metal Fan Club. Aus Velbert kommen Violent Force und Living Death.

    An den Regisseur stellte ich die Frage „Mit welchen Erkenntnissen hast du dein Filmprojekt abgeschlossen?“. Mit dieser vagen Erkundigung konnte der etwas stutzende Dokumentarfilmer nichts anfangen, darum konkretisierte ich mit „In Bezug auf die Vielgestaltigkeit der Thrash-Metal-Szene?“. Ja, die Szene ist breit und inspiriert, erläuterte Hofmann daraufhin.

     

    zuletzt geändert von ford-prefect

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    An old beat-up guitar just sounds better
    Highlights von Rolling-Stone.de
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    #11846679  | PERMALINK

    marc-74

    Registriert seit: 26.08.2008

    Beiträge: 2,704

    Ex-Angel und Kronzeuge Kassra Zargaran packt aus.

    #11846885  | PERMALINK

    ford-prefect
    Feeling all right in the noise and the light

    Registriert seit: 10.07.2002

    Beiträge: 8,249

    So war das SO36 (1984) von Manfred Jelinski und Jörg Buttgereit

    Über das Podcast-Interview „Der Soundtrack meines Lebens“ mit Jörg Buttgereit auf visions.de auf diesen alten 90-minütigen Dokumentarfilm über den Berliner Musikclub SO36 von 1984 gestoßen. Bild ist für damalige Verhältnisse okay, nur der Ton ist stellenweise miserabel, so dass man die sprechenden Protagonisten nur schwer verstehen kann, wird aber im Laufe des Films besser. Während der Dreharbeiten musste das SO36 schließen, weshalb der Film unverhofft zu einem Nachruf auf diese Kulturstätte von Punk-Rock, Off-Theater, Filmvorführungen und Lesungen wurde. Einige Zeit später feierte das SO36 seine Wiedereröffnung.

    In den Anfängen wurde dieser Saal von einer türkischen Familie betrieben, die die Räumlichkeiten überwiegend für familiäre Feste wie Hochzeiten ihrer Landsleute vermieteten. In dem Saal soll sogar eine türkische Beschneidungszeremonie gefeiert worden sein. Nach und nach entwickelte sich das SO36 jedoch zu einem bedeutenden Ort der Subkultur. Eine Clique Punker-Mädchen erzählt, dass sie manchmal die Türsteher mit Schokolade bestochen haben, um reinzukommen. An Weihnachten hätten die Mädchen im Club Plätzchen verteilt. Man sieht Konzert-Ausschnitte von Die Gelbs, Einstürzende Neubauten, Soilent Grün, Der wahre Heino, Die Tötdliche Doris und TV-War. Im Club fliegen Bierdosen umher.

    Es äußern sich zudem Albrecht „German Television proudly presents“ Metzger vom WDR-Rockpalast, Metal-Labelbetreiber Karl Walterbach, Farin Urlaub und Hagen Liebing. Ein Punk-Mädchen mit flamboyant rosafarbenen Haaren namens Jenny, die sich eine dicke Ratte auf die rechte Schulter setzt, erzählt davon, wie sie bei einem Konzert von Slime beim Pogo durch den Fußboden brach. Selbst war ich leider noch nie im SO36, als ich mal in Berlin war 2007, das bisher einzige Mal, schaffte ich es nur ins „Wild at Heart“.

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    An old beat-up guitar just sounds better
    #11847063  | PERMALINK

    cleetus

    Registriert seit: 29.06.2006

    Beiträge: 16,572

    Into the Inferno (Netflix) – Werner Herzog erzählt etwas zu Vulkanen, zusammen mit einem Professor der aussieht wie einer vom Fellowship of the Ring bereist er dadurch allerlei aktive Vulkane auf der ganzen Welt und landet irgendwann am Paektu, dem Grenzberg zwischen Nord- und Südkorea. Ab da schafft er es Zugang ins Land zu bekommen und Werner Herzog ist in Nordkorea unterwegs, was könnte besser sein?

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    Don't be fooled by the rocks that I got - I'm still, I'm still Jenny from the block
    #11848551  | PERMALINK

    stormy-monday
    verdreckter Hilfssheriff

    Registriert seit: 26.12.2007

    Beiträge: 16,907

    3- teilige Doku über Ghislaine Maxwell, die dem Investmentbanker Jeffrey Epstein half, seinen Missbrauchsring Minderjähriger aufzubauen. Spannend und erschütternd.

    Klick

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    Hellhounds in my passway
    #11849595  | PERMALINK

    schaifala

    Registriert seit: 07.04.2007

    Beiträge: 5,047

    HELGA – Die zwei Gesichter der Feddersen

    Schöne Doku über Helga Feddersen – mit Kommentaren von Frank Zander, Dieter Hallervorden , Karl Dall und weiteren Weggefährten.

    Sehr interessant auch der Beitrag von Sven Regener von Element Of Crime (wieder was gelernt):

    Drüben am Horizont verschwindet eine Landschaft
    Ein Schnitt in die Brust ist der Abschied, doch diesmal fällt er aus
    Ich will mehr für dich sein als eine Schleusenbekanntschaft
    Diesmal mein Herz, diesmal fährst du mit

     

     

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    #11849775  | PERMALINK

    ford-prefect
    Feeling all right in the noise and the light

    Registriert seit: 10.07.2002

    Beiträge: 8,249

    Christoph Schlingensief – In das Schweigen hineinschreien (2020, Regie: Bettina Böhler)

    Wollte ich schon vor zwei Jahren im Kino anschauen, nun ist der Dokumentarfilm endlich in einer Mediathek online. Die zweistündige Doku beginnt damit, den Schlingensief als kleinen Jungen zu zeigen, auf Hobbyfilmaufnahmen, wie er infantile Kurzfilme drehte, in denen er einen einpeitschenden und trommelnden Lehrer vor einer Klasse mit Kindern spielt, unter dem Label Amateur Film Company 2000. Sein Vater arbeitete als Apotheker. „Mein Vater hat die Leute mit Miniportionen Gift geheilt. Er hat ihnen Gift gegeben und dadurch hat sich der Organismus selber wieder reguliert, es ist eine Selbstprovokation“, erklärt Filmemacher Christoph Schlingensief, der angeblich um mehrere Ecken mit Joseph Goebbels verwandt war. Genauso verhalte es sich in seiner Arbeit als Regisseur. Für ihn waren Bunuel, Fassbinder und Alfred Edel große Vorbilder. „Alfred Edel war für mich wie eine Vaterfigur, weil er sich mit meinen Filmen auseinandergesetzt hat, was meine Eltern nicht so gerne machen“, verrät Schlingensief.

    Man sieht Ausschnitte aus seinen Filmen Egomania, 100 Jahre Adolf Hitler, Mutters Maske, Das deutsche Kettensägen-Massaker, Terror 2000 und Die 120 Tage von Bottrop. Dazu erinnert sich Schlingensief, wie er Udo Kier und Tilda Swinton kennenlernte, mit denen er fortan filmisch arbeitete. Helge Schneider gehört auch zu seinem Stammensemble. In diesem Zusammenhang sieht man, wie sich Udo Kier in einer Schüssel mit brauner Farbe den Hintern einschmiert und mit seinem entblößten Gesäß ein Wandbild malt. Oder wie Wim Wenders nach 20 Minuten den Saal während einer Vorführung seines Films empört verließ.

    Besonders spannend sind die Aufnahmen der documenta Kassel im August 1997, als Christoph Schlingensief mit seinen Aktivisten durch mehrere Megafone „Tötet Helmut Kohl!“ skandierte … bis plötzlich eine Schar von Polizisten auftauchte, die ihn äußerst ruppig in Handschellen legte und festnahm.

    Darüber hinaus enthält der Dokumentarfilm einige Szenen der ersten Ausgabe der arte-Sendung „Durch die Nacht mit“ von 2002, in der Schlingensief auf den Dirigenten Christian Thielemann traf. Während des nicht enden wollenden Monologs von Schlingensief macht der Thielemann (wie jungenhaft der damals noch aussah) einen etwas ratlosen Gesichtsausdruck. Auf einem Friedhof unterhält er sich mit einem alten Ehepaar (seine Eltern?) über die Themen Positives Denken und Glück. Bei den Bayreuther Wagner-Festspielen darf er auch auf der Bühne randalieren. Stellenweise spricht Schlingensief etwas wirr daher. Etwa habe ihm ein WDR-Mitarbeiter gesagt: „Du wirst niemals einen Menschen lieben können. Das sieht man an deinem Film ‚Mensch Mami, wir drehn nen Film‘.“ Wie ist das zu verstehen, was soll das bedeuten? War Christoph Schlingensief ein so komplizierter und mitunter schwieriger Charakter, dass man es mit dem in einer Beziehung nicht lange aushalten konnte? Schon möglich. Vielleicht. Sogar sehr wahrscheinlich. Die letzten zehn Minuten dokumentieren seine Erkrankung an Lungenkrebs, woraus er ebenfalls Kunst machte und woran Schlingensief am 21. August 2010 starb.

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    An old beat-up guitar just sounds better
    #11851127  | PERMALINK

    karmacoma
    Spin The Black Circle

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    #11851131  | PERMALINK

    kantnerslick

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    karmacomahttps://www.arte.tv/de/videos/084718-000-A/italo-disco/

    Hi, diese Doku hab‘ ich auch gesehen, zwar nicht mein bevorzugter Musikstil, aber trotzdem sehr interessant und kurzweilig :good:

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    #11851145  | PERMALINK

    karmacoma
    Spin The Black Circle

    Registriert seit: 25.07.2008

    Beiträge: 6,337

    kantnerslick

    karmacomahttps://www.arte.tv/de/videos/084718-000-A/italo-disco/

    Hi, diese Doku hab‘ ich auch gesehen, zwar nicht mein bevorzugter Musikstil, aber trotzdem sehr interessant und kurzweilig

    Absolut, ging mir ähnlich. Es muss nicht immer das Scott Walkerische‘ Spätwerk sein. ;-)

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    #11853149  | PERMALINK

    ford-prefect
    Feeling all right in the noise and the light

    Registriert seit: 10.07.2002

    Beiträge: 8,249

    Eben hab ich in der BR-Mediathek eine Doku in der Reihe Mein Job, dein Job geschaut, über das Thema Tätowieren, der letzten Montagabend im linearen BR-Fernsehen lief. Zwei Tätowierer namens Daniel und Ace vom Tattoostudio Painful Arts im schwäbischen Meitingen reisen auf die Insel Phuket in Thailand, um dort das traditionelle buddhistisch inspirierte Tätowieren von Sak-Yant-Tattoos mit dünnen Bambusstäben zu erlernen. Als Übungsobjekt dienen gelbe Bananen und ein Baumstamm bzw. Übungshaut aus Weichgummi.

    Im Gegenzug reisen zwei Mitarbeiter des thailändischen Tattootempels nach Meitingen, um sich die westliche Technik des Stechens anzuschauen. Einer der thailändischen Tattookünstler trägt sogar einen Ramones-Pulli. Dass das Duo die langen Tattoo-Metallstäbchen durch den Zoll im Flughafen gebracht hat, wahrscheinlich haben sie diese Gegenstände zuvor angemeldet. Wie Tattoomann Daniel in der Doku richtig anmerkt, wirken diese Stäbe auf Westeuropäer wie Stichwaffen. Zwischendurch unternehmen die Gast-Tätowierer einen Ausflug auf das Volksfest „Augsburger Plärrer“.

    Kennst du von den Leuten jemanden, @stormy-monday ?

    zuletzt geändert von ford-prefect

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    An old beat-up guitar just sounds better
    #11853471  | PERMALINK

    soulpope
    "Ever Since The World Ended, I Don`t Get Out As Much"

    Registriert seit: 02.12.2013

    Beiträge: 47,327

    stormy-monday 3- teilige Doku über Ghislaine Maxwell, die dem Investmentbanker Jeffrey Epstein half, seinen Missbrauchsring Minderjähriger aufzubauen. Spannend und erschütternd. Klick

    Und viele haben dabei (untätig) zugesehen bzw davon profitiert …. die dunkle Kehrseite des bigotten Amerika ….

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      "Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit" (K. Valentin)
    #11853487  | PERMALINK

    stormy-monday
    verdreckter Hilfssheriff

    Registriert seit: 26.12.2007

    Beiträge: 16,907

    Danke für den Hinweis, Ford. Ja, die beiden Jungs kenne ich. Sind bei uns im Verband. Vor allem Ace aka Alex ist ein vergnüglicher, trinkfester Knabe. Habe ihn letztmalig vor Corona getroffen, er hat ganz schön zugenommen.;) Habe den Link an unsere Mitglieder geschickt.

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    Hellhounds in my passway
    #11853657  | PERMALINK

    ford-prefect
    Feeling all right in the noise and the light

    Registriert seit: 10.07.2002

    Beiträge: 8,249

    stormy-mondayDanke für den Hinweis, Ford. Ja, die beiden Jungs kenne ich. Sind bei uns im Verband. Vor allem Ace aka Alex ist ein vergnüglicher, trinkfester Knabe. Habe ihn letztmalig vor Corona getroffen, er hat ganz schön zugenommen.;) Habe den Link an unsere Mitglieder geschickt.

    Man kennt sich in der Szene.

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    An old beat-up guitar just sounds better
    #11872687  | PERMALINK

    stardog

    Registriert seit: 12.06.2011

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