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12.12.2008 – Krefeld Kulturfabrik – Der Popolskis Show
Es ist kalt an diesem Freitag, als wir, vorsichtshalber in sicherer Entfernung zur Kulturfabrik, kurz KuFa genannt, unser Auto abstellen und den Rest dieser langen Straßen zu Fuß gehen. An der Fabrik angekommen, sehen wir ein Bild des Grauens. Menschen, so weit das Auge reicht. Es ist voll, es wird geredet. Hinein ins Vergnügen, quälen wir uns durch von Ellenbogen absichtlich versperrten Durchgängen zur Theke und ordern Getränke. Drinnen ist die Geräuschkulisse noch viel lauter. Unfreiwillig werden wir Zeugen der intimsten Gesprächsinhalte. Also unterhält man sich ebenfalls. Gleichzeitig halten wir nach einem guten Platz Ausschau, was aber zwei dicke Pfeiler mitten im Veranstaltungssaal zu verhindern wissen. Ok, wir wissen ja eigentlich, dass man bei den Popolskis auch genauso gut zuhören kann. Da muss man nicht auch noch alles sehen. Irrtum.
20.15 Uhr betritt die Band die Bühne. Was jetzt beginnt ist eine Mischung aus Konzert und Theater. Dem Besucher wird aus dem Off erklärt, was ihn erwartet. Nämlich die Enkel des Opas Poplski, der damals in Polen 128000 Hits geschrieben hat, die ihm durch einen windigen Gebrauchtwagenhändler abgeluchst, in alle Welt verteilt und nach Strich und Faden verhunzt wurden. Heute werden die Originalversionen vorgetragen.
Bei der Band handelt es sich um Pawel Popolski, der am Schlagzeug sitzt und den Abend moderiert und so aussieht wie ein Bruder von Christoph Daum. An der Rhythmusgitarre Bogdan Popolski. Am Keyboard der zwar nicht blinde, aber dennoch nichts sehende Danusz Popolski. Die Leadgitarre wird von Mirek Popolski gespielt und das Gebläse (Trompete, Posaune) übernehmen die eineiigen Zwillinge Henjek & Stenjek als die Zabrze-Horns. Am Bass spielt der Jüngste der Familie, Janusz Popolski. Dazu gesellen sich abwechselnd noch Dorota Popolski und Isidor Popolski, die viele der bekannten Hits singen.
In authentischen Verkleidungen und in der Moderation mit dem Akzent, den das ungeübte Ohr als Osteuropäisch angibt, spielt sich die Band durch diverse Hits und Epochen der Rock- und Popgeschichte. Dabei fasziniert die technische Brillanz an den Instrumenten ebenso, wie das Geschehen auf der Bühne. Es sind die kleinen Details, die diese Familie ins Herz schließen lässt. Henjek und Stenjek, im rot- bzw. gelbkarierten Karosakko winken entweder immer freundlich ins Publikum oder hören gebannt Pawel Popolski zu, als hörten sie diese Geschichte zum ersten Mal. Janusz Popolski ist der Jüngste der Familie und gleichzeitig auch ein Haufen elend. Während des Auftritts steht er demütig gebeugt mit seinem Bass in der hintersten Ecke und wird ab und zu von den anderen Familienmitgliedern aufgezogen, wie trübsinnig er doch ist. Gleichzeitig spielt er so perfekt Bass, dass ich als Zuhörer über meine audiovisuelle Wahrnehmung stutzen muss. Gleiches gilt auch für den Leadgitarristen, der eine mitunter auch eine dreihalsige Stratocaster spielt.
Etwas unerwartet wird nach etwa einer Stunde zur Pause gebeten. Ich bin überrascht, wie schnell die Zeit vergeht, reihe mich aber gern in die Schlange der „Mal eben draußen eine Rauchen“-Geher ein. Später bin ich dann im Pulk der „Mal sehen ob wir nicht jetzt einen besseren Platz bekommen“-Sucher wieder zurück im Saal. Es ist natürlich immer noch brechend voll. Es wird sich immer noch laut unterhalten. Auch der zweite Teil vergeht wie im Flug. Die Band spielt zu Beginn einige Friedenslieder im Barjazzstil. Textfragmente erkenne ich, Melodiebögen springen mich an, aber die Synapsen wollen nicht, dass ich einige Lieder auf Anhieb erkenne. Ich frage umherstehende Bekannte. Einer weiß immer Rat. Einmal werde ich gefragt und kann Auskunft geben.
Als nach zwei Stunden der Spaß vorbei ist, tut mir mein Gesicht vor lauter lachen und grinsen weh. Außerdem scheint ungläubiges Kopfschütteln auch nur eine Form von Headbanging zu sein. Ich kann nur jedem, der auf gehobenes Musiktheater abfährt, die Popolskis empfehlen. Ein durch und durch gelungener Abend. Rasant, heiter und perfekt.
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