choosefruit: Musik, Gedanken, Kauderwelsch

Startseite Foren Kulturgut Das musikalische Philosophicum choosefruit: Musik, Gedanken, Kauderwelsch

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  • #10192835  | PERMALINK

    choosefruit
    RWACK'N'RWALL

    Registriert seit: 23.05.2015

    Beiträge: 5,678

    Vielleicht bin ich mit meiner Absicht im „Das musikalische Philosophicum“ auch völlig fehl am Platz und wenn dies so sein sollte, dürften die Moderatoren gern meinen Thread verschieben, doch ich wollte losgelöst von Tonträgerfragen, Musikstilen und dem Song- und Albumkontext über Musik schreiben, welche mich in verschiedenen Phasen und Momente begleitet, zum Nachdenken anregt oder mir den Soundtrack für die Situation liefert. Ich würde immer unbestimmt und unregelmäßig meinen Thread beleben und neue Einwürfe bringen.

    Heute hatte ich einen kurzen Studiumstag mit nur 2 Vorlesungsblöcken – Ästhetische Philosophie. Gerade läuft die Platte „Otis Spann Is The Blues“, trinke ein Bier nebenbei und lass ein paar Aussprüche unseres Philosophie-Dozenten Revue passieren. Wir behandelten die moderne philosophische Ästhetik mit den Schwerpunkten Baumgarten und Kant. Besonders die drei Kritiken Kants (Kritik der reinen Vernunft, Kritik der praktischen Vernunft und Kritik der Urteilskraft) und die damit einhergehende Definition des Schönen im ästhetisch philosophischen Kontext waren interessant aber unverständlich zugleich. Kant setzt voraus, dass jeder jedes Kunstwerk als schön empfindet. Das Schöne erweckt ein interesseloses Wohlgefallen, sich nur am schönen Schein zu erfreuen, es nicht besitzen zu wollen. Schön ist also ungleich angenehm. Und ich fragte und frage mich, wie diese Auffassung in der heutigen Zeit funktioniert? Und wie ich „schön“ wahrnehme und definieren würde. Zu einer Erkentnntnis bin ich noch nicht gekommen, aber faszinierend, wie sich Philosophie mit dem unbekannten Bekannten auseinandersetzt, wie Slavoj Žižek es formulierte. Mittlerweile bin ich beim nächsten Spann-Album angekommen: „Good Morning Mr. Blues“. Seine Klavierspiel rundet meinen Abend sehr angenehm ab. Ansonsten war mein musikalischer Tag hauptsächlich von Gitarren geprägt. Den Start machten The Stooges und es folgten u.a. Lou Reed, The New York Dolls, Faster Pussycat oder The Chambers Brothers. Lustig, denn über The Chambers Brothers bin ich über die neue King-Kong-Verfilmung gestoßen, da in dem Soundtrack dazu „Time Has Come Today“ enthalten ist. Ich mag die Vermischung von Soul mit R&B über Psychedelic Rock. Ich werd mir nun noch eine Zigarette anzünden und mich demnächst wohl auch hinlegen. Morgen hab ich erst 12:15 Uhr Studienbeginn, das heißt ausschlafen. So lässt sich ein Donnerstag gern beginnen.

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    #10192847  | PERMALINK

    august-ramone
    Ich habe fertig!

    Registriert seit: 19.08.2005

    Beiträge: 48,535

    Hattest du nicht mit dem Rauchen aufgehört?

    #10192861  | PERMALINK

    herr-rossi
    Moderator
    -

    Registriert seit: 15.05.2005

    Beiträge: 67,959

    Wozu sollte das Philosophicum da sein, wenn nicht für Philosophie-Studenten …

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    #10192937  | PERMALINK

    choosefruit
    RWACK'N'RWALL

    Registriert seit: 23.05.2015

    Beiträge: 5,678

    Nur, dass ich kein Philosophie-Student bin, sondern Soziale Arbeit studiere. Philosophie ist eine Bezugswissenschaft der Sozialen Arbeit, weswegen wir sie haben.

    Und ich rauche seit über einem Jahr wieder, August. Dachte, dies hätte ich kommuniziert?

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    #10192941  | PERMALINK

    ferry

    Registriert seit: 31.10.2010

    Beiträge: 2,373

    Für den Musik- bzw. Kunstliebhaber bestimmt das interessanteste Gebiet der Philospohie!

    Besonders erwähnenswert wohl auch, dass Baumgarten als Begründer der Philosophie der Ästhetik davon ausgeht dass der Mensch durch den Geschmack bzw. durch die Sinne Erkenntnisse gewinnt die der Vernunft nicht zugänglich sind.

    Das wird hier im Forum ja gerne mal bestritten ;-)

     

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    life is a dream[/SIZE]
    #10192945  | PERMALINK

    herr-rossi
    Moderator
    -

    Registriert seit: 15.05.2005

    Beiträge: 67,959

    choosefruitPhilosophie ist eine Bezugswissenschaft der Sozialen Arbeit

    Ok, war auch in den (von mir ungeliebten) Erziehungswissenschaften so, die ich damals im Nebenfach hatte.

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    #10192959  | PERMALINK

    choosefruit
    RWACK'N'RWALL

    Registriert seit: 23.05.2015

    Beiträge: 5,678

    Die Philosophie finde ich schon sehr interessant, nur ist es manchmal nicht ganz einfach, den Philosophen zu folgen. Gerade, wenn es alte Philosophen der Antike sind und der Kontext einer vollkommen anderen Zeit beachtet werden muss oder eben ein Kant, der sich sehr verquert ausdrückt. Zudem es bei der Philosophie kein „richtig“ oder „falsch“ gibt und sich somit nicht an Gegebenheiten oder Fakten entlanghangelt wird, sondern alles Gesagte wie schwerelos im Raum schwebt.

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    #10193031  | PERMALINK

    gruenschnabel

    Registriert seit: 19.01.2013

    Beiträge: 5,574

    ferryFür den Musik- bzw. Kunstliebhaber bestimmt das interessanteste Gebiet der Philospohie!
    Besonders erwähnenswert wohl auch, dass Baumgarten als Begründer der Philosophie der Ästhetik davon ausgeht dass der Mensch durch den Geschmack bzw. durch die Sinne Erkenntnisse gewinnt die der Vernunft nicht zugänglich sind.
    Das wird hier im Forum ja gerne mal bestritten

    Auf dem Klo beschäftige ich mich manchmal auch mit solchen Sachen.

    Jedenfalls würde die „Erkenntnislosigkeit“ des Ästhetischen ja nun längst nicht nur hier im Forum angeführt. Kant war derjenige, der den Geschmacksbegriff in Richtung der uns allzu bekannten subjektivistischen Implikationen hin verengt und vom (begrifflichen) Erkenntnis- und damit auch Wahrheitsbegriff entscheidend abgerückt hat. Erkenntnis wurde bei Kant zu einem transzendentalen Begriff – und stand damit für die Kunst nicht mehr zur Verfügung. (Aber auch der gesamte Bereich philologisch-historischer Überlieferung war damit hinsichtlich seines Wahrheitsanspruches – wenn man so will – ausgebootet.)

    Allerdings frönte Kant ja nicht einem konsequent zugespitzten ästhetischen Relativismus oder Subjektivismus, sondern interessierte sich auch hinsichtlich der Schönheit für die ihr ganz eigene Ebene des Transzendentalen – abseits des „rein“ bleibenden Erkenntnisbegriffes und auch abseits der künstlerischen „Inhalte“.

    Kurz gesagt: Kant trifft eine nicht zu geringe Mitschuld, dass Baumgartens Geschmacksbegriff nachhaltig beschnitten wurde und wohl ziemlich unpopulär erscheint.

    zuletzt geändert von gruenschnabel

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    #10193047  | PERMALINK

    gruenschnabel

    Registriert seit: 19.01.2013

    Beiträge: 5,574

    choosefruitZudem es bei der Philosophie kein „richtig“ oder „falsch“ gibt und sich somit nicht an Gegebenheiten oder Fakten entlanghangelt wird, sondern alles Gesagte wie schwerelos im Raum schwebt.

    Kein „richtig“ und „falsch“ im Sinne eines rein naturwissenschaftlichen Wahrheitsverständnisses. Aber darin muss sich der Wahrheitsbegriff m.E. nicht erschöpfen. Zumal auch die Philosophie ihre Ansprüche an Logik, Lebenswirklichkeit und Fakten hat. Und es gibt viele „schwergewichtige“ Philosophen, deren Gesagtes eben nicht im Raum schwebt, sondern mit Blick auf unsere Geschichte und Lebenswirklichkeit extremes Gewicht hat. Das ist übrigens für mich auch eine Parallele zur Kunst, deren Wahrheitsgehalt ja nicht in einer Faktizität des Prinzips der Deduktion liegen kann, sondern in ihrer Faktizität von Überlieferung, intersubjektiver Gültigkeit und deren historischen Veränderung.

    --

    #10193053  | PERMALINK

    hotblack-desiato

    Registriert seit: 11.11.2008

    Beiträge: 8,168

    Das hast Du sehr schön gesagt

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    ~ Mut ist, zu wissen, dass es weh tun kann und es trotzdem zu tun. Dummheit ist dasselbe. Und deswegen ist das Leben so schwer. ~
    #10193055  | PERMALINK

    irrlicht
    Nihil

    Registriert seit: 08.07.2007

    Beiträge: 28,951

    hotblack-desiatoDas hast Du sehr schön gesagt

    Absolut!

    --

    Hold on Magnolia to that great highway moon
    #10193165  | PERMALINK

    lauster

    Registriert seit: 31.01.2016

    Beiträge: 1,116

    Für Kant beruht das reine Geschmacksurteil weder auf Konventionen, noch ist es privater Natur. Vielmehr entwickelt Kant zu dessen Legitimierung eine Theorie der ästhetischen Erfahrung als Wohlgefallen eigener Art. Denn obwohl im wahrnehmenden Subjekt begründet, dürfe man solches Wohlgefallen auch allen anderen ansinnen, weil es allein aus der Betätigung der kognitiven Kompetenzen des Menschen resultiere; aus Einbildungskraft und Verstand, die sich hier in spielerisch harmonischer Freiheit und insofern lustvoll betätigen. Kant trifft damit zwar genau die logische Struktur des ästhetischen Urteils: nämlich subjektiver Art zu sein und dennoch, und zwar durchaus mit einem gewissen Recht, auf allgemeine Geltung zu zielen. Aber sein Konzept der ästhetischen Erfahrung ist letztlich bloß spekulative Psychologie. Und jeder Versuch, sie durch eine empirisch gehaltvolle Theorie ästhetischer Erfahrung zu ersetzen, läuft  auf eine Verabsolutierung privater Vorlieben hinaus. Damit ist auch dieser Weg einer möglichen Begründung ästhetischer Urteile und mithin das gesamte Theorieunternehmen überhaupt gescheitert.

    zuletzt geändert von lauster

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    #10193197  | PERMALINK

    lauster

    Registriert seit: 31.01.2016

    Beiträge: 1,116

    choosefruitWir behandelten die moderne philosophische Ästhetik mit den Schwerpunkten Baumgarten und Kant. Besonders die drei Kritiken Kants (Kritik der reinen Vernunft, Kritik der praktischen Vernunft und Kritik der Urteilskraft) und die damit einhergehende Definition des Schönen im ästhetisch philosophischen Kontext waren interessant aber unverständlich zugleich. Kant setzt voraus, dass jeder jedes Kunstwerk als schön empfindet. Das Schöne erweckt ein interesseloses Wohlgefallen, sich nur am schönen Schein zu erfreuen, es nicht besitzen zu wollen. Schön ist also ungleich angenehm. Und ich fragte und frage mich, wie diese Auffassung in der heutigen Zeit funktioniert?

    Urteile über Schönheit und Urteile über künstlerischen Wert sind für Kant im Prinzip identisch. Ich denke, dass diese Sicht der Dinge zu eng ist, da es ja – besonders im Zeitalter der „nicht-mehr-schönen-Künste“ – sicherlich auch andere Qualitäten gibt, aufgrund  derer man Kunstwerken einen hohen Rang zusprechen kann.

    zuletzt geändert von lauster

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    #10193223  | PERMALINK

    gruenschnabel

    Registriert seit: 19.01.2013

    Beiträge: 5,574

    lausterFür Kant beruht das reine Geschmacksurteil weder auf Konventionen, noch ist es privater Natur. Vielmehr entwickelt Kant zu dessen Legitimierung eine Theorie der ästhetischen Erfahrung als Wohlgefallen eigener Art. Denn obwohl im wahrnehmenden Subjekt begründet, dürfe man solches Wohlgefallen auch allen anderen ansinnen, weil es allein aus der Betätigung der kognitiven Kompetenzen des Menschen resultiere; aus Einbildungskraft und Verstand, die sich hier in spielerisch harmonischer Freiheit und insofern lustvoll betätigen. Kant trifft damit zwar genau die logische Struktur des ästhetischen Urteils: nämlich subjektiver Art zu sein und dennoch, und zwar durchaus mit einem gewissen Recht, auf allgemeine Geltung zu zielen. Aber sein Konzept der ästhetischen Erfahrung ist letztlich bloß spekulative Psychologie. Und jeder Versuch, sie durch eine empirisch gehaltvolle Theorie ästhetischer Erfahrung zu ersetzen, läuft auf eine Verabsolutierung privater Vorlieben hinaus. Damit ist auch dieser Weg einer möglichen Begründung ästhetischer Urteile und mithin das gesamte Theorieunternehmen überhaupt gescheitert.

    Sehe ich bislang ganz ähnlich, obgleich ich den verabsolutierenden Begriff des „Scheiterns“ so nicht verwenden würde/könnte. Gadamer spricht davon, dass Kants Begriff des ‚reinen ästhetischen Geschmacksurteils‘ letztlich eine „methodische Abstraktion“ sei. Dazu passt, dass der konkrete „Inhalt“ des Schönen bei Kant wohl keine große Rolle spielt.
    Ich sehe aber wie du die großen Schwierigkeiten, Kants Theorie in einen empirischen Raum zu überführen bzw. diese Ebenen zu verknüpfen.

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    #10193311  | PERMALINK

    lauster

    Registriert seit: 31.01.2016

    Beiträge: 1,116

    Aus der Einsicht, dass eine hieb- und stichfeste Begründung eines ästhetischen Urteils letztlich nicht möglich ist, kann man aber trotzdem nicht den Schluß ziehen, dass es illusionär wäre, einen intersubjektiven Anspruch damit zu verbinden. Immerhin ist es unbestreitbare Tatsache, dass ein solcher Anspruch in ästhetischen Kontroversen faktisch immer wieder gestellt wird. Und darin liegt auch ein guter Sinn.

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