Brasilien

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  • #11784245  | PERMALINK

    soulpope
    "Ever Since The World Ended, I Don`t Get Out As Much"

    Registriert seit: 02.12.2013

    Beiträge: 45,499

    vorgartenerstaunlich, dass ihr die komprimierung nicht hört (oder sie stört euch nicht, geht mir ja auch so). wie @wahr ja sagt, ist das album recht aufwendig produziert, man wird seinen ohren nicht trauen, wenn es irgendwann mal ein reissue von den originalbändern geben soll, die laut diesem text (und laut sony) wohl noch existieren ….

    Habe nach Deiner initialen Beschreibung eine wesentlich schlechtere Klangqualität erwartet, das mag auch ein Faktor sein …. desweiteren ergibt hier der Wiederspruch der Produktionsoppulenz und dem in diesem Transfer eingeschränkten Klang noch ein Mehr an fast  geheimnisvoller Stimmung (war zumindest bei mit so) …..

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    #11785853  | PERMALINK

    vorgarten

    Registriert seit: 07.10.2007

    Beiträge: 9,758

    negro leo, desejo de lacrar (2020, nur digital: https://negroleo.bandcamp.com/album/desejo-de-lacrar)

    eins meiner lieblingsalben von 2020, will ich seitdem hier vorstellen. obwohl es mich immer noch völlig überfordert. ist so ziemlich das gegenteil des carlos-walker-albums, erzielt aber einen ganz ähnlichen effekt, man wird ein bisschen verrückt daran. DESEJO DE LACRAR ist kein verloren gegangenes hippie-album, sondern komplett aus dem digitalen heraus konzipiert, aus überangeboten, billigen vorlagen, einfachen zugängen, schlafzimmerproduziert, eine jonglage aus merkwürdigen effekten, bearbeitungen, filtern, glitches, bei denen nur der künstler selbst den überblick behält, der immer wieder auch dann klar definierte melodielinien singt, wenn um ihn herum die akkordgebenden synthesizerakkorde abstürzen oder ausleiern.

    der einstig ist hart, eine surrealer chor, der eher laute ausstößt als text singt, dann ein hyperaktives zeitrafferstück, in dem aber schon erste schöne funk-elemente auftauchen, ab dem dritten stück, einer erstaunlich tiefgehenden ballade mit besagten abstürzenden synthesizern, wird es richtig gut und immer besser. negro leo (ein angeeignetes schimpfwort) ist im norden geboren und in rio aufegwachsen, lebt mittlerweile in são paulo, ist mit einer künsterlin verheiratet, aber (und/trotzdem/außerdem/deswegen) ziemlich queer unterwegs (der titel des albums verwendet ein lgbt-slangwort für analsex), mag es überhaupt nicht, als tropicalist gelabelt zu werden und bezieht sich, wenn überhaupt („alle, die ich bewundere, sind tot“) auf westafrika & polyrhythmen, dennoch kann so ein album wie das hier nur aus brasilien kommen, das hört man sofort. nicht nur wegen der surrealen folklore, den baile-funk-einlagen oder der großartigen durchgefilterten hommage auf männer-mit-gitarre-melancholie auf dem 8. stück.

    negro leo war 2020 auch schon beim jazzfest berlin zugeschaltet, irgendwann ziehen leute wie er momentan sowieso nach berlin (und machen schlechte kunst), welcher freigeist will schon unter bolsonaro leben. DESEJO DE LACRAR ist in der jüngeren vergangenheit das einzige von ihm, was so halbwegs einem album ähnelt. ich bin auf alles weitere sehr gespannt. auch wenn es mich noch überfordert und mich an den schönen details festhalte, den drum-, ebass- und synthiesounds, den manchmal nur gepfiffenen melodien, wächst es bei jedem hören.

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    #11826641  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
    Moderator
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    Registriert seit: 25.01.2010

    Beiträge: 61,808

    Zum Soundtrack meiner frühen Sommerferien gehören dieses Jahr die beiden Alben von José Mauro – beide in den CD-Reissues von Far Out, wo „Obnoxius“ von 2016 leider längst wieder vergriffen ist – ich hab dafür so viel hingeblättert, dass ich die CD letzten Sommer gar nie zu hören wagte, aus der Angst, dass die Erwartungen nicht erfüllt werden könnten und der Fuffi sich doch nicht gelohnt haben könnte … zum Glück völlig unbegründet, denn das ist ein tatsächlich ganz wunderbares Album!
    Der Artikel, der mir diese Musik erstmals schmackhaft machte, erschien 2021 aus Anlass der Neuauflage des zweiten Albums, „A Viagem Das Horas“ (erstmals 1976, aber die Geschichte ist etwas komplizierter, die CD-Reissues geben netterweise, wie es sich für solche englischen Hipster-Label gehört auch nur bruckstückhafte Infos weiter, die man aus den Liner Notes heraussuchen muss) – und er verspricht echt nicht zu viel:
    https://www.theguardian.com/music/2021/jun/02/that-was-the-day-i-knew-i-had-died-jose-mauro-the-reborn-genius-of-bossa-nova

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    "Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #133: Revivals in den 90ern und eine Neuheit aus der Romandie - 14.6., 22:00 | Slow Drive to South Africa, #7: tba | No Problem Saloon, #29: tba
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