Béla Bartók

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    gypsy-tail-wind
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    Ich bin gewiss nicht der richtige, um eine Diskussion über Béla Bartók zu starten, aber die Vorlage hat clasjaz mit einem tollen Post geliefert, der im Hör-Thread schnell untergehen wird.

    Ich kenne und schätze – bisher aber ohne Vergleichsmöglichkeiten – diese CD von Fritz Reiner (die LP enthielt wohl nur das Concerto for Orchestra, der Rest erschien auf einer oder zwei anderen LPs, ich habe die CD grad nicht griffbereit):

    MI0000958284.jpg

    Als Pianisten schätze ich Bartók ganz ungemein auf dieser grossartigen und – sowohl in klangtechnischer als auch musikalischer Hinsicht – abenteuerlichen CD:

    MI0001102110.jpg

    Die „Kreutzer“ ist wohl meine liebste überhaupt – in den Händen von Szigeti und Bartók wird sie zu einem äusserst intensiv brennenden Werk, die beiden schrecken nicht davor zurück, die Töne zu biegen und zu dehnen, Bartók spielt Arpeggi, Szigeti … nun ja, der grösste Schrammelgeiger aller Zeiten, schrammelt halt. Ich kenne nichts Vergleichbares, auch nicht von Szigeti (seine Beethoven-Sonaten mit Arrau am Klavier, auch bei Vanguard, sind allerdings ebenfalls phantastisch, aber Arrau ist doch ein in der Haltung völlig anderer Mann als Bartók).

    Eine gute Rezension der CD gibt es hier:
    http://www.classicalnotes.net/reviews/szigeti.html

    Die Klavierwerke habe ich in der Gesamteinspielung von Zoltán Kocsis da (rec. 1980-99), eine Box mit acht CDs bei Decca, die Streichquartette mit Keller Quartet (rec. 1993/94), die Klavierkonzerte stehen mit Ogdon (Nr. 1 und 3) und Richter (Nr. 2) sowie dem erwähnten Lipatti und einem ebenfalls recht guten François (beide Nr. 3) da, von den beiden letzten abgesehen habe ich sie noch nicht gehört.

    Menuhin gefällt mir im Viola- und den beiden Violinkonzerten ausgesprochen gut, Rostal mit dem zweiten ebenso. An die Einspielungen desselben von Ivry Gitlis (Wiener/Horenstein) und Oistrach (USSR State/Rozhdestvensky) kann ich mich nicht wirklich erinnern, die habe ich nur einmal gehört, vor Monaten. Menuhin blieb – neben Rostal – hängen, auch die zweite Einspielung des zweiten Konzertes (New Philharmonia/Dorati).

    @clasjaz: hast Du das Violakonzert mit Menuhin nicht auch gehört? Sonst helfe ich gerne aus, wenn das bisher übersehen wurde.

    Aber da kann ich nun wirklich noch kaum etwas sagen und es wird auch länger dauern, da ich noch so viel Klassik, Romantik (und auch Renaissance und Barock) hören möchte, bevor ich mich ins zwanzigste Jahrhundert stürzen mag, das natürlich ein wenig nebenher laufen mag, aber eben nicht mit grossen Brocken wie Bartóks Klavierwerk.

    Nun aber zu dem Beitrag, der diesen Faden quasi in die Welt gerufen hat – bzw. das tat ja die pinch’sche Aufforderung, die vorangestellt wird (wie man hier früher zu sagen pflegte: eis nach em andere wie z Paris):

    @pinch 3037447 wrote:

    Und nenne mir bei der Gelegenheit doch bitte vielleicht auch deine Bartok-Faves. Das würde mich interessieren. Habe zwar schon manches von ihm, aber mir fehlt zur einigermaßen runden Gesamtschau dann doch noch etliches.

    @clasjaz 3038224 wrote:

    Doch fürchte ich, dass ich zu einer selbst nur halbwegs tauglichen Gesamtschau nicht in der Lage bin – aber das nennen, was mir nah ist, mag ich gerne. Das wird sich auf wenige Werke beschränken, da ich längst nicht alles von Bartók kenne.

    Beginne ich doch mit Werken, die mir unverzichtbar sind und zumal in dieser Einspielung mit den Juilliards von 1963:

    41J1R3dty7L._SY450_.jpg

    Das ist mir bis heute wohl die liebste Besetzung: Robert Mann, Isidore Cohen, Raphael Hillyer, Claus Adam. Der Neupreis bei amazon ist ein Witz, als das rauskam, wurde es einem hinterhergeworfen. Ich glaube aber, dass es diese Einspielung inzwischen auch in anderen Editionen gibt. Du wirst da Zuspitzungen zu hören bekommen, die man amerikanischen Quartetten sonst ja nicht allzu sehr nachsagt. Lass es mich für den Moment so sagen: Es wird nicht ein großer Klangteppich ausgebreitet, sondern die Fäden werden einzeln abgezählt, ohne den Zusammenhang zu verlieren. Das ist eine meiner großen Empfehlungen.

    Dass Bartók auch Klangteppiche verträgt, mag ich aber gleich anfügen, ich habe noch die Streichquartette 2 und 6 mit dem Tokyo String Quartet. Auch die ältere Besetzung, also die erste, übrigens, mich wundert’s nicht, Schüler von Raphael Hillyer. Das Cover zu meiner Vinyl-Ausgabe finde ich nicht, aber hier dürften die Einspielungen sein:

    31MYCDA04ML.jpg

    Da sind Ausbrüche zu hören, die Juilliard nicht fehlen, aber nicht in ihrem Konzept der Filigranität ausgespielt werden können, die alten Tokyo-Leute machen das dann einfach. Ein Rausch. Aber ohne jede Anheimelung. Zu vereinbaren ist beides wohl einfach nicht ohne Bruch, wieder ein Exempel, dass man oft verschiedene Einspielungen braucht und möchte. Die Aufnahme stammt aus den frühen Siebzigern, meine ich mich zu erinnern, meine Vinylsammlung steht an anderem Ort, ich kann nicht nachsehen.

    Kurz streue ich ein: das Violakonzert. Bis heute fehlt mir da etwas, was mich befriedigt. Bei arkivmusic sehe ich, dass es eine Einspielung mit Raphael Hillyer gibt. Die würde mich reizen.

    Violinkonzert II. Hier möchte ich unbedingt zu einer ganz unbekannten Sache raten, Max Rostal mit Sargent von 1951:

    51DlP%2BGyvwL._SX300_.jpg

    Ein Billiglabel, glaube ich, aber der Klang ist vorzüglich. Die Violine steht mit fuffzig Knarren im Raum und zückt sie alle. Ein bisschen Text im Booklet zu Rostal – ich geselle ihn gerne einem Mann wie Taschner zu -, mehr nicht. Ach doch: Eine der großartigsten Kreutzer-Sonaten von Beethoven, zumindest, was den Violinpart angeht, aber Osborn am Klavier ist wenigstens in seinem Atem, wenn mir dieses Klavier da mehr draus hätte machen können. Rostal ist jemand, der, lass es mich so sagen, keinen Hehl aus seiner Kenntnis macht, sie aber in eine Emotion übersetzt, die kaum je zu finden ist. Dies mag ich ebenso empfehlen wie die Einspielungen oben.

    Das Violinkonzert II habe ich in dieser Einspielung lange nicht mehr gehört, aber für die Soloviolin-Sonate mit Menuhin hacke ich mir jetzt also notfalls den dritten oder vierten Finger ab:

    61GbSfl6ySL._SX450_.jpg

    Irgendeine andere Einspielung habe ich noch auf Vinyl, aber ich habe sie vergessen. – Ansonsten kenne ich das zweite Violinkonzert noch mit Boulez und Gil Shaham. Das sagt mir nichts. Die Violine ist mir viel zu weich.

    Also über- und einleitend zu den Klavierkonzerten: Die Boulez-Einspielungen berühren mich nicht, es gibt da etwas, mit unterschiedlichen Orchestern (Chicago, Berlin, London) und verschiedenen Solisten: Zymerman, Andsnes, Grimaud. Von Boulez hätte ich sogleich erwartet, dass er mich mit seinen Interpretationen trifft, aber das geschah nie und es liegt wohl an den Solisten (obwohl ich Grimaud an anderem Ort viel abgewinnen kann) und irgendeinem Missverhältnis. Zu viel Lack.

    Kürzlich aber war ich sehr berührt von der Lipatti-Einspielung des dritten Konzerts unter Paul Sacher – vom Klang darfst Du hier nicht zuviel erwarten. Vom Klavier alles – aber so, jetzt mal müde beiseite gesagt, insgesamt bleibt mir wohl doch Anda mit Fricsay der Nächste. Die Einspielung mit Fricsay:

    419S1X2S6RL.jpg

    Aber ich bin da befangen, in meiner maßlosen Hingabe an das dritte Konzert. Das Adagio religioso ist allerdings einmal überirdisch und doch im Abschluss, der alle Klarheit und Unerbittlichkeit aufbringen muss, erreicht. Ich kenne noch einen Mitschnitt des ORF mit Anda und Karajan von den Salzburger Festspielen 1973. Das ist nicht ganz so groß.

    Denn, um ins Orchesterwerk zu wechseln, Karajan hat, auch 1973, mit den Berlinern eine wahnsinnige Einspielung geliefert, natürlich mit Teppich, was sonst bei der DG:

    21Dd81RxjyL.jpg

    Das Bild ist so klein, auf der CD sind das Konzert für Orchester (Sz. 116) und die Musik für Saiteninstrumente und Celesta (Sz. 106). Nächste Empfehlung, auch wenn mir bald eine Hand fehlt. Fast wunderte mich, dass Karajan auch Bartók dirigiert hat. Aber das hier ist in der Ausladung etwas, dem ich mich nicht verweigern konnte. – Vor einiger Zeit wurde hier aber, glaube ich, eine andere große Einspielung erwähnt, mit Fritz Reiner. Die kenne ich leider nicht.

    Ich habe einiges nicht erwähnt, was hier so rumliegt oder in der Erinnerung. Die Klavierwerke von Foldes, die Violinduos, die Violinsonaten, Kontraste – aber da fehlt mir selbst noch Etliches für einen Eindruck. Der Blaubart allerdings ist eine phantastische Oper, ich kenne da aber nur die alte Einspielung in der Gesamtedition bei Hungaroton, leider wieder nur Vinyl und nicht hier.

    Wahrscheinlich kennst Du die Aufnahmen, die ich genannt habe, aber was kannst Du bitte empfehlen, pinch?

    @pinch 3038658 wrote:

    Besten Dank für die – wie immer – sehr sorgfältigen Ausführungen, clasjaz. Einige der genannte Werk von Bartok befinden sich in meinem Schrank: eine ausladende Box mit zahlreichen Klavierstücken in der Interpretation von Andor Foldes („Mikrokosmos“, „Klavierübung“ etc.), zwei Einspielung von „Blaubart“, eine unter der Leitung von Boulez (gehobene Klasse), eine andere unter Istvan Kertesz (Referenz!). Schließlich noch folgende Werke: Sonate für 2 Klaviere und Schlaginstrumente (mit Bela himself nebst Gattin an den Tasten), „Klavierübung für Kinder“ (ebenfalls mit Bela am Piano), sowie das „Divertimento für Streichorchester“ unter der Leitung des genialen Lukas Foss und „Musik für Streicher, Schlaginstrumente und Celesta“ unter Georg Solti. Allesamt natürlich fantastische Werke, du wirst sicher alles davon kennen. Falls nicht, will ich mit äußerstem Nachdruck die Einspielung des „Divertimento“ unter Lukas Foss empfehlen!

    Die „Streichquartette“ mit dem Juilliard- Streichquartett stehen schon lange auf meinem Plan. Leider hat die Vinylbox ein dermaßen ätzendes Artwork, dass ich mich bisher noch nicht dazu durchringen konnte. EInige der Quartette kenne ich aber bereits und brenne regelrecht darauf. Vielleicht macht hierbei das Tokyo-Streichquartett das Rennen, zurzeit tatsächlich nur der schlichten Tatsache geschuldet, dass die Vinyl-Box aus dem Hause „Deutsche Grammophon“ so schön gestaltet ist (okay, die Klasse der Tokyo-Leute in Bezug auf Bartok ist mir natürlich auch nicht gänzlich unbekannt :-) ).

    Gekauft habe ich mir jetzt aber erstmal Menuhin/Furtwängler und Max Rostal. Ersteres kreuzte schon öfter meinen Weg, bisher ein letzter Wink in die entsprechende Richtung. Hiermit geschehen, merci. Und Rostal kenne ich gar nicht, da lasse ich mich einfach mal so überwältigen.

    Was ich mir allerdings gar nicht vorstellen kann: Karajan und Bartok. Wie geht das zusammen? Ich stelle mir einen glattgeflexten Bartok unterm Stab vom Herbert vor, also etwas, das im Prinzip überhaupt nicht funktionieren kann.

    Ach so, und die oben genannten Klavierkonzerte: Auf Vinyl schweineteuer und nur schwer aufzutreiben, aber die will ich in naher Zukunft trotzdem haben.

    --

    "Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #105: Sonny Rollins, Charlie Parker, Gary Peacock - 24.9., 22:00; #106: Gary Peacock in Japan - 15.10., 22:00; Slow Drive to South Africa, #6: tba | No Problem Saloon, #21: Klassikstunde: Beethoven? Beethoven! - 10.10., 22:30; #22: Quarantine Music -22.10., 22:00
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    #8934507  | PERMALINK

    blossom-toe
    Vena Lausam Oris, Pax, Drux, Goris.

    Registriert seit: 07.08.2007

    Beiträge: 4,198

    Im Musikunterricht war Bela bei uns wegen dem Csárdás recht wichtig. Wobei ich mich damals nicht ernsthaft damit beschäftigt habe.

    --

    I was born with a plastic spoon in my mouth
    #8934509  | PERMALINK

    clasjaz

    Registriert seit: 19.03.2010

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    Der Bartók-Thread, lieben Dank, gypsy. Szigeti und Bartók, das ist großartig, ein Spiel, dass auf DG nie möglich gewesen, nie zugelassen worden wäre. Diese Reiner-Einspielung kenne ich leider nicht, und nein, das Violakonzert mit Menuhin kenne ich auch nicht, wir sprachen allerdings davon. Was mir bei Bartók auffällt, da Du die Kreutzer nennst: Er findet immer einen raschen Schluss, er beginnt fast nur, um sich in den Schluss zu steigern, aber so knapp. Ein Gegen-Beethoven.

    pinch[…] „Blaubart“, eine unter der Leitung von Boulez (gehobene Klasse), eine andere unter Istvan Kertesz (Referenz!). Schließlich noch folgende Werke: Sonate für 2 Klaviere und Schlaginstrumente (mit Bela himself nebst Gattin an den Tasten), „Klavierübung für Kinder“ (ebenfalls mit Bela am Piano), sowie das „Divertimento für Streichorchester“ unter der Leitung des genialen Lukas Foss und „Musik für Streicher, Schlaginstrumente und Celesta“ unter Georg Solti. Allesamt natürlich fantastische Werke, du wirst sicher alles davon kennen. Falls nicht, will ich mit äußerstem Nachdruck die Einspielung des „Divertimento“ unter Lukas Foss empfehlen!

    Die „Streichquartette“ mit dem Juilliard- Streichquartett stehen schon lange auf meinem Plan. Leider hat die Vinylbox ein dermaßen ätzendes Artwork, dass ich mich bisher noch nicht dazu durchringen konnte. […]

    Gekauft habe ich mir jetzt aber erstmal Menuhin/Furtwängler und Max Rostal. Ersteres kreuzte schon öfter meinen Weg, bisher ein letzter Wink in die entsprechende Richtung. Hiermit geschehen, merci. Und Rostal kenne ich gar nicht, da lasse ich mich einfach mal so überwältigen.

    Was ich mir allerdings gar nicht vorstellen kann: Karajan und Bartok. Wie geht das zusammen? Ich stelle mir einen glattgeflexten Bartok unterm Stab vom Herbert vor, also etwas, das im Prinzip überhaupt nicht funktionieren kann.

    Pinch, ich kenne da leider nicht alles, zumindest die Interpreten nicht. Also Kertész (ihn zwar schon, aber nicht mit Bartók), danach werde ich sehen, das er da etwas macht, glaube ich sofort. Und Lukas Foss, ich kenne ihn im Spiel überhaupt nicht und muss das wohl dringend, sehr dringend ändern. Das ist jetzt mal auf Nr. 1 der Wünsche.

    Artwork, nun ja. Mich interessiert das wenig, ich sage meist „na ja, ist schon gut“. Mich würde es nicht stören, wenn alle Platten weiß wären, grauschwarze Schrift für die Details. Aber eine schöne Sache ist natürlich eine schöne Sache, das verstehe ich schon. Aber für einen Kauf ist mir das egal.

    Karajan und Bartók, da war ich auch erstaunt. Das alles ist „im großen Stil“. Der auch dazu führt, dass die dunklen Seiten wie eine Wand das Hirn beengen, mächtig und die Tänze wie im weitprangenden Korsett auffahren (der Hinweis von Blossom Toe auf die Tänze hat sein Recht, allerdings, Bartók zog durch die Dörfer wie die Grimms). Das alles kann ich mir auch ganz anders vorstellen, als Sezierung, das macht Karajan gewiss nicht. Aber er dräut. Er zieht das alles zusammen. Und trotzdem sind da die einzelnen Stimmen, auch die Bläser. Dass er ein Streicherafficionado war, zeigt sich wohl besonders. Weshalb wohl auch Straussens „Metamorphosen“ mit ihm gleich geradehin in den Kopf gehen.

    Aber um genau zu sein: Ich weiß nicht, wie dieses unglaubliche Orchesterwerk zu spielen sei. Das ist jedenfalls eine Möglichkeit, die sich zwar ein bisschen schminkt, aber nicht allzu sehr.

    Jetzt muss ich aber mal nach Foss sehen …

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    #8934511  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    pinch

    Beim Hören vergesse ich komplett, dass da Furtwängler am Pult steht, so sehr dominiert Yehudi Menuhin hier die Parts. Klanglich ein Genuss, kompositorisch wohl eine der schärfsten Waffen Bartoks. Und die Pizzicati der „Sonate für Violine Solo“ gehen allesamt runter wie Öl. Umso peinlicher, dass mir dieses Werk bislang noch unbekannt war. Ein ganz famoser Tipp, clasjaz! Besten Dank.

    clasjazFreut mich sehr! Ja, die Violine ist auf Hochspannung komponiert und allerdings hier so gespielt. Ist Rostal auch schon eingetroffen? Bin gespannt, wie Du das im Vergleich hörst. Aber Menuhin – der ist in der Tat immer für Überraschungen gut, ganz ernster Mann, so verbindlich und freundlich er am Ende, in Dokumentationen, war. Vermutlich hatte er einfach den Überblick.

    gypsy tail wind@pinch: Menuhin hat die Solo-Sonate wenigstens zweimal eingespielt, 1947 und 1957. Beide finden sich in der grossen EMI-Box, die ich mir vor Monaten gekauft habe – ich habe den ganzen Bartók dort schon angehört, (meine Empfehlung hat da natürlich wesentlich weniger Gewicht als jene von clasjaz, der schon viel länger im Geschäft ist ;-)), es gibt dort auch die 6 Duos für zwei Violinen (mit Neil Gotkowsky, 1965, das fällt dann in die Zeit der Aufnahmen beider Violin- und des Viola-Konzertes mit Dorati, 1965/66). Zudem gibt es natürlich noch Ida Haendel mit Vladimir Ashkenazy auf der grossartigen CD mit Enescus dritter Sonate, dort finden sich von Bartók die erste Rhapsodie Sz 86 und die Volkstänze (transc. Zoltán Székely), letztere gibt es gleich zweimal, denn es gibt eine tolle Bonus-CD mit frühen Aufnahmen von Haendel mitgeliefert (1947 mit Ivor Newton bzw. 1996 mit Ashkenazy), und auch Menuhin hat sie eingespielt (1964 mit Gerald Moore). Die Rhapsodie und die zweite Sonate Sz 76 finden sich auch auf der erwähnten CD von Szigeti/Bartók, die Rhapsodie gibt es auch demselben Jahr auch aus dem Studio (1940), ich habe sie auf einer – noch ungehörten – CD mit den Contrasts Sz 111, die Bartók mit Szigeti und Benny Goodman eingespielt hat. Die erste Sonate kenne ich nur von Oistrach (mit Frida Bauer, 1971) und die zweite habe ich noch auf einer – bisher ungehörten – CD von Kremer (mit Maisenberg, 1996).

    pinchDanke, Gypsy. Ein absoluter Traum wäre für mich ja der Besitz der 29 CDs umfassenden „Complete Bartok Edition“-Box von „Hungaroton“. Bleibt aber wohl Utopie, da zum einen vergriffen, zum anderen sicherlich unbezahlbar.

    clasjazDer Empfehlung gypsys zur Einspielung von Ida Haendel und Vladimir Ashkenazy möchte ich mich enthusiastisch anschließen! Bartóks „Erste Rhapsodie“ ist vorzüglich, im Rhythmus erinnert mich das immer an Schumanns erstes der „Fünf Stücke im Volkston“. Und die beiden, Haendel und Ashkenazy haben sich in all diesen Werken wie zusammengeschweißt gefunden; Ashkenazy mit einem federnden Klavier, glasklar, vor allem aber jedem Ausbruch Haendels folgend bzw. ihn vorbereitend, das ist kaum zu unterscheiden. Und Haendel mit einer Violine, die sich so anhört, als könne man dieses Spiel niemals lernen. Das hört sich schlichterdings nicht mehr nach einer Interpretation an, die auch anders möglich wäre – gerade von mir natürlich eine bekloppte Formulierung. Aber so geht’s mir damit, und zwar vor allem in der Enescu-Sonate: Was die da im ersten Satz, dem „Moderato malinconico“ machen, grenzt in der Aufladung der Spannung, immer weiter, immer weiter an eine ausbrechende Intensität, die das „Moderato“ zwar nicht verlässt, aber sie jederzeit nach Innen übersteigt. Aber das ist wohl das Werk, sind diese Werke von Enescu, von Bartók – und Szymanowski, der vor allem mit den „Mythes“ auf diesen CDs zu nennen ist. Und Haendel, welche Unerbittlichkeit sie im Ton hat. Und auch wenn ich von Ausbrüchen spreche: es sind Implosionen.

    Ich habe clasjaz‘ Post aufgeteilt – schien mir sinnvoll, weil das mit dem Zitat im Zitat, dafür bin ich gerade auch zu faul. Hier das Cover der erwähnten CD von Ida Haendel und Vladimir Ashkenazy:

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    #8934513  | PERMALINK

    Anonym
    Inaktiv

    Registriert seit: 01.01.1970

    Beiträge: 0

    Decca hat mit den Klassik-Covermotiven noch nie ein glückliches Händchen bewiesen, das hier ist allerdings von geradezu ausgesuchter Hässlichkeit. Ich werde es aber schon allein wegen Haendels 1940er Aufnahmen mal im Auge behalten. Danke, Gypsy.

    @clasjaz: Rostal ist noch nicht eingetroffen, sollte aber bald. Unterwegs ist übrigens auch noch die große Vinylausgabe mit Bela Bartok am Piano. Die wird mir direkt aus Ungarn zugeschickt. Und die sollte mich über die Tatsache ein wenig hinwegtrösten, dass es die fette „Hungaroton“-Gesamtedition nicht mehr gibt.

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    #8934515  | PERMALINK

    clasjaz

    Registriert seit: 19.03.2010

    Beiträge: 1,730

    Du immer mit Deinen Covern, pinch. :-) Aber immer noch große Empfehlung für diese Haendel/Ashkenazy-Sache, die bestürmt mich doch etwas mehr als die frühen Decca-Aufnahmen.

    Und danke, gypsy …

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    #8934517  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
    Moderator
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    Registriert seit: 25.01.2010

    Beiträge: 51,650

    Was ist von dem Ding hier zu halten:

    Wie es scheint könnte ich das 6-CD-Set kriegen (Ihr auch, aber Versand ins Ausland ist bei discplus.ch schweineteuer), als nicht Vol. I mit 3 CDs (12326-28) wie im Bild oben (sondern 12226-31), ansonsten aber gleiche Aufmachung. Billig ist es nicht gerade (77 CHF), aber …

    EDIT: auch das Teil hier ist zu haben – klingt äusserst faszinierend:

    http://www.allmusic.com/album/bartók-recordings-from-private-collections-mw0001374948

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    #8934519  | PERMALINK

    atom
    Moderator

    Registriert seit: 10.09.2003

    Beiträge: 17,999

    Ich komme gerade aus dem Konzert und war sehr angetan von Bartóks Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta. Gibt es neben Fritz Reiners Interpretation Empfehlungen?

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    Hey man, why don't we make a tune... just playin' the melody, not play the solos...
    #8934521  | PERMALINK

    soulpope
    "Ever Since The World Ended, I Don`t Get Out As Much"

    Registriert seit: 02.12.2013

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    gibts als günstige japanische Reissue in exzellenter Überspielung via hier (vom Bestbieter inkl Versand um rund 10 Euro)

    http://www.amazon.co.uk/gp/offer-listing/B00SRVBYVI/ref=dp_olp_new?ie=UTF8&condition=new

    --

      "Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit" (K. Valentin)
    #8934523  | PERMALINK

    atom
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    Registriert seit: 10.09.2003

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    Danke! Um Boulez‘ Bartók werde ich mich unbedingt kümmern.

    --

    Hey man, why don't we make a tune... just playin' the melody, not play the solos...
    #10973803  | PERMALINK

    yaiza

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    … wollte ich schon längst mal posten…

    Hier András Schiff zu Bartók (3min)

    und passend zum Tipp von gypsy im Neuheiten-Faden : eine Sendung aus dem israelischen TV mit Arik Vardie und András Schiff als Gast (ca. 28min), sehr kurzweilig… zu beginn sprechen sie auch über Sandor, dann Bartók, Kodály und den „Hungarian Style“

    gypsy-tail-wind     Zwei willkommene Neuheiten, die für Januar (Sándor) ….

     

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