AotW: Randy Newman – 12 Songs

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  • #6494337  | PERMALINK

    mistadobalina

    Registriert seit: 29.08.2004

    Beiträge: 20,670

    wohlklangIch denke, bloße Satire ist es nicht. Es sind freaks, zweifellos, kauzig und/oder neurotisch. Aber ihre Sehnsüchte, die sind doch echt. Halt vom Leben beschädigte Menschen, die Newman sehr genau erfasst, nichts Denunziatorisches dabei.

    Wollte ich damit auch nicht sagen. (Satire ist für mich auch nicht per se denunziatorisch btw.) Für mich sind es auch mehr Schilderung und Darstellung. Über sich selbst singt Newman eher wenig.

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    #6494339  | PERMALINK

    Anonym
    Inaktiv

    Registriert seit: 01.01.1970

    Beiträge: 0

    Mistadobalina…. Über sich selbst singt Newman eher wenig.

    Könnte durchaus sein, er ist der Tankwart….

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    #6494341  | PERMALINK

    mosse

    Registriert seit: 16.11.2007

    Beiträge: 279

    Hmm. Vielleicht ist „Oil“ auch keine Parodie auf einen bestimmten Typ Mensch, sondern auf eine bestimmte Art von Songs? Ich meine damit diese When-I-Put-My-Finger-On-Your-Trigger-Liebeslieder a la „I’m A King Bee“ vom Stones-Debüt („I’m a king bee/buzzing round your hive (…) well I can make honey, baby/Let me come inside“).

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    #6494343  | PERMALINK

    mosse

    Registriert seit: 16.11.2007

    Beiträge: 279

    Wobei die Leichtigkeit, mit der Newman mit wenigen Strichen ein bestimmtes (soziales?) Umfeld und die Atmosphäre vollständiger Tristesse skizziert, in meinen Augen sehr gelungen ist…

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    #6494345  | PERMALINK

    ah-um

    Registriert seit: 24.02.2006

    Beiträge: 1,398

    @mosse:
    Finde ich durchaus plausibel. „I’ll fill your tank with gasoline“ ist schon ein ziemlich tiefer Griff in die Kiste der zweideutigen Schenkelklopfer. Auch die Reime bei „Rosemary“ sind größtenteils von so erschütternder Schlichtheit, dass das Liebeslied mehr wie die Persiflage eines solchen daherkommt.
    Das mag auch daran liegen, dass die dargestellten Personen zu klischeeärmeren Äußerungen schlicht nicht in der Lage sind. Der Autor selbst scheint mir dabei auf relativ großer Distanz zu seinen Figuren, auch wenn er in der ersten Person erzählt. Denunziatorisch würde ich das nicht nennen, aber etwas Spöttisches hat es m.E. schon.

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    There is a crack in everything; that's how the light gets in. (Leonard Cohen)
    #6494347  | PERMALINK

    mikko
    Moderator
    Moderator / Juontaja

    Registriert seit: 15.02.2004

    Beiträge: 34,343

    Ich habe das Album gestern hier während der Arbeit (unter Kopfhörern) in einem Rutsch durch gehört. Keine idealen Bedingungen, das gebe ich zu. Auf Feinheiten und Nuancen der Stimme achtet man da nicht so. Und auch die Lyrics habe ich nur teilweise erfasst. Ich gebe weiterhin zu, dass ich die Platte nicht besitze und sie folglich nicht zuhause in Ruhe hören kann.
    Mein erster Eindruck war nicht überwältigend. Ich hatte immer geglaubt, mir entginge etwas Essenzielles. Ich habe mich ja bisher überhaupt noch nicht näher mit Randy Newman beschäftigt. Kenne seine Songs eigentlich nur in Interpretationen anderer. Wenn das eines seiner besten Alben ist, dann bin ich nicht mal sicher, ob ich wirklich so viel verpasst habe. Es hat zumindest bei diesem ersten Hören unter Kopfhörern nicht „klick“ gemacht. Und ich war nicht mal ernstlich abgelenkt durch Arbeit oder Kollegen.
    Es ist nicht so, dass ich die Klasse der Texte und ihre hier schon erwähnte Hintersinnigkeit nicht erkenne. Aber die Musik und die Interpretation Newmans lassen mich merkwürdig unbeteiligt. Sorry.

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    #6494349  | PERMALINK

    staggerlee

    Registriert seit: 04.02.2007

    Beiträge: 738

    Mikko, Mikko, das wird wohl nichts mehr mit Dir und der Musik. Hast Du das Album etwa auch noch gar…als CD gehört? Gestehe!
    Im Ernst: Ich besitze 12 Songs nicht, aufgrund der Beschreibung hier habe ich mir aber das Album bestellt. Es könnte aber sein (reine Vermutung natürlich), daß 12 Songs nicht der optimale Einstieg für Randy Newman ist aufgrund der Instrumentierung bzw. seiner Begleitmusiker. Vielleicht übertreibe ich etwas, aber ein wesentlicher Aspekt seiner Musik ist für mich die Diskrepanz (man kann es auch Doppeldeutigkeit nennen) zwischen den wunderschönen Arrangements (und der Melodieseligkeit der Songs), die häufig in starkem Gegensatz zu Stimme und den sarkastischen Texten stehen bzw. die Doppeldeutigkeit der Texte unterstreichen- man muß schon des öfteren schwer schlucken, wie z.B. bei Sail Away. Kurz: Vielleicht ist es kein absolut „typisches“ Newman Album. Natürlich ist das reines rumgestochere im Nebel, da ich das Album nicht kenne (nur was hier darüber geschrieben wurde). Probier es doch mal mit „Sail Away“, daß vielleicht repräsentativer ist.

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    #6494351  | PERMALINK

    wa

    Registriert seit: 18.06.2003

    Beiträge: 22,606

    Es entbehrt ja nicht einer gewissen Ironie (oder Mistadobalina’scher Hinterhältigkeit), wenn nach all den „Ein-Album-ist-ein-Album“-Scharmützeln im Vorfeld nun neben dem Konzept-Album „Pet Sounds“ ausgerechnet „12 Songs“ die „Album of the Week“-Reihe eröffnet. Denn „12 Songs“ ist eben nicht mehr als, das was der Titel verspricht: eine Sammlung von einem Dutzend Songs. Während alle anderen Alben von Newman musikalisch und bisweilen auch thematisch homogen sind, und in der Tat auch kein Rumbasteln am Sequencing vertragen, ließe sich die Reihenfolge der Tracks auf „12 Songs“ schadlos verändern. Ja, eigentlich müsste man das sogar tun. „Mama Told Me Not To Come“ zwischen „Let’s Burn Down The Cornfield“ ist so deplaziert wie nur sonst etwas. So fahrig und hastig wird der Song gespielt, dass man den Eindruck hat, die Aufnahme entstand kurz vor Feierabend, und die Musiker hätten nicht vor, ihn länger als nötig nach hinten zu verschieben. Nach zwei Minuten wird lieblos ausgeblendet. Das war’s.
    Ähnlich ergeht es mir bei „Old Kentucky Home“, das mir eine Spur zu runtergespielt ist, als dass es einen berühren könnte. So ist es auch kein Wunder, dass dies eigentlich der einzige Song von Randy Newman ist, bei dem eine Cover-Version das Original übertrifft. Ry Cooder singt und spielt den Song auf seinem Debüt mit der Lakonie, die dem naiv-herzlosen Ich-Erzähler besser steht.
    Hat schon jemand erwähnt, dass „12 Songs“ ziemlich dumpf und dünn abgemischt und klanglich eine einzige Katastrophe ist? Nein? Dann sei das hiermit geschehen. Die Qualität der Songs indes ist über jeden Zweifel erhaben, das ist Newman von seiner besten Seite. So war für mich „12 Songs“ immer die Platte der verschenkten Möglichkeiten.
    Dem Skizzenhaften der Produktion kann man sicher einen gewissen LoFi-Charme abgewinnen, aber auf der anderen Seite wickelt man doch auch nicht Kaviar in billiges Zeitungspapier ein.

    --

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    #6494353  | PERMALINK

    otis
    Moderator

    Registriert seit: 08.07.2002

    Beiträge: 22,557

    wa
    Hat schon jemand erwähnt, dass „12 Songs“ ziemlich dumpf und dünn abgemischt und klanglich eine einzige Katastrophe ist? Nein? Dann sei das hiermit geschehen. Die Qualität der Songs indes ist über jeden Zweifel erhaben, das ist Newman von seiner besten Seite. So war für mich „12 Songs“ immer die Platte der verschenkten Möglichkeiten.
    Dem Skizzenhaften der Produktion kann man sicher einen gewissen LoFi-Charme abgewinnen, aber auf der anderen Seite wickelt man doch auch nicht Kaviar in billiges Zeitungspapier ein.

    Nein, wa, da kann ich nicht mit. Ich gehe davon aus, dass wir über das Vinyl sprechen. Die Tracks haben keinen durchgehend gleichbleibenden Sound. Aber von dumpf und dünn kann ich nichts hören angesichts Have You Seen oder Mama Told Me etc… Die Songs sind jeder für sich schon sehr gut produziert, nur recht verschieden, wenngleich, da stimme ich dir zu, das Ganze dadurch nicht unbedingt ein großes Ganzes wird.
    Es ist auch kein „Kaviar“, was Newman hier an Songs bietet, es sind kleine Schwarzweiß-Filme, die ablaufen. Jeder sehr echt, sehr nah am Geschehen, unprätentiös und genau. Alles an mehr, wäre zuviel.
    Ich gehe auch nicht mit, Newman auf Ironie, Sarkasmus, Satire, Gemeinheit etc. festzulegen. Dafür ist das alles bei ihm viel zu offen und im Grunde humanistisch. Obwohl, wie gesagt, mit einem recht zynischen Einschlag.

    --

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    #6494355  | PERMALINK

    wa

    Registriert seit: 18.06.2003

    Beiträge: 22,606

    Ja, wir reden schon vom Vinyl (der bislang einzig erhältliche CD-Release ist noch schlimmer). Vom Klang her ist „12 Songs“ das schlechteste Newman-Album, vergelich das mal mit „Sail Away“.

    Nein, Newman ist kein Zyniker. Er kanzelt nicht ab, sondern er erzählt Geschichten, schlüpft in Rollen, ohne sich über seine Protagonisten zu erheben. Im Grunde humanistisch, richtig.

    --

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    #6494357  | PERMALINK

    ah-um

    Registriert seit: 24.02.2006

    Beiträge: 1,398

    waHat schon jemand erwähnt, dass „12 Songs“ ziemlich dumpf und dünn abgemischt und klanglich eine einzige Katastrophe ist? Nein? Dann sei das hiermit geschehen. Die Qualität der Songs indes ist über jeden Zweifel erhaben, das ist Newman von seiner besten Seite. So war für mich „12 Songs“ immer die Platte der verschenkten Möglichkeiten.
    Dem Skizzenhaften der Produktion kann man sicher einen gewissen LoFi-Charme abgewinnen, aber auf der anderen Seite wickelt man doch auch nicht Kaviar in billiges Zeitungspapier ein.

    Sehe ich nicht so. Die Produktion ist von einer Beiläufigkeit, die man mit Nachlässigkeit verwechseln könnte. Zusammen mit dem entspannten Spiel der Band und der Kürze der Songs führt dies zu dem sehr charmanten und sicher gewollten lakonischen Grundton. Es ist auch dieses Understatement, das vieles hier im Vagen hält und dadurch die Platte so erfolgreich macht.

    waNein, Newman ist kein Zyniker. Er kanzelt nicht ab, sondern er erzählt Geschichten, schlüpft in Rollen, ohne sich über seine Protagonisten zu erheben. Im Grunde humanistisch, richtig.

    Eher nicht. Wenn Newman in die Rolle eines dummen Reaktionärs schlüpft, dann ist jedenfalls für seine Zielgruppe – hippe Intellektuelle und die sich dafür halten – klar erkennbar, dass es nur eine Rolle ist. Und diese Rollenhaftigkeit soll erkennbar bleiben, die volle Identifikation muss vermieden werden. Die Perspektive des Ich-Erzählers ist sozusagen nur ein Trick, sich möglichst schadlos in der Psyche seines Protagonisten umzutun. Newman kanzelt nicht ab, er ist subtiler, aber deswegen noch lange kein Philanthrop. Die Distanz bleibt stets spürbar. Der Autor kennt die dargestellten Figuren besser als diese sich selbst und lässt sie Verräterisches äußern. Er bleibt der überlegene Geist, der die anderen durchschaut. Zu einer wirklich humanistischen Haltung (im Sinne von Menschenliebe) fehlt hier ein überzeugendes Mit-Leiden, vorherrschend bleibt die leicht näselnde Lakonik und durchaus ein gerüttelt Maß an Zynismus.

    --

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    #6494359  | PERMALINK

    nail75

    Registriert seit: 16.10.2006

    Beiträge: 41,648

    Wie eigentlich fast immer treffen Deine Ausführungen genau ins Schwarze, Ah Um. Randy Newman zum händchenhaltenden Humanisten zu degradieren geht zu weit, dafür wahrt Newman zu viel Distanz zu den Menschen, die er in seinen Liedern darstellt. Selbst wenn sie lebendig gezeichnet sind, nimmt Newman doch stets die Rolle des allwissenden Erzählers ein, der ihren Fehlern und Schwächen nur selten mit Sympathie oder Verständnis begegnet und sie im Gegenteil erbarmungslos ans Tageslicht zerrt.

    (Zum Album habe ich leider nichts zu sagen, da ich es nur in Auszügen besitze. Nächstes Mal.)

    --

    Ohne Musik ist alles Leben ein Irrtum.
    #6494361  | PERMALINK

    Anonym
    Inaktiv

    Registriert seit: 01.01.1970

    Beiträge: 0

    Ah Um
    Newman kanzelt nicht ab, er ist subtiler, aber deswegen noch lange kein Philanthrop. Die Distanz bleibt stets spürbar. Der Autor kennt die dargestellten Figuren besser als diese sich selbst und lässt sie Verräterisches äußern. Er bleibt der überlegene Geist, der die anderen durchschaut. Zu einer wirklich humanistischen Haltung (im Sinne von Menschenliebe) fehlt hier ein überzeugendes Mit-Leiden, vorherrschend bleibt die leicht näselnde Lakonik und durchaus ein gerüttelt Maß an Zynismus.

    Hier gehe ich gern mit, Ah Um. Nur, human zu sein muß wie ich finde nicht gleich Philantropie im Sinne einer unbedingten Menschenliebe bedeuten. Human kann durchaus auch eine spöttische Distanz sein. Die erlaubt es, das Wesen der Personen zu erfassen. Dies tut alle große Kunst. Und jedes Kunstwerk ist human.

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    #6494363  | PERMALINK

    otis
    Moderator

    Registriert seit: 08.07.2002

    Beiträge: 22,557

    nail75… Randy Newman zum händchenhaltenden Humanisten zu degradieren geht zu weit,…

    Wer in Dreiteufelsnamen soll das getan haben? Was hat Humanismus mit Händchenhalten zu tun, was mit platter Menschenliebe?

    --

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    #6494365  | PERMALINK

    wa

    Registriert seit: 18.06.2003

    Beiträge: 22,606

    Um mal bei „Old Kentucky Home“ zu bleiben. Zynisch ist die Figur, die Newman verkörpert. Jemand, der seine Familie verhöhnt, der Lächerlichkeit preisgibt, den Unzulänglichkeiten und Tragödien nicht kratzen, hauptsache er selber ist „alright“. Letztendlich wird der Zyniker bloßgestellt, nicht seine Umgebung. Wenn diese Empathie seitens Newman kein Humanismus ist, was dann?
    Diese schon oft widergekäute Behauptung, Newman sei ein Zyniker scheint mir aus der Zeit seines größten kommerziellen Erfolgs, nämlich „Short People“ zu stammen.
    Graham Parker, selber kein Riese, zeigte sich begeistert von dem Song. Er glaubte, ein Leidensgenosse prangere die Klischees über kleine Leute an. Als erfuhr, daß Newman alles andere als kleinwüchsig ist, war er ziemlich erzürnt, da er nun der Annahme war, Newman mache sich in zynischer Art und Weise über körperliche Handicaps lustig. Doppelter Irrtum.

    --

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