AotW: Randy Newman – 12 Songs

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  • #51903  | PERMALINK

    otis
    Moderator

    Registriert seit: 08.07.2002

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    Album der Kalenderwoche 8 (Vorschlag: Mistadobalina)


    Randy Newman: 12 Songs

    * 04/1970 US/Reprise

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    #6494309  | PERMALINK

    sonic-juice
    Moderator

    Registriert seit: 14.09.2005

    Beiträge: 10,990

    Schön, dass gerade dieses Album ausgewählt wurde für den Start dieser Threadfolge. Ich besitze es erst seit ein paar Wochen und es läuft seitdem nahezu „rund um die Uhr“ (naja, jedenfalls in den bürofreien Stunden), in Abwechslung mit anderen Newman-Alben. Seit letztem Jahr erschließe ich mir mit großer Neugier die frühen Werke von Newman, zuvor kannte ich über viele Jahre nur „Bad Love“ (über weite Teile sehr geschätzt), eine Best Of (die mir leider keinen Zugang zum Frühwerk ermöglichte) und diverse Soundtrack-Beiträge (ich gestehe, insbesondere die putzigen Duette mit Lyle Lovett liebe ich).

    Mit einer vertieften Kenntnis der einzelnen Tracks kann ich somit noch nicht dienen, insbesondere die Texte habe ich noch nicht im Einzelnen studiert. Derzeit hat „12 Songs“ bei mir aber – neben „Good Old Boys“ und „Sail Away“ – die Anwartschaft auf meinen Newman-Favoriten mit durchgehend herausragendem Songmaterial, während ich beim Debüt, „Little Criminals“ und „Bad Love“ immer auch einige Songs ausmache, die mir den Hörfluss stören, die mir in Arrangement oder Inhalten zu albern oder exaltiert scheinen.

    „12 Songs“ höre ich momentan als eine wundervolle Ansammlung von 12 Liedern (mit meinem derzeitigen Liebling Old Kentucky Home), nicht aber als einem übergeordneten Konzept oder einer entsprechenden Stimmung verpflichtetes Album, wie ich es bei „Good Old Boys“ und – mit Abstrichen – auch bei „Sail Away“ wahrnehme; ich bin auch noch nicht über das eine Lied gestoßen, dass mich emotional vollends packt, vergleichbar etwa zu Sail Away, He Gives Us All His Love/God’s Song (die ich immer konzeptuell zusammendenke, wie A- und B-Seite einer Single) oder Louisiana 1927. Insofern hat es noch etwas Strecke zu den anderen beiden Favoriten aufzuholen; es läuft fast zu reibungslos mit Wippen und Wohlgefallen durch.
    (Monsieur Dynamite seit an dieser Stelle noch mal für die fachliche Begleitung meiner derzeitigen Newman-Hochphase gedankt.)

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    I like to move it, move it Ya like to (move it)
    #6494311  | PERMALINK

    nikodemus

    Registriert seit: 07.03.2004

    Beiträge: 20,097

    Schön, dass es los geht.

    Interessant Sonic, ich hab ja schon an verschiedenen Stellen geschrieben, dass ich mich mit „12 Songs“ immer schwer getan habe. Gerade die Band ist ja zweifelsfrei großartig, vor allem Ry Cooder ist herauszuheben. Dennoch hat es bei mir nie geklickt, Randy Newman am Piano mit klassischen Guitar-Bass-Drums Trio fand ich irgendwie immer merkwürdig, was wohl auch daran lag, dass meine ersten Randy Alben „Sail Away“ und das Debüt waren.

    So hab ich Randy wohl eher mit Orchester kennen und lieben gelernt bzw. solo an Klavier. Gerade dass von Sonic zitierte „Old Kentucky Home“ finde ich in der Solo Version seines Live Album gelungener interpretiert. Gerade sein perlendes Klavierspiel kommt da evlt. noch besser zur Geltung.

    Meine Lieblingstracks:
    * Suzanne, hätte auch auf dem Debüt Platz gefunden und gut gepassst. Ein (so las ich) Seitenhieb auf Cohens Suzanne. Einerseits komisch, wie Newmann über seine Angebetete singt, andererseits etwas unheimlich (Stalking allgemein ist ja auch nicht eher komisch). Die Intensität von (beispielsweise) „God’s Song“ oder „In Germany Before The War“ erreicht Randy aber nicht.

    * Have You Seen My Baby
    Schöner Ohrwurm, dazu bissig wie man ihn kennt („When you through with my baby milkman, send her home to me“).
    Wer ist hier eigentlich für die Bläser verantwortlich, konnte ich dem Booklet nicht entnehmen.

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    and now we rise and we are everywhere
    #6494313  | PERMALINK

    Anonym
    Inaktiv

    Registriert seit: 01.01.1970

    Beiträge: 0

    Für mich ist 12 Songs eines der genialen Alben und rangiert auf einem der vorderen Plätze in einer Liste der hundert besten LP aller Zeiten. Nicht zuletzt wegen meiner Unentschiedenheit bezüglich der Plazierung von Newmans Platten habe ich noch keine Top 100-Liste fertigbekommen. Ich bin – auch nach sehr langer Beschäftigung – noch nicht soweit, eine Reihenfolge von 12 Songs, Creates Something New Under The Sun, Good Old Boys und Sail Away festlegen zu können. Diese Alben werden in jedem Fall auf den vorderern Plätzen meiner Top 100 zu finden sein, irgendwo weiter hinten kommt dann noch Little Criminals.
    Ich halte Newman neben Dylan für den größten lebenden amerikanischen Songwriter/Interpreten.
    Bei 12 Songs ist es gerade die sparsame Instrumentierung, die ich besonders reizvoll finde. Bildet eine wunderbare Entsprechung zu den, wie immer bei Newman, tiefen lyrics. Ich kenne kein Album, das so sehr die Schönheit zeigt, die entsteht, wenn ein wirklicher Könner seine Mittel ökonomisch einsetzt. Da ist nichts zu viel, aber auch nichts zu wenig.

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    #6494315  | PERMALINK

    nikodemus

    Registriert seit: 07.03.2004

    Beiträge: 20,097

    Findest du wirklich, dass er seine Mittel hier ökonomisch einsetzt? Newmans Musik ist doch meistens eher reduziert, selbst die oft eingesetzten Streicher wirken doch eher subtil und unterstreichen doch eher die Tracks anstatt sie zuzukleistern. Gerade bei „Have You Seen My Baby“ oder „Mama Told Me“ kann man ja nicht wirklich von sparsam reden, sehr wohl natürlich bei „Cornfield“ oder „Suzanne“.

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    and now we rise and we are everywhere
    #6494317  | PERMALINK

    Anonym
    Inaktiv

    Registriert seit: 01.01.1970

    Beiträge: 0

    Keinesfalls meine ich eine Gleichung wie etwa ökonomischer Einsatz der Mittel=sparsame Instrumentierung. Ästhetische Ökonomie kann auch mit der Wucht großer Orchestrierung stattfinden. Es kommt eben immer darauf an. Solche trockenen Haken, die Newman für gewöhnlich schlägt, bedürfen eher einer kleinen, dafür exquisiten Musikerschar. Ich nehme bei 12 Songs eine perfekte Harmonie von Instrumentierung und Komposition, von Text und Phrasierung und, wie soll ich sagen, meinem Verständnis davon, was Newman hier sagt. Lover’s Prayer!

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    #6494319  | PERMALINK

    mosse

    Registriert seit: 16.11.2007

    Beiträge: 279

    Ich frage mich, ob die – im Vergleich zum recht opulenten Debüt – einfacheren Arrangements nicht auch eine gewisse Konzession an den Publikumsgeschmack waren. Newmans Debüt war ja in kommerzieller Hinsicht ein großer Misserfolg, und im Zuge der Rückkehr Dylans zur erdigen Folk-/Country-Musik 1968/69 kehrten ja praktisch alle Singer/Songwriter zu einfacheren, unkomplizierteren Arrangements zurück.

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    #6494321  | PERMALINK

    sonic-juice
    Moderator

    Registriert seit: 14.09.2005

    Beiträge: 10,990

    nikodemus
    Interessant Sonic, ich hab ja schon an verschiedenen Stellen geschrieben, dass ich mich mit „12 Songs“ immer schwer getan habe. Gerade die Band ist ja zweifelsfrei großartig, vor allem Ry Cooder ist herauszuheben. Dennoch hat es bei mir nie geklickt, Randy Newman am Piano mit klassischen Guitar-Bass-Drums Trio fand ich irgendwie immer merkwürdig, was wohl auch daran lag, dass meine ersten Randy Alben „Sail Away“ und das Debüt waren.

    So hab ich Randy wohl eher mit Orchester kennen und lieben gelernt bzw. solo an Klavier. Gerade dass von Sonic zitierte „Old Kentucky Home“ finde ich in der Solo Version seines Live Album gelungener interpretiert. Gerade sein perlendes Klavierspiel kommt da evlt. noch besser zur Geltung.

    Bei manchen Songs des Debüts (vergleichbares gilt aber auch für einzelne spätere Songs) habe ich derzeit wohl noch das Problem, dass mir die Arrangements etwas zu sehr auf den Effekt zielen und sich für meinen Geschmack zu selbstbewusst neben den erzählerischen oder melodiösen Kern des Songs platzieren, sie gehen schon in Richtung Soundtrack. Im Grunde habe ich wohl immer nach diesem schlichteren Randy Newman-Sound von „12 Songs“ gesucht. Man kann vielleicht sagen: bei solchen unspektakulären Rock-Arrangements ist die Gefahr geringer, dass es überladen, prätentiös und überambitioniert wirkt, zugleich ist damit aber auch der Einsatz geringer und der potentielle Gewinn etwas kleiner (im Vergleich zum Jackpot von „Sail Away“ z.B.).

    PS: Das Live-Album werde ich mir natürlich noch besorgen müssen.

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    I like to move it, move it Ya like to (move it)
    #6494323  | PERMALINK

    otis
    Moderator

    Registriert seit: 08.07.2002

    Beiträge: 22,557

    Habe heute Abend nachgehört und bin immer noch/wieder begeistert.
    Newman zeigt sich als unglaublich großer Song-Schreiber. Solche kargen, unprätentiösen lyrischen Gemälde findet man doch sonst kaum. Heute haben mich besonders beeindruckt Let’s Burn The Cornfield und noch mehr If You Need Oil. Unübertrefflich. Einzig Yellow Man scheint sich meinem Verständnis entziehen zu wollen.
    Die Arrangements zu den Songs sind zurückhaltend und großartig auf den Punkt hin produziert,was dann auch eine leichte Unausgeglichenheit in Sound etc. nach sich ziehen muss. Das mag beim ersten Hören etwas befremdlich erscheinen.
    So sehr ich Sail Away und Good Old Boys liebe (es waren damals aktuell meine ersten Newman-Alben), so sehr finde ich 12 Songs im Nachhinein toll.
    Eigentlich war es indirekt sogar mein erster bewusster Kontakt mit Newman.
    1970 fühlte ich mich im Grunde längst der Charts-Musik entwachsen, hörte nur noch dann und wann diese im Radio. Eine Single aber begeisterte mich auf Anhieb. Sie war neuartig von Songwriting und Arrangement her: Three Dog Night-Mama Told Me. Autor: Randy Newmann.
    Damals kam mir zum ersten Mal sein Name zu Bewusstsein. Die Bewunderung hat seither nicht nachgelassen, wenn ich auch nicht einmal alles von ihm besitze. So habe ich nie Little Criminals im Regal gehabt, obwohl ich sie damals oft gehört habe. Irgendetwas störte mich dran, wohl zu Unrecht, wie ich heute annehme.

    Was sollen die schwachen Tracks auf 12 Songs sein?

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    #6494325  | PERMALINK

    ah-um

    Registriert seit: 24.02.2006

    Beiträge: 1,398

    otis. Heute haben mich besonders beeindruckt Let’s Burn The Cornfield und noch mehr If You Need Oil. Unübertrefflich. Einzig Yellow Man scheint sich meinem Verständnis entziehen zu wollen.

    Mir geht es eigentlich gerade umgekehrt. Yellow Man persifliert eben läppisches Geschwätz über exotische Menschen. Bei den beiden anderen fühlt es sich irgendwie nach einem pointenlosen in-joke an, bei dem ich nicht verstehe, ob es da überhaupt etwas zu verstehen gibt. Wahrscheinlich ist aber gerade das der Witz. Ich mag die deftigeren Sachen letztlich lieber, an erster Stelle natürlich Old Kentucky Home.
    12 Songs war meine erste und lange meine einzige Newman-Platte. Erst durch Good Old Boys und v.a. durch Sail Away bin ich da auf den Trichter gekommen. Heute vergebe ich ****1/2 an 12 Songs für unspektakuläre Großartigkeit.

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    There is a crack in everything; that's how the light gets in. (Leonard Cohen)
    #6494327  | PERMALINK

    otis
    Moderator

    Registriert seit: 08.07.2002

    Beiträge: 22,557

    Let’s Burn The Cornfield ist ein wunderbares Liebeslied.
    If You Need Oil, ja, was soll man sagen, selten habe ich eine solche Liebessehnsucht, Leere und Genauigkeit in Charakterzeichnung, Beobachtung etc. musikalisch perfekter dargestellt gehört.

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    #6494329  | PERMALINK

    ah-um

    Registriert seit: 24.02.2006

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    @otis:
    Du meinst, es gibt hier keinerlei doppelten Boden, keine Satire, keine Gemeinheit? Nur ein Liebeslied? Ich finde, Stimme und Phrasierung signalisieren hier etwas ganz anderes. So wie You Can Leave Your Hat On bei – argh – Joe Cocker ein tumber Anmach-Song sein mag, bei Newman aber nach schwerer Neurose klingt.
    Vielleicht ist Newmans Stimme aber auch zur Interpretation straighter, unironischer Liebeslyrik schlicht ungeeignet. Sie suggeriert mir jedenfalls ständig etwas anderes als bloße Empfindsamkeit.

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    There is a crack in everything; that's how the light gets in. (Leonard Cohen)
    #6494331  | PERMALINK

    mistadobalina

    Registriert seit: 29.08.2004

    Beiträge: 20,670

    Sehe das auch so we Ah Um. „Let’s Burn The Coenfield“ ist für mich eher hintergründig. Und auch der Tankwart in „If You need oil“ scheint mir etwas gestört zu sein. Das macht für mich auch oft den Reiz von Newman-Songs aus: er schlüpft in immer wieder neue Rollen – und oft sind eben Freaks.

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    When I hear music, I fear no danger. I am invulnerable. I see no foe. I am related to the earliest time, and to the latest. Henry David Thoreau, Journals (1857)
    #6494333  | PERMALINK

    otis
    Moderator

    Registriert seit: 08.07.2002

    Beiträge: 22,557

    Natürlich ist der Tankwart gestört, so wie Travis, so wie so viele. Ich sehe da keine Ironie, keine Wertung, sondern eher genaue kühle Beobachtung, Lakonie. Wie auch You Can Leave Your Hat On nicht böse, sondern einfach nur stimmig und wahr ist. Natürlich mit einem Hauch Zynismus im Hintergrund.

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    #6494335  | PERMALINK

    Anonym
    Inaktiv

    Registriert seit: 01.01.1970

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    Ich denke, bloße Satire ist es nicht. Es sind freaks, zweifellos, kauzig und/oder neurotisch. Aber ihre Sehnsüchte, die sind doch echt. Halt vom Leben beschädigte Menschen, die Newman sehr genau erfasst, nichts Denunziatorisches dabei.

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