AotW: Manic Street Preachers – Everything Must Go

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  • #52167  | PERMALINK

    nail75

    Registriert seit: 16.10.2006

    Beiträge: 41,648

    Ich beginne mal einen neuen Thread und hoffe auf eine ergiebige Diskussion. Zur Einleitung habe ich mal einen kurzen Text geschrieben:

    Wenn man die tragischen Umstände bedenkt, die der Entstehung von „Everything Must Go“ vorausgingen, dann ist die Frage erlaubt, ob das Album so berühmt und geschätzt wäre, wenn es unter weniger dramatischen Umständen entstanden wäre. Meine Antwort ist ein uneingeschränktes „Ja!“, denn die Manics vereinen auf diesem Werk ihre besten Eigenschaften.

    Die krachenden, aber dennoch eleganten Gitarren, der solide Bass sowie die hektischen Drums bilden das Gerüst, das einen Resonanzraum schafft, indem sich der atemlose Gesang von James Dean Bradfield entfalten kann. Der treibt auf vielen Tracks seine Stimme bis kurz vor die Entgleisung und schafft damit einen Gegensatz zu den genial eingesetzten Streichern, die dem Album dagegen etwas Erhabenes, Würdevolles verleihen. So gelingt es den Manics einen dichten, intensiven Klang zu erzeugen, der „Everything Must Go“ bei aller Grandiosität einen kompakten Charakter verleiht.

    „Everthing Must Go“ spiegelt den Klang einer Band am absoluten Limit wieder. Die Band spielt sogar die verzweifelten, lebensmüden Texte des verschollenen Richey James mit einer wütend-trotzigen Jetzt-erst-recht-Attitüde. Man spürt, dass die Band auf diesem Album eine Gratwanderung vollzieht. Mehr Ausdruck, mehr Emotion, mehr Leiden hätten sie womöglich zerrissen und verhindert, dass sie sich auf diesem Album alle Wut, Enttäuschung, Trauer und Verzweiflung von der Seele schreien. So aber stellt „Everything Must Go“ die Stunde ihres größten Triumphes dar, ein Denkmal sowohl für Richey James wie für das Überleben im Angesicht der Katastrophe. Für die vom Leben gezeichnete Band konnte das Leben weitergehen.

    http://ecx.images-amazon.com/images/I/410JRC21JHL._SS500_.jpg

    --

    Ohne Musik ist alles Leben ein Irrtum.
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    #6518379  | PERMALINK

    annamax

    Registriert seit: 08.07.2002

    Beiträge: 4,299

    nail75Wenn man die tragischen Umstände bedenkt, die der Entstehung von „Everything Must Go“ vorausgingen, dann ist die Frage erlaubt, ob das Album so berühmt und geschätzt wäre, wenn es unter weniger dramatischen Umständen entstanden wäre. Meine Antwort ist ein uneingeschränktes „Ja!“, denn die Manics vereinen auf diesem Werk ihre besten Eigenschaften.

    Ich finde, du widersprichst dir in deinem Text. Zum einen erklärst du die tragischen Umstände als ursächlich für die Hohe Qualität von EVERYTHING MUST GO. Dieser Einschätzung stimme ich uneingeschränkt zu.
    Dann erklärst du, die Platte wäre auch ohne die tragischen Umstände als genau so gut bewertet worden. Das kann schon sein, wenn man theoretisch unterstellt, Hörerinnen und Hörer wüssten nix über die tragischen Umstände.
    Ich denke aber, dass Album ohne die tragischen Umstände bei weitem nicht so berühmt und geschätzt wäre, weil es ohne die tragischen Umstände erst gar nicht in der Form zu Stande gekommen wäre.
    Nichtsdestotrotz ist es die geilste Platte der Manics. Irgendwo zwischen ****1/2 und *****.

    --

    I'm pretty good with the past. It's the present I can't understand.
    #6518381  | PERMALINK

    mikko
    Moderator
    Moderator / Juontaja

    Registriert seit: 15.02.2004

    Beiträge: 34,345

    Was ist „AtoW“, nail?

    --

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    #6518383  | PERMALINK

    nail75

    Registriert seit: 16.10.2006

    Beiträge: 41,648

    Album the of week, noch nie gehört? ;-)

    Ein Tippfehler, den ein Mod bitte korrigieren sollte. ;-)

    @annamax: Du hast Recht, es ist widersprüchlich. Ich wollte eigentlich ausdrücken, dass das Album der Legenden, die sich um es gebildet haben, nicht bedarf, weil es musikalisch so herausragend ist. Anderseits wäre es eben ohne die tragischen Ereignisse nicht entstanden, insofern ist es vielleicht gar nicht richtig, wenn man versucht, das eine vom anderen zu trennen.

    --

    Ohne Musik ist alles Leben ein Irrtum.
    #6518385  | PERMALINK

    herr-rossi
    Moderator
    -

    Registriert seit: 15.05.2005

    Beiträge: 68,051

    nail75Ich wollte eigentlich ausdrücken, dass das Album der Legenden, die sich um es gebildet haben, nicht bedarf, weil es musikalisch so herausragend ist. Anderseits wäre es eben ohne die tragischen Ereignisse nicht entstanden, insofern ist es vielleicht gar nicht richtig, wenn man versucht, das eine vom anderen zu trennen.

    Sehe ich auch so, eine Ausnahmesitutation, die ein ein großes Album hervorbrachte. Ich kann zur Diskussion leider nichts beitragen, weil ich alles von Dir unterschreiben kann. Man sollte noch auf die grandiosen Melodien hinweisen.
    Für eine Diskussion müsste jetzt jemand kommen, der Begriffe wie „überproduziert“, „bombastisch“, „pathetisch“ u.ä. im Angebot hat.;-)

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    #6518387  | PERMALINK

    marbeck
    Keine Lust, mir etwas auszudenken

    Registriert seit: 27.07.2004

    Beiträge: 20,349

    Herr RossiFür eine Diskussion müsste jetzt jemand kommen, der Begriffe wie „überproduziert“, „bombastisch“, „pathetisch“ u.ä. im Angebot hat.;-)

    Wenn ich das Album kennen würde gerne … ;-)

    --

    "I spent a lot of money on booze, birds and fast cars. The rest I just squandered." - George Best --- Dienstags und donnerstags, ab 20 Uhr, samstags ab 20.30 Uhr: Radio StoneFM
    #6518389  | PERMALINK

    herr-rossi
    Moderator
    -

    Registriert seit: 15.05.2005

    Beiträge: 68,051

    MarBeckWenn ich das Album kennen würde gerne … ;-)

    Das wundert mich, dass Du als Brit-Pop-Fan es nicht kennst.

    --

    #6518391  | PERMALINK

    Anonym
    Inaktiv

    Registriert seit: 01.01.1970

    Beiträge: 0

    AnnaMaxIch finde, du widersprichst dir in deinem Text.

    Nein. Das Album ist zwar wegen der Umstände so geworden wie es ist, nur wurde es nicht wegen der Umstände gekauft.

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    #6518393  | PERMALINK

    ah-um

    Registriert seit: 24.02.2006

    Beiträge: 1,398

    Erstmal: Schön, dass es ein neues „AotW“ gibt.

    Dann: Zu den Spielregeln würde es wohl gehören, dass ich das Album erst einmal wieder anhöre, bevor ich etwas dazu schreibe. Leider habe ich es derzeit nicht greifbar. Es muss also aus der Erinnerung gehen. Ich besitze es schon seit langem und habe oft versucht, es mir schön zu hören.

    Schließlich: Ich mag das Album nicht.
    Wenn über eine Platte gesagt wird, dass sich da jemand „Wut, Verzweiflung etc. von der Seele schreie“, dann halte ich das für ein sehr schlechtes Zeichen. Man sagt sowas gewöhnlich über authentizistischen Betroffenheits-Rock. Und genau das ist die Platte leider auch.
    Mag sein, dass da wirklich tief empfundene Seelenpein dahintersteht. Das allein macht keine Kunst und es interessiert mich eigentlich auch nicht. Ich bin nicht der Psychiater irgendwelcher Rockmusiker. Was ich höre ist pseudophilosophischer Selbstfindungskram für Heranwachsende, der mit großem Wichtigkeitsgestus dem Hörer aufgedrängt wird. Dazu peinliches name dropping (Willem de Kooning, wow!) und plump-prätentiöse Wortspiele (Enola/Alone).
    Der Sound ist insgesamt wenig aufregender Standard-Post-Grunge, wie ihn alle härteren Indie-Bands nach Nirvana pflegten.
    U2 haben mehr Stil und Pearl Jam mehr soul. Und das will was heißen.

    --

    There is a crack in everything; that's how the light gets in. (Leonard Cohen)
    #6518395  | PERMALINK

    herr-rossi
    Moderator
    -

    Registriert seit: 15.05.2005

    Beiträge: 68,051

    Ah UmMag sein, dass da wirklich tief empfundene Seelenpein dahintersteht. Das allein macht keine Kunst und es interessiert mich eigentlich auch nicht. Ich bin nicht der Psychiater irgendwelcher Rockmusiker.

    Ach, aber „I Wanna Be Your Dog“ ist toll, weil es ein „Fanal des Selbstekels“ ist (in Deiner Lesart)? Die Kunst liegt doch darin, wenn aus individuellen Emotionen etwas entsteht, was intersubjektiv (mir fällt gerade kein dooferes Wort ein) ist. Als ich „A Design For Life“ das erste Mal hörte, kannte ich die ganzen biographischen Hintergründe noch nicht, aber der Song war trotzdem unglaublich.

    Man sagt sowas gewöhnlich über authentizistischen Betroffenheits-Rock. Und genau das ist die Platte leider auch.

    Aber nein. MSP sind ganz und gar Pop, also eklektizistisch und selbstreflektiert, aber sie scheuen die großen Gesten nicht. Das kann man nicht als „authentizistisch“ missverstehen. Das ist kein Album für Wolle & Co.

    --

    #6518397  | PERMALINK

    ragged-glory

    Registriert seit: 22.03.2007

    Beiträge: 11,101

    Ich kann nicht mitreden, ich besitze nur die CD. Dabei könnte ich über dieses euphorische Knaller-Album nur Gutes berichten… ;-)

    --

    #6518399  | PERMALINK

    ah-um

    Registriert seit: 24.02.2006

    Beiträge: 1,398

    Herr RossiAch, aber „I Wanna Be Your Dog“ ist toll, weil es ein „Fanal des Selbstekels“ ist (in Deiner Lesart)? Die Kunst liegt doch darin, wenn aus individuellen Emotionen etwas entsteht, was intersubjektiv (mir fällt gerade kein dooferes Wort ein) ist. Als ich „A Design For Life“ das erste Mal hörte, kannte ich die ganzen biographischen Hintergründe noch nicht, aber der Song war trotzdem unglaublich.

    Wir reden hier durchaus vom Gleichen. Es geht bei „Dog“ nicht darum, dass Iggy Selbsthass oder -ekel wirklich empfindet, sondern, dass er ihn ausdrückt – zumindest nach meiner Wahrnehmung. Seine wirklichen Empfindungen kenne ich nicht und kann ich auch nicht kennen.
    Mit „Authentizismus“ meine ich: Der Künstler beteuert (meist implizit), dass das, was er ausdrückt, auch tatsächlich seinen echten und innersten Empfindungen entspricht. Diese Beteuerung empfinde ich wiederum regelmäßig als unangenehm und aufdringlich. Und ich meine, davon bei den Manics einiges zu hören.

    Aber nein. MSP sind ganz und gar Pop, also eklektizistisch und selbstreflektiert, aber sie scheuen die großen Gesten nicht. Das kann man nicht als „authentizistisch“ missverstehen. Das ist kein Album für Wolle & Co.

    Ob Wolle das Album mag, kann er uns vielleicht selbst sagen. Ich denke, es ist ein Album für Freunde von Pearl Jam, U2, Smashing Pumpkins, Stone Temple Pilots u.dgl.

    --

    There is a crack in everything; that's how the light gets in. (Leonard Cohen)
    #6518401  | PERMALINK

    ah-um

    Registriert seit: 24.02.2006

    Beiträge: 1,398

    Senol PirgonIch kann nicht mitreden, ich besitze nur die CD.

    Ich besitze doch auch „nur“ die CD und habe deswegen hier keine falschen Hemmungen. Dass der Thread hier eigentlich im falschen Unterforum platziert ist, müssen wir jetzt allerdings auch nicht aufwärmen.

    --

    There is a crack in everything; that's how the light gets in. (Leonard Cohen)
    #6518403  | PERMALINK

    ragged-glory

    Registriert seit: 22.03.2007

    Beiträge: 11,101

    Ah Um
    Ob Wolle das Album mag, kann er uns vielleicht selbst sagen. Ich denke, es ist ein Album für Freunde von Pearl Jam, U2, Smashing Pumpkins, Stone Temple Pilots u.dgl.

    Soweit ich weiß, mag er es, also in etwa * * * 1/2.
    Musste es so weit kommen, dass Deine Aufzählung mit STP endet? :lol:

    --

    #6518405  | PERMALINK

    ah-um

    Registriert seit: 24.02.2006

    Beiträge: 1,398

    Senol PirgonMusste es so weit kommen, dass Deine Aufzählung mit STP endet? :lol:

    Fiel mir eben gerade ein. Hast du andere Vorschläge?

    --

    There is a crack in everything; that's how the light gets in. (Leonard Cohen)
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